Druck Kopfbild

Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 222

22. November 2017 – Frage von L. Frank an Herrn Minister Mollers bezüglich der Schulinfrastruktur

Die Schulinfrastruktur in der Deutschsprachigen Gemeinschaft erfuhr in den vergangenen Jahren ein deutliches Facelifting, wobei nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch umweltbezogene Aspekte eine Rolle spielten. Daher meine Frage: Bitte führen Sie alle Bildungseinrichtungen auf, die sich in Gemeinschaftsbesitz befinden (Kindergärten, Schulen, Internate, ZAWM, Weiterbildungszentren, …), auf und geben Sie an, ob und wann eine Zisterne für Regenwassernutzung angeschlossen wurde! Geben Sie die Gründe an, warum eine solche Anlage bei Gebäuden, die jünger als 15 Jahre alt oder in diesem Zeitraum saniert worden sind, eventuell nicht installiert wurde! ...

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.

Frage von Luc Frank (CSP), vom 16. Oktober 2017:

Die Schulinfrastruktur in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und in den neun Gemeinden unseres Sprachgebiets erfuhr in den vergangenen Jahren ein deutliches Facelifting, wobei nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern auch umweltbezogene Aspekte eine Rolle spielten.

Daher meine Frage:
1. Bitte führen Sie alle Bildungseinrichtungen auf, die sich in Gemeinschaftsbesitz befinden (Kindergärten, Schulen, Internate, ZAWM, Weiterbildungszentren, …), auf und geben Sie an, ob und wann eine Zisterne für Regenwassernutzung angeschlossen wurde!
2. Geben Sie die Gründe an, warum eine solche Anlage bei Gebäuden, die jünger als 15 Jahre alt oder in diesem Zeitraum saniert worden sind, eventuell nicht installiert wurde!
3. Wie hoch belaufen sich die jährlichen Wasserrechnungen und der tatsächliche Wasserverbrauch für jede der einzelnen Einrichtungen seit 2004?
4. Welche Einrichtung im Bildungsbereich, die sich im kommunalen Besitz befindet, verfügt über eine solche Anlage, und wurde diese durch die Deutschsprachige Gemeinschaft bezuschusst?
5. Wie hoch belaufen sich die Funktionszuschüsse der DG hinsichtlich der Wasserkosten dieser Einrichtungen und wie hoch lag der tatsächliche jährliche Wasserverbrauch seit 2004?
6. Welche Einrichtung im Bildungsbereich, die sich im Besitz freier Träger befindet, verfügt über eine solche Anlage, und wurde diese durch die Deutschsprachige Gemeinschaft bezuschusst?
7. Wie hoch belaufen sich die Funktionszuschüsse der DG hinsichtlich der Wasserkosten dieser Einrichtungen und wie hoch lag der tatsächliche jährliche Wasserverbrauch seit 2004?
8. Sensibilisiert die Deutschsprachige Gemeinschaft gezielt die Schulträger hinsichtlich der Anschlüsse solcher Anlagen und wieviel kostet diese Sensibilisierung?

Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:

Sicherlich ist es richtig, im Rahmen der Nachhaltigkeit auch auf das Thema der Regenwassernutzung einzugehen. Das ambitionierte PPP-Projekt der Deutschsprachigen Gemeinschaft unterstreicht in vielerlei Hinsicht den sogenannten „ganzheitlichen“ Ansatz, wo nicht nur der Energiestandard anhand der Passivhausbauweise, die Energieproduktion anhand der Blockheizkraftwerke und Pelletsheizungen, die solare Nutzung anhand der thermischen und Photovoltaik- Anlagen, die Flachdachbegrünungen und nicht zuletzt die Regenwassernutzung auf diesen Aspekt hin abgestimmt wurden, dies unter Berücksichtigung des Lebenszyklusansatzes. Doch auch und gerade wegen dieser ganzheitlichen Betrachtung muss jedes Einzelprojekt auf seine Sinnhaftigkeit hin überprüft werden.
Die Regenwasser- bzw. Dachablaufwassernutzung ist sehr umstritten, zumindest bei der Nutzung in öffentlichen Gebäuden. Das Regenwasser auf den Dachflächen gilt als verunreinigt und birgt somit das Risiko von Leitungsfehlverbindungen mit dem Trinkwassernetz, die nicht völlig auszuschließen sind, da bei Regenwassermangel natürliches Trinkwasser beigefüllt werden muss. Die Unterbringung der Auffangbehälter geschieht meist unterirdisch und ist Aufgrund der Dimensionierung für den schulischen Bereich sehr aufwendig. Darüber hinaus gibt es Anforderungen der Feuerwehr, die für den Brandeinsatz eine gewisse Löschwasserreserve fordert, die üblicherweise über das Regenwasser bereitgestellt wird. Diese Elemente erklären, warum die Regenwassernutzung bisher, nach Überprüfung der Standorte bei den Gemeinschaftsschulen, lediglich zur Bewässerung der Grünanlagen sinnvoll eingesetzt wird.

In der Anlage erhalten Sie eine Übersicht der GUW-Liegenschaften mit Regenwassernutzung und eine Übersicht nach Standort mit den Verbrauchsdaten. Eine Übersicht der anderen Schulnetze können wir Ihnen nicht liefern, die Zuschusssätze sind Ihnen ja bekannt. Im Vergleich kann man feststellen, dass die neuen Bildungseinrichtungen (KAE, RSI, ZFP, AHS), einen erheblich geringeren Wasserverbrauch aufweisen, als die Bestandsschulen (KAS, ACF), dies aufgrund Investitionen in neue Installationen und Spararmaturen. Dadurch wird auch die mögliche Einsparmenge reduziert, die sich wiederum in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung negativ auswirkt. Zusammengefasst: wo die Analyse eine sinnvolle Anwendung zulässt, wird auch künftig eine Regenwassernutzung angestrebt. Prioritär, im Sinne der Nachhaltigkeit und der Wirtschaftlichkeit, sollte allerdings in die Trinkwasserverteilung und Ausstattung der Installation investiert werden. Denn eigentlich gehört Regenwasser ins Grundwasser und nicht in die Kanalisation.

Zurück Drucken Teilen