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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 263

30. Mai 2018 – Frage von M. Balter an Herrn Ministerpräsident Paasch bezüglich der Gesamtverschuldung der Einbeziehung der frankophonen Randgemeinden in die Standortmarke „Ostbelgien“

Hat es seit April 2017 Unternehmungen gegeben, die frankophonen Randgemeinden verstärkt in den Markenprozess einzubinden? Wenn ja welche? Wenn nein, warum nicht? Bitte eine Auflistung aller Treffen, Gespräche und Intervenienten anfügen. Was sind die größten Schwierigkeiten, die frankophonen Nachbargemeinden vermehrt in den Markenprozess einzubeziehen und wie kann dem entgegengewirkt werden? Hat es, nach Veröffentlichung dieses Interviews im März 2017, Reaktionen aus den frankophonen Nachbargemeinden gegenüber der Regierung oder dem Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft diesbezüglich gegeben? Wie bewerten Sie generell die momentanen Beziehungen der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu den frankophonen Nachbargemeinden, besonders in Bezug auf den Markenprozess?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Michael Balter (Vivant), vom 17. April 2018:
 
Die Launch-Veranstaltung der Standortmarke „Ostbelgien“ liegt nun etwas mehr als einem Jahr zurück und seither ist zu dieser Thematik viel debattiert worden. Der Begriff „Ostbelgien“ spielt dabei eine zentrale Rolle, da er unterschiedlich gedeutet werden kann. Für viele umfasst dieser Begriff, neben den neun deutschsprachigen Gemeinden, auch die angrenzenden Gemeinden von Bleyberg, Welkenraedt, Baelen, Weismes, Malmedy, Stavelot, Trois-Pont, Vielsalm und Gouvy. Diese Thematik hatten wir bereits am 03. April 2017 im Zuge unserer schriftlichen Frage Nr. 173, die an Sie gerichtet war, angesprochen. Anlass zu dieser Frage war da-mals ein Interview des Tourismusschöffen der Gemeinde Weismes mit dem Grenz Echo, der im Zuge dieses Interviews angab, der einzige Vertreter der frankophonen Nachbargemeinden auf eben dieser Launch-Veranstaltung gewesen zu sein, was sich nicht gänzlich überprüfen ließ. Darüber hinaus hatte der Tourismusschöffe verlauten lassen, dass eine vermehrte Ab-kapslung der Deutschsprachigen Gemeinschaft von den frankophonen Nachbargemeinden spürbar sei. Diese Aussagen wurden durch die neuerliche Nosbau-Thematik weiter befeuert. Auch die Einbeziehung der Nachbargemeinden in den Entwicklungsprozess zur Standortmarke war in dieser Frage thematisiert worden. Im Zuge Ihrer Antwort auf die besagte Frage gaben Sie indes Folgendes an: „Die Regierung ist weiterhin bereit, die angrenzenden frankophonen Gemeinden in den Markenprozess einzubinden, sofern diese es wünschen.“
Da wir der Auffassung sind, dass eine solche Einbeziehung der frankophonen Randgemeinden in den Prozess des Standortmarketings einen Mehrwert für die Deutschsprachige Gemein-schaft darstellt und dass daher eine Verstärkung der Beziehungen zwischen diesen Parteien in beider Interesse ist.
Leider sieht es zurzeit eher so aus, als wolle die DG Regierung diese Beziehungen nicht vertiefen, was in den Augen einiger Beobachter zu einem Erstarken der innerbelgischen Grenzen führt - ein Prozess, der in unseren Augen äußerst Schade ist und weitere negative Folgen nach sich ziehen wird.
 
Aus diesem Grund sind meine Fragen an Sie wie folgt:
1. Hat es seit April 2017 Unternehmungen gegeben, die frankophonen Randgemeinden verstärkt in den Markenprozess einzubinden? Wenn ja welche? Wenn nein, warum nicht? Bitte eine Auflistung aller Treffen, Gespräche und Intervenienten anfügen.
2. Was sind die größten Schwierigkeiten, die frankophonen Nachbargemeinden vermehrt in den Markenprozess einzubeziehen und wie kann dem entgegengewirkt werden?
3. Hat es, nach Veröffentlichung dieses Interviews im März 2017, Reaktionen aus den frankophonen Nachbargemeinden gegenüber der Regierung oder dem Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft diesbezüglich gegeben?
4. Wie bewerten Sie generell die momentanen Beziehungen der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu den frankophonen Nachbargemeinden, besonders in Bezug auf den Markenprozess?
 
Antwort von Oliver Paasch (ProDG), Ministerpräsident:
 
Mit der Launch Veranstaltung am 15. März 2017 in St. Vith wurde der Startschuss für die Implementierung der Standortmarke Ostbelgien gegeben. Seitdem hat die Marke an Präsenz gewonnen in der lokalen, nationalen und internationalen Presse, in Kampagnen, in Wirtschaft, Politik, Sport und im Solidar-Bereich, in der Event-Kommunikation, in den Sozialen Medien, im Online Marketing, bei Unternehmen, im öffentlichen Raum sowie bei Großveranstaltungen.
Zum 15. Mai 2018 zählt die Marke Ostbelgien über 200 Partner. Mehr als die Hälfte davon sind ostbelgische Unternehmen. Hinzu kommen 54 Vereine, Organisationen und Verbände sowie 40 öffentliche Einrichtungen und Dienstleister. Alle neun deutschsprachigen Gemeinden haben sich dem gemeinsamen Standortmarketing angeschlossen.
Von den aktuell 110 Partnerbetrieben haben einige ihren Betriebssitz außerhalb der Deutschsprachigen Gemeinschaft, so zum Beispiel mehrere Made in Ostbelgien Produzenten oder produzierende Betriebe im gemeindeübergreifenden Gewerbegebiet Eastbelgium Park. Sie alle nutzen die Marke, um gemeinsam mehr Werbekraft mit typisch ostbelgischen Produkten, Kompetenzen und Geschäftsideen zu erreichen. Denn ein geschlossenes Auftreten steigert die Bekanntheit der Region und hilft, regionale Waren und Dienstleistungen zu bewerben und Fachkräfte anzuziehen.
Im Bereich der Markenimplementierung fanden seit März 2017 zahlreiche Gespräche mit potenziellen Markenpartnern statt, um die Markenstrategie und Nutzungsmöglichkeiten vorzustellen:
Die Markenführung im Ministerium informiert Unternehmen und Gremien über die Markennutzungsmöglichkeiten und schließt Nutzungsvereinbarungen ab.
Sämtliche Regierungsmitglieder informieren bei Kontakten mit ihren Zielgruppen über die Standortmarke, so zum Beispiel im Rahmen von Betriebsbesuchen.
Am 6. März 2018 wurden die Nutzungsbedingungen mit den Mitgliedern des Kooperationsbeirates der Tourismusagentur Ostbelgien erörtert.
Am 2. Oktober 2017 wurde die Standortmarke im Rahmen der Veranstaltung „Made in Ostbelgien“ der IHK Eupen-Malmedy-St. Vith in Kooperation mit den Schwesterkammern von Lüttich und Namür bei der Firma Karl Hugo vorgestellt. Rund 170 Betriebsleiter, der Großteil von ihnen aus der Wallonie, wurden dort auf die Trümpfe des Wirtschaftsstandortes Ostbelgien aufmerksam gemacht.
Die WFG Ostbelgien organisierte am 17. April 2018 eine Netzwerkveranstaltung in Walhorn, um Unternehmen die Chancen einer gemeinsamen Standortkommunikation vorzustellen. Rund 30 deutsch- und französischsprachige Betriebe nahmen daran teil.
Die Marke Ostbelgien wurde bewusst als offene Marke konzipiert, der sich Akteure aus den deutschsprachigen und frankophonen Gemeinden anschließen können, insofern sie sich mit den Markenwerten identifizieren. Die oben erwähnten Beispiele zeigen uns, dass diese Entscheidung die richtige war. Ostbelgien ist geprägt durch seine Grenzlage, öffnet sich zu allen Seiten und verbindet über Grenzen hinweg. Diese zentrale Markenbotschaft gilt es im Rahmen des Standortmarketings zu kommunizieren und zu leben, um den Standort Ostbelgien für Fach- und Führungskräfte, Unternehmen und Familien interessant zu machen.
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