Druck Kopfbild

Fragen und Antworten

Mündliche Frage

24. Januar 2019 - Frage von M. Niessen an Minister Mollers zu den externen Prüfungen im Hausunterricht

Im Juni 2016 wurden im Maßnahmendekret Abänderungen zum Hausunterricht vorgenommen. Im Vorfeld haben wir in den Ausschüssen lange über das Thema debattiert und auch Vertreter aus Hausunterrichtsfamilien eingeladen und angehört.

In dieser Anhörung wurde den Familien, die sich für den Hausunterricht entschieden haben, zugesagt, dass die Unterlagen zu den externen Prüfungen nach ihrer Durchführung zur Verfügung gestellt, bzw. veröffentlicht werden sollen.

Der Zugang zu diesen Unterlagen ist für die Familien von großer Wichtigkeit um zu sehen, wo Schwerpunkte gelegt werden, wie gezielt sie Ihre Kinder vorbereiten müssen, wie hoch die Menge an Aufgaben ungefähr ist und auch wie die Aufgabenstellungen aussehen.

Im Bereich der Primarschule gibt es ein bisher ein einziges Beispiel aus dem Jahr 2016, das den Eltern zeigt, was von einem Schüler am Ende des 6. Schuljahres erwartet wird. Im Bereich der Sekundarschule wurden bisher noch gar keine Beispiele für die externen Prüfungen veröffentlicht.

Zum Vergleich: In der Regelschule bereiten die Lehrer die Prüfungen selbst vor. Sie wissen genau, welchen Stoff sie ihren Schülern vermittelt haben. Die Rahmenpläne sind so aufgebaut, dass nicht alle Inhalte abgedeckt werden müssen. Der Lehrer entscheidet also selbst, wo er die Schwerpunkte legt, und kann diese dann auch bei der Prüfungsgestaltung berücksichtigen. Die Kinder aus dem Hausunterricht dagegen legen eine zentrale Prüfung ab, die den gesamten Rahmenplan abdeckt. Umso wichtiger ist es für die unterrichtenden Eltern, sich ein Bild davon machen zu können, wo die Schwerpunkte der Prüfungen liegen.

Daher meine Fragen an Sie, werter Herr Minister:

- Es wurde zugesagt, dass die externen Prüfungen im Herbst des jeweiligen Jahres online gestellt werden sollen, was bisher noch nicht geschehen ist. Wann können die Hausunterrichtseltern mit der Veröffentlichung rechnen? 
- Ist es möglich die Eltern in die Prüfungsgestaltung mit einzubeziehen, sodass beispielsweise ein zentraler Prüfungskatalog entsteht?


Antwort des Ministers


Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Werte Kolleginnen und Kollegen,

die Prüfungen zum Erhalt des Grundschulabschlusszeugnisses von Juni 2016 wurden effektiv wie angekündigt im Herbst 2016 veröffentlicht.
Sie umfassen alle sechs Fächer, die geprüft werden, und ermöglichen den Eltern, ihre Kinder gezielt auf die Prüfungen vor dem externen Prüfungsausschuss zwecks Erhalt des Grundschulabschlusszeugnisses vorzubereiten.
Dies wurde auch von vielen Eltern bei den Kontrollen des Hausunterrichtes bestätigt.
10 Schüler aus dem Hausunterricht haben diese Prüfungen seit 2016 abgelegt.
8 von diesen 10 Hausunterrichtsschülern haben alle Prüfungen bestanden.

Diese Prüfungen müssen nun jedes Jahr ausgearbeitet werden, was ein größeres Arbeitspensum darstellt, als ursprünglich angenommen.
Vor diesem Hintergrund wurden Beispielaufgaben aus den Prüfungen von 2017 und 2018 noch nicht veröffentlicht, damit Aufgaben auch teilweise ein zweites Mal genutzt werden können.
Auch müssen Urheberrechte – beispielsweise für Lesetexte – berücksichtigt werden. Deshalb ist eine Veröffentlichung auf dem Bildungsserver nicht immer möglich. Demnächst wird das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine weitere Reihe von Beispielaufgaben veröffentlichen.

Im Sekundarschulbereich wurden bisher Lehrer der Sekundarschulen beauftragt, Prüfungen für den externen Prüfungsausschuss zu erstellen und durchzuführen.
Die beauftragten Lehrkräfte übernahmen teilweise bewährte Aufgabenstellungen aus Prüfungen, die sie auch für Regelschüler nutzen.
Im Sekundarschulwesen ergibt sich aber die Herausforderung, dass es viele verschiedene Studienrichtungen und Abteilungen  mit Grund- und Leistungskursen gibt, die die Kandidaten wählen können.

Laut Dekret vom 20. Juni 2016 über Maßnahmen im Unterrichtswesen 2016 sind die Prüfungen auf Sekundarschulebene erst für die ab 2006 geborenen Schüler im Hausunterricht verpflichtend.
Diese Übergangsregelung wurde vorgesehen, um eine Umstrukturierung des Sekundarprüfungsausschusses in Ruhe gestalten zu können.

Insgesamt kann man festhalten, dass Schüler, die ihre Prüfungen vor dem externen Prüfungsausschuss ablegen, nicht benachteiligt sind.
Dies wird auch dadurch sichergestellt, dass die Prüfungen vollkommen neutral und unbeeinflusst vorbereitet und durchgeführt werden.
Es geht in den Prüfungen, wie immer wieder erklärt, nicht um das Abfragen von „Stoff“, sondern um das Überprüfen erworbener Kompetenzen.
Beispielsweise bereiten die Schüler für das Erlangen des Grundschulabschlusszeugnisses in Deutsch einen (mündlichen) Vortrag vor und präsentieren diesen.
Zur Prüfung des schriftlichen Ausdrucks schreiben sie einen Text.
Hierzu erhalten sie zwei Themen zur Auswahl.

Nicht nur im Hausunterricht, auch in den Schulen müssen die Schüler alle im Rahmenplan definierten Kompetenzen erwerben.
Der jeweilige Kompetenzstand der Schüler wird auch hier anhand exemplarischer Inhaltskontexte kompetenzorientiert geprüft.

Analog zu den Schulen arbeiten pädagogische Fachkräfte, die die Prüfungen im Rahmen des externen Prüfungsausschusses abnehmen, die Prüfungen aus.
Sowohl in der Schule als auch beim externen Prüfungsausschuss müssen Prüfungsfragen vertraulich behandelt werden.
Es muss gewährleistet sein, dass kein Prüfling im Vorfeld Kenntnis oder einen Einblick in diese Fragen erhält.
Dies wäre nicht garantiert, wenn die Erziehungsberechtigten der Hausunterrichtskinder an den Prüfungen mitarbeiten.
Einerseits würden die Hausunterrichtskinder einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Prüflingen erhalten.
Andererseits wäre nicht gesichert, dass das Prüfungsresultat dem wirklichen Kompetenzstand der Hausunterrichtskinder entspricht, wenn die Erziehungsberechtigten die Möglichkeit erhalten würden, Fragen im Vorfeld zu kennen und ihre Kinder gezielt auf diese Fragen vorzubereiten.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Zurück Drucken Teilen