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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 329

29. November 2019 - Frage von E. Jadin an Minister Antoniadis zur Zeckenkampagne in der DG

Ab 2018 startete in Ostbelgien eine Zeckenkampagne, die nun jährlich durchgeführt werden soll. Zwischen Mai und Oktober wurde in der Deutschsprachigen Gemeinschaft über die potentielle Zeckengefahr aufgeklärt, da diese Zeitspanne die aktive Zeckensaison umfasst. Broschüren und Plakate wurden verteilt, Radiospots ausgestrahlt und öffentliche Vorträge wurden durch einen Allgemeinmediziner vom PRT organisiert. Bei der Prävention bestand dringender Handlungsbedarf in diesem Bereich und wir begrüßen die Einführung einer jährlichen Präventionskampagne, denn Ostbelgien ist und bleibt ein Zeckengebiet. Weg-, Wald- und Bachrand – überall besteht eine potentielle Zeckengefahr. Hinzu kommt, dass milde Temperaturen im Winter das Überleben der kleinen Blutsauger, und somit deren Vermehrung, begünstigen. Das Risiko eines Zeckenstichs ist jedoch mit einfachen Verhaltensweisen deutlich verminderbar.

Meine Fragen nun an Sie, werter Herr Minister:
- Wie war die Resonanz der diesjährigen Zeckenkampagne?
- Präventionskampagnen lassen sich nicht kurzfristig realisieren und basieren auf eine genaue Untersuchung der Falllage. Wie sieht die Tendenz der Falllage in Ostbelgien aus?
- In der Schweiz wird Zeckenprävention über Smartphone-Hilfe anhand einer dynamischen Gefahren- und Risikokarte betrieben. Wäre dieser Ansatz nicht auch verknüpfbar mit der App „Go Ostbelgien“, um Wanderer in unserer Region direkt zu erreichen und über mögliche Gefahrengebiete aufzuklären?
 

Antwort vonMinister Antoniadis

Als zuständiger Minister für den Bereich Gesundheit messe ich  dem Thema Prävention große Bedeutung bei. Wer gesund ist und dies auch bleibt, braucht weniger Unterstützung in seinem täglichen Leben und steuert der Gesellschaft viel Positives bei.

Tägliche Bewegung ist vor diesem Hintergrund natürlich besonders wichtig.  Bewegung wirkt sich nachweislich positiv auf Körper und Geist aus. Wenn sich also unsere Mitmenschen entscheiden, die Natur zum Wandern oder zum Sport zu nutzen , ist es Aufgabe der Politik, sie zu unterstützen und zu schützen. Genau hier setzt die Präventionsarbeit u.a. zum Thema „Zecken“ an. 2018 haben wir erstmalig eine Kampagne gestartet, um Wanderer, die sich in eventuellen Risikogebieten fortbewegen, zu schützen bzw. aufzuklären.

Neben den Broschüren, Plakaten und Radiospots wurde durch den PRT im Norden und Süden Ostbelgiens in Zusammenarbeit mit einem Allgemeinmediziner eine Infoveranstaltung organisiert. In den ländlicheren Eifelgemeinden war die Teilnahme reger als im Norden der DG. Im Süden haben 95% der Teilnehmer einen Feedback-Bogen ausgefüllt. Das Ergebnis fiel dabei durchweg positiv aus (vorwiegend sehr gut und gut). Somit kann man durchaus behaupten, dass die diesjährige Zeckenkampagne erfolgreich war. Es erscheint demnach sinnvoll, dieses spezifische Angebot der Prävention auch in Zukunft anzubieten. Zu den Statistiken lässt sich sagen, dass die Zahl der Fälle in der DG stark rückläufig ist: 2016 waren noch 63 Bisse bekannt, 2018 nur mehr 23.
Diese Zahlen basieren auf Benachrichtigungen von Einzelpersonen und Gruppen. Die Entwicklung der Anzahl Bisse im Laufe der Jahre kann auf der TiquesNet-Website (auch in deutscher Sprache) verfolgt werden.

Zu Ihrer  Frage, ob mögliche Gefahrengebiete über die App „Go Ostbelgien“ aufgewiesen werden können, teilte mir Sciensano mit, dass es nicht vorteilhaft ist, ein Alarmsystem für bestimmte Wanderrouten oder kleine limitierte Zonen zu erstellen. Wenn aus einem bestimmten Grund niemand für einen bestimmten Zeitraum einen Biss meldet, ist dies nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass die Zecken dort nicht aktiv sind. Die Personen, die sich vollends auf die App verlassen, könnten somit fälschlicherweise denken, dass es kein Risiko oder kein erhöhtes Risiko am eigenen Standpunkt oder auf der geplanten Wanderroute gibt und demnach weniger wachsam sein. Durch die großen Wander- und Fahrradangebote befindet man sich entlang der Route schnell in einer der Randgemeinden (Bleyberg, Welkenraedt, Baelen, Weismes, Malmedy, Stavelot, Trois-Ponts, Vielsalm und Gouvy), in denen die App nicht mehr greifen würde.

Um aber hiesige Wanderer über mögliche Gefahrengebiete zu informieren, hat Sciensano mir versichert, dass sie bereits 2019 detaillierte Risikokarten ausarbeiten wollen, die Informationen zur Art der Umgebung (Risikogebiet oder nicht) enthalten und in denen die Rastplätze an den Wanderwegen miteinbezogen werden. Für die breite Öffentlichkeit wird Sciensano Klimadaten integrieren, um mit einem Warnsystem eine Zunahme der Zeckenaktivität zu vermitteln. Die Karten werden für ganz Belgien erstellt, da das Klima in den einzelnen Teilstaaten nicht sehr unterschiedlich ist.

Zu guter Letzt wird weiterhin die Hauptbotschaft der Zeckenkampagne bzw. bei der Prävention von Zeckenbissen lauten, dass die Bürger immer Maßnahmen ergreifen sollten, Zeckenbisse zu vermeiden. Der ganze Körper sollte nach jedem Wald- und Wiesengang nach Zecken abgesucht werden,  insbesondere in Gebieten, in denen  häufige Zeckenbisse bekannt sind.

 

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