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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 322

6. Dezember 2018 – Frage von L. Frank an Herrn Minister Mollers zu Fremdsprachenunterricht und Diplomanerkennung

Welches GER-Niveau erreichen die ostbelgischen Abiturienten, wenn sie eine sog. bilinguale Abteilung in einer der hiesigen Sekundarschulen besuchen? Unter welchen Voraussetzungen wird den Absolventen einer sog. bilingualen Abteilung ein Diplom verliehen, das auch in der Französischen Gemeinschaft anerkannt wird, und zwar dahingehend, dass diesen jungen Menschen eine Sprachprüfung bei der föderalen Auswahlstelle für den öffentlichen Dienst (SELOR) erspart bleibt, wenn sie an einer Ausschreibung im Rang C (Abitur Diplom) der französischen Sprachengruppe teilnehmen.

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Luc Frank (CSP), vom 30. Oktober 2018:
 
Beim Abschluss der Sekundarstufe sollte der DG-Abiturient im allgemeinbildenden Unterricht das durch den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER) vorgegebene Niveau B2 erreichen.2
Nun dürfte man annehmen, dass das Angebot sog. bilingualer Abteilungen3 vielen Schülern einen Gewinn hinsichtlich der weiterführenden Studien in Hochschulen oder Universitäten bringt, und dass das vorgegebene Niveau B2 übertroffen werden dürfte.
 
Hierzu meine Frage:
1. Welches GER-Niveau erreichen die ostbelgischen Abiturienten, wenn sie eine sog. bilinguale Abteilung in einer der hiesigen Sekundarschulen besuchen?
2. Unter welchen Voraussetzungen wird den Absolventen einer sog. bilingualen Abteilung ein Diplom verliehen, das auch in der Französischen Gemeinschaft anerkannt wird, und zwar dahingehend, dass diesen jungen Menschen eine Sprachprüfung bei der föderalen Auswahlstelle für den öffentlichen Dienst (SELOR) erspart bleibt, wenn sie an einer Ausschreibung im Rang C (Abitur Diplom) der französischen Sprachengruppe teilnehmen.
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:
 
Um zur Klärung der hier vorliegenden Frage beizutragen, möchte ich Ihnen zunächst mitteilen, dass wir in den Sekundarschulen in Ostbelgien nicht von „bilingualen Abteilungen“ sprechen.
Das Dekret von 2004 ermöglicht den Sekundarschulen einen maximalen Anteil von Sachfachunterrichten in der ersten Fremdsprache zu organisieren, das sind bis zu 65 % in der ersten Stufe der Sekundarschule und bis zu 50 % in der zweiten und dritten Stufe. Die Schulen entscheiden selbst, welche Fächer und in welchem Umfang sie den Schülern diese Fächer anbieten. In vielen Schulen können auch die Schüler noch einmal individuell wählen, welche Sachfachunterrichte sie in der ersten Fremdsprache belegen möchten. Sie haben außerdem die Möglichkeit, diese nach Bedarf abzuwählen gemäß der im Königlichen Erlass vom 29. Juni 1984 festgelegten Richtlinien über die Organisation des Sekundarschulwesens.
Da es also keine spezifische und einheitliche Definition von sogenannten bilingualen Abteilungen in den Sekundarschulen in Ostbelgien gibt, sollte dieser Begriff auch in diesem Zusammenhang nicht benutzt werden.
Artikel 9 des Dekrets vom 19. April 2004 über die Vermittlung und den Gebrauch der Sprachen im Unterrichtswesen zur Titel Vergabe von Studiennachweisen besagt: „Alle Studiennachweise werden in deutscher Sprache ausgestellt, mit Ausnahme des Abschlusszeugnisses der Grundschule, das in der Unterrichtssprache ausgestellt wird.“
Demzufolge erhalten auch die Schüler, die Sachfachunterrichte in der ersten Fremdsprache Französisch belegen, einen Studiennachweis in deutscher Sprache. Im Rahmenplan Französisch, erste Fremdsprache, für den allgemeinbildenden und technischen Übergangsunterricht ist das zu erreichende Niveau B2 für alle Schüler am Ende der Sekundarschule festgelegt worden.
Seit Mai 2018 haben jedoch alle Schüler die Möglichkeit, am Ende des 6. Studienjahres eine sogenannte DELF-Prüfung abzulegen und somit ein offizielles Zertifikat auf Niveau B2 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GERS) zu erhalten, das in Hochschulen und Universitäten international anerkannt ist.
Betrachten wir die Ergebnisse dieser Vollerhebung von Mai 2018 in Bezug auf die drei Sekundarschulen, die traditionell eine Reihe von Sachfachunterrichten in Französisch anbieten (CFA, PDS und KAE), so stellen wir fest, dass von den 73 Schülern, diese Angebote verstärkt nutzen, 72 Schüler das Niveau B2 bestanden haben. 98,6 % (im Vergleich zu allen Schülern auf Niveau B2 in der DG: 78,5 % ) der Schüler bestehen das B2 Niveau und dies mit folgenden Mittelwerten:
  Mittelwer der Schüler, die eine Reihe von Sachfächern in der ersten Fremdsprache belegen Mittelwert der Schüler auf Niveau B2 in der DG
Production orale ./25 22,2 16,6
Compréhension orale ./25 20,0 15,3
Compréhension écrite ./25 19,25 14,1

Production écrite ./25

21,2 16,6
Total ./100 82,6 63,3

 

Ich stelle also fest, dass die verstärkten Angebote von Sachfachunterrichten in der ersten Fremdsprache den Schülern offensichtlich auf pädagogischer Ebene eine hervorragende Möglichkeit bieten, sich das Niveau B2 anzueignen.

In Bezug auf Ihre Frage zu den Ausschreibungen für den öffentlichen Dienst (SELOR) im Rang C (Abitur Diplom) der französischen Sprachengruppe, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass das DELF-Diplom dort nicht anerkannt wird, obwohl auch dort das Niveau B2 in den vier Kompetenzbereichen nachgewiesen werden muss (also nicht das höhere Niveau C1).
Man kann den Kandidaten also diese Prüfung bei SELOR nicht ersparen. Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass die Abiturienten, die Sachfachunterrichte auf Französisch belegt haben, bessere Voraussetzungen für das Bestehen dieser Prüfung haben.

* Siehe dazu u.a.: http://www.europaeischer-referenzrahmen.de/
** https://www.cfa-kelmis.be/deutsch/studienangebot/bilinguale.php
 
 
 
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