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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 325

22. November 2018 - Frage von M. Balter an Minister Antoniadis als Nachfrage zur SF Nr. 249 bezüglich des Konsums von Schlaftabletten

Bereits in unserer schriftlichen Frage Nr. 249 vom 15.02.2018 ging es um Schlafstörungen in der Bevölkerung, welchen zu oft die Einnahme von Schlaftabletten gegenüber stand mit Risiken und Nebenwirkungen wie z. B. Abhängigkeiten.

Wie am 29.10.2018 im GrenzEcho zu lesen war, hat das föderale Gesundheitsministerium Alarm geschlagen, weil die Belgier zu viele Schlafmittel einnehmen: 21,5% der Über-75-Jährigen nehmen täglich Schlaftabletten, bei den 65- bis 74-Jährigen sind es 14,1% und bei den 55- bis 64-Jährigen 10,4%. Von den Altenheimbewohnern greift die Hälfte aller Bewoh-ner auf Beruhigungs- und Schlaftabletten zurück. Laut „Het Nieuwsblad“ können 13% aller Belgier mindestens einmal alle zwei Wochen nicht ohne Hilfsmittel schlafen. Für spezifische Schlafprobleme können Tabletten zwar hilfreich sein, da man schneller einschläft. Allerdings ist der Schlaf leichter, weshalb nach einer Woche Schlaf mit Schlaftabletten wieder ein Arzt aufgesucht werden sollte, da der Konsum süchtig machen kann. Viele Personen würden die Medikamente aus Angst vor Entzugserscheinungen nicht absetzen, obwohl die Nebenwirkungen für einige Patienten sehr gefährlich sein können. Vor allem bei Senioren kann ein starker Konsum von Schlaftabletten zu Konzentrationsstörungen und Stürzen führen.

Da die Entwöhnung vielen so schwerfällt, fordert das föderale Gesundheitsministerium nun die Pharmaindustrie dazu auf, in absehbarer Zeit kleinere Verpackungsgrößen auf den Markt zu bringen, da bei Packungen mit 30 oder 60 Tabletten nach einer Woche viele übrig sind und weiter eingenommen werden. Hausärzte sagen, Verpackungen mit weniger Tabletten würden nichts bringen, was auch Pharma.be, der Dachverband der Pharmabetriebe in Belgien, unterstreicht. Hinzu kämen laut Mediaxes, dem Dachverband der Generikaproduzenten, dass eine Verkleinerung der Verpackungen höhere Kosten pro Tablette bedeuten würde. Allerdings haben einige Hersteller inzwischen Packungen auf den Markt gebracht, die für maximal zehn Tage reichen.
Es wird bemängelt, dass neue Verschreibungen viel zu einfach von Hausärzten ausgegeben werden, was die Hausärzte allerdings anders sehen: Hausärzte würden erst in Erscheinung treten, nachdem das System, in dem der Mensch lebt, nicht mehr für den Menschen funktioniert. Daher sei nicht Verschreibung der Medikamente das Problem, sondern der Prozess, in dem der Mensch sich befindet.

Bereits in unserer schriftlichen Frage Nr. 249 vom 15.02.2018 ging es um Schlafstörungen in der Bevölkerung, welchen zu oft die Einnahme von Schlaftabletten gegenüber stand mit Risiken und Nebenwirkungen wie z.B. Abhängigkeiten.

Der Tenor Ihrer Antworten war damals wie folgt:

  • Der Lebensstil der Menschen, „immer mehr, immer schneller, immer besser“, kann zu erhöhter Nervosität, Unruhe, Ängsten und Schlafstörungen führen.
  • Die DG setzt auf Prävention, Präventionsarbeit mit den Schwerpunkten der Gesundheitsförderung wie z.B. gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und mentale Gesundheit und außerdem eine gezielte Handlungsstrategie die u.a. dem Konsum von Psychopharmaka vorbeugt.
  • Der Arbeitsplatz oder die Familie als Setting sind ein klares Zielgebiet der Gesundheitsförderung.
  • Spezifische Angebote zur Aufklärung über das Thema Medikamentenkonsum sollen die Arbeitsgemeinschaft für Suchtvorbeugung und Lebensbewältigung (ASL) und der Patienten, Rat & Treff (PRT) in ihrem direkten Kontakt mit unseren Mitbürgern und z.B. über die niederschwelligen Beratungsangebote, machen. Außerdem wurden die Kampagnen „Schlaf- und Beruhigungsmittel“ und „Gesunder Schlaf“ durchgeführt.
  • Für langfristige Erfolge soll auf das Verhalten unserer Mitbürger eingewirkt werden, Projekte sollen eine längere Laufzeit haben.
  • Projekte wie die Entstigmatisierung der psychischen Gesundheit und die entsprechende Sensibilisierung, aber auch die Prävention von Burnout-Syndromen und De-pressionen sing geplant. Der präventive Ansatz ist die vielversprechendste und wichtigste Alternative zum Gebrauch von Psychopharmaka, Schlaf- und Beruhigungsmitteln.
  • Die ASL wird sich in der nächsten Zeit an einem euregionalen Projekt beteiligen, wel-ches sich unter anderem mit dem Schlaf-und Schmerzmittelkonsum bei Senioren beschäftigt. Denn auf Grundlage der Ergebnisse der Gesundheitsumfrage steigt die Anzahl der Konsumenten mit zunehmendem Alter. Nicht weniger als 40% der Personen ab 65 Jahren konsumieren beispielsweise ein Schlaf- und Beruhigungsmittel. In der Altersgruppe der 15-24-Jährigen sind es beispielsweise nur 3%.
  • Der PRT plant für das zweite Halbjahr 2018 eine Kampagne zur mentalen Gesundheit mit den Themen Stress, Stress-Resilienz und Entspannungsmethoden, um der ostbelgischen Bevölkerung Hilfen zu geben, den Aktivitätszustand und den Schlafrhythmus positiv zu beeinflussen.
  • Gezielte Aktionen wie u.a. die Kampagne des FÖD Volksgesundheit „Schlaf- und Beruhigungsmittel nicht wahllos schlucken“ werden unterstützt.
  • Die Gesundheitsdienstleister übernehmen eine wichtige Rolle in der Information, der Sensibilisierung, der Diagnostizierung und Unterstützung.
  • Die Bürger müssen offen dafür sein, eine aktive Rolle einzunehmen und mit dem Arzt oder anderen Gesundheitsdienstleistern andere Lösungswege als die schnelle Medikamenteneinnahme zu finden und einzuschlagen.
  • Die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt müssen angepasste Lösungen finden, dem hohen Leistungsdruck am Arbeitsplatz und im Privatleben, die permanente Erreichbarkeit, das nicht-abschalten-können in Ruhephasen und die Unmöglichkeit der Entschleunigung aushalten;
  • Die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt müssen angepasste Lösungen finden. Das Problem, wegen dem Menschen Schlafmittel einnehmen, muss beseitigt werden. Wir erleben einen hohen Leistungsdruck in sämtlichen Lebensbereichen, am Arbeitsplatz sowie im Privatleben mit einer permanenten Erreichbarkeit und Ruhephasen, in denen nicht abgeschaltet und entschleunigt werden kann.

Dem können wir natürlich zustimmen, nur geht die klassische Politik hier einen anderen Weg. Gerade die EU Bestimmungen und Richtlinien Puncto Finanz und Wirtschaftspolitik zielen darauf ab ein immer stärkeres und ständiges Wirtschaftswachstum zu fordern, welches im bestehenden Geldsystem aufgrund des Zinses-Zins System erforderlich ist, die Vivant Fraktion hat immer wieder auf diesen Missstand hingewiesen, und auch die DG Regierung folgt hier der EU ohne inhaltlich fundierte Kritik zu äußern.


Diesbezüglich unsere Fragen wie folgt:

  • Können die nationalen Zahlen auf die DG übertragen werden? Wie sind die Zahlen in der DG?
  • Welche spezifischen Angebote zur Aufklärung über das Thema Medikamentenkonsum haben die ASL und der PRT im Jahr 2018 angeboten? Bitte eine detaillierte Liste anfügen.
  • Hat das ASL sich inzwischen am euregionalen Projekt beteiligt? Gibt es bereits Ergebnisse?
  • Hat der PRT die für das zweite Halbjahr 2018 geplante Kampagne zur mentalen Ge-sundheit mit den Themen Stress, Stress-Resilienz und Entspannungsmethoden durchgeführt bzw. wird sie durchgeführt?
  • Welche „gezielten Aktionen“ außer der Kampagne des FÖD Volksgesundheit „Schlaf- und Beruhigungsmittel nicht wahllos schlucken“ wurde im Jahr 2018 unterstützt? Bit-te eine detaillierte Liste anfügen.
  • Wurden die geplanten Projekte zur Entstigmatisierung der psychischen Gesundheit und die entsprechende Sensibilisierung und die Prävention von Burnout-Syndromen und Depressionen durchgeführt?
  • Wie hoch waren die Ausgaben für alle im Jahr 2018 durchgeführten Kampagnen, Projekte und Aktionen zum Thema Medikamentenkonsum in der DG? Wie viele Menschen wurden hier erreicht?
  • In Ihrer Antwort auf unsere schriftliche Frage Nr. 249 gaben sie an, dass „die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt angepasste Lösungen finden müssen, dem ho-hen Leistungsdruck am Arbeitsplatz und im Privatleben, die permanente Erreichbarkeit, das nicht-abschalten-können in Ruhephasen und die Unmöglichkeit der Entschleunigung.“ Wir möchten Sie bitten, uns diesen Standpunkt näher zu erläutern. Steht eine solche Aussage nicht in Widerspruch zur bisherigen Politik der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
  • Wenn Sie sagen, dass die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt angepasste Lösungen finden müssen, hat dies unserer Meinung nach zur Folge, dass die Politik ebenfalls mitwirken und ihre Verantwortung übernehmen muss. Was genau meinen Sie damit und wie könnte dies in der Realität aussehen? Haben Sie konkrete Vorstellungen, wie Sie diesen Auftrag in Ihre Politik mit einfließen lassen können?
  • Welche Kampagnen/ Aktionen sind für die Pharmaindustrie geplant?
     

Antwort von Minister A. Antoniadis

Können die nationalen Zahlen auf die DG übertragen werden? Wie sind die Zahlen in der DG?

Auch wenn keine definitiven, offiziellen Zahlen für die Deutschsprachige Gemeinschaft bezüglich des Konsums von Schlaftabletten vorliegen, geht man dennoch von einem gleichen oder zumindest ähnlichen Trend für die Deutschsprachige Gemeinschaft aus. Insbesondere die Zahlen der Gesundheitsumfrage aus dem Jahr 2013 belegen, dass der Konsum von Schlaf- und Beruhigungsmitteln in der Altersklasse ab 15 Jahren aufwärts während der vergangenen Jahre zugenommen hat. Bezüglich der im GrenzEcho-Artikel genannten Studien muss jedoch in der Art des Medikamentes differenziert werden, da dort ausschließlich von Schlafmitteln die Rede war. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft greifen in der Altersgruppe ab 65 Jahren ungefähr 40% der Zielgruppe zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Dieses Ergebnis resultiert aus der Gesundheitsbefragung aus dem Jahr 2013. Im Rahmen der Umfrage wurden in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bei 300 Probanden Stichproben durchgeführt, wodurch das Ergebnis zum einen relativiert gesehen werden sollte, zum anderen jedoch einen gewissen Trend aufzeigt. Die Gesundheitsumfrage, die in 2018 durchgeführt wurde, wird klarere Ergebnisse liefern, da die Anzahl Probanden in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf 900 erhöht wurde.

Welche spezifischen Angebote zur Aufklärung über das Thema Medikamentenkonsum haben die ASL und der PRT im Jahr 2018 angeboten? Bitte eine detaillierte Liste anfügen.
• Hat die ASL sich inzwischen am euregionalen Projekt beteiligt Gibt es bereits Ergebnisse?
• Hat der PRT die für das zweite Halbjahr 2018 geplante Kampagne zur mentalen Gesundheit mit den Themen Stress, Stress-Resilienz und Entspannungsmethoden durchgeführt bzw. wird sie durchgeführt?
• Welche „gezielten Aktionen“ außer der Kampagne des FÖD Volksgesundheit „Schlaf- und Beruhigungsmittel nicht wahllos schlucken“ wurde im Jahr 2018 unterstützt? Bitte eine detaillierte Liste anfügen.

Das Thema des Medikamentenkonsums wird neben dem Projektaufruf in der Gesundheitsförderung auch in der Zusammenarbeit mit den verschiedenen Organisationen beleuchtet. Sowohl die ASL als auch der PRT planen die Erfassung von Statistiken in diesem Bereich und informieren zu diesem Thema. Einzelheiten zu den jeweiligen Maßnahmen sind den Jahresberichten der Einrichtungen zu entnehmen. 
Im September 2018 ist das Interreg-Projekt „Social Norm Approach“, welches sich unter anderem mit dem Schlaf- und Schmerzmittelkonsum bei Senioren beschäftigt, gestartet. Das Projekt läuft über eine Laufzeit von drei Jahren. Erste Ergebnisse hierzu sind frühestens im Jahr 2020, spätestens im Jahr 2021 zu erwarten. Für die Umsetzung dieses Projekts hat die ASL sich stark eingesetzt. So investierte sie ihre Planungsressourcen während des Jahres 2018 in vollem Umfang in dieses Projekt.
Die für das zweite Halbjahr 2018 geplante Kampagne zur mentalen Gesundheit wurde seitens des PRT zwischen dem 25. September und dem 16. Oktober 2018 durchgeführt. Dabei wurden vier verschiedene Veranstaltungen zu den Themen „Tief und erholsam schlafen“, „Stressbewältigung, Burnout und Lebensqualität“, „Wanderung – Auszeit für mich“ sowie ein „ Entspannungskurs – achtsam und entspannt“ angeboten. Leider musste eine Veranstaltung aufgrund einer mangelnden Teilnehmerzahl abgesagt werden. Jedoch kamen bei den anderen drei Veranstaltungen insgesamt 49 Teilnehmer zusammen. Bedauerlicherweise blieb die Teilnehmerzahl etwas hinter den Erwartungen zurück. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass das Thema der psychischen Gesundheit immer noch ein großes Tabu ist. Nichts desto trotz halten wir gemeinsam mit dem PRT an dieser Kampagne fest. Der PRT wird im Jahr 2019 eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen dieser Kampagne leisten. Des Weiteren wird das Thema der psychischen Gesundheit ein wichtiger Bestandteil des dritten Teils des Regionalen Entwicklungskonzeptes sein.
Ob weitere Aktionen durch beispielsweise die Pharmaindustrie oder Erwachsenenbildungseinrichtungen durchgeführt und/oder unterstützt wurden/werden, können Sie selbst im Internet recherchieren oder bei den zuständigen Stellen erfragen. Wir haben unseren Blick stets auf die Aktionen gerichtet, die wir unterstützen. Dabei unterstützen  wir  nicht nur Organisationen wie die ASL oder den PRT, sondern beispielsweise auch das BTZ, welches nicht primär in der Gesundheitsförderung und Prävention tätig ist. Weitere Ergebnisse zum BTZ entnehmen Sie bitte dem entsprechenden Jahresbericht.

Wurden die geplanten Projekte zur Entstigmatisierung der psychischen Gesundheit und die entsprechende Sensibilisierung und die Prävention von Burnout-Syndromen und Depressionen durchgeführt?

Ganz aktuell verabschiedet die Regierung ein Projekt der Christlichen Krankenkasse  Verviers-Eupen, welches sich mit der „wertschätzenden Kommunikation am Arbeitsplatz“ beschäftigt. Immerhin ist es nicht zuletzt diese wertschätzende Kommunikation, die einen enormen Einfluss auf die Prävention von Konflikten und Unwohlsein am Arbeitsplatz hat. Dies auch mit Hinblick auf die Prävention von Burnout-Syndromen und Depressionen.
Das Projekt ist zunächst für eine Dauer von einem Jahr vorgesehen. Die Zielgruppe ist der nicht-kommerzielle Sektor. Projektpartner wird AnikoS sein.


Wie hoch waren die Ausgaben für alle im Jahr 2018 durchgeführten Kampagnen, Projekte und Aktionen zum Thema Medikamentenkonsum in der DG? Wie viele Menschen wurden hier erreicht?

Aufgrund dessen, dass wir in der Deutschsprachigen Gemeinschaft den Organisationen für die Umsetzung ihrer Jahresaktionspläne bzw. ihrer Maßnahmen allgemeine Zuschüsse zur Verfügung stellen, können Haushaltszahlen zum Thema Medikamentenkonsum nur schwer beziffert werden. Das Gleiche gilt für die Zahl der erreichten Menschen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, da sich viele Angebote nicht ausschließlich mit dem Medikamentenkonsum der jeweiligen Zielgruppen beschäftigen. Im Rahmen der Gesundheitsförderung und Prävention wird bereits frühzeitig versucht, dem potentiellen Konsum von beispielsweise Schlafmitteln entgegenzuwirken, was nicht zuletzt auch eine Auswirkung auf den später reduzierteren Medikamentenkonsum hat (wie z.B. die Kampagne zur mentalen Gesundheit des PRT).

• In Ihrer Antwort auf unsere schriftliche Frage Nr. 249 gaben sie an, dass „die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt angepasste Lösungen finden müssen, dem hohen Leistungsdruck am Arbeitsplatz und im Privatleben, die permanente Erreichbarkeit, das nicht-abschalten-können in Ruhephasen und die Unmöglichkeit der Entschleunigung.“ Wir möchten Sie bitten, uns diesen Standpunkt näher zu erläutern. Steht eine solche Aussage nicht in Widerspruch zur bisherigen Politik der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
Wenn Sie sagen, dass die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt angepasste Lösungen finden müssen, hat dies unserer Meinung nach zur Folge, dass die Politik ebenfalls mitwirken und ihre Verantwortung übernehmen muss. Was genau meinen Sie damit und wie könnte dies in der Realität aussehen? Haben Sie konkrete Vorstellungen, wie Sie diesen Auftrag in Ihre Politik mit einfließen lassen können?

Die gegenwärtige Gesellschaft und ihre Arbeitswelt zeichnen sich durch Demografisierung, Globalisierung, Technologisierung, Flexibilisierung, aber auch durch einen extrem starken Drang zum kapitalistischen Denken aus. Die digitale Vernetzung und die Kommunikation haben sich rasant entwickelt. Hohe individuelle Anpassungsleistungen an sich regelmäßig verändernde Bedingungen und Kulturen werden vorausgesetzt. Diese Entwicklung ist wahrscheinlich nur schwer zu stoppen, doch es ist bedeutsam, dass wir ihr entgegen treten. Wir müssen innerhalb der Gesellschaft den Menschen und seine Bedürfnisse wieder vermehrt in den Mittelpunkt stellen. Ansonsten droht der Verlust von Humanressourcen. Der Mensch ist heutzutage weitaus mehr als nur ein Produktivitätsfaktor. Er hat Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen. Er bringt Fähigkeiten und Kompetenzen mit, die er einsetzen möchte. Es sind Menschen, die motiviert, zufrieden oder unzufrieden sein können. Nur ein Mensch, der gesund ist, kann sich in jeglicher Hinsicht vollständig entfalten. Das bedeutet, dass dem Menschen sowohl am Arbeitsplatz als auch in seiner Freizeit eine Atmosphäre geschaffen werden soll, in der er sich wohlfühlt und in der er seine Fähigkeiten, Wünsche und Ziele einbringen, sowie seine Person vollständig entfalten kann.
Aus diesem Grund stellen wir bisher und in unserer zukünftigen Herangehensweise den Menschen verstärkt in den Mittelpunkt. So wird zum Beispiel das Thema der Entstigmatisierung der psychischen Gesundheit und die entsprechende Sensibilisierung und die Prävention von Burnout-Syndromen und Depressionen im neuen REK III in den Vordergrund gestellt. Parallel dazu wird die betriebliche Gesundheitsförderung in den verschiedensten Unternehmen und Betrieben Ostbelgiens, aber auch in den sozialen und gesundheitlichen Einrichtungen, ein wichtiger Punkt in der zukünftigen Herangehensweise sein. Denn wie bereits erwähnt ist der Mensch neben der Natur der wichtigste Wertschöpfungsfaktor unserer Gesellschaft und seine Bedürfnisse müssen nicht nur durch finanzielle Ressourcen gestillt oder gestärkt werden, sondern vielmehr durch die Herangehensweise dem Menschen ein Umfeld (Arbeit, Freizeit, etc.) zu schaffen, in dem er seine Fähigkeiten, Ziele und Wünsche vollständig entfalten und ausüben kann. Dies entspricht keineswegs einem Widerspruch zur bisherigen Politik der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft. In den vergangenen Jahren wurden viele Betreuungs- und Eltern-Kind-Bildungsangebote geschaffen. Das Kindergeld wurde erhöht und mit Kaleido wurde ein kompetenter Ansprechpartner gebildet, wenn es beispielsweise um die Versorgung  unseres Nachwuchses geht. Wir arbeiten außerdem weiterhin an der Entwicklung niederschwelliger Erziehungsberatungsangebote. Alles in allem übernimmt die Politik sehr wohl Verantwortung und es werden stetig neue Projekte und Anregungen aufgegriffen, um den Bürgern eine gute Versorgung und Unterstützung bieten zu können.

Welche Kampagnen/ Aktionen sind für die Pharmaindustrie geplant?

Es sind keine Kampagnen für die Pharmaindustrie geplant.

 

 

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