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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 256

19. April 2018 – Frage von M. Balter an Herrn Minister Antoniadis bezüglich der Online-Therapien

Das Grenz Echo berichtete am 14. März in einem Artikel mit dem Titel „Suchtbehandlung via Internet“ über die verschiedenen Online-Therapien, die in Flandern derzeit eingesetzt werden? Das neuste Portal „depressiehulp.be“ richtet sich an jene Personen, die unter Depressionen leiden. So profitieren seit der Einrichtung dieses Portals etwa 200 Personen von dieser neuen Therapiemöglichkeit. Daneben existieren aber auch bereits Plattformen, die sich mit Alkohol- und Spielsucht sowie Drogenmissbrauch beschäftigen. Die Webseite „alcoholhulp.be“ nutzten im vergangenen Jahr 1322 Personen. Die Besucherzahl dieser Webseite liegt aber mit rund einer halben Million Personen deutlich höher. Vorteile dieser Art der Therapie sind, dass die Angst genommen wird, sich bei einer Therapie zu melden, aber auch, dass dieser Dienst zu jeder Tageszeit in Anspruch genommen werden kann. So sei laut Grenz Echo erwiesen, dass mit Unterstützung eines Beraters eine Online-Therapie doppelt so effektiv sein kann, wie eine Selbsthilfe. Auch die geringen Personalkosten sprechen für die Online-Therapie. Die Vivant-Fraktion vertritt den Standpunkt, dass den Betroffenen in ihrer Sucht oder Krankheit jegliche Hilfe zukommen muss – und das in den jeweiligen Landessprachen. In diesem Zusammenhang sind meine Fragen an Sie wie folgt: Sind solche Online-Therapien auch für die DG angedacht? Wenn ja, wann sollen diese erscheinen und wie sollen diese aufgebaut werden? Wenn nein, warum nicht? Welche Therapiemethoden werden derzeit auf dem Gebiet der DG angeboten? Bitte eine Auflistung aller Methoden und Organisatoren anfügen. Hat es diesbezüglich schon Gespräche mit dem zuständigen Regionalminister in Flandern gegeben, um Erfahrungswerte auszutauschen? Wenn ja, wann haben diese stattgefunden und was waren die Resultate? Wenn nein, warum nicht?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Michael Balter (Vivant), vom 16. März 2018:
 
Das Grenz Echo berichtete am 14. März in einem Artikel mit dem Titel „Suchtbehandlung via Internet“ über die verschiedenen Online-Therapien, die in Flandern derzeit eingesetzt werden? Das neuste Portal „depressiehulp.be“ richtet sich an jene Personen, die unter Depressionen leiden. So profitieren seit der Einrichtung dieses Portals etwa 200 Personen von dieser neuen Therapiemöglichkeit. Daneben existieren aber auch bereits Plattformen, die sich mit Alkohol- und Spielsucht sowie Drogenmissbrauch beschäftigen. Die Webseite „alcoholhulp.be“ nutzten im vergangenen Jahr 1322 Personen. Die Besucherzahl dieser Webseite liegt aber mit rund einer halben Million Personen deutlich höher. Vorteile dieser Art der Therapie sind, dass die Angst genommen wird, sich bei einer Therapie zu melden, aber auch, dass dieser Dienst zu jeder Tageszeit in Anspruch genommen werden kann. So sei laut Grenz Echo erwiesen, dass mit Unterstützung eines Beraters eine Online-Therapie doppelt so effektiv sein kann, wie eine Selbsthilfe. Auch die geringen Personalkosten sprechen für die Online-Therapie. Die Vivant-Fraktion vertritt den Standpunkt, dass den Betroffenen in ihrer Sucht oder Krankheit jegliche Hilfe zukommen muss – und das in den jeweiligen Landessprachen.
 
In diesem Zusammenhang sind meine Fragen an Sie wie folgt:
1. Sind solche Online-Therapien auch für die DG angedacht? Wenn ja, wann sollen diese erscheinen und wie sollen diese aufgebaut werden? Wenn nein, warum nicht?
2. Welche Therapiemethoden werden derzeit auf dem Gebiet der DG angeboten? Bitte eine Auflistung aller Methoden und Organisatoren anfügen.
3. Hat es diesbezüglich schon Gespräche mit dem zuständigen Regionalminister in Flandern gegeben, um Erfahrungswerte auszutauschen? Wenn ja, wann haben diese stattgefunden und was waren die Resultate? Wenn nein, warum nicht?
 
Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:

 Die durch das Internet eröffneten Möglichkeiten scheinen unbegrenzt zu sein. Doch die Vorteile überwiegen nicht zwangsläufig den Nachteilen. Die Nutzung des Internets birgt nämlich auch unzählige Gefahren. So beispielsweise im Bereich der Gesundheitsberatungen bzw. in sogenannten Gesundheitsportalen, in denen kein direkter Kontakt zum Patienten beziehungsweise den Betroffenen hergestellt wird.
Von Bedeutung ist bei der Nutzung solcher Gesundheitsportale und Online-Therapien insbesondere die ständige und zeitlose Verfügbarkeit, sowie die gewährleistete Anonymität. Auf diese Weise können Betroffene nicht nur relativ schnell Kontakt zu Suchtberatern oder Psychologen aufnehmen, sondern sind in der Lage das Ganze auch unter Pseudonymen zu tun. Dies hilft sicherlich die Hemmschwelle zu senken, die aufgrund der noch nicht ausreichenden Akzeptanz verschiedener Krankheitsbilder in der Gesellschaft immer noch sehr hoch ist. Außerdem können Online-Kurse dazu beitragen, mögliche Versorgungslücken bei der Betreuung von Patienten zu schließen. Wartezeiten können überbrückt werden.
Wie bereits angedeutet stehen dem gegenüber die Nachteile der Nutzung. Beispielsweise können Online-Angebote den persönlichen Kontakt zwischen Arzt, Therapeuten bzw. Psychologen, Suchtberatern und dem Betroffenen nicht ersetzen. Denn dieser zeichnet sich nicht nur durch ein verbales, sondern auch durch ein non-verbales Bild des Patienten aus. So können beispielsweise schwere Depressionen mit tiefgründiger Ursache per Internet nicht so konsequent ermittelt und behandelt werden, wie es bei einem persönlichen Austausch möglich ist. Des Weiteren können online Angebote auch zu einer Vernachlässigung der sozialen Kontakte führen. Außerdem stellen sich Fragen zum Datenschutz, der Sicherheit und der Qualität des Angebotes.
Dennoch kann die Online-Therapie durchaus zu einer Bereicherung eines therapeutischen Ansatzes führen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Techniker Krankenkasse und der Freien Universität Berlin, die besagt, dass eine Online-Therapie bei leichten bis mittelschwere Depressionen eine wirksame Alternative zu den klassischen Therapieformen sein kann. Interessanter Nebeneffekt war dabei auch der Rückgang an Fehltagen sowie Krankschreibungen am Arbeitsplatz*. So können zwar tiefgründige Probleme nicht behandelt und beseitigt werden, jedoch kann in einigen Fällen die persönliche Befindlichkeit gesteigert werden. Des Weiteren können spezielle Übungen mit auf den Weg gegeben werden.
Dabei liegt die Betonung jedoch auf dem Begriff „Alternative“. Vorrangig sollte immer noch der persönliche Kontakt mit einem Arzt, Psychotherapeuten, Psychologen oder Suchtberater stehen, der in der Folge neben den klassischen und/oder medikamentösen Therapien auch die Betreuung über Internet-Programme empfehlen könnte. Möglich wäre eine Erst-Beratung über das Internet mit der (unabdingbaren) Empfehlung zur Weiterleitung an einen Therapeuten. Denn die grundlegende Ursache zu ermitteln und zu behandeln ist die Aufgabe von einem Arzt, Psychotherapeuten oder Psychologen oder Suchtberater.
Aus diesem Grund sind Online-Therapien durchaus als ergänzende therapeutische Maßnahme zur klinischen und medikamentösen Therapie zu sehen, die den Körper und die Seele in Einklang bringen können. Jedoch stellt das Internet hierbei auch eine Gefahr dar, denn so kann eine ständige Verfügbarkeit schnell zu einer Abhängigkeit werden, was dem Gleichgewicht aus Körper und Seele wiederum schaden würde.
Nicht alles was glänzt ist Gold. Online-Therapien bergen Gefahren. Aus diesen Gründen sind die Ergebnisse der genannten Studien sowohl im GrenzEcho-Artikel als auch der Techniker KK zunächst mit Vorsicht zu betrachten, da erst einmal eine langfristige Evaluation durchgeführt werden sollte.
Wie Ihnen bekannt ist, ist die Regierung nicht zuständig für Individualmedizin und -therapie. Diese Zuständigkeit liegt weiterhin in Händen des Föderalstaates.
Meines Wissens nach verfügen unsere Organisationen und Einrichtungen derzeit über keine Programme dieser Art. Bei der ASL werden im Rahmen der niederschwelligen Beratung und Vorbeugung bekannte Mitteilungsprogramme wie WhatsApp oder Messenger verwendet, um mit den Bürgern zu kommunizieren und zeitnahe Rückmeldungen geben zu können. Die ASL ist jedoch, im Auftrag der Deutschsprachigen Gemeinschaft, zunächst einmal primär für die Gesundheitsförderung und Prävention zuständig und nicht für die Behandlung und Therapie der Bürger.
Um mir ein umfassendes Bild dieser Möglichkeiten machen zu können, habe ich den Psychiatrieverband darum gebeten, mir ein Gutachten zur dieser Thematik und der flämischen Informationswebseite vorzulegen. Es handeln sich um neue Methoden, die derzeit noch ergründet werden müssen. Deshalb erachte ich die fachliche Stellungnahme des Verbandes für essentiell.
Online Angebote können bestehenden Angeboten vervollständigen. Auf dem Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft bieten folgende Organisatoren die nachstehenden Methoden an:
 
1) Psychiatrische Behandlung in der Klinik St. Josef in St.Vith
Die Aufgaben:
- Diagnostik der Erkrankung
- ein therapeutisches Angebot, das von medikamentöser Therapie über Psychotherapie, Kunst- und Ergotherapie reicht
- Sozial- und Elternberatungen
 
2) Tagesklinisches Angebot der Klinik St. Josef in St.Vith sowie Angebot in Eupen
Die Aufgaben der psychiatrischen Tagesklinik liegen einerseits in der Diagnostik, andererseits in der Therapie. Das therapeutische Angebot der Tagesklinik umfasst je nach Bedarf eine medikamentöse Therapie, Psychotherapie, Ergotherapie, Musik- und Kunsttherapie. Erlernt wird ebenfalls die Tagesstrukturierung. Eine soziale Begleitung unterstützt den Patienten und umrahmt das Angebot.
 
3) Beratungs- und Therapiezentrum (BTZ)
- Erstberatung (in der Folge interne oder externe Weiterleitung)
- allgemeine multidisziplinäre Begleitung, bestehend aus psychologischen, sozialen, medizinischen und psychiatrischen Angeboten (für alle Zielgruppen)
- pädagogische, ergotherapeutische, logopädische, kinesiotherapeutische, psychomotorische und heilpädagogische Dienstleistungen und Therapien (spezifisch für Kinder bis 14 Jahre)
 
4) Psychiatrisches Pflegewohnheim in St. Vith
Im psychiatrischen Pflegewohnheim erhalten Personen mit psychischen Krankheiten Unterstützung bei ihren alltäglichen Aufgaben. Der medizinische und pflegerische Aspekt wird so gering wie möglich gehalten. Im Vordergrund steht die Selbstständigkeit, um auf diese Weise die Stärken und Kompetenzen zu fördern.
 
5) Auslandsangebote wie z.B. Kinder- und Jugendpsychiatrie Aachen oder das Universitätsklinikum Aachen.

* Quelle: https://www.aerztezeitung.de 
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