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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

16. Januar 2018 – Frage von M. Braem an Ministerin Weykmans zur finanziellen Unterstützung von Olympioniken

In den vergangenen Wochen durften wir in der regionalen und überregionalen Presse mehrmals darüber informiert werden, dass das Belgische Olympische Komitee (BOIC) 1 oder hoffentlich sogar 2 Athleten aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu den 23. Olympischen Winterspielen nach Pyeongchang, Südkorea entsenden darf. Was die finanzielle Unterstützung von Olympioniken angeht, wird dies an anderer Stelle geregelt – in Belgien geschieht dies „A-LA-BELGE“; und zwar in den für Sport zuständigen Sprachgemeinschaften nach unterschiedlichen Richtlinien. […] Hierzu dann meine Fragen: Gedenkt die Regierung der DG, bei einer Teilnahme ostbelgischer Olympioniken, von der bestehenden Einstufungs- und Bezuschussungsregelung abzuweichen um diese Sportler zusätzlich zu unterstützen? Sieht die Regierung den Bedarf, die bestehenden Kriterien in Zukunft nochmals zu überdenken und anzupassen?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.

Frage von Mirko Braem (CSP):
 
In den vergangenen Wochen durften wir in der regionalen und überregionalen Presse mehrmals darüber informiert werden, dass das Belgische Olympische Komitee (BOIC) 1 oder hoffentlich sogar 2 Athleten aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu den 23. Olympischen Winterspielen nach Pyeongchang, Südkorea entsenden darf.
Der Wahl-Ostbelgier Michael Rösch hat seine Qualifikation bereits seit längerer Zeit in trockenen Tüchern und für den Elsenborner Thierry Langer geht es am Wochenende in die Entscheidungsphase (Stand 11.01.2018).
Die Kriterien für eine Qualifikation zu den Olympischen Spielen legen jeweils die nationalen Verbände  fest, welche beim NOK hinterlegt werden.
Was allerdings die finanzielle Unterstützung von Olympioniken angeht, wird dies an anderer Stelle geregelt – in Belgien geschieht dies „A-LA-BELGE“;  und zwar in den für Sport zuständigen Sprachgemeinschaften nach unterschiedlichen Richtlinien.
Nach Einsicht der bestehenden Kriterien der DG, mussten wir leider feststellen, dass nur Michael Rösch in die Kategorie A eingestuft werden könnte und somit auch die finanzielle Unterstützung von 5.000,00 € als Spitzensportler seitens der DG erhalten kann. Thierry langer könnte auch bei einer Olympiateilnahme nicht in diese Kategorie A eingestuft werden.
Verglichen mit den Kriterien anderer Gebietskörperschaften, würden die beiden Athleten sehr wohl in die höchste Kategorie eingestuft und könnten nach Vorlage von Rechnungen und Belegen sogar mit einer Unterstützung von bis zu 30.000,00 € pro Jahr rechnen. Zusätzlich wird ein Arbeitsvertrag der ADEPS angeboten.
So sind diese Wintersportler gewiss keine Großverdiener in ihrem Sport. Im Gegenteil! Sie investieren selbst sehr viel Zeit, Energie und Geld.
Dass bei einer Teilnahme an den Olympischen Winterspielen die öffentliche Hand diese Sportler nicht unterstützen kann, bzw. will, würden wir bedauern. Natürlich geht es bei dem olympischen Gedanken nicht um Geld, doch ist eine Teilnahme an den Olympischen Spielen, verglichen mit der regulären Wettkampfsaison, gewiss mit erheblichen finanziellen Zusatzkosten verbunden.
Für Ostbelgien wäre es ja eine Ehre die ersten Sportler zu den Olympischen Winterspielen entsenden zu können – andersrum möchten wir ja auch, dass es für die Sportler eine Ehre ist Belgien und unsere Deutschsprachige Gemeinschaft dort zu vertreten. […]
 
Hierzu dann meine Fragen:
• Gedenkt die Regierung der DG, bei einer Teilnahme ostbelgischer Olympioniken, von der bestehenden Einstufungs- und Bezuschussungsregelung abzuweichen um diese Sportler zusätzlich zu unterstützen?
• Sieht die Regierung den Bedarf, die bestehenden Kriterien in Zukunft nochmals zu überdenken und anzupassen?
 
Antwort von Isabelle Weykmans (PFF), Ministerin für Kultur und Beschäftigung:
 
Sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
seit Sonntag steht es nun fest und die Freude ist überaus groß. Der Ostbelgier Thierry Langer aus Elsenborn hat sie in der Tasche: die lang erhoffte und hart erarbeitete Qualifikation für die Olympischen Winterspiele in der Sportart Skilanglauf, die heute in genau 24 Tagen in Südkorea stattfinden.
Es ist ganz sicherlich die Krönung für jeden Leistungssportler, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Hut ab vor dieser Qualifikation, die Thierry Langer mit einem ausgezeichnet geführten Langlaufwettbewerb in Liechtenstein auf der letzten Zielgeraden besiegeln konnte.
Die Freude in Ostbelgien ist riesig. Gerne teile ich diese Freude und bin unglaublich stolz einen waschechten ostbelgischen Botschafter und Olympiateilnehmer bei den Winterspielen dabei zu wissen. 
Neben Thierry Langer im Skilanglauf hat aber auch Michael Rösch als eingebürgerter Belgier und Mitglied des Ski– und Wintersportverbands Elsenborn in der Disziplin Biathlon das Olympiaticket in der Tasche.
Einer der bedeutendsten, spanischen Denker des 20. Jahrhunderts Sénior Ortega y Gasset soll einmal gesagt haben, dass der Sport der Bruder der Arbeit sei. Nach einer kurzen Denkpause könnte man diese Aussage an die Feststellung knüpfen: wenn Sport schon Arbeit sei, dann sei Leistungssport, wie er sich uns heute in Training und Wettkampf darstellt, zweifellos der Bruder der Schwerstarbeit. Leistungssport, Schwerstarbeit als Hobby! So ist die gelebte Realität der Spitzensportler.
Aber nun zu Ihren Fragen Herr Braem:
In der Tat gab es Nachholbedarf und das hat die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft auch erkannt und das Sportdekret vom 19. April 2004 bereits 2014 um die dekretalen Bestimmungen für die individuelle Unterstützung der eingestuften C-Kader, B-Kader oder A-Kader-Athleten ergänzt.
In der Praxis stellt der Sportfachverband diesen Antrag, der die Grundlage für eine Einstufung der Sportler bildet und nach positivem Gutachten der Sportkommission Sportlern, die einem Sportverein in der Deutschsprachigem Gemeinschaft angeschlossen sind, das entsprechende Statut für die Dauer eines Kalenderjahres anzuerkennen.
Zudem wurde festgehalten, dass die DG über die Sportfachverbände die Vorbereitung auf Wettkämpfe sowie die Teilnahme der Athleten an den Wettkämpfen unterstützt. So wurden 2017 für Thierry Langer 5.000 Euro, auf Grundlage von Artikel 22 des Sportdekrets vom 19. April 2004, von der Deutschsprachigen Gemeinschaft an den Ostbelgischen Ski- und Wintersportverband zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele gezahlt.
Der Ostbelgische Ski- und Wintersportverband hat zudem die Sportkommission der Deutschsprachigen Gemeinschaft am 29. November 2017 (vor der Qualifikation) um die Anpassung der Kriterien zwecks Einstufung ABCD im Langlauf und Biathlon gebeten.
Diese Anpassungen wurden ebenfalls mit dem französischen Skiverband und der ADEPS abgesprochen und gelten daher auch für den französischsprachigen Landesteil. Die Sportkommission der Deutschsprachigen Gemeinschaft wird sich in ihrer Sitzung vom 1. Februar 2018 endgültig mit diesem Antrag befassen.
Die Endscheidungsgrundlage für mich als zuständige Ministerin ist die Entscheidung der Sportkommission. Demnach sind es diese bezeichneten Experten, die die angestrebten Anpassungen prüfen und analysieren werden.
Die Sportkommission wird sich mit der Thematik auseinandersetzen, ob das Talent Thierry Langer 2018 in den Genuss einer Förderung über das Statut eines A-Kader Sportlers kommen kann (Grundlage Artikel 22 des Sportdekrets vom 19. April 2004). Es ist davon auszugehen, dass Thierry Langer das A-Kader Statut erhält. Damit würde er 5.000 Euro erhalten.
Die Finanzierung der Teilnahme von Sportlern aus Ostbelgien an Olympischen Spielen:
Die Finanzierung der Teilnahme an den Olympischen Spielen von Athleten aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist über das Abkommen mit dem Belgischen Olympischen und Interföderalen Komitee vom 10. März 2015 abgesichert.
Zusatzfinanzierung von Sporttalenten über das BE-Gold Programm:
Wie Sie wissen, ist die Deutschsprachige Gemeinschaft Partner eines sogenannten BE-Gold Programmes, welches darauf abzielt, spezifische Projekte in den Bereichen der Entwicklung, der Entfaltung und der Betreuung junger Sporttalente mittel -und langfristig zu finanzieren und dies im Hinblick auf eine Top 8 Platzierung bei Olympischen Spielen. Projekte können entweder von einem oder mehreren Partnern der ABCD oder von einem oder mehreren Sportfachverbänden eingereicht werden.
Es handelt sich dabei um eine intra-belgische Konvention, die in enger Partnerschaft mit dem Belgischen Olympischen Komitee, der Französischen Gemeinschaft, der Flämischen Gemeinschaft, der Deutschsprachigen Gemeinschaft und der Nationallotterie die Zusammenarbeit regelt. Das Projekt wurde gerade für fünf Jahre verlängert und wird eng von der sogenannten ABCD Kommission begleitet.
Der Belgische Biathlonverband startet seit dieser Saison mit einer belgischen Staffelmannschaft, die sich aus den Athleten: Michael Rösch, Florent Claude, Thierry Langer und Tom Lahaye-Goffart zusammensetzt. Ziel dieser Staffel ist, sich in dieser Saison unter den ersten 26 Nationen zu etablieren und so langfristig eine Chance zu erhalten, bei den nächsten Olympischen Spielen in 2022 in der chinesischen Hauptstadt Peking an den Start gehen zu können.
Die gute Neuigkeit erreichte uns am 11. Januar 2018. Über dieses Programm werden dem Belgischen Biathlonverband für 2018 eine Summe in Höhe von 80.000 Euro zur Verfügung gestellt.
20.000 Euro aus dem DG-Haushalt gehen außerdem 2018 an den Ostbelgischen Ski- und Wintersportverband zur Finanzierung von Initiativen für die Teilnahme der ostbelgischen Sportler an diversen Meisterschaften und Weltcups.
Im Überblick konkrete Zahlen:
Thierry Langer 2017
5.000 Euro, auf Grundlage von Artikel 22 des Sportdekrets vom 19. April 2004, von  der Deutschsprachigen Gemeinschaft an den Ostbelgischen Ski- und Wintersportverband zur Vorbereitung Thierry Langers auf die Olympischen Spiele.
Thierry Langer 2018
5.000 Euro auf Grundlage von Artikel 22 des Sportdekrets vom 19. April 2004 (A-Kader) unter Vorbehalt der Genehmigung der Kriterien durch die Sportkommission.
Und die Finanzierung durch die DG der Teilnahme an den Olympischen Spielen über das Abkommen mit dem Olympischen Komitee.
Michael Rösch
In Punkto Finanzierung hat Michael Rösch im Jahre 2017 vom Olympischen Komitee eine Summe von 7.500 Euro erhalten und vonseiten der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine persönliche Dotation A-Kader in Höhe von 5.000 Euro auf Grundlage von Artikel 22 des Sportdekrets vom 19. April 2004.
Darüber hinaus hat der Ostbelgische Ski- und Wintersportverband eine Subvention in Höhe von 5.000 Euro für die Vorbereitung von Michael Rösch, über den ordentlichen DG-Haushalt, erhalten. 2018 ebenfalls A-Kader 5.000 Euro und  Finanzierung durch die DG der Teilnahme an den olympischen Spielen über das Abkommen mit dem Olympischen Komitee.
20.000 Euro aus dem DG Haushalt gehen außerdem 2018 an den Ostbelgischen Ski- und Wintersportverband zur Finanzierung von Initiativen für die Teilnahme der ostbelgischen Sportler an diversen Meisterschaften und Weltcups.
Sie sehen und können feststellen, dass wir die Zukunft der Sportförderung nicht dem Zufall überlassen und hoffen, Ihre Fragen beantwortet zu haben.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
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