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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

11. Februar 2019 – Frage von L. Klinkenberg an Ministerpräsident Paasch zum Standort Ostbelgien

Auf ostbelgienlive.be wurden kürzlich die Resultate der im Dezember 2018 vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) fertiggestellten wissenschaftlichen Studie zum Fachkräftebestand, -bedarf und -potenzial in Ostbelgien veröffentlicht. Die Studie kommt unter anderem zu dem Schluss, dass der Fachkräftemangel bereits jetzt eine tatsächliche Bedrohung für den Standort Ostbelgien darstellt. Daher meine Frage: Was soll nun aus diesen Ergebnissen für unseren Standort geschlussfolgert werden? Gibt es bereits erste Initiativen im Rahmen des Regionalmarketings?

Die nachfolgend veröffentlichten Fragen und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Lydia Klinkenberg (ProDG):
 
Auf ostbelgienlive.be wurden kürzlich die Resultate der im Dezember 2018 vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) fertiggestellten wissenschaftlichen Studie zum Fachkräftebestand, -bedarf und -potenzial in Ostbelgien veröffentlicht. Die Studie kommt unter anderem zu dem Schluss, dass der Fachkräftemangel bereits jetzt eine tatsächliche Bedrohung für den Standort Ostbelgien darstellt.
 
Daher meine Frage:
­- Was soll nun aus diesen Ergebnissen für unseren Standort geschlussfolgert werden?
­- Gibt es bereits erste Initiativen im Rahmen des Regionalmarketings?
 
Antwort von Oliver Paasch (ProDG), Ministerpräsident:
 
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
„Der Fachkräftemangel ist eine reale Bedrohung, die schon erste Folgen zeigt.“ Diese Behauptung stammt von Prof. Jutta Rump, Leiterin des Instituts IBE in Ludwigshafen, jenes Instituts also, das für uns den Fachkräftebedarf und das Fachkräftepotenzials eingehend analysiert hat. Frau Prof. Rump fügte in ihrer Auswertung der Ergebnisse hinzu:
 
„Wir haben es nicht nur mit einem kleinen Sturm, sondern mit einem Tornado zu tun.“
 
Diese Worte mögen dramatisch klingen, sie spiegeln aber die Realität wider. Denn die besagte Studie hat ergeben, dass 89 Prozent unserer Arbeitgeber bereits heute Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Fachkräften haben. Dieses Ergebnis müssen wir sehr ernst nehmen, zumal sich an der Befragung immerhin 325 ostbelgische Arbeitgeber beteiligt haben, was einer vergleichsweisen hohen Rücklaufquote von über 15 Prozent entsprach.
Die Ursachen für das Problem des zunehmenden Fachkräftemangels sind vielfältig. Darauf kann ich im Rahmen der vorgegebenen Redezeit nicht näher eingehen.
Ich nenne an dieser Stelle nur exemplarisch die demografische Entwicklung, die Lohnunterschiede zu unseren deutschen und luxemburgischen Nachbarn und die veränderte Erwartungshaltung der jüngeren Generation. Auf einige der identifizierten Ursachen haben wir aufgrund unserer Zuständigkeiten keinen oder nur einen sehr begrenzten Einfluss, auf andere hingegen können wir sehr wohl einwirken.  
 
Die Regierung hat diese Studie in Auftrag gegeben, um eine faktenbasierte Orientierung für unsere Bemühungen im Bereich der Fachkräftesicherung zu erhalten. Die Analyse des IBE eine ganze Reihe von Potenzialen aufgezeigt und Zielgruppen identifiziert. Dazu gehören vor allem die Pendler und Rückkehrer. Wenn Ostbelgien als Arbeitsort noch attraktiver wird, können wir sicher den einen oder anderen dazu bewegen, in der Heimat nicht nur zu leben, sondern auch zu arbeiten. Weitere Potenziale sieht die Studie in der Beschäftigungsförderung älterer Personen, einer Erhöhung des Arbeitszeitvolumens von Teilzeitbeschäftigten und einer verstärkten Förderung von Nachwuchskräften. Diese Potenziale möchten wir nutzen.
 
Die Studie und ihre Ergebnisse werden in die nächste Umsetzungsphase des Regionalen Entwicklungskonzepts ebenso einfließen wie in die Arbeit des neuen Fachkräftebündnis für Ostbelgien. Diese Bündnis; dieser Zusammenschluss der treibenden Kräfte im Bereich der Fachkräftesicherung ist dabei, zusätzliche konkrete Maßnahmen vorzubereiten. Dabei wird sich das Bündnis vor allem auf jene Potenziale konzentrieren, die von der Studie aufgezeigt wurden. Die Studie soll uns davor bewahren, uns bei der Unterstützung unserer Wirtschaft – und damit meine ich sowohl die privaten Arbeitgeber als auch den öffentlichen Dienst – zu verzetteln.
So empfiehlt die Studie, uns auf zentrale Handlungsfelder wie die Bildungs- und die Beschäftigungspolitik sowie das Standortmarketing zu fokussieren. Um nachvollziehen zu können,inwiefern unsere Bemühungen mittel- bis langfristig die erhofften Früchte tragen, beabsichtigen wir,diese Studie in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Auf diese Weise kann dann ein Fachkräftemonitoring entstehen, also eine dauerhafte Beobachtung dieses für Ostbelgien so wichtigen Themas.
 
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