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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

14. März 2019 – Frage von S. Pauels an Minister Mollers zur Stundenspanne

Die Arbeitszeiten der Personalmitglieder im Unterrichtswesen sind durch Dekrete geregelt. Dazu bieten – neben den Rechtstexten - das Bildungsportal der DG und der von der EU-Kommission 2009 veröffentlichte - inzwischen aber etwas veraltete - Leitfaden „Organisation des Bildungssystems in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens“ einen guten Überblick. So wird dort die eigentliche Unterrichtszeit mit der einhergehenden Stundenspanne definiert. Ein zukünftiges Dekret, das ab dem 01. September 2019 in der Französischsprachigen Gemeinschaft, in Kraft tritt, definiert die 5 Komponenten des Lehrerpensums (5 composantes de la charge des enseignants). Eine dieser Komponenten beschäftigt sich mit der Arbeit in der Klasse. Wer als Lehrer tätig ist, weiß sehr genau, dass seine Arbeit nicht nach dem Verlassen der Klasse erledigt ist, denn im Anschluss erwarten ihn noch die Vor- und Nachbereitung der Unterrichtsstunden, die man nur sehr schwer berechnen kann. Das anstehende Dekret in der Französischen Gemeinschaft soll diese Zeit besser anerkennen, und es wurde im Sinne des "Pacte d'Exellence" beschlossen, die Stundenspanne ab dem folgenden Schuljahr zu streichen. Darüber hinaus werden die Stunden der Lehrer, die praktischen Unterricht in den beruflichen Abteilungen erteilen, gesenkt und zwar um 2-6 Stunden/Woche. Hierzu meine Fragen: ­Wie steht die DG-Regierung diesen Überlegungen unserer Nachbarn gegenüber? Sind Änderungen unseres Dekrets bereits ins Auge gefasst? Welche Kosten wären ggf. damit verbunden?

Die nachfolgend veröffentlichten Fragen und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Stephanie Pauels (CSP):
 
Die Arbeitszeiten der Personalmitglieder im Unterrichtswesen sind durch Dekrete geregelt.
Dazu bieten – neben den Rechtstexten - das Bildungsportal der DG und der von der EU-Kommission 2009 veröffentlichte - inzwischen aber etwas veraltete - Leitfaden „Organisation des Bildungssystems in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens“ einen guten Überblick. So wird dort die eigentliche Unterrichtszeit mit der einhergehenden Stundenspanne definiert.
Ein zukünftiges Dekret, das ab dem 01. September 2019 in der Französischsprachigen Gemeinschaft, in Kraft tritt, definiert die 5 Komponenten des Lehrerpensums (5 composantes de la charge des enseignants). Eine dieser Komponenten beschäftigt sich mit der Arbeit in der Klasse.
Wer als Lehrer tätig ist, weiß sehr genau, dass seine Arbeit nicht nach dem Verlassen der Klasse erledigt ist, denn im Anschluss erwarten ihn noch die Vor- und Nachbereitung der Unterrichtsstunden, die man nur sehr schwer berechnen kann. Das anstehende Dekret in der Französischen Gemeinschaft soll diese Zeit besser anerkennen, und es wurde im Sinne des "Pacte d'Exellence" beschlossen, die Stundenspanne ab dem folgenden Schuljahr zu streichen. Darüber hinaus werden die Stunden der Lehrer, die praktischen Unterricht in den beruflichen Abteilungen erteilen, gesenkt und zwar um 2-6 Stunden/Woche.*
 
Hierzu meine Fragen:
­- Wie steht die DG-Regierung diesen Überlegungen unserer Nachbarn gegenüber?
­- Sind Änderungen unseres Dekrets bereits ins Auge gefasst?
­- Welche Kosten wären ggf. damit verbunden?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:
 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
die Französische Gemeinschaft hat in den vergangenen Jahren – unter anderem in Sorge um ungünstige Ergebnisse aus internationalen empirischen Unterrichtsstudien – diverse Reformdekrete vorbereitet bzw. verabschiedet.
Der "Pacte d'excellence" zählt zu diesen Reformprojekten.
In Beantwortung der schriftlichen Frage Nr. 341 vom 7. Februar 2019 bezüglich der Stundenspanne im Unterrichtswesen der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die der Bildungsminister Ihnen bzw. dem Parlament in Kürze zustellen wird, wird ersichtlich sein, dass 2018 gut 25.000 Unterrichtstunden durch die Lehrkräfte unter Rückgriff auf den Modus der Stundenspanne erteilt wurden.
Grob geschätzt entspricht dieses Stundenkontingent  zirka 32 Vollzeit-Stellen.
Wiederholt hat das Parlament sich in der Vergangenheit mit dem querschnittlichen Problem des Fachkräftemangels in der Deutschsprachigen Gemeinschaft befasst, und dabei insbesondere Ausschuss III  mit detaillierten Zahlen zum Thema des Lehrermangels.
Ich erinnere beispielsweise an die im Bulletin der Interpellationen und Fragen Nr. 21 aufgeführten Zahlen der Ausschuss-Beratungen vom 12. Mai 2016, oder an die am 16. Juni 2016 im Ausschuss III vorgestellte Umfrage bei den Schulleitungen zum Lehrermangel und zu den ausgefallenen Unterrichten in den Schulen.
Eine grob geschätzte Investition von zirka 1,6 Millionen Euro für gut  30 Lehrkräfte ist aber nicht die zentrale Herausforderung  – diese Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden ist die eigentliche Problematik..
Am 6. Dezember 2018 hat der Bildungsminister an dieser Stelle festgehalten – auch anlässlich einer aktuellen Frage – dass er alleine im Schuljahr 2017-2018 insgesamt 27 Pensionäre und Vorruheständler zurückgerufen hat, um den Unterricht zu gewährleisten.
Und hier tritt auch die eigentliche Sorge um die Reformen der Kollegen in der Französischen Gemeinschaft zu Tage.
Die Fédération Wallonie-Bruxelles, der Informatik-Dienstleister Etnic und das Statistische Amt der Wallonischen Region, das IWEPS, haben 2015 in einer wissenschaftlichen Studie unter dem Titel "Parcours professionnels des enseignants du secondaire en début de carrière" herausgearbeitet, dass nicht unmittelbar zu Schuljahresbeginn auf dem Papier - in den Bezeichnungsdokumenten, wenn Sie so wollen - ein Lehrermangel in der FG zu Tage tritt, aber in den Monaten November, Januar und März jeden Schuljahres der Arbeitsmarkt auch in der Französischen Gemeinschaft in Sachen qualifizierter Lehrkräfte schlicht leer gefegt ist.
Will sagen: Wir sollten mit Vorsicht die anstehenden Erfahrungen der FG beobachten, bevor wir die Stundenspannenregelung kurzfristig in der Deutschsprachigen Gemeinschaft reformieren.
Und erst Recht, bevor wir den Stundenauftrag der Fachkräfte im technisch-beruflichen Unterricht antasten.
Sie wissen um unser Zukunftsprojekt "Gutes Personal für gute Schulen", für dessen Umsetzung der Bildungsminister zwischenzeitlich einen "Kümmerer" an unserer Lehrer-Ausbildungsstätte, sprich an der AHS, bezeichnet hat.
Sie wissen um die REK-Reformkonzepte zur Bildungsregion Ostbelgien, für deren solides Fundament im März 2019 von der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf Basis eines detaillierten Lastenheftes zwecks Aktualisierung unseres Sachstandes eine wissenschaftliche Diagnose des Bildungssystems in der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Auftrag geht.
Wir sollten die Erfahrungen der Kollegen der FG in naher Zukunft gut beobachten, unsere Zukunftsprojekte mit Verwurzelung vor Ort – nebst wissenschaftlicher Unterstützung – vorantreiben – und den reellen Arbeitsmarkt gewichten – einschließlich der Situation bei den Lehrkräften.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
 
 
* https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&ved=2ahUKEwjb95Hm4O_gAhWnRhUIHZKPBV8QFjAAegQIBBAC&url=https%3A%2F%2Fcsc-enseignement.csc-en-ligne.be%2FImages%2F170208-Pacte-PositionnementCSC-E-tcm197-404092.pdf&usg=AOvVaw1p72lQ7f84L1zGDBuXZjto (11.03.2019)
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