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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 311

31. Oktober 2018 – Frage von M. Niessen an Herrn Minister Mollers zur Förderung von Schülern mit mangelnden Deutschkenntnissen

Wie viele Kinder profitieren aktuell von den Maßnahmen für erstankommende Schüler? Ist bekannt, wie viele Schülerinnen und Schüler in den Grundschulklassen keine oder mangelnde Deutschkenntnisse aufweisen? Wenn ja, um wie viele handelt es sich? (Ausgenommen die französischsprachigen Schüler, deren Eltern sich bewusst für eine deutschsprachige Klasse entschieden haben) Wie sind diese Schüler auf die einzelnen Jahrgänge und Schulen verteilt? Haben diese Schüler auch dann die Möglichkeit von Unterstützungsmaßnahmen zu profitieren, wenn sich schon länger als 20 Monate in Belgien leben? Wenn ja, um welche Maßnahmen handelt es sich? An wen wenden sich die Lehrer, wenn sie Schüler mit mangelnden Deutschkenntnissen in der Klasse haben? Wie werden die Lehrer in solchen Fällen aktuell unterstützt? In welcher Form kann das Kompetenzzentrum die Lehrer ganz gezielt unterstützen? Wie viel Stundenkapital gibt es aktuell zur Unterstützung von Schülern mit schlechten Deutschkenntnissen, die länger als 20 Monaten in der DG wohnen? Haben die einzelnen Schulen für besonders schwierige Situationen die Möglichkeit, Stunden für die gezielte Förderung von Schülern mit schlechten Deutschkenntnissen einzusetzen? (Die niederschwellige Förderung natürlich ausgeschlossen) Gibt es klare Richtlinien, wie Schüler mit schlechten Deutschkenntnissen benotet bzw. diplomiert werden?

Die nachfolgend veröffentlichten Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Marc Niessen (Ecolo), vom 27. September 2018:
 
Im Rahmen des letzten Sammeldekretes hat das Parlament neue Maßnahmen zur Förderung und Integration erstankommender Schüler verabschiedet, die der deutschen oder französischen Sprache nicht ausreichend mächtig sind, um dem Unterricht zu folgen. Die betroffenen Kinder sollen dadurch die nötige professionelle Unterstützung erhalten, um die deutsche Sprache zu erlernen und nach und nach in ihre Klasse integriert zu werden. Auch die Klassenlehrer sollen durch die neuen Bestimmungen entlastet werden. An sich eine sehr gute Sache, der die ECOLO-Fraktion gerne zugestimmt hat.
Allerdings sieht das Dekret vor, dass die erstankommenden Schüler nicht länger als 20 Monate in Ostbelgien leben dürfen, um von der besonderen Förderung profitieren zu können. In der Realität stellt sich heraus, dass in unseren Primarschulen viele Schüler sitzen, die zwar schon seit geraumer Zeit in Belgien leben (oder unter Umständen sogar hier geboren wurden), in deren Familien jedoch kaum oder gar kein Deutsch gesprochen wird. Sie bräuchten eigentlich genau dieselben Hilfestellungen wie die erstankommenden Schüler, sind jedoch aktuell davon ausgeschlossen.
Das bedeutet, dass weniger Hilfe als nötig in den einzelnen Klassen ankommt und dass weiterhin viele Lehrer mit der schwierigen Aufgabe alleine gelassen werden, guten differenzierten Unterricht zu bieten und gleichzeitig Schüler ohne Deutschkenntnisse in den Schulalltag zu integrieren.
Um gegebenenfalls Abhilfe zu schaffen, würden wir uns gerne einen Überblick über die aktuelle Situation verschaffen.
 
Daher folgende Fragen, Herr Minister:
1. Wie viele Kinder profitieren aktuell von den Maßnahmen für erstankommende Schüler?
2. Ist bekannt, wie viele Schülerinnen und Schüler in den Grundschulklassen keine oder mangelnde Deutschkenntnisse aufweisen?
3. Wenn ja, um wie viele handelt es sich? (Ausgenommen die französischsprachigen Schüler, deren Eltern sich bewusst für eine deutschsprachige Klasse entschieden haben)
4. Wie sind diese Schüler auf die einzelnen Jahrgänge und Schulen verteilt?
5. Haben diese Schüler auch dann die Möglichkeit von Unterstützungsmaßnahmen zu profitieren, wenn sich schon länger als 20 Monate in Belgien leben?
6. Wenn ja, um welche Maßnahmen handelt es sich?
7. An wen wenden sich die Lehrer, wenn sie Schüler mit mangelnden Deutschkenntnissen in der Klasse haben?
8. Wie werden die Lehrer in solchen Fällen aktuell unterstützt?
9. In welcher Form kann das Kompetenzzentrum die Lehrer ganz gezielt unterstützen?
10. Wie viel Stundenkapital gibt es aktuell zur Unterstützung von Schülern mit schlechten Deutschkenntnissen, die länger als 20 Monaten in der DG wohnen?
11. Haben die einzelnen Schulen für besonders schwierige Situationen die Möglichkeit, Stunden für die gezielte Förderung von Schülern mit schlechten Deutschkenntnissen einzusetzen? (Die niederschwellige Förderung natürlich ausgeschlossen)
12. Gibt es klare Richtlinien, wie Schüler mit schlechten Deutschkenntnissen benotet bzw. diplomiert werden?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:
 
In der Einleitung zu seinen Fragen begrüßt Kollege Niessen die Einführung des Dekretes vom 26. Juni 2017 zur Beschulung von erstankommenden Schülern, bemängelt jedoch, dass Schüler, die schon länger als 20 Monate in der Deutschsprachigen Gemeinschaft leben, nicht in den Genuss einer speziellen Förderung kommen würden. Daher sei zunächst darauf hingewiesen, dass diese Aussage nicht zutrifft. Das Dekret besagt Folgendes:
„Erstankommende Schüler sind Kinder oder Jugendliche, die bei der Ersteinschreibung in eine Regelschule in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, folgenden Bedingungen erfüllen:
a) Sie sind zwischen 3 und 18 Jahren alt;
b) Ihre Sprachkenntnisse liegen unter dem Niveau A2 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen;
c) Sie haben ihren Wohnsitz oder ständigen Aufenthaltsort in einer der neun Gemeinden des deutschen Sprachgebiets.“
 
Das bedeutet konkret, dass die Schüler, die in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wohnen, zwischen 3 und 18 Jahre alt sind und deren Sprachkenntnisse unter dem Niveau A2 des GERS liegen, jeweils bei der Ersteinschreibung in eine Schule in der Deutschsprachigen Gemeinschaft als erstankommende Schüler gelten und somit in den Genuss einer speziellen Sprachförderung kommen können. Kinder, die also beispielsweise in der Deutschsprachigen Gemeinschaft geboren sind und mit 3, 4, 5 oder 6 Jahren in eine ostbelgische Schule eingeschrieben werden, erhalten die entsprechende Sprachförderung für erstankommende Schüler, obwohl sie schon länger als 20 Monate in Ostbelgien leben. Das gleiche gilt für Schüler, die in anderen Landesteilen oder Ländern
gelebt haben, und sich zum ersten Mal in eine unserer Schulen einschreiben. Zusätzlich sieht das Dekret eine Übergangsregelung vor für Schüler, die vor Inkrafttreten des aktuellen Dekretes schon in ostbelgischen Schulen eingeschrieben waren und die Unterrichtssprache nicht in ausreichendem Maße beherrschten. Diese besagt, ich zitiere: „Schüler, die am 1. September 2017 nicht länger als 20 Monate im Gebiet deutscher Sprache beschult wurden und nicht über das Kompetenzniveau A2 des GERS für Sprachen verfügen, gelten bis zum 30. Juni 2019 als erstankommende Schüler.“ Diese
Übergangsregelung wurde geschaffen, um die Schüler, die bereits vor Inkrafttreten des Dekretes in unserem Schulsystem waren, angemessen zu fördern. Somit ermöglicht das Dekret vom 27. Juni 2017 zur Beschulung von erstankommenden Schülern nahezu allen Schülern mit mangelnden Kompetenzen in der Unterrichtssprache bei der Ersteinschreibung, in den Genuss einer speziellen sprachlichen Förderung zu kommen. Durch die besagte Übergangsregelung findet das Dekret Anwendung auf Schüler, die nicht mehr als 2 Schuljahre hier beschult wurden. Ausschlaggebend für die
Förderung ist also nicht die Dauer des Aufenthalts, sondern die Dauer der Beschulung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Ende des letzten Schuljahres hat die Regierung eine Evaluation der Umsetzung des neuen Dekretes zur Beschulung erstankommender Schüler in Auftrag gegeben. Dabei wurden alle Lehrer, die in einer Sprachlernklasse unterrichten oder einen Sprachlernkurs
erteilen, sowie die Schulleiter befragt. Die Schulleiter zeigten sich mit der neuen Definition für erstankommende Schüler zufrieden, da diese erlaube, beinahe allen Schülern eine adäquate Sprachförderung zuteilwerden zu lassen.
 
Kommen wir nun zu Ihren Fragen.
 
Wie viele Kinder profitieren aktuell von den Maßnahmen für erstankommende Schüler?
Aktuell erhalten 331 Schüler in insgesamt acht Regelgrundschulen und 64 Schüler in drei Regelsekundarschulen eine sprachliche Förderung gemäß dem Dekret zur Beschulung erstankommender Schüler.
 
Ist bekannt wie viele Schülerinnen und Schüler in den Grundschulklassen mangelnde Deutschkenntnisse aufweisen? Wenn ja, um wie viele handelt es sich? (Ausgenommen die französischsprachigen Schüler, deren Eltern sich bewusst für eine deutschsprachige Klasse entschieden haben) Wie sind diese Schüler auf die einzelnen Jahrgänge und Schulen verteilt?
Die Schulleiter ermitteln bei der Ersteinschreibung, ob die Schüler das Niveau A2 beherrschen. Wenn dies nicht der Fall ist, erhalten sie eine sprachliche Förderung gemäß dem Dekret zur Beschulung erstankommender Schüler. Über mangelnde Deutschkenntnisse von Schülern, die bei der Ersteinschreibung das Niveau A2 erreicht haben, liegen uns keine statistischen Angaben vor. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass französischsprachige Schüler, die in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wohnen und sich in eine deutschsprachige Schule oder Abteilung einschreiben, bei der Ersteinschreibung auch als erstankommende Schüler gelten.
 
Haben diese Schüler auch dann die Möglichkeit von Unterstützungsmaßnahmen zu profitieren, wenn sie schon länger als 20 Monate in Belgien leben?
Unterstützungsmaßnahmen erhalten alle Schüler bei der Ersteinschreibung in eine ostbelgische Schule, wenn sie zwischen 3 und 18 Jahre alt sind, in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wohnen und mangelnde Sprachkenntnisse aufweisen, unabhängig davon, wie lange sie schon in Belgien oder in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wohnen. Die 20 Monate aus der Übergangsregelung beziehen sich auf die Dauer der Beschulung (2 Schuljahre) in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und nicht auf die Dauer des Aufenthalts in Ostbelgien. In Bezug auf die Schüler mit Migrationshintergrund müssten somit im Prinzip alle Schüler die notwendige Förderung erhalten. Dennoch kommt es in einzelnen Fällen vor, dass Schüler über die Maßnahmen für erstankommende Schüler hinaus eine Unterstützung benötigen, sei es weil sie nach der Sprachförderung in Sprachlernklassen oder -kursen einer weiteren Förderung bedürfen, weil sie ihren Wohnort außerhalb der Deutschsprachigen Gemeinschaft haben oder weil sie, was eher unwahrscheinlich ist, schon länger in Ostbelgien wohnen und beschult werden und nicht in den Genuss der Sprachförderung für erstankommende Schüler gekommen sind. Für diese Fälle wurde die förderpädagogische Fachberatung Deutsch als Zweitsprache am Kompetenzzentrum ins Leben gerufen. Zusammen mit den Lehrern werden für diese Schüler spezifische Fördermaßnahmen entwickelt. Im vergangenen Schuljahr (2017-2018) erreichten das Kompetenzzentrum 10 solcher
Anfragen, diese betrafen 8 Grundschüler und 2 Sekundarschüler. Im laufenden Schuljahr betreut das Kompetenzzentrum 15 Regelschüler, 9 Primarschüler und 6 Sekundarschüler.
 
Wenn ja, um welche Maßnahmen handelt es sich?
Schüler, die schon länger als 20 Monate in Belgien leben und der Definition von erstankommenden Schülern entsprechen, werden entweder in eine Sprachlernklasse oder in einen Sprachlernkurs aufgenommen bzw. im 1. und 2. Kindergartenjahr nach dem Immersionsprinzip gefördert. Schüler, denen diese Fördermaßnahmen bereits zuteil wurden und die einer weiteren Förderung bedürfen oder denen eine spezifische Sprachförderung in einer Sprachlernklasse oder einem Sprachlernkurs aufgrund ihres Wohnorts verwehrt blieb, werden in der Regelklasse gefördert. Die Lehrperson kann dazu bei Bedarf die Unterstützung der förderpädagogischen Fachberatung Deutsch als Zweitsprache des Kompetenzzentrums in Anspruch nehmen (s.u.).
 
An wen wenden sich die Lehrer, wenn sie Schüler mit mangelnden Deutschkenntnissen in der Klasse haben? Wie werden Lehrer in solchen Fällen unterstützt?
Zunächst wenden sich die Schulleitungen an das Ministerium, um zu klären, ob die Schüler als erstankommende Schüler gelten und wieviel Stundenkapital ihnen zur Verfügung gestellt wird. Bei pädagogischen Fragen zur Sprachförderung wenden sich Schulleitung oder Lehrer an das Kompetenzzentrum am Zentrum für Förderpädagogik. Im vergangenen Schuljahr haben die zuständige Fachberaterin des Kompetenzzentrums 13 Anfragen von Schulen erreicht, davon 10 im Norden und 3 im Süden Ostbelgiens. Sie hat 35 Primarschüler in Sprachlernklassen und -kursen und 8 Primarschüler in Regelklassen aktiv begleitet. Im laufenden Schuljahr unterstützt sie 5 Schulen im Norden und 4 Schulen im Süden Ostbelgiens und begleitet dabei aktiv 33 Primarschüler in
Sprachlernklassen und -kursen und 9 Primarschüler in Regelklassen. Darüber hinaus bietet die Fachberatung Deutsch an der Autonomen Hochschule Schulen oder einzelnen Lehrern Beratung im Sinne von Differenzierungsmaßnahmen für sprachlich heterogene Klassen an. Konkret ausgearbeitete Beispiele zeigen auf, wie in den Bereichen Lesen, Schreiben, Sprechen und Zuhören im Regelunterricht Kompetenzen gezielt gefördert werden können.
 
In welcher Form kann das Kompetenzzentrum die Lehrer ganz gezielt unterstützen?
Im Bereich Deutsch als Zweitsprache bietet das Kompetenzzentrum zwei Dienstleistungen an. Zum einen berät und unterstützt es die Lehrer und Schulen bei der Sprachförderung im Regelunterricht. Dabei handelt es sich um die sogenannte förderpädagogische Fachberatung in Deutsch als Zweitsprache. Zum anderen unterstützt das Kompetenzzentrum die Arbeit in den Sprachlernklassen und -kursen. Konkret bietet es für den Regelunterricht im Primar und Sekundarschulwesen folgende Dienstleistungen an:
o Förderpädagogische Fachberatung in Deutsch als Zweitsprache
o schulinterne und offene Weiterbildungen
o aktive Gestaltung und Vorstellung des Online-Portals und der darauf befindlichen Unterrichtsmaterialien in Deutsch als Zweitsprache
o Interne Vernetzung in multidisziplinären Angelegenheiten (z.B. Sprachförderung unter Berücksichtigung sozio-emotionaler Aspekte von Schülern mit Migrationshintergrund)
 
Darüber hinaus begleitet das Kompetenzzentrum die Arbeit in den Sprachlernklassen oder Sprachlernkursen in der Primarschule aktiv durch:
o die Beratung der Lehrpersonen bezüglich des Unterrichts in Deutsch als Zweitsprache (Methoden, Materialien und Instrumente)
o die individuelle Beratung und Begleitung der Lehrpersonen bezüglich einzelner erstankommender Schüler
o die Organisation der Netzwerktreffen und Inputs für Lehrpersonen im Primarbereich, die erstankommende Schüler unterrichten
o die Begleitung von Schulleitungen in ihren anstehenden Bedarfen
o die Vernetzung unterschiedlicher Fachdienste
 
Wie viel Stundenkapital gibt es aktuell zur Unterstützung von Schülern mit schlechten Deutschkenntnissen, die länger als 20 Monate in der DG wohnen?
Schüler, die länger als 20 Monate in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wohnen und der Definition von erstankommenden Schülern entsprechen, generieren Stundenkapital gemäß dem Dekret zur Beschulung erstankommender Schüler. In der Einleitung wurde ausführlich erläutert, welche Schüler in den Genuss einer Unterstützung kommen können und welches die Übergangsbestimmung ist. Schüler, die länger als 20 Monaten an ostbelgischen Schulen beschult werden, kommen nicht in den Genuss einer zusätzlichen Unterstützung im Rahmen des Dekrets zur Beschulung von erstankommenden Schülern. Haben die einzelnen Schulen für besonders schwierige Situationen die Möglichkeit, Stunden für die gezielte Förderung von Schülern mit schlechten Deutschkenntnissen
einzusetzen? (Die niederschwellige Förderung natürlich ausgeschlossen) Bei Bedarf können Schüler in den Genuss einer niederschwelligen oder hochschwelligen Förderung kommen. Um jedoch in den Genuss einer hochschwelligen Förderung zu kommen, muss für den jeweiligen Schüler sonderpädagogischer Förderbedarf vorliegen. Hier gelten die gleichen Regeln wie für alle Schüler mit erhöhtem Förderbedarf. Die Regierung hofft, dass die systematische Umsetzung des Dekrets vom 26. Juni 2017 zur Beschulung von erstankommenden Schülern die notwendigen Früchte trägt und die
Sprachkompetenzen der erstankommenden Schüler so weit gefördert werden können, dass sie dem Regelunterricht im Anschluss normal folgen können. In den Sekundarschulen wurde bekanntlich für die Integration von erstankommenden Schülern in die Regelklassen zusätzliches Stellenkapital vorgesehen.
 
Gibt es klare Richtlinien, wie Schüler mit schlechten Deutschkenntnissen benotet bzw.diplomiert werden?
Wenn die Schüler als erstankommende Schüler gelten, greift die Regelung zum Notenschutz für erstankommenden Schüler, die im Dekret wie folgt beschrieben ist: „Notenschutz aufgrund mangelnder Kompetenzen in der Unterrichtssprache und in den Fremdsprachen:
̶ Zielgruppe: Schüler mit mangelnden Kompetenzen in der Unterrichtssprache (Sprachkenntnisse unter Niveau B1 laut GERS) oder in Fremdsprachen
̶ Der Notenschutz ist maximal gültig für das laufende und das darauffolgende Schuljahr.
̶ Der Notenschutz wird im Zeugnis vermerkt, jedoch nicht auf dem Diplom.
̶ Der Notenschutz aufgrund mangelnder sprachlicher Kompetenzen in der Unterrichtssprache und in den Fremdsprachen wird ab dem 5. Sekundarschuljahr nicht mehr gewährt.“
 
Diese Regelung findet auch Anwendung auf die Schüler, die sofort in das Regelschulwesen eingegliedert werden aber unter Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens liegen.
Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Regierung im Thesenpapier für das dritte Umsetzungsprogramm des Regionalen Entwicklungskonzepts die Förderung der Unterrichtssprache als bildungspolitische Priorität festgelegt hat. Die Idee, ein Zukunftsprojekt zur durchgängigen Sprachbildung in das REK III aufzunehmen, fußt unter anderem auf Beobachtungen der Schulinspektion und der externen Evaluation sowie auf Schlussfolgerungen verschiedener Sprachstandserhebungen, die belegen, dass zahlreiche Schüler in ostbelgischen Schulen, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, der Bildungssprache nicht ausreichend mächtig sind, um ihren weiteren Lebens- und Bildungsweg erfolgreich zu bestreiten. Die Bildungssprache soll durch eine intensive
Förderung der Unterrichtssprachen Deutsch und Französisch in allen Fächern und allen Stufen vom Kindergarten bis zum Ende der Sekundarschule verbessert werden.
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