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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

9. November 2017 – Frage von G. Freches an Minister Mollers zur Informationskampagne „Nicht wegsehen bei Drogen“

Drogenkonsum und Sucht sind lange schon keine Randprobleme unserer Gesellschaft mehr. Laut aktuellen Studien und statistischen Aufstellungen kommen Kinder und Jugendliche immer früher in Kontakt mit Drogen. Je mehr Informationen den Jugendlichen jedoch vermittelt werden, desto leichter fällt es ihnen, Nein zu sagen. „Nicht wegsehen bei Drogen“ – so lautete der Leitspruch der Anti-Drogen-Kampagne, die von den Rotary-Clubs St. Vith – Eifel und Eupen auf die Beine gestellt wurde. Um die Thematik zu enttabuisieren wurden Anfang Oktober diesen Jahres zwei Informationsveranstaltungen organisiert, die jeweils im Süden und im Norden der DG stattfanden. Meine Fragen nun hierzu, werter Minister Mollers: Wie kommt das Projekt in den Sekundarschulen der DG an? Welchen Input kann die Regierung der DG hier liefern?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.

Frage von Gregor Freches (PFF):

Drogenkonsum und Sucht sind lange schon keine Randprobleme unserer Gesellschaft mehr. Laut aktuellen Studien und statistischen Aufstellungen kommen Kinder und Jugendliche immer früher in Kontakt mit Drogen. Auf dem Weg zum Erwachsenwerden können Drogen als universelle Problemlöser angesehen werden und stellen eine verhängnisvolle Versuchung dar. Denn in der Pubertät wird experimentiert und Grenzen werden ausgetestet. Je mehr Informationen den Jugendlichen jedoch vermittelt werden, desto leichter fällt es ihnen, Nein zu sagen.
„Nicht wegsehen bei Drogen“ – so lautete der Leitspruch der Anti-Drogen-Kampagne, die von den Rotary-Clubs St. Vith – Eifel und Eupen auf die Beine gestellt wurde. Um die Thematik zu enttabuisieren wurden Anfang Oktober diesen Jahres zwei Informationsveranstaltungen organisiert, die jeweils im Süden und im Norden der DG stattfanden. Ziel war es, die über 1000 Schülerinnen und Schüler des 1. und / oder 2. Jahres aller ostbelgischen Sekundarschulen zu erreichen und bei der Suchtprävention „früh anzusetzen“.

Meine Fragen nun hierzu, werter Minister Mollers:
- Wie kommt das Projekt in den Sekundarschulen der DG an?
- Welchen Input kann die Regierung der DG hier liefern?

Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, Werte Kolleginnen und Kollegen,

Am 04.10.2017 haben an der Veranstaltung in St. Vith circa 550 Schüler aus dem ersten und zweiten Jahr der Sekundarschulen des Südens mit Begleitpersonen teilgenommen:
-         BS/TI St. Vith :      128 Schüler (nur das 2. Jahr)
-         MG St. Vith :         185 Schüler (1. + 2. Jahr)
-         KA St. Vith:           144 (1.+2. Jahr)
-         BIB Büllingen:      +/- 100 (1.+2. Jahr)

Am 11.10.2017 besuchten circa  450 Schüler aus dem 2. Sekundarschuljahr mit Begleitpersonen die Veranstaltung in Eupen. (PDS, RSI, KAE, ACF, genaue Zahlen pro Schule nicht bekannt)
Insgesamt hat die Aktion also circa 1.000 Schüler mit Begleitpersonen erreicht.

Auf Nachfrage teilten die Rotary Clubs uns mit, dass sie nur wenige Rückmeldungen aus Schulen erhalten haben.
Jedoch hätten zahlreiche Eltern die Clubmitglieder zu dieser Initiative beglückwünscht.

Im Rahmen der gestrigen Schulleiterversammlung habe ich mich persönlich nach der Resonanz in den Schulen erkundigt.
Grundsätzlich betrachten diese es als positiv, dass so viele Ressourcen mobilisiert wurden, um dieses wichtige Thema anzusprechen, das bei den Schülern auf Interesse gestoßen sei.

Jedoch bemängelten fast alle Schulen, dass die Inhalte nicht altersgemäß aufbereitet waren.
 Auch die Methode sei dem Alter der Schüler nicht angemessen gewesen, sie zielte auf Abschreckung und Schockwirkung.
Dies habe bei gewissen Schülern traumatische Reaktionen ausgelöst, wie ein Schulleiter von mehreren Eltern erfuhr.
Eine andere Schulleiterin berichtete hingegen von positiven Rückmeldungen der Eltern.
Die Schulen monierten, dass die harten illegalen Drogen in den Vordergrund gestellt wurden, wodurch die Drogen, mit denen die jungen Schüler am ehesten konfrontiert werden (Cannabis, Alkohol), im Vergleich harmlos erschienen.
In den wenigsten Schulen habe eine Vor- oder Nachbereitung stattgefunden, da die Schulen im Vorfeld keine Informationen zu den Inhalten erhalten hätten.
Die Schulen hätten sich außerdem eine engere Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für Suchtvorbeugung und Lebensbewältigung (kurz ASL) gewünscht, die als erfahrener Partner und zuständige Instanz ohnehin in den Schulen tätig sei.
Für die Planung eventueller zukünftiger Aktionen wünschen sich die Schulen eine auf das Zielpublikum zugeschnittene Bedarfsanalyse und eine bessere Absprache mit den Terrainakteuren: insbesondere mit den Schulen, der ASL und der Polizei.
Die Schulleiter sagten mir, dass sie dabei seien, eine schriftliche Stellungnahme zu verfassen.
Diese liegt mir noch nicht vor.

Der Input der Regierung hat bei der Präventionskampagne darin bestanden, die Rotary Clubs mit den relevanten Akteuren zu vernetzen, die in der schulischen Präventionsarbeit tätig sind.
Als die Clubs 2015 mit der Idee an mich herangetreten sind, eine Präventionskampagne zu organisieren, habe ich mehrere Versammlungen einberufen, um die Clubs mit der Polizei und der ASL bekannt zu machen.
Danach erfolgte eine Bestandsaufnahme der existierenden Maßnahmen.
Auch den Kontakt zur Buchautorin Astrid Greeven, die während der Veranstaltungen ihre Erfahrungen als Drogenabhängige geschildert hat, habe ich hergestellt.
Schließlich habe ich den Rotary Clubs die Möglichkeit geboten, das Angebot im Rahmen einer Schulleiterversammlung vorzustellen, um das Interesse der Schulen zu ermitteln.

Wie ich im November letzten Jahres an dieser Stelle in meiner Antwort auf eine Frage von Frau Neycken-Bartholemy erläuterte, wird in den Schulen bereits präventive Arbeit geleistet.
So fängt die Aufklärung und Prävention schon in der Oberstufe der Primarschule mit dem Thema „Tabak und die Auswirkungen des Rauchens“ an.
In der 1. Stufe der Sekundarschule wird das Thema Sucht ausgeweitet auf Medikamentenmissbrauch und Drogen.
In der 2. Stufe der Sekundarschule wird das Thema im Grund- und Leistungskurs Biologie intensiver behandelt und ausgeweitet auf weitere Suchtverhalten und vor allen Dingen auf Hilfsangebote.
In der 3. Stufe der Sekundarschule werden die biologischen Auswirkungen und körperlichen Folgen eines Drogenkonsums im Biologieunterricht thematisiert.

An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal an die zahlreichen Maßnahmen externer Partner im Bereich der Drogenprävention erinnern:

• Die Polizeizone Weser-Göhl organisiert seit Jahren das Präventionsprojekt M.E.G.A für Schulklassen der 5. und 6. Primarschuljahre.
Die Schüler lernen, Techniken zum NEIN-Sagen anzuwenden und Widerstand gegen den Gebrauch von legalen und illegalen Drogen zu leisten.
Darüber hinaus führt die Polizei seit 2006 die Kampagne „Kommunikation – Prävention – Sicherheit“ – kurz KoPS – durch.
Die Aktion richtet sich an Schüler des 1. und 2. Sekundarschuljahres.
Im 1. Jahr beschäftigen sich die Schüler mit den legalen Drogen.
Im 2. Jahr referieren Polizei und ASL gemeinsam über illegale Drogen.
Gleichzeitig werden die Schüler dazu angeregt, Präventionsprojekte auszuarbeiten und durchzuführen.

• Auch die ASL ist in den Schulen im Bereich der Suchtvorbeugung aktiv und zeigt darüber hinaus Wege aus der Abhängigkeit von Drogen, Alkohol, Medikamenten und Nikotin auf.
An Sekundarschulen fanden diverse Präventionskampagnen zu unterschiedlichen Themen statt:
- Im 1. Jahr zu Alkohol und Tabak
- Im 2. Jahr zu illegalen Drogen und Internetsucht
- Im 3. Jahr zu Essstörungen, Sucht im Allgemeinen und Drogen
- Im 4. Jahr zu Essstörungen und Energiedrinks sowie „Klettern statt Kiffen“ und Alkohol
- Im 5. Jahr zu Alkoholkonsum insbesondere vor Karneval
- Usw.

In einigen Schulen hat die ASL auch permanente Sprechstunden eingerichtet.
Dies ist unter anderem der Fall am RSI.
Dort besteht die Möglichkeit der Drogenprävention im Rahmen der permanenten Sprechstunde der ASL, die jeden zweiten Donnerstag von 10:00 bis 12:00 Uhr stattfindet.

• Auch Kaleido bietet Dienstleistungen im Bereich der Drogenvorbeugung an und arbeitet vernetzt mit den anderen Einrichtungen, insbesondere der ASL, zusammen.
• Zudem befasst sich der Fachbereich Gesundheit und Senioren im Ministerium mit der Vorbeugung von Suchtverhalten.
In Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie Kaleido und der ASL werden Konzepte erarbeitet und Aktionen durchgeführt, die einem Suchtverhalten gegensteuern und die Persönlichkeit vor allem der heranwachsenden Jugendlichen stärken.
Priorität haben derzeit die legalen Drogen Alkohol und Tabak, da eine Studie ergab, dass diesbezüglich in Ostbelgien  besonderer Handlungsbedarf besteht.
(Quelle: Risikoverhalten Jugendlicher: Ergebnisse der Befragung in der Euregio Maas-Rhein 2001-2002, lögd: Wissenschaftliche Reihe - Band 18 und nationale Gesundheitsumfrage des WIV-ISP aus dem Jahr 2013).

Die Vielzahl der Akteure zeigt, dass es sich hierbei um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen handelt, dass ganzheitlich betrachtet werden muss.
Es steht außer Frage, dass der Schule als zentralem Treffpunkt von Kindern und Jugendlichen eine wesentliche Rolle in der Drogenprävention zukommt.
Wichtig scheint mir in diesem Zusammenhang, dass Schulen nicht nur die Gefahren von Drogen thematisieren, sondern auch die Resilienz der Schüler fördern und ihnen Techniken an die Hand geben, sich gegen den Konsum von Tabak, Alkohol und Drogen, und gegen jedes Verhalten, das ihrer gesunden Entwicklung oder dem Gemeinwohl schadet, zur Wehr zu setzen.

So unterstützen wir die Schulen darin, sich mit dieser Thematik, z.B. im Rahmen ihres Schulprojekts, auseinanderzusetzen und in Absprache mit externen Partnern wie den vorerwähnten präventiv und gegebenenfalls repressiv vorzugehen.
Erste Konzepte haben sich bewährt.
So gibt es Sekundarschulen wie das RSI, die sehr offen an die Thematik herangehen und Schüler nicht nur präventiv auf Suchtgefahren hinweisen, sondern bei Verdachtsmomenten Schüler verpflichten, ein Beratungsgespräch im Rahmen der vorerwähnten ASL-Sprechstunden zu führen.

In meinen Augen ist die schulinterne präventive Arbeit notwendig und wichtig.
Sie kann nur gelingen, wenn Schulen und externe Partner vernetzt arbeiten.
So möchten wir Weiterbildungen für Lehrer und Erzieher anbieten, sowohl im Bereich der Drogenprävention und Suchtbekämpfung als auch im Bereich der Resilienzförderung.

Langfristiges Ziel ist es, die Netzwerkarbeit und Weiterbildung des Personals an Schulen auszubauen, damit Schüler sich an gut ausgebildete Vertrauenspersonen wenden können, die ihnen eine erste Hilfestellung geben und ihnen weitere Unterstützungsangebote externer Partner und Einrichtungen aufzeigen können.

Zusatzinfo
Auf Anfrage verschiedener Luxemburger Schulen soll die Veranstaltung Anfang nächsten Jahres in Marnach abgehalten werden.
Dennoch sei das Konzept noch ausbaufähig, so die Rotary Clubs. So möchten sie im Januar 2018 noch eine Veranstaltung für das 3. Sekundarschuljahr anbieten, diesmal mit dem Schwerpunkt „Alkoholmissbrauch“.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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