Druck Kopfbild

Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 270

28. Juni 2018 – Frage von M. Balter an Herrn Minister Antoniadis bezüglich des Medikamentenkonsums bei Krankenpflegern(innen)

im GrenzEcho vom 14.05.2018 ist ein Artikel zum Medikamentenkonsum bei Krankenpfleger(innen) erschienen. Es heißt, jede(r) dritte nehme mindestens einmal wöchentlich Schmerzmittel, Entzündungshemmer oder Schlafmittel ein, um bei dem hohen Arbeitsdruck den Beruf ausüben zu können. Diese Aussage basiert auf einer nationalen Studie, die am 12.05.2018 in der Zeitung „Het Laatste Nieuws“ veröffentlicht und von Berufsvereinigungen und Gewerkschaften bei insgesamt 2.560 Pflegekräften durchgeführt wurde. […] Die nationale Gesundheitsministerin Maggie De Block hat anerkannt, dass der Druck auf das Pflegepersonal steige und sagte, dass die geltenden Sozialabkommen mit finanziellen Anreizen der Tatsache Rechnung trügen, dass Krankenpflege als „schwerer Beruf“ anerkannt sei. Jedoch müssten die jeweiligen Krankenhausdirektionen ihre Verantwortung für das Wohl des Personals wahrnehmen. Sie verwies ebenfalls auf eine kürzlich gestartete Kampagne, mit der gerade in diesem Bereich dem Burnout und Medikamentenmissbrauch der Kampf angesagt werden soll. […] Im Rahmen Ihrer Zuständigkeiten in der Gesundheitsprävention sind meine Fragen an Sie wie folgt: Liegt Ihnen die Studie vor, auf die sich die Zeitung „Het Laatste Nieuws“ bezieht? Haben daran Pflegekräfte aus Ostbelgien teilgenommen? Gibt es Erkenntnisse bzgl. des Gesundheitszustandes des Pflegepersonals in den beiden ostbelgischen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen? Ist die nationale Tendenz auf Ostbelgien übertragbar? Ist Ihnen die Kampagne bekannt, auf die sich Frau De Block bezieht? Welche Aktionen sind in Ostbelgien geplant? Bitte eine detaillierte Auflistung anfügen.

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Michael Balter (Vivant), vom 18. Mai 2018:
 
im GrenzEcho vom 14.05.2018 ist ein Artikel zum Medikamentenkonsum bei Krankenpfleger(innen) erschienen. Es heißt, jede(r) dritte nehme mindestens einmal wöchentlich Schmerzmittel, Entzündungshemmer oder Schlafmittel ein, um bei dem hohen Arbeitsdruck den Beruf ausüben zu können. Diese Aussage basiert auf einer nationalen Studie, die am 12.05.2018 in der Zeitung „Het Laatste Nieuws“ veröffentlicht und von Berufsvereinigungen und Gewerkschaften bei insgesamt 2.560 Pflegekräften durchgeführt wurde.
Weiter heißt es, in der Krankenpflege müssten die Mitarbeiter rund um die Uhr verfügbar sein, hätten eine breitgefächerte Verantwortung, seien insgesamt einer hohen körperlichen und psychischen Belastung ausgesetzt und erhielten einen Lohn, welcher diesen Umständen nicht gerecht wird.
Die nationale Gesundheitsministerin Maggie De Block hat anerkannt, dass der Druck auf das Pflegepersonal steige und sagte, dass die geltenden Sozialabkommen mit finanziellen Anreizen der Tatsache Rechnung trügen, dass Krankenpflege als „schwerer Beruf“ anerkannt sei. Jedoch müssten die jeweiligen Krankenhausdirektionen ihre Verantwortung für das Wohl des Personals wahrnehmen. Sie verwies ebenfalls auf eine kürzlich gestartete Kampagne, mit der gerade in diesem Bereich dem Burnout und Medikamentenmissbrauch der Kampf angesagt werden soll.
Vivant-Ostbelgien ist davon überzeugt, dass gerade in der Krankenpflege das Personal körperlich und geistig gesund sein muss, um sich um die Kranken und Pflegebedürftigen unserer Gesellschaft bestmöglich kümmern zu können. Diese Menschen leisten täglich Großes und geben einen Teil von sich selbst, um anderen zu helfen. Das sollte unterstützt und gewürdigt werden.
 
Im Rahmen Ihrer Zuständigkeiten in der Gesundheitsprävention sind meine Fragen an Sie wie folgt:
1. Liegt Ihnen die Studie vor, auf die sich die Zeitung „Het Laatste Nieuws“ bezieht? Haben daran Pflegekräfte aus Ostbelgien teilgenommen?
2. Gibt es Erkenntnisse bzgl. des Gesundheitszustandes des Pflegepersonals in den beiden ostbelgischen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen? Ist die nationale Tendenz auf Ostbelgien übertragbar?
3. Ist Ihnen die Kampagne bekannt, auf die sich Frau De Block bezieht? Welche Aktionen sind in Ostbelgien geplant? Bitte eine detaillierte Auflistung anfügen.
 
Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:
 
Die Studie, auf die sich die Zeitung „Het Laatste Nieuws“ bezieht, ist uns bekannt. Die Zahlen der Umfrage, die in Zusammenarbeit zwischen der Berufsvereinigung NVKVV und dem Gewerkschaftsbund ACV erhoben wurden, spiegeln insgesamt nicht nur die Problematik des zunehmenden Arbeitsdrucks im Pflegesektor wider, sondern auch die des zunehmenden alltäglichen Konsums von Schlaftabletten, Schmerzmitteln und Entzündungshemmern. Die Erkenntnisse, die im Rahmen dieser Studie in Flandern und der Region Brüssel gesammelt wurden, sind nicht neu, Sie ein gesamtgesellschaftliches Problem innerhalb und außerhalb des Pflegesektors an.
Die Deutschsprachige Gemeinschaft ist keine Insel. Auch wenn keine offiziellen Zahlen für Ostbelgien vorliegen, kann man von einem gleichen oder zumindest ähnlichen Trend ausgehen.
Dies haben uns die Pflegedienstleitungen der beiden ostbelgischen Krankenhäuser schriftlich bestätigt. Mögliche Gründe hierfür sind sowohl der Fachkräftemangel, Teilzeitarbeit oder längere Ausfallzeiten.
Auch physische und psychische Arbeitsbelastungen sind häufig Gründe für krankheitsbedingte Ausfälle. Hiervon ist aber nicht nur die Pflege betroffen, sondern auch der Sozialdienst oder Psychologen. Allerdings betonten die Pflegedienstleitungen der beiden Krankenhäuser im gleichen Atemzug, dass eine gute Besetzung in den Diensten der Krankenhäuser weiterhin gewährleistet werden kann.
Die Aussagen zu der aufgeführten Studie müssen nuanciert betrachtet werden. So gilt es zu differenzieren zwischen Krankenpflegern, die regelmäßig Medikamente konsumieren und denjenigen, die wöchentlich Medikamente einnehmen (jeweils 15 Prozent). Diese letzte Gruppe entspricht in etwa auch dem Trend, der in unserer Gesamtbevölkerung zu verzeichnen ist.
 
Die Problematik beschäftigt die öffentlichen Entscheidungsträger. So startete vor kurzem die föderale Ministerin eine Kampagne zur Burnout-Prävention. Der Kick-off der Kampagne fand am 26. Juni in Brüssel statt.
Wie bei anderen föderalen Projekten werden wir uns bei der Föderalministerin dafür einsetzen, dass auch das Gebiet der DG bei der Umsetzung berücksichtigt wird.
Denn der steigende Arbeitsdruck für das Pflegepersonal und der damit verbundene mögliche Rückgriff auf Medikamente beschäftigt auch die DG.
Wie wir Ihnen in einigen Antworten bereits mitgeteilt haben, ist die psychische Gesundheit und die betriebliche Gesundheitsförderung ein wichtiger Bestandteil in den Planungen des dritten Teils des Regionalen Entwicklungskonzepts und derzeit spielt auch die physische, psychische und soziale Gesundheit im Rahmen des Projektaufrufs zur Verbesserung und Stärkung der Gesundheit und des Wohlbefindens der ostbelgischen Bevölkerung eine wichtige Rolle.
Sensibilisierungsarbeit in allen Bereichen der Gesundheitsförderung (Ernährung, Bewegung, Suchtprävention und psychische Gesundheit) wird anhand des neuen
Gesundheitsförderungskonzeptes und dessen Umsetzung auf allen drei Ebenen der Gesundheit ermöglicht.
 
Das Thema des Medikamentenkonsums wird neben dem Projektaufruf auch in der Zusammenarbeit mit den verschiedenen Organisationen beleuchtet. Sowohl die ASL als auch der PRT planen, Statistiken über den Bereich zu erfassen und über das Thema zu informieren. Einzelheiten zu den jeweiligen Maßnahmen sind den Jahresberichten der Einrichtungen zu entnehmen.
Die Gesundheitsförderung, der Arbeitsschutz und die Wiedereingliederung liegen allerdings auch in der Verantwortung der Organisationen und Einrichtungen. Hier entziehen sich unsere Einrichtungen nicht ihrer Pflicht.
So sehen beispielsweise die beiden ostbelgischen Krankenhäuser Aktionen in einem 5-Jahresplan bzw. Jahresplan vor, die auf die Gesundheit und Gesundheitskompetenz der Mitarbeiter abzielen. Dazu gehören Kommunikationstraining, Konfliktmanagement aber z.B. auch Supervisionen für die Arbeit in Teams oder bei Bedarf für Einzelpersonen. Zudem wird eine monatliche Analyse der Arbeitsunfälle durchgeführt und darauf aufbauend wird überlegt, wie die Risiken eingedämmt und verringert werden können.
In den Alten- und Pflegewohnheimen sowie im psychiatrischen Pflegewohnheim in Ostbelgien werden auch Gesundheitsförderungsmaßnahmen angeboten. So bietet das Seniorenheim St. Joseph beispielsweise als Sensibilisierung für sein Personal Zumba und zwei Mal wöchentlich die Bereitstellung von gesunden Smoothies an. Außerdem gibt es interne und externe Weiterbildungen zu den verschiedensten Gesundheitsthemen.
Parallel dazu arbeiten wir in Zusammenarbeit mit den hiesigen Pflegeorganisationen und –einrichtungen daran, nicht nur die Gesundheitsförderung verstärkt zu implementieren, sondern allgemein die Aufwertung der Pflegeberufe auf Grundlage des REK-2 voranzutreiben. Hierzu haben bereits Treffen mit den Verantwortlichen der ostbelgischen Pflegelandschaft stattgefunden. Teil der Diskussionen sind auch das Arbeitsumfeld und die mögliche Arbeitsbelastung.
Dazugehörige Vorschläge zu Maßnahmen werden derzeit im zuständigen Fachbereich des Ministeriums erarbeitet und in einer zweiten Veranstaltung, voraussichtlich zum Jahresende 2018, dem Pflegesektor vorgestellt.
Darauf aufbauend können wir Ihnen mitteilen, dass das Thema bei den hiesigen Pflegeeinrichtungen und dem dazugehörigen Pflegepersonal großen Anklang findet. Dies zeigt eine Statistik der Deutschsprachigen Krankenpflegevereinigung in Belgien, die unter anderem Weiterbildungen über das Wohlbefinden am Arbeitsplatz anbietet. Wichtig dabei ist vor allem, dass die Weiterbildungen auf Grundlage einer Umfrage bei allen Krankenpflegern und Pflegehelfern durchgeführt wird, um den Weiterbildungsbedarf zu ermitteln. Folgende Werte wurden dabei erfasst:
 
Stressbewältigung und Selbstorganisation: 112 TN
Strategien zur Gesunderhaltung während und nach der Arbeit: 88 TN
Zeitmanagement: 55 TN
Arbeiten mit Selbstbewusstsein und Freude: 73 TN
45 plus - Fit am Arbeitsplatz: 63 TN
Keine Chance für Burnout –
Mit Ayurveda dem „Ausbrennen“ vorbeugen: 105 TN.
 
An diese Initiativen und Zahlen gilt es in der Zukunft anzuschließen und die Sensibilisierungsarbeit in den Bereichen Gesundheitsförderung, Medikamentenkonsum und in den verschiedenen Zielgruppen wie dem Pflegesektor fortzuführen und zu verstärken.
Zurück Drucken Teilen