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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 231

20. Dezember 2017 – Frage von M. Balter an Herrn Minister Antoniadis bezüglich der Risiken von Beschneidungen

Im Rahmen Ihrer Zuständigkeit möchten wir folgenden Aspekt ansprechen: Am 20. September 2017 veröffentlichte das GrenzEcho einen Artikel zum Thema „Religiöse Beschneidungen“. Darin fordert der Ethikrat dazu auf, dieses religiöse Ritual abzuschaffen, mit der Begründung, dass das Recht des Kindes Vorrang habe vor dem Recht der Religionsfreiheit der Eltern. Anzumerken ist, dass es bei Beschneidungen zu gesundheitlichen Komplikationen kommen kann und diese somit Risiken bergen. Allerdings wird immer wieder festgestellt, dass medizinische Gründe für eine Zirkumzision angegeben werden, obwohl kein Eingriff von Nöten wäre. Als Gesundheitsminister sind Sie zuständig für die Prävention auf dem Gebiet der DG, somit möchte ich Ihnen hierzu einige Fragen stellen. Diese lauten wie folgt: Wie viele Fälle von Beschneidung gibt es pro Jahr in der DG? Wie viele davon sind medizinisch notwendig? Bitte eine Auflistung der Zahlen anfügen. […]

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.

Frage von Michael Balter (VIVANT), vom 23. November 2017:

Im Rahmen Ihrer Zuständigkeit möchten wir folgenden Aspekt ansprechen:
Am 20. September 2017 veröffentlichte das GrenzEcho einen Artikel zum Thema „Religiöse Beschneidungen“. Darin fordert der Ethikrat dazu auf, dieses religiöse Ritual abzuschaffen, mit der Begründung, dass das Recht des Kindes Vorrang habe vor dem Recht der Religionsfreiheit der Eltern. Die Vivant-Fraktion kann dem Ethikrat in dieser Einschätzung nur zustimmen und hofft, dass dies rasch umgesetzt wird. Anzumerken ist, dass es bei Beschneidungen zu gesundheitlichen Komplikationen kommen kann und diese somit Risiken bergen. Allerdings wird immer wieder festgestellt, dass medizinische Gründe für eine Zirkumzision angegeben werden, obwohl kein Eingriff von Nöten wäre. Mehr als unnötig sind zudem die Kosten, die dadurch entstehen und für die nach wie vor die Allgemeinheit aufkommen muss.
Als Gesundheitsminister sind Sie zuständig für die Prävention auf dem Gebiet der DG, somit möchte ich Ihnen hierzu einige Fragen stellen.

Diese lauten wie folgt:
1. Wie viele Fälle von Beschneidung gibt es pro Jahr in der DG? Wie viele davon sind medizinisch notwendig? Bitte eine Auflistung der Zahlen anfügen.
2. Was wird in Bezug auf die Gesundheitsprävention zu diesem Thema getan?
3. Welche Risiken gibt es bei einer Zirkumzision?
4. Wird in den Krankenhäusern der DG konkret darauf geachtet, dass nur dann Beschneidungen durchgeführt werden, wenn ein medizinischer Grund vorliegt?

Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:

In Belgien werden jährlich um die 25.000 Beschneidungen vorgenommen. Das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft führt keine Statistik über die Zahl der Beschneidungen in der Region. Auch gehört das Thema nicht zu den Prioritäten der hiesigen Präventionsdienstleister. Das gewünschte Zahlenmaterial kann gegebenenfalls vom Fragesteller bei den Krankenkassen angefragt werden.
Es obliegt in erster Linie dem aufgesuchten Arzt, mit dem Patienten die Vor- und Nachteile einer Beschneidung sowie die Beweggründe abzuwägen. Der Arzt hat die Pflicht, den Patienten genauestens über den Eingriff zu informieren und auf mögliche Risiken und Folgen hinzuweisen.
Wie die beiden Krankenhäuser bei Anfragen aus der Bevölkerung umgehen, kann der Fragesteller bei den Verantwortlichen beider Standorte erfragen.
Aus rein medizinischer Sicht stellt die Beschneidung in der Regel keine großen Risiken dar. Allerdings können, wie bei jeder Operation, auch hier Schwierigkeiten auftreten. Dabei können sowohl während als auch unmittelbar nach dem Eingriff Komplikationen auftreten. Zum Beispiel kann die Naht durch eine nächtliche ungewollte Erektion reißen, es kann zu Wundinfektionen kommen oder aber zu möglichen Allergien auf das Anästhesiemitteln, usw.
Sollte seitens des Fragestellers das Interesse an Beschneidungen trotz der o. e. Informationen weiterhin bestehen, dann verweise ich auf ein Gespräch mit einem Facharzt. In Ostbelgien gibt es eine Reihe von Urologen, die fachkundig informieren und beraten.

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