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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

7. Dezember 2017 – Frage von K. Neycken-Bartholemy an Minister Mollers zur Krisenintervention an den Schulen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft

Die Krisenintervention in den Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist straff organisiert. Seit Januar 2017 soll jede Schule über einen Schulkrisenstab verfügen, der sich aus mindestens zwei Personen zusammensetzt, die vom jeweiligen Schulleiter ernannt werden. Zudem muss während der Schulöffnungszeiten stets mindestens ein Mitglied des Schulkrisenstabs vor Ort sein. Zudem müssen die jeweiligen Schulleiter zweimal jährlich die Aktualisierung der Daten auf dem Krisensharepoint – zeitgleich mit der Übermittlung der Schülerzahlen an das Ministerium der DG – veranlassen. Diese Vorgaben finden sich in dieser Form auf dem Portal des Bildungsservers der Deutschsprachigen Gemeinschaft wieder. Überdies besteht dort die Möglichkeit den Informationsflyer sowie das Handbuch zur Krisenintervention herunterzuladen. Im normalen Schulablauf sind die zu treffenden Maßnahmen zunächst von untergeordneter Bedeutung. Sollte es jedoch zu einem Zwischenfall kommen, dann ist Handlungsschnelligkeit gefragt. Beispielsweise bei einem Brand, einem Amoklauf oder einem Suizidversuchs müssen die Lehrkräfte schnell und zielgerichtet reagieren können. Tun sie das nicht, besteht akute Gefahr für Schüler, Lehrer und die betroffenen, mit einer Krisensituation konfrontierten Lehrkräfte selbst. Vor diesem Hintergrund lauten meine Fragen: Verfügen Sie über verlässliche Informationen darüber, ob alle Schulen der DG über einen Schulkrisenstab verfügen? […]

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.

Frage von Kirsten Neycken-Bartholemy (SP):

Die Krisenintervention in den Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist straff organisiert. Seit Januar 2017 soll jede Schule über einen Schulkrisenstab verfügen, der sich aus mindestens zwei Personen zusammensetzt, die vom jeweiligen Schulleiter ernannt werden. Zudem muss während der Schulöffnungszeiten stets mindestens ein Mitglied des Schulkrisenstabs vor Ort sein.
Zudem müssen die jeweiligen Schulleiter zweimal jährlich die Aktualisierung der Daten auf dem Krisensharepoint – zeitgleich mit der Übermittlung der Schülerzahlen an das Ministerium der DG – veranlassen.
Diese Vorgaben finden sich in dieser Form auf dem Portal des Bildungsservers der Deutschsprachigen Gemeinschaft wieder. Überdies besteht dort die Möglichkeit den Informationsflyer sowie das Handbuch zur Krisenintervention herunterzuladen.
Im normalen Schulablauf sind die zu treffenden Maßnahmen zunächst von untergeordneter Bedeutung. Sollte es jedoch zu einem Zwischenfall kommen, dann ist Handlungsschnelligkeit gefragt. Beispielsweise bei einem Brand, einem Amoklauf oder einem Suizidversuchs müssen die Lehrkräfte schnell und zielgerichtet reagieren können. Tun sie das nicht, besteht akute Gefahr für Schüler, Lehrer und die betroffenen, mit einer Krisensituation konfrontierten Lehrkräfte selbst.

Vor diesem Hintergrund lauten meine Fragen:
• Verfügen Sie über verlässliche Informationen darüber, ob alle Schulen der DG über einen Schulkrisenstab verfügen?
• Welche konkreten Maßnahmen ergreift die DG-Regierung, um die Lehrpersonen – auch über den Kreis des jeweiligen Schulkrisenstabs hinausgehend – im richtigen Verhalten angesichts einer Krisensituation zu schulen?
• Gibt es Rückmeldungen seitens der Schulen, die Auskunft über die Umsetzbarkeit beziehungsweise mögliche Verbesserungen des aktuellen Systems geben?

Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
werte Kolleginnen und Kollegen,
Über den Sharepoint werden dem Ministerium die Mitglieder des Schulkrisenstabs mitgeteilt.
Es muss festgestellt werden, dass noch nicht alle Schulen einen Schulkrisenstab eingesetzt haben, andere wiederum haben bislang nur einen Verantwortlichen bezeichnet.
Inwieweit die konkrete Arbeit in den Schulen eingeleitet wurde, erschließt sich leider nicht aus den Angaben auf dem Sharepoint.
Um die Schulen zu unterstützen, wurde zum einen ein Handbuch mit Verhaltensvorschlägen in verschiedenen konkreten Notfallsituationen erstellt und veröffentlicht.
Zum anderen gab es im Mai 2017 für alle interessierten Schulen eine Weiterbildung im Ministerium zu Notfallsituationen in Schulen.
Referent war Herr Klaus Brkitsch, seines Zeichens Leiter der Beratungsstelle für Gewaltprävention in Hamburg.
Das Ministerium hat darüber hinaus für interessierte Schulen mit Herrn Klaus Brkitsch eine Ortsbegehung organisiert.
Es hätten sich vier Schulen melden können.
Leider haben sich nur zwei Schulen gemeldet (RSI und PDG/PDF).
Die entsprechenden Handreichungen wurden ebenfalls auf der Webseite www.ostbelgienbildung.be veröffentlicht und stehen allen Schulen jederzeit zur Verfügung.
Im Rahmen der eben angesprochenen Weiterbildung für Schulkrisenstäbe im Mai 2017 wurden die Teilnehmer auch zu den bestehenden Handreichungen und zum Sharepoint befragt.
Insgesamt wurden 44 Auswertungsbögen abgegeben.
Bemerkenswert sind die Rückmeldungen auf die Fragen „Fühlten Sie sich vor der Weiterbildung auf Ihre Aufgabe als Schulkrisenstab vorbereitet?“ und die Bewertung der aktuellen vom Ministerium zur Verfügung gestellten „Hilfsmittel“.
Einige Schulkrisenstabsmitglieder fühlten sich sehr wohl vorbereitet (Bewertung 4-5: 10).
Nach persönlichen Gesprächen ist davon auszugehen, dass sich diese auf einige große Schulen wie z.B. das RSI konzentrieren.
Die meisten jedoch fühlten sich mittelmäßig (Bewertung 2-3: 20) bzw. kaum/gar nicht (Bewertung 0-1: 10) vorbereitet.
Darüber hinaus sind die „Hilfsmittel“ offensichtlich nicht flächendeckend bekannt und werden nicht immer als wirkliche Hilfestellung empfunden, wie die Rückmeldungen zeigen (zu allgemein, unvollständig, nicht an die belgische Gesetzgebung angepasst, nicht hilfreich, Redundanz mit dem Konzept der Internen Notfallpläne (= gesetzliche Auflage des SPF-Emploi). 

Zur Info:

0 - triff nicht zu

5 - trifft voll zu

0 1 2 3 4 5 Keine Antwort
Fühlten Sie sich vor der Weiterbildung auf Ihre Aufgabe als Schulkrisenstab vorbereitet? 3 7 10 10 7 3 4
Die Weiterbildung hat geholfen, den Umfang und die Art der Arbeit des Schulkrisenstabes abzustecken.     1 7 21 13 2
Kennen und nutzen Sie das Handbuch (siehe Bildungsserver) 11 4 5 7 5 6 6
Kennen und nutzen Sie den Krisenleitfaden (Kalender) 10 4 1 10 10 5 4
Kennen und nutzen Sie den Sharepoint 10 4 1 6 8 6 9
Das Handbuch ist gut strukturiert und inhaltlich hilfreich.   2 2 2 13 1 14
Der Krisenleitfaden ist gut strukturiert und inhaltlich hilfreich.   1 3 6 13 1 20
Der Sharepoint ist gut strukturiert und inhaltlich hilfreich.   2 5 4 8 1 24

Ausgehend von diesen Feststellungen habe ich mit dem Ministerium ein Arbeitsprogramm festgehalten:

1. Weiterbildungen: Organisation von zwei Weiterbildungen in 2018
• Krisenmanagement in kleinen Schulen (Zielpublikum: Grundschulen und deren Schulträger)
• Bedrohungsanalyse und Risikomanagement (Zielpublikum: insb. Sekundarschulen, ZAWM, AHS)

2. Überarbeitung der Hilfsmittel des Ministeriums für die Schulen
• Handbuch: Rücksprache mit Kaleido zum Thema Mobbing. Verbesserungsvorschläge der Polizei abfragen. Im Anschluss Überarbeitung des Handbuchs.
• Sharepoint: Aufhebung sobald gewährleistet ist, dass der Sharepoint des föderalen Innenministeriums funktionstüchtig und ausgereift ist.

3. Infrastrukturelle Verbesserungen:
• Prinzipielle Bereitschaft des Ministers infrastrukturelle Verbesserungen wie Schließanlagen und elektroakustische Anlagen oder elektrische Lautsprecheranlagen zu fördern.  Dabei sollten die GUW-Schulen eine Vorreiterrolle einnehmen.
• Absprache und Bestandsaufnahme in den GUW-Schulen mit dem Fachbereich Infrastruktur

Fazit
Es kann festgestellt werden, dass nach meiner Anweisung vom Herbst 2016 und der Weiterbildung im Mai 2017 das Thema in immer mehr Schulen „Einzug“ hält.
Die Schulen sind aber auf Hilfe und Unterstützung
- ihrer Schulträger,
- von Kaleido (z.B. bzgl. der Prävention, Krisennachbetreuung, Mobbing) und
- der Aufsichtsbehörde (z.B. hilfreiche Handreichungen, Weiterbildungen, Infrastruktur) angewiesen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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