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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

7. Dezember 2018 – Frage von C. Servaty an Minister Antoniadis zu den aktuellen AIDS und HIV-Zahlen

Am vergangenen Samstag, den 1. Dezember fand der alljährliche Welt-Aids-Tag statt. Auch in diesem Jahr wurde auf die weltweite Verbreitung hingewiesen und Präventionsarbeit – beispielsweise durch die Verteilung von Präservativen – geleistet. In Belgien gibt es laut des wissenschaftlichen Instituts für Volkgesundheit jeden Tag durchschnittlich 2,4 neue HIV-Erkrankungen. Im vergangen Jahr wurde bei 890 Belgiern HIV entdeckt. Im vergangenen Jahr sind die HIV-Infektionen im gesamten Land um 2 Prozent zurückgegangen. Hier kann man von einer sehr positiven Entwicklung sprechen. Grund zur Entwarnung kann es jedoch nicht geben. Angesichts der Herausforderungen, die in dieser Thematik auch weiterhin bestehen, lauten meine Fragen: Wie bewertet die DG-Regierung diese Zahlen? Welche Maßnahmen werden in der DG ergriffen, um Präventionsarbeit zu leisten? Was wird in der DG für Menschen getan, die sich bereits mit HIV infiziert haben?

Die nachfolgend veröffentlichten Fragen und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Charles Servaty (SP):
 
Am vergangenen Samstag, den 1. Dezember fand der alljährliche Welt-Aids-Tag statt. Auch in diesem Jahr wurde auf die weltweite Verbreitung hingewiesen und Präventionsarbeit – beispielsweise durch die Verteilung von Präservativen – geleistet.
In Belgien gibt es laut des wissenschaftlichen Instituts für Volkgesundheit jeden Tag durchschnittlich 2,4 neue HIV-Erkrankungen. Im vergangen Jahr wurde bei 890 Belgiern HIV entdeckt. Im vergangenen Jahr sind die HIV-Infektionen im gesamten Land um 2 Prozent zurückgegangen. Hier kann man von einer sehr positiven Entwicklung sprechen. Grund zur Entwarnung kann es jedoch nicht geben.
 
Angesichts der Herausforderungen, die in dieser Thematik auch weiterhin bestehen, lauten meine Fragen:
­- Wie bewertet die DG-Regierung diese Zahlen?
­- Welche Maßnahmen werden in der DG ergriffen, um Präventionsarbeit zu leisten?
­- Was wird in der DG für Menschen getan, die sich bereits mit HIV infiziert haben?
 
Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:
 
Tatsächlich sind die Zahlen der HIV-Infektionen für Belgien rückläufig. Die Zahl der neuen HIV-Infektionen nimmt in unserem Land von Jahr zu Jahr ab.
In der Zwischenzeit konnten wir auch für die Deutschsprachige Gemeinschaft eigene Zahlen anfragen. Im Jahr 2016 wurden 4 Fälle diagnostiziert, im Jahr 2017 nur 2.
Allgemein ist es selbstverständlich positiv, dass die Fälle von HIV Erkrankungen zurückgehen. Denn das zeigt einerseits, dass im deutschen Sprachgebiet eine gute sexuelle Gesundheit herrscht. Das zeigt aber auch, dass die Präventions- und Sensibilisierungsarbeit ihre Früchte trägt.
Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir bei allen Diskussionen über HIV und Aids andere sexuell übertragbare Krankheiten nicht aus den Augen verlieren dürfen. Wir müssen offen über Sexualität sprechen. Nur so können wir bei den Menschen ein größtmögliches Bewusstsein für ihre Gesundheit und die ihres Partners erreichen.
Welche Maßnahmen werden in der DG ergriffen, um Präventionsarbeit zu leisten?
Unter dem Titel „Der Feind in deinem Bett“ hat die Regierung im letzten Jahr eine Informationskampagne gestartet, die auch wieder in diesem Jahr anlässlich des Welt-Aids-Tags angelaufen ist.
Dabei wenden wir uns hauptsächlich an Risikogruppen mit wechselnden Sexualpartnern.
Über verschiedene Kanäle wird über Gefahren und Risiken beim ungeschützten Geschlechtsverkehr aufmerksam gemacht. Außerdem werden alle Dienstleister, die mit den Risikogruppen in Verbindung kommen, angeschrieben, um nochmals auf deren Bedeutung bei der Aufklärungsarbeit hinzuweisen.
Die zuständigen Dienstleister in diesem Bereich leisten parallel dazu gute Arbeit. Ein Beispiel ist die Arbeitsgruppe „Förderung der sexuellen Gesundheit“, die durch Kaleido-Ostbelgien koordiniert wird.
Die Arbeitsgruppe befasst sich nicht ausschließlich mit der Aidsthematik, sondern verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz bei der sexuellen Gesundheit.
Kaleido entsendet zum Beispiel Animationsteams, die Jugendliche ab dem zweiten Sekundarschuljahr auf das Thema Sexualität aufmerksam machen. Mit dem interaktiven Spiel „Sexability“ erlernen die Kinder theoretische und praktische Elemente zu den sexuell übertragbaren Krankheiten.
Außerdem gibt es eine Zusammenarbeit mit der Provinz Lüttich, wodurch der Informationsbus „Sex’ Etera“ an deutschsprachigen Schulen Halt macht.
Was wird in der DG für Menschen getan, die sich bereits mit HIV infiziert haben?
 
In Ostbelgien gibt es keine spezifische Plattform für Aids. Wir empfehlen den Ostbelgiern, sich für die anonymen AIDS-Tests und Beratungen an folgende professionelle Stellen zu wenden:
- das "Centre de Référence SIDA" in Lüttich.
Die Hauptaufgabe des Referenzzentrums besteht in der psycho-sozialmedizinischen Betreuung von Menschen mit HIV.* Das Zentrum bietet anonyme und kostenlose HIV-Screenings an.
- die Aids-Hilfe Aachen und das Gesundheitsamt Aachen.
Im persönlichen Gespräch werden Probleme im Umgang mit der HIV-Infektion, in Partnerschaft und Sexualität, bei Schwangerschaft und Kinderwunsch angesprochen.
Natürlich steht es jedem frei, sich bei seinem Arzt des Vertrauens einer Blutuntersuchung zu unterziehen.
Sollte ein Aids-Test positiv ausfallen, werden die Patienten durch die jeweiligen Stellen betreut und bezüglich der anstehenden Behandlung beraten. Es ist wichtig, nach einer Diagnose möglichst schnell mit einer HIV-Therapie zu beginnen.
Eine Aids-Diagnose ist kein Todesurteil. Mithilfe der Medizin konnten die Überlebensrate und die Lebensqualität gesteigert werden. Auch wenn es wichtig ist, dass infizierte Personen aus der Gesellschaft nicht ausgeschlossen werden, bedeutet das keineswegs, dass der Virus verharmlost werden sollte.
 
Hintergrundinfo:
Zusammenstellung der Arbeitsgruppe:
- Kaleido (Psychologen, Krankenpflegerinnen und Sozialassistenten),
- Jugendinfotreff Eupen,
- Jugendinfotreff St. Vith,
- Christliche Krankenkasse
- Jugendbüro
 
 
* Das Team besteht aus spezialisierten Ärzten, Psychologen, zwei Sozialarbeitern, einer Krankenschwester, einem Ernährungsberater, einem Sexualtherapeuten, einem Koordinator für klinische Studien und zwei Sekretären. Psychologen veranstalten monatlich eine Sprechgruppe für Patienten.
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