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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 288

18. Juli 2018 – Frage von M. Balter an Herrn Minister Antoniadis bezüglich alternativer Wohnformen für Senioren

Das Ministerium der DG hat im Wochenspiegel vom 16.05.2018 eine Anzeige für eine Ausfahrt geschaltet, wo Menschen mit Ihnen am 05.06.2018 eine Senioren-Wohnanlage sowie eine Mehr-Generationen-Wohnung in Köln besuchen konnten. Wie bereits in unserem Resolutionsvorschlag vom 30.09.2015 und unserer schriftlichen Frage Nr. 172 vom 30.03.2017 deutlich wurde, begrüßt Vivant-Ostbelgien alternative Wohnformen, wo Menschen in eine kleine Gemeinschaft integriert werden, in die sie sich einbringen können oder aber auch auf Hilfe der anderen zurückgreifen können. Gerade für ältere, alleinstehende Menschen bieten solche Wohnformen ein großes Plus an Lebensqualität. In diesem Zusammenhang sind meine Fragen an Sie wie folgt: Was war das Ziel dieses Besuches? Was ist das Ergebnis dieses Besuches? Wie viele Menschen haben teilgenommen? Wie hoch waren die Kosten für diese Aktion? Gibt es ähnliche Projekte in der Deutschsprachigen Gemeinschaft oder sind sie in Planung? Sind Fördergelder für solche Projekte geplant?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Michael Balter (Vivant), vom 21. Juli 2018:
 
Das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft hat im Wochenspiegel vom 16.05.2018 eine Anzeige für eine Ausfahrt geschaltet, wo Menschen mit Ihnen am 05.06.2018 eine Senioren-Wohnanlage sowie eine Mehr-Generationen-Wohnung in Köln besuchen konnten.
Wie bereits in unserem Resolutionsvorschlag vom 30.09.2015 und unserer schriftlichen Frage Nr. 172 vom 30.03.2017 deutlich wurde, begrüßt Vivant-Ostbelgien alternative Wohnformen, wo Menschen in eine kleine Gemeinschaft integriert werden, in die sie sich einbringen können oder aber auch auf Hilfe der anderen zurückgreifen können. Gerade für ältere, alleinstehende Menschen bieten solche Wohnformen ein großes Plus an Lebensqualität.
 
In diesem Zusammenhang sind meine Fragen an Sie wie folgt:
1. Was war das Ziel dieses Besuches? Was ist das Ergebnis dieses Besuches?
2. Wie viele Menschen haben teilgenommen?
3. Wie hoch waren die Kosten für diese Aktion?
4. Gibt es ähnliche Projekte in der Deutschsprachigen Gemeinschaft oder sind sie in Planung?
5. Sind Fördergelder für solche Projekte geplant?
 
Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:
 
Der Regierung ist es äußerst wichtig, sich mit alternativen Wohnformen im Alter (wie das intergenerationelle Wohnen) auseinanderzusetzen. Das ist für Ostbelgien umso interessanter, da wir schon sehr bald die Zuständigkeit des Wohnungswesens selbst gestalten können.
Die von Ihnen angesprochene Ausfahrt war Teil einer Veranstaltungsreihe im Rahmen des REK-Projektes „Selbstbestimmtes Altern fördern – alternative Wohnformen“.
Die Reihe wurde mit der Veranstaltung „Zusammen ist man weniger alleine – Was bieten neue Wohnformen? begonnen. Sie fand in doppelter Auflage statt: Am 29. Juni 2017 in Eupen und am 4. Juli 2017 in St. Vith.
Insgesamt 51 Interessierte haben an diesen beiden Veranstaltungen teilgenommen. Zunächst haben die Verantwortlichen der Vereinigung „Neues Wohnen im Alter e.V.“ aus Köln einen Überblick über alternative Wohnformen gegeben, die es neben dem Eigen- und dem Alten- und Pflegewohnheim gibt. In einem zweiten Referat wurde ein konkretes Wohnprojekt einer Genossenschaft vorgestellt, ehe es im Anschluss jeweils zu einer interessanten Diskussionsrunde zwischen den Experten und den Bürgern kam. Dieser Austausch hat gezeigt, dass reges Interesse an Folgeveranstaltungen bestand. Demnach folgte am 19. Oktober das Seniorenforum „Veränderung als Chance“ der Stundenblume und dem Josephine-Koch-Service. Zu den Programmschwerpunkten zählten die Vorstellung der Seniorenbeauftragten der Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben. Diese sind auch Teil des REK-Projektes „Selbstbestimmtes Altern fördern“ und unterstützen lokale Initiativen bei der Erarbeitung von Projekten zur wohnortnahen Unterstützung der Senioren. Zu diesem Anlass wurde die Veränderung als Chance auch unter dem Blickwinkel der Wohnformen als Chance im Alter thematisiert.
Bei allen drei Veranstaltungen wurde auf die Ausfahrt zu den alternativen Wohnformen hingewiesen. Einschreibungen waren direkt möglich.
Die Ausfahrt war somit der Höhepunkt der bereits stattgefundenen Veranstaltungen.
Ziel dieser Ausfahrt war die Besichtigung einer Seniorenwohnanlage sowie einer Mehr-Generationen-Wohnung der Immobiliengesellschaft GAG in Köln.
Zur Zielgruppe gehörten Senioren, die an alternativen Wohnformen interessiert sind und Personen mittleren Alters, die sich vorstellen können, später Bewohner oder Initiator einer alternativen Wohnform zu sein.
Vor der Abfahrt hat ein hiesiger Notar die Teilnehmer über die möglichen Rechtsformen einer alternativen Wohnform in einem kurzen Referat informiert.
Bei der GAG in Köln konnten wir dann erfahren, dass neben den 39 Seniorenwohnanlagen und den Mehr-Generationen-Wohnungen auch Wohngruppen für Menschen mit Demenz bereits in die Tat umgesetzt wurden. Hier wurde den Teilnehmern auch bewusst, dass die Strukturen in den Städten zwar ganz anders aufgebaut sind. Dennoch sind sie mit denselben Herausforderungen der psychischen Krankheiten im Alter und dem demographischen Wandel konfrontiert.
Die Teilnehmer konnten Seniorenwohnungen besichtigen und wurden auch von Bewohnern des Mehr-Generationen-Projekts LEDO, im Kölner Stadtteil Niehl, empfangen. Bei diesem Projekt handelt sich um ein partizipatives Projekt zwischen den dort lebenden Bürgern und der Wohnungsbaugenossenschaft GAG Köln. 90 Familien wohnen hier zusammen: jüngere und ältere Menschen, Menschen mit einer Beeinträchtigung, Alleinstehende und alleinerziehende Eltern. Ganzjährig bietet ein „Mieterkomitee“ Aktivitäten für die Bewohner an und setzt sich für die Quartiersentwicklung ein. Zum Schluss unseres Besuchs konnten die Teilnehmer dann auch noch ein solches Quartiersprojekt besuchen: einen Gemeinschaftsgarten, der in Zusammenarbeit mit einer KITA bepflanzt und gepflegt wird.
Die Teilnehmer waren durchaus von dem, was sie an diesem Tag über neue und alternative Wohnformen im Alter erfahren durften, begeistert. Besonders der Besuch des Mehrgenerationenwohnhauses ist bei den Teilnehmer sehr gut angekommen.
Die Veranstaltungsreihe hat offenkundig eine sehr aktuelle Thematik aufgegriffen. In naher Zukunft sollen weitere Veranstaltungen stattfinden.
Insgesamt haben 28 Personen an der Ausfahrt teilgenommen.
Die GAG Köln hat uns das ganztägige Rahmenprogramm kostenlos zur Verfügung gestellt.
Die Gemeinschaft kam lediglich für ein Frühstück für die Teilnehmer in Höhe von 38,73€ sowie für die Busfahrt in Höhe von 485€ auf. Außerdem entstanden Werbekosten für die Ausfahrt in Höhe von 477,85€ für einen Radiospot und 614,72€ für die Anzeigen im Wochenspiegel und Kurierjournal.
Im Haushalt der Deutschsprachigen Gemeinschaft sind diese Gelder unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit und die Sensibilisierung im Rahmen des REK-Projekts vorgesehen.
Somit komme ich nun zu Ihrer vierten Frage: Ja, es gibt ähnliche Projekte in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, weitere sind in Planung. Zurzeit wird ein Pilotprojekt einer Wohngemeinschaft in Zusammenarbeit mit dem Alten- und Pflegewohnheim St.
Joseph betrieben. Aus diesem Vorhaben ziehen wir bereits zahlreiche Erkenntnisse, die uns künftig auch zur Umsetzung weiterer Projekte dienen werden.
So wird in der Eupener Borngasse eine „Seniorenresidenz“ gebaut, die mit Abschluss der Bauphase auch eine Wohngemeinschaft für Senioren anbieten wird.
Diese Wohngemeinschaft soll durch das ÖSHZ Eupen begleitet werden, damit die Bewohner von den eingangs erwähnten Erfahrungen profitieren können.
Bei der Seniorenresidenz handelt es sich um eine der neuen Wohnformen im Alter, die durch die Deutschsprachige Gemeinschaft initiiert wird. Aufgrund dessen kann der Träger der Seniorenresidenz einen Infrastrukturzuschuss erhalten, wobei er im Gegenzug gewährleisten muss, dass der bezuschusste Gemeinschaftsbereich öffentlich zugängig ist. Auf diese Weise trägt die Residenz der Quartiersentwicklung bei, indem sie weitere Besucher zum Verweilen einlädt.
Uns ist daran gelegen, dass neue Wohnformen von Senioren, Diensten oder Einrichtungen selbst initiiert werden - nach dem „Bottom-Up-Prinzip“. Diese Wohnformen richten sich in erster Linie an Senioren mit keinem oder geringem Unterstützungsbedarf. Dies bedeutet, dass diese Menschen selbstbestimmt ihr Lebensumfeld beziehungsweise ihren Lebensraum gestalten können. Allerdings werden wir sie gerne bei der Planung und je nach Bedarf auch bei der Umsetzung unterstützen. Denn dies gehört auch zu den Aufgaben der Seniorenbeauftragten der Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben aber natürlich auch der Regierung.
Abschließend ein paar Worte zu Frage 5:
Am 5. Juli 2018 wird die Regierung in zweiter Lesung den Dekretvorentwurf zur Finanzierung über die Angebote für Senioren und Personen mit Unterstützungsbedarf sowie über die Palliativpflege verabschieden. Dieser Entwurf sieht unter anderem die Finanzierung von Projekten der alternativen und seniorengerechten Wohnformen vor.
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