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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

18. Januar 2018 – Frage von K. Neycken-Bartholemy an Minister Mollers zu zu den Resultaten der PIRLS-Studie

Die International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) erfasst mit der Progress in International Reading Literacy Study, der sogenannten PIRLS- beziehungsweise IGLU-Studie, seit 2001 im Abstand von fünf Jahren die Lesekompetenz von Viertklässlern. Die letzte Erfassung fand im Jahre 2016 statt und die Ergebnisse wurden Ende des vergangenen Jahres veröffentlicht. Die Veröffentlichung beinhaltet für Belgien jedoch nur Zahlen der flämischen und frankophonen Schüler. Die Schüler beider Sprachengruppen liegen laut Studie unter dem europäischen Durchschnitt. Es herrscht Handlungsbedarf. Bereits bei vergangenen PIRLS-Studien wurden die deutschsprachigen Schüler nicht im Zuge der eigentlichen Studie getestet, sondern nachträglich auf der internationalen PIRLS-Metrik eingeordnet. Da bisher weder dieser Ausschuss, noch die Öffentlichkeit über etwaige Resultate deutschsprachiger Schüler informiert wurden, lauten meine Fragen: Wurden die deutschsprachigen Schüler im Zuge der jüngsten PIRLS-Studie berücksichtigt? Falls ja, wie fielen die Testergebnisse der Schüler aus der DG aus, nicht zuletzt im belgischen und internationalen Vergleich? Falls nein, in welchem Rahmen wird künftig die Lesekompetenz der deutschsprachigen Schüler getestet werden?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Kirsten Neycken-Bartholemy (SP):
 
Die International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) erfasst mit der Progress in International Reading Literacy Study, der sogenannten PIRLS- beziehungsweise IGLU-Studie, seit 2001 im Abstand von fünf Jahren die Lesekompetenz von Viertklässlern.
Die letzte Erfassung fand im Jahre 2016 statt und die Ergebnisse wurden Ende des vergangenen Jahres veröffentlicht. Die Veröffentlichung beinhaltet für Belgien jedoch nur Zahlen der flämischen und frankophonen Schüler. Die Schüler beider Sprachengruppen liegen laut Studie unter dem europäischen Durchschnitt. Es herrscht Handlungsbedarf.
Bereits bei vergangenen PIRLS-Studien wurden die deutschsprachigen Schüler nicht im Zuge der eigentlichen Studie getestet, sondern nachträglich auf der internationalen PIRLS-Metrik eingeordnet.
 
Da bisher weder dieser Ausschuss, noch die Öffentlichkeit über etwaige Resultate deutschsprachiger Schüler informiert wurden, lauten meine Fragen:
- Wurden die deutschsprachigen Schüler im Zuge der jüngsten PIRLS-Studie berücksichtigt?
- Falls ja, wie fielen die Testergebnisse der Schüler aus der DG aus, nicht zuletzt im belgischen und internationalen Vergleich?
- Falls nein, in welchem Rahmen wird künftig die Lesekompetenz der deutschsprachigen Schüler getestet werden?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:
 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
werte Kolleginnen und Kollegen,
PIRLS ist im deutschen Sprachgebrauch eher unter dem Namen IGLU bekannt (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung).
Die Deutschsprachige Gemeinschaft hat bis dato nur einmal an der IGLU-Studie zeitversetzt und indirekt teilgenommen.
Im Februar 2007 hatte die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Herrn Prof. Dr. Wilfried Bos vom Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der Universität Dortmund beauftragt, mit den Instrumenten aus PIRLS 2006 eine Erhebung in den deutschsprachigen Schulen durchzuführen und so die nachträgliche Verortung auf der internationalen PIRLS-Metrik zu ermöglichen.
In Anlehnung an das Akronym von PIRLS in Deutschland (IGLU – Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) wurde die Studie IGLU 3 Belgien genannt.
Im Jahr 2016 wurden die deutschsprachigen Schüler im Rahmen dieser Studie also nicht getestet, somit liegen keine Ergebnisse vor.
Die Autonome Hochschule, die mit solchen Vergleichsstudien beauftragt ist, hatte seinerzeit mitgeteilt, dass die Kosten, die für die Deutschsprachige Gemeinschaft entstehen würden, nicht tragbar seien (ca. 80 000 €, so viel wie für ganz Deutschland).
Da die Kosten so hoch sind, ist auch nicht geplant, PIRLS in absehbarer Zukunft wieder durchzuführen.
Auch wenn IGLU/PIRLS bis dato nur einmal im ostbelgischen Bildungswesen durchgeführt wurde, so wurden seit 2007 doch mehrere Tests im Bereich Lesen durchgeführt:
o 2007: IGLU/PIRLS  (Primarschule)
o 2009: PISA: Schwerpunkt Lesen (Sekundarschule)
o 2010: VERA Lesen (Primarschule)
o 2012: PISA: Schwerpunkt Mathematik, Lesen nur ein Teilbereich (Sekundarschule)
o 2014: VERA Lesen (Primarschule)
o 2015: PISA: Schwerpunkt Naturwissenschaften, Lesen nur ein Teilbereich (Sekundarschule)
o 2016: VERA 8 Lesen (2. Sekundarschuljahr)
Ich möchte exemplarisch nur zwei Resultate kurz erwähnen:
In der PISA-Studie 2015 schnitten die 15jährigen Schüler im Bereich der Lesekompetenz, der ja nicht Hauptgegenstand der Untersuchung war, mit 501 Punkten besser ab als der OECD-Durchschnitt (493 Punkte) und liegen damit auch über dem belgischen Durchschnitt (499 Punkte).
Lediglich Flandern hat in Belgien ein noch besseres Ergebnis erzielt (511 Punkte).
Bei den Kompetenzniveaus ist die erfreuliche Nachricht, dass bei uns deutlich weniger Schüler auf einem niedrigen Kompetenzniveau unter 2 liegen (14,3 Prozent bei uns im Vergleich zu 17,1 Prozent in Flandern und 22,6 Prozent in der FG – der OECD-Durchschnitt liegt bei 22 Prozent).
Allerdings erzielen bei uns auch weit weniger Schüler ein hohes Kompetenzniveau von 5 oder 6: hier liegen wir mit 5,5 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt von 8,1 Prozent.
Spitzenreiter ist Flandern mit 12,1 Prozent.
Hier besteht also weiter Handlungsbedarf.
2018 wird die PISA-Studie erneut durchgeführt.
Dieses Mal steht der Bereich Lesen im Fokus, sodass die 15-Jährigen also erneut in diesem Bereich getestet werden.
Diese Resultate erhalten wir im Dezember 2019.
Im Jahr 2019 könnten ebenfalls wieder Vergleichsarbeiten (VERA) in der Grundschule geschrieben werden.
Im Prinzip wäre auch dort dann wieder der Bereich Lesen an der Reihe.
Außerdem ist für das nächste Umsetzungsprogramm des Regionalen Entwicklungskonzeptes u.a. ein Projekt in Planung, das sich mit Sprachbildung in der Unterrichtssprache befassen soll.
Lesekompetenz ist ein wichtiger Aspekt dieser Sprachbildung und wird in diesem Rahmen bearbeitet werden.
Eine Bestandsaufnahme in Sachen Lesekompetenz und eine anschließende Evaluation der Kompetenzen ist auch Teil dieser Planung.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
 
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