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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

13. März 2018 – Frage von M. Niessen an Ministerin Weykmans zum DAB Testlauf in Eupen

Bei den Anhörungen des BRF in den vergangenen Jahren wurde auch immer wieder mal die Frage nach dem DAB+ Standard als möglichem Nachfolger für das UKW Radio aufgeworfen. Die französische Gemeinschaft plant die Einführung von DAB+ sehr konkret. Auch der BRF soll dann dort über DAB+ empfangbar sein. Angesichts der äußerst hohen Investitionskosten, der ungünstigen Topographie und der Tatsache, dass aktuell keineswegs gesichert ist, dass sich DAB+ am Ende dann auch als neuer Standard etabliert, stand man einer allzu überhasteten Einführung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft selbst jedoch – zumindest bisher - eher kritisch gegenüber. Ende 2017 veröffentlichte nun die Rheinland-Pfälzische Landeszentrale für Medien und Kommunikation eine Pressemitteilung über einen mehrwöchigen „Small Scale DAB-Test“, bei dem seit Anfang Dezember die Programme von BRF1, BRF2, Radio Contact, Hitradio 100‘5 und Radio 700 von einem Sendemast des BRF in Eupen ausgestrahlt wurden. Daher folgende Fragen, Frau Ministerin: Welche neuen Erkenntnisse hat der Test der LAB ergeben? Handelt es sich bei dem getesteten Standard um DAB+? Plant die Regierung die Einführung eines digitalen Rundfunknetzes in der Deutschsprachigen Gemeinschaft?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Marc Niessen (Ecolo):
 
Bei den Anhörungen des BRF in den vergangenen Jahren wurde auch immer wieder mal die Frage nach dem DAB+ Standard als möglichem Nachfolger für das UKW Radio aufgeworfen. Die französische Gemeinschaft plant die Einführung von DAB+ sehr konkret. Auch der BRF soll dann dort über DAB+ empfangbar sein.
Angesichts der äußerst hohen Investitionskosten, der ungünstigen Topographie und der Tatsache, dass aktuell keineswegs gesichert ist, dass sich DAB+ am Ende dann auch als neuer Standard etabliert, stand man einer allzu überhasteten Einführung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft selbst jedoch – zumindest bisher - eher kritisch gegenüber.
Ende 2017 veröffentlichte nun die Rheinland-Pfälzische Landeszentrale für Medien und Kommunikation eine Pressemitteilung über einen mehrwöchigen „Small Scale DAB-Test“, bei dem seit Anfang Dezember die Programme von BRF1, BRF2, Radio Contact, Hitradio 100‘5 und Radio 700 von einem Sendemast des BRF in Eupen ausgestrahlt wurden.
 
Daher folgende Fragen, Frau Ministerin:
- Welche neuen Erkenntnisse hat der Test der LAB ergeben?
- Handelt es sich bei dem getesteten Standard um DAB+?
- Plant die Regierung die Einführung eines digitalen Rundfunknetzes in der Deutschsprachigen Gemeinschaft?

Antwort von Isabelle Weykmans (PFF), Ministerin für Kultur und Beschäftigung:
 
Sehr geehrter Herr Präsident,
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
In der Tat handelt es sich bei dem getesteten Standard um DAB+. Um genauere Erkenntnisse über die Möglichkeiten und Herausforderungen, welche diese neue Technologie in der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit sich bringt, zu erhalten, wurde uns dankenswerterweise eine Sendeanlage durch die Firma TVVsoundprojects kostenlos zur Verfügung gestellt. Der notwendige Multiplexer wurde durch die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz bereitgestellt, welche auch die Konfiguration des Gerätes übernahm.
Zielsetzung des von Ende November 2017 bis Mitte Januar 2018 durchgeführten Feldversuchs war, die theoretische Bereichsabdeckung in der Praxis zu untersuchen und einen Vergleich zwischen Simulation und realen Empfangstests zu ermöglichen.
Da in einem DAB+ Kanal bis zu 12 Programme ausgestrahlt werden können, lag es nahe, nicht nur den BRF einzuspeisen, sondern ebenfalls einige Privatradios miteinzubeziehen. Aus diesem Grund wurden 100‘5 Das Hitradio, Radio Contact NOW und Radio 700 dazu eingeladen, an dem Projekt teilzunehmen. Die drei angeschriebenen Radiobetreiber begrüßten die Initiative und beteiligten sich an dem Projekt.
Das jeweilige Programm wurde per Internetstream zum Multiplexer gesendet. Im Multiplexer werden die verschiedenen Programme zu einem Program Feed zusammengeführt. Dieser Feed wird dann über das Netzwerk an den DAB+ Sender weitergeleitet.
Die Ausstrahlung im DAB+ Band erfolgt über den Kanal 8A. Dieser Kanal ist der Deutschsprachigen Gemeinschaft für ganz Ostbelgien zugeteilt. Die Sendeantenne wurde als quasi Rundstrahler auf dem Mast des BRF installiert. Die abgestrahlte Leistung beträgt ca. 300W ERP Richtung Nordwest. Die theoretische Reichweite sollte den Großraum Eupen abdecken. In der Praxis konnte festgestellt werden, dass die Simulation in großen Bereichen den realen Empfangsmöglichkeiten entspricht. Die absoluten Empfangsmöglichkeiten hängen allerdings in erster Linie von der Empfindlichkeit des Empfangsgerätes ab. Bei den zum Einsatz gebrachten Testradios handelt es sich um Geräte der mittleren Preis- und Qualitätsklasse. Daher sind einige Abstriche in der praktischen Reichweite zu machen.
Festgestellt wurde ebenfalls, dass ein mobiler Empfang im Auto ein hochwertiges Radiogerät bzw. eine sehr gute Antenne voraussetzt. Es kommt schneller zu Empfangsstörungen während der Fahrt als bei einem festen Standpunkt. Wenn der Empfang gegeben ist, ist die Audioqualität mit einer CD zu vergleichen. Radiotext und Zusatzdaten können gleichzeitig mit übertragen werden. Der Dienstleistungsanteil bei einer DAB+ Ausstrahlung lässt viele Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Übertragung von Bildern oder zusätzlichen Informationen im Radiotext, zu.
Ein zweiter, ursprünglich anvisierter Feldversuch in Amel konnte leider aufgrund der schwierigen meteorologischen Verhältnisse nicht durchgeführt werden.
Allerdings haben die zuständigen Experten festgestellt, dass der Großraum Sankt Vith auf jeden Fall durch eine gleiche Anlage wie in Eupen auf dem Sendeturm in Amel sehr gut versorgt werden könnte.
Unter dem Strich ist festzuhalten, dass der Feldversuch positiv verlaufen ist, da mit wenig Aufwand wichtige Erkenntnisse gewonnen werden konnten.
Die Berechnungen zur genauen Bezifferung der Kosten für die gesamte DAB+-Infrastruktur in der Deutschsprachigen Gemeinschaft sind aktuell noch im Gange. Hierzu nahm der technische Leiter des BRF u.a. an einer Tagung in Leipzig teil, die speziell für kleine und mittlere Sender ausgerichtet wurde. Hier wurden aktuelle und kostengünstige Modelle vorgestellt. Die Auswertung all dieser Informationen wird in Kürze abgeschlossen sein, so dass die genaue Höhe der eventuell zu tätigenden Investitionen genau beziffert werden kann.
Bezüglich der konkreten Einführung der DAB+-Ausstrahlung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bleibt die Regierung aktuell bei Ihrer Meinung, hier keine Vorreiterrolle einnehmen zu müssen.
In der Tat sind die beiden anderen Gemeinschaften unseres Landes gewillt, die Umstellung von UKW auf DAB+ ab Ende 2018 durchzuführen. Allerdings ist es für die Deutschsprachige Gemeinschaft lohnenswert, die Entwicklung – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene – weiter zu verfolgen, bevor eine definitive  Entscheidung bezüglich der Investitionen in diese Technologie getroffen wird. Die Investitionen sind auch im Hinblick auf die Entwicklung und die Akzeptanz, welche die großen Wirtschaftsbranchen – und nicht zuletzt die Autoindustrie – dieser neuen Technologie entgegenbringen, zu bewerten. 
Was die landesweite Ausstrahlung im DAB+ Standard betrifft, ist festzuhalten, dass hier bereits gute Kontakte zwischen der RTBF und dem BRF bestehen, um dessen Programme über die Multiplexer der RTBF senden zu können. Allerdings bestehen hier noch keine definitiven Abkommen.
Schlussfolgernd ist also festzuhalten, dass sowohl die Regierung als auch die Verantwortlichen des BRF die Entwicklung in Sachen DAB+ aufmerksam verfolgen, ohne jedoch voreilige Investitionen in diesem Bereich zu tätigen. 
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