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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

10. April 2018 – Frage von H. Grommes an Ministerin Weykmans zur Umfrage bezüglich der Situation der Vereinsvorstände

Auf der Homepage von Ostbelgienlive ist zu lesen, dass im Kontext des Regionalen Entwicklungsprojektes „Engagement bewegt“ vom 17. Juli bis zum 18. September 2017 eine Umfrage zur Situation der Vereinsvorstände durchgeführt wurde. Deren Umsetzung wurde von der Servicestelle Ehrenamt im Ministerium der DG gewährleistet. Die Umfrage wurde vor dem Hintergrund zahlreicher Klagen aus der Vereinswelt, keinen Nachwuchs mehr für die Vorstandsarbeit zu finden, da wohl die Herausforderungen und der Druck in der Vorstandsarbeit wachsen, durchgeführt. Laut Informationen auf der Webseite von Ostbelgienlive würden außerdem zunehmend mehr Fachkenntnisse in der Finanzverwaltung oder in der Rolle als Arbeitgeber benötigt, was weitere Gründe für die schwierige Situation in den Vereinen darstellten. Die Umfrage sollte daher Klarheit darüber schaffen, wie die Situation bei den Vereinigungen in Ostbelgien genau aussieht. Konkret wurden dabei folgende Punkte aufgegriffen: Angaben zum Verein, Motivation für die Vorstandsarbeit, Inanspruchnahme externer Dienstleister, Kontakt mit dem Ministerium, Wünsche bezüglich konkreter Unterstützungen in der VoG. Vor diesem Hintergrund lauten meine Fragen: Können Sie genauere Angaben über Inhalt, Methodik und Teilnahme an dieser Umfrage berichten? Welche Maßnahmen hat die Regierung der DG in der Vergangenheit ergriffen, um die Situation in der ostbelgischen Vereinswelt zu verbessern? Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus den Ergebnissen der Umfrage?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Marcel Strougmayer (SP):
 
Auf der Homepage von Ostbelgienlive ist zu lesen, dass im Kontext des Regionalen Entwicklungsprojektes „Engagement bewegt“ vom 17. Juli bis zum 18. September 2017 eine Umfrage zur Situation der Vereinsvorstände durchgeführt wurde.
Deren Umsetzung wurde von der Servicestelle Ehrenamt im Ministerium der DG gewährleistet.
Die Umfrage wurde vor dem Hintergrund zahlreicher Klagen aus der Vereinswelt, keinen Nachwuchs mehr für die Vorstandsarbeit zu finden, da wohl die Herausforderungen und der Druck in der Vorstandsarbeit wachsen, durchgeführt. Laut Informationen auf der Webseite von Ostbelgienlive würden außerdem zunehmend mehr Fachkenntnisse in der Finanzverwaltung oder in der Rolle als Arbeitgeber benötigt, was weitere Gründe für die schwierige Situation in den Vereinen darstellten.
Die Umfrage sollte daher Klarheit darüber schaffen, wie die Situation bei den Vereinigungen in Ostbelgien genau aussieht.
Konkret wurden dabei folgende Punkte aufgegriffen:
• Angaben zum Verein
• Motivation für die Vorstandsarbeit
• Inanspruchnahme externer Dienstleister
• Kontakt mit dem Ministerium
• Wünsche bezüglich konkreter Unterstützungen in der VoG
 
Vor diesem Hintergrund lauten meine Fragen:
- Können Sie genauere Angaben über Inhalt, Methodik und Teilnahme an dieser Umfrage berichten?
- Welche Maßnahmen hat die Regierung der DG in der Vergangenheit ergriffen, um die Situation in der ostbelgischen Vereinswelt zu verbessern?
- Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus den Ergebnissen der Umfrage?
 
Antwort von Isabelle Weykmans (PFF), Ministerin für Kultur und Beschäftigung:
 
Sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
Diese Umfrage ist Teil des REK-Projektes „Engagement bewegt“. Seit vielen Jahren bereits stellt die Stärkung des  Ehrenamtes einen wichtigen Schwerpunkt für die Regierung dar.
Ehrenamt ist seit mehreren Jahren Thema, weil es große Herausforderungen birgt. Jeder kennt selbst und aus seinem Umfeld, was die Schwierigkeiten für das Ehrenamt sind. Nun baut unsere ostbelgische Gesellschaft stark auf ehrenamtliche Strukturen, weshalb es uns allen ein besonderes Anliegen sein muss, das Ehrenamt zu stärken, Vereinsvorstände zu unterstützen – alles daran zu setzen, dass die Vereinsmitglieder auch weiterhin Spaß an ihrem Engagement haben.
Bei all dem, was mir, der Regierung, Ihnen und Anderen zugetragen wird, war es wichtig, im Rahmen einer Befragung das Terrain direkt zu befragen. Denn wer weiß besser und wer kann besser die Nöte und Probleme des Vorstandsalltags beschreiben, als die Vereinsverantwortlichen selber.
Wir wollten konkret bei den Vereinen abfragen, woran es nun genau mangelt und welche professionell gestützten Maßnahmen hilfreich sein könnten, um den Menschen, die über Jahre hinweg oder manchmal sogar Jahrzehnte Vorstandsarbeit in den Vereinen leisten, mögliche Pisten zur Erleichterung ihres Ehrenamtsalltags aufzuzeigen.
Übrigens: die Ergebnisse der Umfrage decken sich mit den Schwachstellen, die im Rahmen eines strukturierten Dialogs mit den Verantwortlichen der Sportfachverbände identifiziert wurden.

Was wird denn aktuell festgestellt ? Im Allgemeinen:
1. Die Herausforderungen bei den personellen Ressourcen: Trotz der enormen Anstrengungen aller engagierten Menschen, kommt es immer wieder zu Engpässen in den Vereinen. Viele Vereinigungen beklagen, dass sich kein Nachwuchs für die Vorstandsarbeit in ihrem Verein interessiert oder dass das Engagement bei jungen Leuten eher als zurückhaltend beschrieben werden kann bzw. projektorientiert sei.
2. Die Komplexität der Vorstandsarbeit: Vorstandsarbeit bedeutet zunehmend mehr Fachwissen in der Finanzverwaltung und in der Rolle als Arbeitgeber. Dabei bereitet das digitale Zeitalter manch einem auch Probleme.

510 Vereinsvorstände der VoGs, deren Adressen dem Ministerium bekannt waren, wurden angeschrieben. 133 haben den Fragebogen beantwortet - Für eine erste Erhebung dieser Art stellen wir eine Rücklaufquote von 26.08 % fest. Befragt wurde jeweils ein Mitglied, welches dem Verwaltungsrat angehört.
Die Umfrage ist online und anonym durchgeführt worden, wobei auf Wunsch auch eine Papierversion zugeschickt wurde -  6 Vereine haben diese Option wahrgenommen.
Der Fragebogen gliederte sich in fünf thematische Blöcke:
 
Angaben zum Verein
Motivation für die Vorstandsarbeit
Mitgliederwerbung und Inanspruchnahme externer Dienstleister
Kontakt mit dem Ministerium
Wünsche konkreter Unterstützung in der Vorstandsarbeit

In der Umfrage waren weder Pflichtfragen noch Pflichtfelder vorgesehen. Das hatte den Nebeneffekt, dass nicht alle Fragen von allen Vereinen beantwortet wurden.
Hervorheben möchte ich ebenfalls, dass bei einigen Fragen Mehrfachnennungen möglich waren.
Die meisten der 133 VoGs haben zwischen 26 und 50 eingeschriebene Mitglieder. Hauptsächlich sind die Organisationen in den Bereichen Sport (37,6%), Kultur (27,1%) und Jugendarbeit (12,8%) aktiv.
Ein Fünftel der VoGs beschäftigt ONSS–pflichtiges Personal, also hauptamtliches Personal.
Aus der Umfrage geht hervor, dass die meisten Vorstandsmitglieder durch persönliche Ansprache (69,9%) und durch Diskussionen in der Generalversammlung zu ihrem Mandat gekommen sind. Die Motivation dazu ist ganz unterschiedlich: Mein Engagement ist wichtig für den Verein (72,9%), Identifikation mit den Vereinszielen (61,7%) und gutes Arbeitsklima (50,4%).
Ungefähr ein Fünftel der Organisationen arbeiten mit externen Dienstleistern zusammen, insbesondere für die Buchhaltung und für die Personalverwaltung. Ein Fünftel könne sich vorstellen, in Zukunft mit externen Dienstleistern zusammenzuarbeiten. 30 Prozent sind unentschlossen. Dabei wird darauf hingewiesen, dass die Zusammenarbeit mit Dienstleistern relativ teuer ist und dass dafür das Geld fehlt. 
Fast die Hälfte der Organisationen wünschen sich Informationen zu technisch-administrativen Fragen der Vereinsführung, gefolgt vom Wunsch nach Seminaren für Vereinsvorstände und Austauschtreffen.
Das ist die Feststellung – zumindest eine kurze Zusammenfassung dessen.
Was kann die Deutschsprachige Gemeinschaft dazu beitragen, dem entgegenzuwirken? 
Seit 2004 steht das Thema Ehrenamt auf meiner politischen Agenda. Zunächst als Querschnittsthema in der Regierungsarbeit und ab dem ersten Umsetzungsprogramm bis zum künftigen Band des Regionalen Entwicklungskonzeptes ist und bleibt die Stärkung des Ehrenamtes ein Zukunftsprojekt.
Wir fangen nicht erst heute an, sie werden es verstanden haben, sondern es bestehen bereits regelmäßige Angebote an die ostbelgische Vereinswelt:
Das Seminar „Freiwilligenmanagement“ erfreut sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Weiterbildungsangebotes bilden zum Teil das Netzwerk „Ehrenamt und Freiwilligenarbeit“.
Das Netzwerk trifft sich regelmäßig (bis zu 3 Mal im Jahr), tauscht sich aus, beobachtet und diskutiert über nationale und europäische Entwicklungen in Sachen Ehrenamt und Freiwilligenarbeit sowie über neue Angebote in der Deutschsprachigen Gemeinschaft.
In enger Partnerschaft mit der Nationallotterie und der Versicherungsgesellschaft Ethias bietet die Deutschsprachige Gemeinschaft bereits seit vielen Jahren eine kostenlose Zusatzversicherung für Ehrenamtliche an. Für kleine Vereinigungen mit wenigen Aktivitäten ist diese Versicherung eine einfache und kostenlose Möglichkeit, sich ausreichend zu versichern.
Alle zwei Jahre findet der Infomarkt Ehrenamt – einmal im Süden und einmal im Norden der Deutschsprachigen Gemeinschaft – statt. Der Infomarkt gehört ebenfalls schon zum festen Bestandteil unseres Repertoires in Sachen Ehrenamt in Ostbelgien und der erfreut sich auch immer wieder großen Interesses.
Unter dem Motto „Ich hab‘ da mal ne Frage… “ stehen Fachexperten in Sachen Steuer, Versicherungen, also die Themen, die die Vereine und VoGs ganz besonders interessieren, in regelmäßigen Abständen im Rahmen von offenen Informationsveranstaltungen zur Verfügung. Dieses Angebot wird sehr gerne angenommen.
Die Deutschsprachige Gemeinschaft unterstützt außerdem das Projekt EMJA - die  Online-Ehrenamtsbörse für Jung und Alt in Ostbelgien. EMJA ist eine Onlineplattform zum einen für Ehrenamtliche, die ein Tätigkeitsfeld suchen, und zum anderen für Vereine, die Freiwillige für die Realisierung ihrer Projekte suchen.
Die Servicestelle Ehrenamt im Ministerium verwaltet darüber hinaus eine öffentliche Bibliothek, in der Sie Konzepte rund um das Ehrenamt, Methoden, Checklisten und Arbeitsblätter für die Arbeit sowie eine Bibliothek rund um die Fragen des Ehrenamtes finden.
Auf der Webseite von Ostbelgienlive finden Sie im Linkverzeichnis außerdem umfangreiche und interessante Dokumente, Studien, Zahlenmaterial, ganz viele Informationen zur Situation der Freiwilligenarbeit in Belgien. Und wenn die Suche dann einmal nicht funktioniert, gibt es immer einen Ansprechpartner, der dem Ratsuchenden zur Verfügung steht und gerne weiterhilft.
Zusätzlich ist in 2018 eine Infoveranstaltung geplant, die sich mit der Online-Steuererklärung für VoGs beschäftigen wird. Eine Steuerberaterin zeigt an einem praktischen Beispiel, das online BIZTAX-System für die Steuerklärung einer VoG.
In diesem Jahr bieten wir ebenfalls zum ersten Mal das Seminar „Neue Wege in der Vorstandsarbeit“ an, wodurch Vereinsvorstände gestärkt und qualifiziert werden sollen. Es handelt sich hierbei um ein zeitlich relativ aufwendiges und anspruchsvolles Weiterbildungsangebot für Vorstandsmitglieder. Unter der Leitung von ausgewiesenen Experten werden neue Formen des Vereinsmanagements entdeckt, entwickelt und ausprobiert. In einer anschließenden Supervision soll der Veränderungsprozess in dem jeweiligen Verein individuell reflektiert und weiter bearbeitet werden. Ziel ist es, die teilnehmenden Vereine ganz konkret und praxisorientiert in der Vorstandsarbeit zu unterstützen. Dieses Angebot ist ein direktes Resultat bzw. Angebot, welches aufgrund der Ergebnisse der angesprochenen Studie nun erstellt worden ist.
Schlussfolgernd, war es – erstens – wichtig, diese Umfrage durchgeführt zu haben und nun mit dem Blick von 133 Vorstandmitglieder weiter an einer Ehrenamtsstrategie zu arbeiten.  Sicherlich sind die bisherigen Angebote richtig und qualitativ gewesen. 
 
Aufgrund der Ergebnisse wissen wir, dass weiter in
  - Information
  - Verwaltungsvereinfachung
  - Coaching
  - Ausbildungsangebote
investiert werden muss. 
 
Es wird auch darum gehen, punktuell da Angebote zu schaffen, wo Vereinsvorstände Bedarf anmelden. Das kann nur realisiert werden, wenn man ihnen ein offenes Ohr bietet.
Die bereits oben erwähnte Maßnahme des Seminars „Neue Wege in der Vorstandsarbeit“ ist das Angebot, welches den Vereinsvorständen durch praxisbezogene Unterstützung in diesem Jahr als besondere Antwort auf die Ergebnisse der Umfrage angeboten wird. Wie gesagt anspruchsvoll, aber ein qualitativ hochwertiges Seminarangebot.

Im  Rahmen des letzten Netzwerktreffens Ehrenamt und Freiwilligenarbeit vom 28. März 2018 habe ich den aktiven Akteuren in diesem Netzwerk die Resultate der Umfrage sowie das geplante Seminar im Detail vorgestellt.
Ich werde Ihnen ebenfalls die detaillierten Umfrageergebnisse  zukommen lassen und ich bin für jede Anregung zu diesem sehr zukunftswichtigen Thema dankbar. Vielen Dank für Ihr Interesse an dem Thema „Ehrenamt in Ostbelgien“.
 
 
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