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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

9. November 2017 – Frage von G. Freches an Minister Mollers zum Personal in den Schulen

Ein Thema, das uns hier im Ausschuss, aber auch die Schüler, Eltern, Direktoren und Lehrerkollegien an den ostbelgischen Schulen immer wieder begleitet, ist der Lehrermangel. Besonders akut wird er naturgemäß immer zum Beginn des neuen Schuljahres. Der Schulanfang liegt nun gut zwei Monate zurück. Darum meine Fragen an Sie, Herr Minister: Wie ist der Stand der Dinge in den Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft?Konnten alle Stellen mit entsprechend qualifiziertem Personal besetzt werden? Wenn nein, in welchen Bereichen besteht Mangel?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.

Frage von Marc Niessen (ECOLO):

Ein Thema, das uns hier im Ausschuss, aber auch die Schüler, Eltern, Direktoren und Lehrerkollegien an den ostbelgischen Schulen immer wieder begleitet, ist der Lehrermangel. Besonders akut wird er naturgemäß immer zum Beginn des neuen Schuljahres.
Der Schulanfang liegt nun gut zwei Monate zurück. Darum meine Fragen an Sie, Herr Minister:
• Wie ist der Stand der Dinge in den Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft?
• Konnten alle Stellen mit entsprechend qualifiziertem Personal besetzt werden?
• Wenn nein, in welchen Bereichen besteht Mangel?

Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Werte Kolleginnen und Kollegen,

Ihre Fragen zum Lehrermangel an ostbelgischen Schulen kann ich wie folgt beantworten.

1. Wie ist der Stand der Dinge in den Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft?
Sowohl im Grund-, Sekundar- als auch im Hochschulwesen konnte das gewährte Stellenkapital bzw. Stundenkapital zu Schuljahresbeginn im Großen und Ganzen mit Personal besetzt werden.
Das gleiche gilt auch für Kaleido, die Musikakademie und die Institute für schulische Weiterbildung. 
Lediglich im Bereich Religion konnten vereinzelte Stunden nicht vergeben werden, da kein geeigneter Lehrer vom Kultusträger vorgeschlagen wurde.
Hierbei handelt es sich allerdings um Einzelfälle.
Nicht besetzt sind im Regelgrundschulwesen derzeit eine Reihe von Stellen im Amt des Förderpädagogen.
In diesem Amt, in dem ja bekanntlich nur Personalmitglieder eingestellt werden dürfen, die über den erforderlichen Befähigungsnachweis verfügen, sind – ähnlich wie in den Vorjahren – rund 50% der gewährten Stellen vakant geblieben:
• Kelmis: 4 Viertelstellen
• Lontzen: 2 Viertelstellen
• Raeren: 7 Viertelstellen
• Bütgenbach: 3 Viertelstellen
• Büllingen: 6 Viertelstellen
• Amel: 6 Viertelstellen
• Burg-Reuland: 4 Viertelstellen
• Sankt-Vith: 9 Viertelstellen
• Maria-Goretti-Grundschule: 2 Viertelstellen
• CFA Kelmis: 1 Viertelstelle

Zudem ist am ZFP eine halbe Stelle im Amt des förderpädagogischen Beraters unbesetzt.
Für den Sekundar- und Hochschulbereich sei an dieser Stelle erwähnt, dass einige Schulen ganz bewusst gewisse Stunden nicht besetzen, um hierfür finanzielle Mittel zu erhalten, die sie für den Einsatz von Gastdozenten verwenden können.

2. Konnten alle Stellen mit entsprechend qualifiziertem Personal besetzt werden?  Wenn nein, in welchen Bereichen besteht Mangel?
Bei der Beantwortung dieser Frage muss zuerst noch einmal darauf hingewiesen werden, dass der Begriff „qualifiziert“ nicht klar definiert ist.
So werden beispielsweise in den technischen und berufsbildenden Fächern sehr häufig Personen aus der Privatwirtschaft (z.B. Elektriker oder Schweißer) abgeworben, die in den Unterricht einsteigen, jedoch noch nicht über die benötigte Lehrbefähigung verfügen.
Diese Personen sind somit laut Gesetzgebung nicht qualifiziert, bringen aber nichtsdestotrotz die für den jeweiligen Bereich benötigte Qualifizierung in jedem Fall mit sich.
Des Weiteren erschwert die unterschiedliche Gesetzgebung in den verschiedenen Unterrichtsnetzen die genaue Definition eines qualifizierten Personalmitglieds.
Auf diesen Umstand habe ich ja auch bereits in der Vergangenheit, wenn es hier im Ausschuss um das Thema Lehrermangel ging, hingewiesen.
Wenn ein und dieselbe Person sowohl an einer freien subventionierten Schule (FSU) als auch an einer Gemeinschaftsschule (GUW) ein und dasselbe Fach unterrichtet, kann es sein, dass diese Situation im FSU nicht und im GUW hingegen sehr wohl als Lehrermangel einzustufen ist.
So erfüllt ein Personalmitglied, das über ein Masterdiplom in Mathematik verfügt, im freien subventionierten Unterrichtswesen beispielsweise die gesetzlichen Anforderungen, um den Geschichtsunterricht zu erteilen, während die gleiche Person im Gemeinschaftsunterrichtswesen titelmäßig nicht in Ordnung wäre.
Die reine Titelgesetzgebung betrachtend wurde leider eine Vielzahl der Stellen im Grund- und Sekundarschulwesen nicht mit qualifiziertem Personal besetzt, d.h. mit Personen, die über den erforderlichen oder für ausreichend erachteten Befähigungsnachweis verfügen.
Darüber hinaus wurden in einigen Fällen die Stellen zwar mit Personen besetzt, die der Titelgesetzgebung genügen, allerdings nicht die gründliche Kenntnis der deutschen Sprache aufweisen.
Eine genaue Aussage zur Anzahl Stellen, die im Grund- und Sekundarschulwesen mit nichtqualifiziertem Personal besetzt wurden, kann ich leider nicht machen.
Dies aufgrund der gerade angesprochenen Problematik der Titelgesetzgebung und der Tatsache, dass das Informatiksystem eine solche Analyse momentan ganz einfach nicht zulässt.
Feststellen lässt sich jedoch, dass sich insbesondere im Primarschulbereich die Situation im Vergleich zu den Vorjahren zugespitzt hat.
Hier wurde bereits zu Schuljahresbeginn vermehrt auf Kindergärtner, vereinzelt auch auf andere Personen (z.B. Inhaber eines Masterdiploms) zurückgegriffen, um die Stellen zu besetzen.
Große Probleme bereitet darüber hinaus der Ersatz von Personalmitgliedern während des Schuljahres.
Es ist ganz einfach schwierig, gute Lehrkräfte für einen begrenzten Zeitraum zu gewinnen.
Um Unterrichtsausfall zu vermeiden, springen sehr häufig der Schulleiter oder andere Personalmitglieder ein, die dann Überstunden leisten.
Nicht selten werden auch beurlaubte oder pensionierte Personalmitglieder zeitweise in den Dienst zurückgerufen.
Für den Grundschulbereich möchte ich noch erwähnen, dass die im EAS-Bereich gewährten Stellen zur Organisation von Sprachlernklassen oder Sprachlernkursen allesamt besetzt wurden.
Die Titelbedingungen erfüllt in diesem Bereich momentan allerdings kein Personalmitglied.
Dieser Umstand ist in vielen Fällen der Tatsache geschuldet, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Personalmitglied die erforderliche Zusatzausbildung „Deutsch als Zweitsprache“ abgeschlossen hat.
Im Sekundarbereich sieht die Situation ähnlich aus wie in den Vorjahren.
Die Stellen wurden zu Schuljahresbeginn zwar zum größten Teil besetzt, allerdings auch hier längst nicht immer mit qualifiziertem Personal, wobei häufig die Lehrbefähigung das fehlende Element darstellt.
Im Förderschulwesen fehlt zudem bei einer Reihe von Personalmitgliedern der Nachweis über den erfolgreichen Abschluss einer Zusatzausbildung in Förderpädagogik. 
Zusätzlich erweist es sich gerade im technischen und berufsbildenden Unterricht als schwierig, Fachleute aus Industrie und Handwerk für den Lehrerberuf zu begeistern, da die Aufgabe einer sicheren Arbeitsstelle für einen auf ein Jahr befristeten Vertrag im Unterrichtswesen eine gewisse Unsicherheit mit sich bringt.
Für den Sekundarbereich kann man sagen, dass der Lehrermangel in fast allen Fächern spürbar ist.
Insbesondere in sprachlichen Fächern (vor allem Deutsch), Naturwissenschaften, Mathematik oder Wirtschaftswissenschaften, aber auch in technischen und berufsbildenden Fächern erweist es sich momentan als äußerst schwierig, geeignetes Ersatzpersonal zu finden.
Bislang konnte ein Unterrichtsausfall auf Grund von Lehrermangel den Angaben der Sekundarschulen zu Folge jedoch meistens vermieden werden, indem ähnlich wie im Grundschulwesen immer wieder auf beurlaubte oder pensionierte Personalmitglieder zurückgegriffen wurde oder indem Klassen zusammengelegt wurden.
Des Weiteren erteilen auch hier eine Reihe von Personalmitgliedern Überstunden.
Lediglich von zwei Sekundarschulen wurde mir rückgemeldet, dass es in diesem Schuljahr zeitweise zu einem Unterrichtsausfall auf Grund von Lehrermangel gekommen ist.
So kann momentan einigen Schülern in der Unterstufe einer Schule kein Deutschunterricht erteilt werden kann, da die gefundene Ersatzperson erst in 2 Wochen zur Verfügung stehen wird.
In einer anderen Schule kann der Unterricht in Wirtschaftswissenschaften einigen Schülern derzeit nur teilweise erteilt werden, da bislang kein Ersatz gefunden wurde.
Ansonsten fällt der Unterricht im Sekundarschulwesen bislang nur dann aus, wenn ein Lehrer kurzfristig wegen Krankheit seinen Dienst nicht verrichten kann.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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