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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

9. April 2018 – Frage von Freddy Mockel an Ministerpräsident Paasch zum Besuch des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen

Am 30. März verabschiedete die belgische Föderalregierung mit drei Jahren Verspätung den Energiepakt. Der Atomausstieg für 2025 wurde endlich bestätigt, auch wenn die NV-A sich ein Hintertürchen liess. Es bleibt auch zu hoffen, dass man sich die Mittel geben wird, um das Ziel „100% Erneuerbare Energien in 2050“ zu erreichen. Hinzu kommt dass, auch wenn die Verlängerung der Atommeiler oder gar der Bau neuer AKW so oder so die teuerste Variante ist, auch die Alternativen für den Bürger bezahlbar bleiben sollen. Kurz vor der Verabschiedung dieses „Karfreitagsabkommens“, beim Besuch des neuen NRW-Ministerpräsidenten am 26. März, stand auch in Eupen das Thema der belgischen Atommeiler, insbesondere Tihange 2 auf der Tagesordnung. In den vergangenen Monaten wollte Armin Laschet (CDU) im Rahmen der Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene mehrmals die längere Laufzeit von Braunkohlekraftwerken in NRW aufgrund der Stromlieferung nach Belgien durchdrücken. Sozusagen als Ersatz oder Gegenleistung für die Schliessung von Tihange 2 und Doel 3. Darauf kann unser Land in der Sache und in der Form gerne verzichten. Am 7. März, in Antwort auf eine Frage des Kammerabgeordneten Jean-Marc Nollet (ECOLO-Groen-Fraktion) an die föderale Energie-Ministerin, Frau Marghem erwähnte diese ein Treffen mit dem neuen NRW-Energieminister Andreas Pinkwart (FDP), einige Tage nach einem Termin mit Armin Laschet. Laut der Antwort von Frau Marghem brachte Pinkwart die Möglichkeit ins Spiel, Strom aus deutschen Gaskraftwerken könne die Leistung der belgischen Atommeiler ersetzen. Es war sogar die Rede von einer direkten Stromtrasse nach Belgien, ausgehend von einem deutschen Gaskraftwerk. Auf Basis dieser Elemente, meine Fragen: Inwieweit wurde auch durch Herrn Laschet am 26. März die Möglichkeit der Lieferung von Strom aus NRW-Gaskraftwerken angesprochen? Inwiefern hat Herr Laschet weiterhin von der Möglichkeit gesprochen, Stein- und oder Braunkohlekraftwerke als Ersatz für Tihange 2 und Doel 3 in Betrieb zu halten? In der Presse war davon die Rede, dass Herr Laschet (CDU) sich dafür einsetzen wolle, dass keine Brennelemente mehr von Deutschland aus an belgische AKW geliefert würden. Hat er verdeutlicht, wie er das zu tun gedenkt?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Freddy Mockel (Ecolo):
 
Am 30. März verabschiedete die belgische Föderalregierung mit drei Jahren Verspätung den Energiepakt. Der Atomausstieg für 2025 wurde endlich bestätigt, auch wenn die NV-A sich ein Hintertürchen liess. Es bleibt auch zu hoffen, dass man sich die Mittel geben wird, um das Ziel „100% Erneuerbare Energien in 2050“ zu erreichen. Hinzu kommt dass, auch wenn die Verlängerung der Atommeiler oder gar der Bau neuer AKW so oder so die teuerste Variante ist,  auch die Alternativen für den Bürger bezahlbar bleiben sollen. Kurz vor der Verabschiedung dieses „Karfreitagsabkommens“, beim Besuch des neuen NRW-Ministerpräsidenten am 26. März, stand auch in Eupen das Thema der belgischen Atommeiler, insbesondere Tihange 2 auf der Tagesordnung. In den vergangenen Monaten wollte Armin Laschet (CDU) im Rahmen der Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene mehrmals die längere Laufzeit von Braunkohlekraftwerken in NRW aufgrund der Stromlieferung nach Belgien durchdrücken. Sozusagen als Ersatz oder Gegenleistung für die Schliessung von Tihange 2 und Doel 3. Darauf kann unser Land in der Sache und in der Form gerne verzichten. Am 7. März, in Antwort auf eine Frage des Kammerabgeordneten Jean-Marc Nollet (ECOLO-Groen-Fraktion) an die föderale Energie-Ministerin, Frau Marghem erwähnte diese ein Treffen mit dem neuen NRW-Energieminister Andreas Pinkwart (FDP), einige Tage nach einem Termin mit Armin Laschet. Laut der Antwort von Frau Marghem brachte Pinkwart die Möglichkeit ins Spiel, Strom aus deutschen Gaskraftwerken könne die Leistung der belgischen Atommeiler ersetzen. Es war sogar die Rede von einer direkten Stromtrasse nach Belgien, ausgehend von einem deutschen Gaskraftwerk.
 
Auf Basis dieser Elemente, meine Fragen:
• Inwieweit wurde auch durch Herrn Laschet am 26. März die Möglichkeit der Lieferung von Strom aus NRW-Gaskraftwerken angesprochen?
• Inwiefern hat Herr Laschet weiterhin von der Möglichkeit gesprochen, Stein- und oder Braunkohlekraftwerke als Ersatz für Tihange 2 und Doel 3 in Betrieb zu halten? 
• In der Presse war davon die Rede, dass Herr Laschet (CDU) sich dafür einsetzen wolle, dass keine Brennelemente mehr von Deutschland aus an belgische AKW geliefert würden. Hat er verdeutlicht, wie er das zu tun gedenkt?
 
Antwort von Oliver Paasch (ProDG), Ministerpräsident:
 
In unseren Gesprächen mit Ministerpräsident Armin Laschet wurden vorwiegend Themen besprochen, die die derzeitigen Zuständigkeiten der Deutschsprachigen Gemeinschaft betreffen.
Dazu gehörten die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung, insbesondere das Potential von sog. ZOAST (Zone Organisée d'Accès Aux Soins Transfrontaliers), der Zugang zu Medizinstudienplätzen an nordrhein-westfälischen Universitäten und die Rechtssicherheit in der grenzüberschreitenden Notfallversorgung.
In diesen Bereichen werden wir unsere Zusammenarbeit vertiefen. Das haben wir so vereinbart. Um das zu konkretisieren haben bereits mehrere Folgetreffen stattgefunden.
Herr Laschet hat in der Tat das Thema Kernenergie angesprochen. Sowohl die NRW-Regierung als auch wir fordern bekanntlich die sofortige Abschaltung von Tihange 2 (und Doel 3). Ich habe mich darüber gefreut, dass Herr Laschet in unserer Pressekonferenz die besondere und aktive Rolle der DG in dieser Materie hervorgehoben hat.
Er hat uns als öffentlich als „wichtigen Verbündeten“ gegen Tihange 2 gewürdigt.
Darüber hinaus haben wir kaum über Energiepolitik gesprochen.
Meine Meinung zur Idee, belgischen Atomstrom durch deutsche Braunkohle zu ersetzen,
hatte ich aber bereits vorher im deutschen Fernsehen kundgetan. Ich halte davon überhaupt nichts. Braunkohle gehört zu den klimafeindlichsten und schmutzigsten Energiequellen überhaupt. Ich bin sehr dafür, möglichst schnell aus der Atomenergie aussteigen. Wir müssen deshalb in unserem Land noch sehr viel mehr für Energieeinsparung, Energieeffizienz und alternative Energien tun. Braunkohle ist keine Lösung.
In dieser Woche werde ich übrigens gemeinsam mit dem wallonischen Ministerpräsidenten Willy Borsus den nordrhein-westfälischen Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten, Herrn Dr. Mark Speich, treffen. In diesem Gespräch wird es auch um die grenzüberschreitende Kooperation in Energiefragen gehen. Dabei dürfte die neue Stromtrasse zwischen Belgien und Deutschland eine wichtige Rolle spielen.
Bisher musste Strom aus Deutschland über die Niederlande nach Belgien importiert werden, was umständlich und vor allem kostenintensiv war. In Zukunft fließt dieser Strom auf direktem Wege durch eine Leitung, die zwischen Lixhe auf belgischer und Oberzier auf deutscher Seite entsteht. Die Bauarbeiten haben vor wenigen Monaten begonnen. In zwei Jahren soll die Trasse in Betrieb genommen werden.
Diese 90 km lange Leitung soll zur Förderung erneuerbarer Energien, zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit, zu Preisstabilität und Preiskonvergenz beitragen.
 
 
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