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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

6. Dezember 2018 – Frage von G. Freches an Minister Mollers zum Thema „Umgang mit Geld“ – ein Thema in den ostbelgischen Schulen?!

Am 26. November 2018 meldete der BRF dass 40% der Belgier ihre Rechnungen zu spät begleichen. Wie es das Inkassounternehmen Intrum in seinem jüngsten europäischen Konsumentenbericht schreibt, soll die Zahlungsmoral vor allen Dingen bei den jüngeren Menschen unter 35 Jahren verbesserungsfähig sein. Fast einer von zwei Belgiern unter 35 hat im letzten Jahr mindestens einmal eine Rechnung zu spät bezahlt. […] Um eine Verbesserung der Zahlungsgewohnheiten in die Wege zu leiten, wird nun von den Befragten vorgeschlagen, dass der Umgang mit Geld häufiger in den Schulen behandelt werden sollte – ganz nach dem Motto „Wirtschaft macht Schule“. […] Meine Fragen nun an Sie, werter Herr Minister: Gedenkt man in der DG auf diesen Vorschlag zu reagieren und dem Thema mehr Aufmerksamkeit in der Schulwelt zu widmen? Wird diese so wichtige Thematik bereits in den ostbelgischen Schulen behandelt?

Die nachfolgend veröffentlichten Fragen und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Gregor Freches (PFF):
 
Am 26. November 2018 meldete der BRF dass 40% der Belgier ihre Rechnungen zu spät begleichen. Wie es das Inkassounternehmen Intrum in seinem jüngsten europäischen Konsumentenbericht schreibt, soll die Zahlungsmoral vor allen Dingen bei den jüngeren Menschen unter 35 Jahren verbesserungsfähig sein. Fast einer von zwei Belgiern unter 35 hat im letzten Jahr mindestens einmal eine Rechnung zu spät bezahlt.
Die Gründe für die schlechte Zahlungsbereitschaft sind vielschichtig und oftmals zweierlei Natur: entweder es handelt sich um Liquiditätsengpässe oder das Zahlen wurde schlicht und einfach vergessen.
Um eine Verbesserung der Zahlungsgewohnheiten in die Wege zu leiten, wird nun von den Befragten vorgeschlagen, dass der Umgang mit Geld häufiger in den Schulen behandelt werden sollte – ganz nach dem Motto „Wirtschaft macht Schule“. Lassen Sie uns an dieser Stelle eine kleine Brücke zu dem aktuell laufenden Projekt „Wirtschaft macht Schule“ schlagen, welches seit September diesen Jahres in der DG angeboten wird.
Da die Schulzeit als Vorbereitung auf das spätere Leben angesehen werden sollte, gehört der verantwortungsvolle Umgang mit Geld sicherlich dazu.
 
Meine Fragen nun an Sie, werter Herr Minister:
- Gedenkt man in der DG auf diesen Vorschlag zu reagieren und dem Thema mehr Aufmerksamkeit in der Schulwelt zu widmen?
- Wird diese so wichtige Thematik bereits in den ostbelgischen Schulen behandelt?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:
 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
Grundsätzlich handelt es sich bei der aufgeworfenen Problematik des verantwortungsvollen Umgangs mit Geld um ein gesellschaftspolitisches Thema wie etwa auch die Frage der Erlernung des Fahrradfahrens, der Verkehrserziehung oder der Erziehung zur gesunden Ernährung, dessen Verantwortung nicht nur zwischen dem Elternhaus, der Schülerschaft und der Schule auszumachen ist, sondern darüber hinaus kulturelle Bedeutung besitzt.
Auch der „Bund der Familien“ forderte bereits im März 2017 Eltern und Schulen dazu auf, ihre Verantwortung bei der „Gelderziehung“ der Kinder zu übernehmen.
Ähnlich wie bei der Vermittlung grundlegender Kompetenzen, auch „Soft Skills“ genannt, wie Kommunikationsfähigkeit, Belastbarkeit, Empathie, Flexibilität usw. hat die Schule sicher auch bei der Problematik des verantwortungsvollen Umgangs mit Geld eine allgemeine erzieherische Rolle zu spielen, die wir auch ausdrücklich unterstützen. Den Hintergrund zur Behandlung des Themas im Unterricht, auch wenn es nicht explizit als solches aufgeführt wird, bieten beispielsweise Rahmenpläne für schulische Berufswahlvorbereitung und schulische Berufsorientierung, Geschichte, Geografie, Ethik oder Mathematik, in denen ökonomische Zusammenhänge behandelt werden, sowie in noch stärkerem Bezug hierzu die Lehrpläne zur Fächergruppe Wirtschaftswissenschaften. In diesen wird bereits ab der Unterstufe des Sekundarunterrichts die Auseinandersetzung der Schüler mit den Themen Taschengeld, allgemeines Konsumverhalten und Bedürfnisbefriedigung  vorgesehen, während die älteren Schüler sich mit Fragen der Lebenshaltungskosten, der Einkommenszusammensetzung, des Verbraucherindex oder der Besteuerung beschäftigen sollen.
 
Außerdem wird seit geraumer Zeit auf dem Bildungsserver ein praxisorientiertes Lehrerhandbuch („In the pocket“) der König-Baudouin-Stiftung  mit Unterrichtsvorschlägen zum bewussten Umgang mit Geld für den Einsatz in der Klasse zur Verfügung gestellt. Auch die Abteilung „GrenzGeschichteDG“ an der Autonomen Hochschule, die sich ja mit der Förderung politischer Bildung in unseren Schulen beschäftigt, sammelt zu diesem Thema gegenwärtig Materialien, die im kommenden Schuljahr zu anwendungsbereitem Unterrichtsmaterial umgearbeitet werden sollen und dann von der Webseite dieser Einrichtung heruntergeladen werden können. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang erscheinen auch die in einigen  ostbelgischen Sekundarschulen organisierten und vom Studienkreis „Schule und Wirtschaft“ betreuten Mini-Unternehmen. Diese Mini-Unternehmen sind tätig am César Franck Athenäum in Kelmis, an der Pater-Damian-Schule und am Robert-Schuman-Institut in Eupen, sowie an der Bischöflichen Schule in Büllingen.
 
Zu ihrem Tagesgeschäft gehört naturgemäß der Umgang mit Geld und Kosten, aber auch mit Schätzungen und Budgetierung sowie mit Wirtschaftlichkeit und Projektfinanzierung – alles wichtige Bestandteile des von Ihnen aufgeworfenen Themenfeldes. Last but not least sei ebenfalls  auf ein Einzelprojekt des von Ihnen erwähnten Programms „Wirtschaft macht Schule“ hingewiesen, nämlich das Projekt „Meine Gemeinde“, das sich an Schüler der Primarschulklassen richtet und dessen fünf Module dazu einladen, den eigenen Wohnort  in Bezug auf verschiedene Wirtschaftsfaktoren näher kennenzulernen. In Zusammenarbeit mit der WFG Ostbelgien unternimmt die Lehrperson fünf spielerische Aktivitäten (je 50 Minuten, gerne auch fachübergreifend). Im Modul „Der Kreislauf des Geldes“ wird insbesondere der Umgang mit Geld behandelt, sein Ursprung und sein Kreislauf näher untersucht.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
 
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