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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

24. Januar 2019 - Frage von K. Neycken-Bartholemy an Minister Mollers zur Burnout-Prävention im Unterrichtswesen der Deutschsprachigen Gemeinschaft

Wie in der vergangenen Woche aus der Inlandspresse zu erfahren war, plant die föderale Gesundheitsministerin die finanzielle Unterstützung mehrerer Pilotprojekte zur Bekämpfung von Burnout-Erkrankungen am Arbeitsplatz.

Insgesamt sind vier Millionen Euro für diese Projekte vorgesehen. Ziel der Projekte ist es, frühzeitig Burnout-Signale zu erkennen und den Ausbruch der Krankheit zu verhindern. Gerade Menschen mit einem hohen Burnout-Risiko sollen durch die Programme unterstützt werden. Auch die gezielte Information der Öffentlichkeit über die Krankheit ist ein wichtiger Aspekt der föderalen Initiative. Außerdem sollen zwölf Pilotprojekte unterschiedliche Arbeitsbranchen abdecken und innovative Ansätze gegen Burnout ermitteln.

Vor dem Hintergrund der Herausforderungen im Lehrerberuf und den in diesem Arbeitsumfeld herrschenden Stressfaktoren, lauten meine Fragen:

­ Ist das Unterrichtswesen der Deutschsprachigen Gemeinschaft in irgendeiner Form in diese Pilotprojekte involviert?
­ Gibt es Zahlenmaterial über die Verbreitung von Burnout-Erkrankungen im Unterrichtswesen der DG?
­ Welche Maßnahmen ergreift die Regierung der Deutschsprachige Gemeinschaft zur Bekämpfung von Burnout-Erkrankung im Unterrichtswesen?


Antwort des Ministers


Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Werte Kolleginnen und Kollegen,

das ostbelgische Unterrichtswesen ist nicht von den föderal initiierten Pilotprojekten betroffen.

Zahlenmaterial zu Burnout-Erkrankungen im Unterrichtswesen gibt es nicht.
Das liegt zum einen daran, dass die Fach- und/oder Hausärzte wenig bis gar keine Möglichkeit haben, Diagnosen auf den Attesten präzise zu verschriftlichen.
So können bei der Eingabe der Daten nur die Hauptbegriffe verwendet werden, die die ICD 10, also die internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, vorsieht.
Das hat zur Folge, dass die zur Verfügung stehende Datenbank nicht die Möglichkeit einer Feinanalyse unter den Auswahlmöglichkeiten der verschiedenen Erkrankungen vorsieht.
Die Krankendatenbank ermöglicht einzig und alleine die Klassifizierung unter dem Oberbegriff „Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen“.
Anhand von Kontroll- und Fürsorgebesuchen, die nach Ablauf einer gewissen Dauer Abwesenheit durch Krankheit durch die Amtsärztin der Deutschsprachigen Gemeinschaft erfolgen, kann eine präzisere Einordnung der Diagnose des jeweils erkrankten Personalmitglieds erfolgen.
Diese Information eröffnet jedoch, in der jetzigen zur Verfügung stehenden Krankendatenbank, keine Möglichkeit einer weiteren Feinanalyse.

Bevor ich auf die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung von Burnout im Unterrichtswesen eingehe, möchte ich auf den Dienst Kaleido hinweisen, der laut Dekret im Bereich der Lehrergesundheit einen klaren Auftrag im Sinne der präventiven Arbeit hat, z. B.:
• die Entwicklung geeigneter Weiterbildungsangebote für schulisches Personal, wie Gesundheitsförderung und Stressmanagement für Lehrkräfte, als universelle Maßnahme;
• die Bereitstellung von Angeboten für bedürftige Gruppen, wie Vorbereitung auf das Ende der Dienstzeit und den Übergang zur Pensionierung für ältere Lehrkräfte, als selektive Maßnahmen);
• die beratende und unterstützende Begleitung in Einzelfällen, ohne dabei eine therapeutische Rolle wahrzunehmen.
Kaleido befindet sich in diesem Bereich jedoch noch im Aufbau, man hat sich dort zunächst auf das Kerngeschäft, d.h. die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, konzentriert.
Darüber hinaus berät und unterstützt Kaleido Schulleitungen jedoch ganz allgemein bei Fragen der Entwicklungs- und Gesundheitsförderung in Schulen.

Die Regierung hat ihrerseits bereits zahlreiche Maßnahmen zur Bekämpfung von Burnout-Erkrankungen im Unterrichtswesen ergriffen.
Zur Entlastung der Personalmitglieder wurde in den letzten Jahren zusätzliches Personal in die Grund- und Sekundarschulen gebracht:
in den Sekundarschulen beispielsweise Middle Manager und Fachteamleiter und in den Grundschulen beispielsweise Förderpädagogen, Kindergartenassistenten und Chefsekretäre.
Auch die verstärkte Unterstützung für erstankommende Schüler sollte zur Entlastung der Personalmitglieder beitragen.
Wir planen zudem, die Ausbildung für pädagogische Führungskräfte anzupassen und um Coachings zu erweitern.
Auch die Middle Manager sollen künftig die Möglichkeit erhalten, ein individuelles Coaching in Anspruch zu nehmen.
Darüber hinaus wurden bereits vor längerer Zeit interessante Zeitarbeitsmodell entwickelt, ich nenne nur die Altersteilzeit.
Auch der Vorruhestand, der in anderen Landesteilen bekanntlich abgeschafft oder reduziert wurde, ist in der DG nach wie vor möglich.

Im Rahmen des REK Projekts „Salutogene Schule“ haben wir zudem in Kooperation mit der StädteRegion Aachen zwischen 2016 und 2018 eine Veranstaltungsreihe zur guten, gesunden Schule organisiert, in der u.a. die wirksame Führung durch eine wertschätzende Schulleitung einen Schwerpunkt darstellte.

In meinem Auftrag hat der externe Dienst für Gefahrenverhütung und Schutz am Arbeitsplatz Securex im ersten Halbjahr 2018 in allen Einrichtungen des Gemeinschaftsunterrichtswesens eine Analyse der psychosozialen Risiken kombiniert mit einer Zufriedenheitsanalyse durchgeführt.
Alle Personalmitglieder wurden befragt.
Die Schulleiter wurden nach der Präsentation der Ergebnisse aufgefordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um die Zufriedenheit ihrer Personalmitglieder zu fördern.
Denn bei der Gestaltung eines gesundheitsfördernden Arbeitsplatzes sind neben der Politik auch die Schulträger und die Schulleitungen gefordert.
Insbesondere in der Präventionsarbeit tragen sie eine Mitverantwortung für die Zufriedenheit und Gesundheit ihrer Personalmitglieder und können vor Ort auf die spezifischen Situationen in ihren Einrichtungen eingehen. 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit

 

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