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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 333

30. Januar 2019 – Frage von E. Jadin an Herrn Minister Antoniadis zum Interreg-V-Projekt „Social Norm Approach“ (und darüber hinaus der Thematik „Sucht im Alter“

Inwiefern ist die Problematik „Sucht im Alter“ in die Maßnahmen im Bereich der Seniorenhilfe mit eingeflossen? Wie verlief der Start des Interreg V-Projektes "Social Norm Approach" in der DG? Welche Arbeitsschritte umfasst die dreijährige Laufzeit des Projektes?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Evelyn Jadin (PFF), vom 17. Dezember 2018:
 
Nach erfolgreicher Genehmigung startete das Interreg V-Projektes "Social Norm Approach" im September diesen Jahres. Dazu erhält die Arbeitsgemeinschaft für Suchtvorbeugung und Lebensbewältigung (ASL) eine Finanzierung der Overhead Kosten zwischen 2018 und 2021 von insgesamt 24.000 EUR. Zielpublikum des Projekts sind Jugendliche (12 bis 26 Jahre), aber auch Senioren (ab 55 Jahre), denn problematische Konsumgewohnheiten sind bei älteren wie bei jüngeren Menschen eine Realität.
Aufgrund der demografischen Altersentwicklung der Bevölkerung und angesichts der Prognose, dass suchtbedingte Krankheiten von älteren Menschen zunehmen, ist die veränderte Wirkungsweise von Alkohol im Alter hervorzuheben.
Ferner darf die Wechselwirkung von Medikamenten und der Konsum von Alkohol nicht verharmlost werden. Bei der Einnahme von Medikamenten kann Alkohol deren Aufnahme und Abbau beschleunigen, bremsen oder gänzlich aufheben. Es ist daher umso wichtiger, ja zwingend, Alkoholkonsum bei Menschen im fortgeschrittenen Alter offen anzusprechen, um angemessen für ein möglichst lange selbstbestimmtes Leben bei guter Gesundheit vorzusorgen.
Suchtproblematik beschränkt sich jedoch nicht nur auf Alkoholmissbrauch, sondern ebenfalls auf den Konsum psychoaktiver Substanzen wie Medikamenten und Drogen. Ein problematischer Konsum kann in jedem Alter zu medizinischen, psychischen oder sozialen Beeinträchtigungen führen. Unsere Aufgabe ist es, die reelle Gefahr verstärkt in die Wahrnehmung eines jeden zu rücken. Wenn das Genuss- zum Suchtmittel wird, hat ein jeder Anrecht auf eine Unterstützung ohne Vorurteile und Vorwürfe.
 
1. Inwiefern ist die Problematik „Sucht im Alter“ in die Maßnahmen im Bereich der Seniorenhilfe mit eingeflossen?
2. Wie verlief der Start des Interreg V-Projektes "Social Norm Approach" in der DG? Welche Arbeitsschritte umfasst die dreijährige Laufzeit des Projektes?
Ich danke Ihnen für Ihre Antwort.
 
Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:

 • Inwiefern ist die Problematik „Sucht im Alter“ in die Maßnahmen im Bereich der Seniorenhilfe mit eingeflossen?
 
Im Dekret vom 13.Dezember 2018 über die Angebote für Senioren und Personen mit Unterstützungsbedarf sowie über die Palliativpflege wird nicht explizit auf dieses Thema hingewiesen. Allerdings werden im Artikel 6 Leistungsgrundsätze definiert, die der Dienstleister bei der Ausführung seines Auftrags respektieren muss. Dort wird unter anderem das Recht des Seniors aufgegriffen eine an seinem Bedarf ausgerichtete Pflege und Begleitung zu erhalten, die den geltenden Qualitätsstandards entspricht.
Im Artikel 35 Verpflichtungen zur Aufrechthaltung der Betriebsgenehmigung des Dekretes wird auf die Einhaltung der Qualitätsnormen bezüglich der in Artikel 6 erwähnten Leistungsgrundsätze hingewiesen. In 2019 wird mit den verantwortlichen der Wohn- und Pflegezentren konkret an einem Ausführungserlass gearbeitet. In den zu definierenden Qualitätsnormen wird eine Norm den Gebrauch von Medikamenten und die Vermeidung von erhöhtem Medikamentenkonsum aufgreifen beziehungsweise die Erfahrungswerte aus einem föderalen Pilotprojektes einfließen lassen. Das Wohn- und Pflegezentrum St. Joseph hatte an diesem Projekt „COME-ON“ teilgenommen. Eine genauere Beschreibung des Projektes wurde in der schriftlichen Frage 76 im Dezember 2015 dem Parlament zugestellt. Die Überlegungen gehen dahin einen Referenz-Krankenpfleger mit der Thematik des Medikamentengebrauchs und der Vermeidung eines überhöhten Medikamentenkonsums zu beauftragen, in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsarzt, wenn möglich einem Apotheker und dem Bewohner (und oder seiner Bezugsperson), die jeder Zeit ihren Hausarzt darauf auf die Medikamente ansprechen kann.
In der häuslichen Hilfe ist die Problematik anders gelagert. Die wesentlichen Akteure die im Medikamentenkonsum impliziert sind, sind die Ärzte, die Krankenpfleger, der Apotheker und der mündige Senior. Die drei ersten Akteure unterliegen der föderalen Zuständigkeit.
Auf föderaler Ebene wird daran gearbeitet, langfristige Verbesserungen herbeizuführen. Durch Schulungen der Ärzte oder Beobachtung der Medikamentenverschreibung.
Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die 24.000€ für dieses Projekt nicht die Overheadkosten des Projektes sind. Diese bekommen die ASL gänzlich von der EMR und sie machen einen festen Prozentsatz der Gesamtkosten aus, die an die einzelnen Partner gezahlt werden.
Jeder Projektpartner beteiligt sich mit 48.000€ an den Kosten. Davon übernimmt die EMR eine Hälfte, die andere Hälfte die ASL. Dieser Anteil wird durch die Regierung im Rahmen der Jahresverträge übernommen. 
Projekt 2018 2019 2020 2021 Kofinanzierungsbedarf TOTAL
euPrevent SNA 2.700€ 8.000€ 8.000€ 5.300€ 24.000€
 
Im Rahmen des Auftrages der ASL über Abhängigkeiten aufzuklären, ihnen vorzubeugen und bei Bedarf zu intervenieren, ist die Thematik „Sucht im Alter“ eine Aufgabe der ASL. Die ASL berät die Zielgruppen zu den Themen „Suchterkennung“ und „adäquates Handeln“ und liefert wichtige Kenntnisse über die jeweilige Suchterkrankung. Hierbei arbeitet die ASL bereits eng mit der KPVDB, einigen Einrichtungen für Senioren, sowie mit der DSL, der Familienhilfe und einigen Ärzten zusammen. Diese Zusammenarbeit wird im Rahmen des Projektes nun weiter ausgebaut und intensiviert.
 
• Wie verlief der Start des Interreg V-Projektes „Social Norm Approach“ in der DG? Welche Arbeitsschritte umfasst die dreijährige Laufzeit des Projektes?
 
Aktuell ist die Kick-Off-Veranstaltung in Planung. Die ASL ist maßgeblich an der Durchführung dieser Veranstaltung beteiligt. Carolin Scheliga übernimmt unter anderem einen Teil der Moderation.
Ich lade die Mitglieder des Ausschusses IV in diesem Rahmen auch gerne zum offiziellen Start der Veranstaltung am 31.01. von 12.30-17.30 Uhr im Provinciehuis Limburg Maastricht (NL) ein. Bei der Veranstaltung kann man nicht nur Praktisches und Konzeptionelles zum Hintergrund des Projektes erfahren, sondern auch viele interessante Menschen aus der Euregio kennenlernen, die direkt oder indirekt mit dem Projekt verbunden sind.
 
Welche Arbeitsschritte umfasst das Projekt?
 
Da die aktuellen Präventionsangebote, die damit verbundenen Inhalte, sowie die inhaltliche Botschaft oftmals nicht mit der Wahrnehmung und den Erwartungen innerhalb verschiedener Zielgruppen übereinstimmen, eignet sich die innovative Herangehensweise der "Social Norm Approach" gut, um sich den Herausforderungen im Zusammenhang mit der Suchtproblematik zu stellen. Zielpublikum des Projekts sind einerseits die Jugendlichen (12 bis 26 Jahre), andererseits die Senioren (ab 55 Jahre). Neben einer Bestandsaufnahme des Suchtmittelkonsums bei Senioren und der Inventarisierung der Probleme sollen Lösungsansätze erarbeitet, und euregional umgesetzt werden. Gleichzeitig soll der Einfluss auf die gesellschaftliche Bedeutung des Konsums, die allgemeine Lebensqualität sowie die Unabhängigkeit im Alter erarbeitet werden. Das langfristige Ziel besteht darin, die politischen Ziele im Bereich der öffentlichen Gesundheit für die EMR zu unterstützen und die Bevölkerung zu einem gesundheitsbewussten Leben zu motivieren.
Bislang konzentriert sich die Prävention auf Information und Aufklärung- es wird auf die Gefahren des Missbrauchs hingewiesen. Andere Präventionsaktionen hingegen stellen auf positive Weise Konsumalternativen dar. Mit den Kampagnen der situativen Prävention wird zudem die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen verfolgt. Es kann belegt werden, dass Zielgruppen wie beispielsweise junge Menschen in ländlichen Gebieten oder isoliert lebende Senioren oftmals außerhalb der Reichweite bestehender Präventionsangebote liegen. Neuere Untersuchungen (van Hal, Gilder et al. 2001, Gomberg et al. 2001) zeigen, dass Menschen mit einem ungesunden Konsumverhalten oft eine falsche Wahrnehmung haben. Sie denken ihr Verhalten entspräche der allgemeinen gesellschaftlichen Norm. Unsere regionalen Umfragen haben gezeigt, dass in der Euregio 4% der Jugendlichen Cannabis konsumiert. Diese Jugendlichen denken gleichzeitig, dass sich ihr Konsum mit dem ihrer Altersgruppe deckt. Dies führt zu einem falschen Urteil über die eigenen Gesundheitsrisiken und den Konsum.
Wie die Mitglieder der euregionalen Arbeitsgruppe aus Erfahrung wissen, existiert unter Senioren eine ähnlich falsche Wahrnehmung über den Alkohol- und Medikamentenkonsum. Die Partner möchten nun ihre Erfahrungen nutzen, um sich der obengenannten Herausforderungen mit Hilfe der SNA Methodik zu stellen.
Um die Senioren und ihre offensichtlichen Probleme besser einschätzen zu können, erfolgt zunächst eine Bestandsaufnahme des Suchtmittelkonsums in dieser Zielgruppe. Nach Inventarisierung des Problems werden Lösungsansätze erarbeitet und euregional umgesetzt. Hierzu werden Promotoren herangezogen. Gleichzeitig soll der Einfluss auf die gesellschaftliche Bedeutung des Konsums, die allgemeine Lebensqualität sowie die Unabhängigkeit im Alter erarbeitet werden.
Eine vergleichbare Herangehensweise wird bei den Jugendlichen angewendet. Diese sollen in einer Umfrage Stellung dazu beziehen, was sie über sich selbst denken und wie sie sich selbst wahrnehmen. Da vergleichbare Umfragen bereits 2001 und 2013 durchgeführt wurden, ist der tatsächliche Konsum bereits bekannt. Im nächsten Schritt wird die Realität mit der von den Jugendlichen wahrgenommenen Norm verglichen. Die bemerkenswertesten Unterschiede werden den Jugendlichen im Anschluss präsentiert.
Die ASL wird ergänzend hierzu selbst eine Stichprobe bei den Senioren durchführen, um zu erfassen, wie sie den Konsum in ihrer Zielgruppe selbst einschätzen und um etwaige Diskrepanzen aufzuzeigen. Sollten sich solche zeigen, kann die eigentliche Leitfrage erörtert werden, welche Präventionsmethoden angewandt werden können, um diese konstruierten sozialen Normen hinsichtlich der Realität zu verbessern.
Zeitgleich ist die ASL ebenfalls Partner eines euregionalen People to People Antrags, der ebenfalls genehmigt wurde und kann zudem an der für 2019 geplanten euregionalen Jugendumfrage teilnehmen.
 
Folgende Schritte sind zum Erreichen des Projektziels vorgesehen:
Die Errichtung einer Projektstruktur für optimale Projektergebnisse.
Die Förderung des Bekanntheitsgrads des Projektes und dessen Projektergebnissen sowie die Errichtung einer optimalen Informationsweiterleitungsstruktur innerhalb der EMR. Die Aktivitäten für die Zielgruppen der Jugendlichen und Senioren sind unter anderem die Analyse der objektiven Datensätze, das Auswählen der Indikatoren, die Befragung der subjektiv empfundenen sozialen Norm und die Auswahl einer geeigneten Methode aus den heutigen Möglichkeiten unter besonderer Berücksichtigung der neuen Medien.
Die vorherrschenden sozialen Normen innerhalb der Zielgruppen werden abgebildet und es ist bekannt, in wie weit diese negativ von der Realität abweichen. Die Aktivitäten sind unter anderem die Entwicklung, Verbreitung und Implementierung von erforderlichen und noch nicht vorhandenen Methoden für beide Zielgruppen, insbesondere unter Nutzung der neuen Medien.
Die Realisierung von Interventionen zur Korrektur des Verhaltens bezüglich des Suchtmittelkonsums.
Die Gesundheitsförderung bezüglich sozialer Normen ist auch nach Beendigung des Projektes für einen längeren Zeitraum sichergestellt. Die Aktivitäten sind das Errichten eines euregionalen Netzwerks, sowie die Schaffung von Interventionen, Arbeitsmethoden, eines euregionalen Assessments und eines Nachhaltigkeitsplans.
 
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