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Fragen und Antworten

Mündliche Fragen

14. März 2019 – Frage von S. Houben-Meessen an Minister Mollers zum Brückenstudium

­Inwiefern teilen Sie meine Überlegung, dass junge Menschen, die dieses Brückenstudium beginnen bzw. absolvieren, Gefahr laufen, überfordert zu sein? Besteht ferner nicht das Risiko, dass unseren Schülern – zumindest im Einzelfall und übergangsweise – nicht die Ausbildung zuteilwird, die grundsätzlich erwartet werden dürfte?

Die nachfolgend veröffentlichten Fragen und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Sandra Houben-Meessen (CSP):
 
Nach erfolgreichem Bachelorabschluss als Kindergärtner resp. Kindergärtnerin ist ein einjähriges Brückenstudium möglich, das den Erwerb des Diploms als Primarschullehrer bzw. Primarschullehrerin ermöglicht.
Ich kann den Wunsch, Fachkräfte heranzubilden und so dem Lehrermangel entgegenzuwirken nachvollziehen.
Aber nicht nur ich stelle mir die Frage, ob dies tatsächlich innerhalb eines Studienjahres möglich ist.
Ich halte es für umstritten, dass - vor dem Hintergrund stetig steigender Anforderungen an Primarschullehrer - alle Inhalte für sechs Primarschuljahre, Differenzierung, etc… innerhalb eines Jahres zu vermitteln sind.
 
Daher meine Fragen:
­- Inwiefern teilen Sie meine Überlegung, dass junge Menschen, die dieses Brückenstudium beginnen bzw. absolvieren, Gefahr laufen, überfordert zu sein?
­- Besteht ferner nicht das Risiko, dass unseren Schülern – zumindest im Einzelfall und übergangsweise – nicht die Ausbildung zuteilwird, die grundsätzlich erwartet werden dürfte?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:
 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
das Brückenstudium an der Autonomen Hochschule bietet diplomierten Kindergärtnern die Möglichkeit einer Qualifizierung zum Primarschullehrer.
Das Studium umfasst 60 ECTS-Punkte und ist damit so umfangreich wie ein Jahr im Vollzeit-Bachelorstudium.
Es besteht vorwiegend aus der fachlichen und fachdidaktischen Ausbildung in den Fächern, die in der Primarschule erteilt werden.
Erziehungswissenschaftliche, psychologische und soziologische Fächer gehören nur noch in geringem Maße zu diesem Studienprogramm, da diese Inhalte und Kompetenzen bereits im Kindergartenstudium vermittelt werden.
Einige bereits im Kindergartenstudium behandelte Inhalte, unter anderem das Thema „Differenzierung“, werden genauer aus dem Blickwinkel der Primarschule betrachtet.
Einen großen Umfang nimmt die berufspraktische Ausbildung ein, da die Studenten sowohl in der Unter-, der Mittel- und der Oberstufe ein zwei- bis dreiwöchiges Praktikum absolvieren.
Das Studium umfasst sowohl Präsenzzeiten an der Hochschule, bei denen die Studenten vorwiegend den Kursen des 2. Studienjahres Lehramt Primarschule folgen, als auch Kurse aus dem ersten und dritten Studienjahr, die als Voraussetzung vor bzw. während des Brückenstudiums im Selbststudium bearbeitet werden müssen.
Der vergleichbar hohe Anteil an Eigenstudium und Praktika sowie die Absolvierung von Inhalten aus drei verschiedenen Studienjahren macht das Brückenstudium in der Tat zu einem anspruchsvollen Studium, welches – wie jedes andere Studium auch - überfordernd sein kann.
Daher führt die AHS mit jedem Interessenten vor Studienbeginn ein persönliches Gespräch, in dem die Anforderungen und Belastungen transparent gemacht werden, die persönliche Situation beleuchtet und ggf. bereits beschlossen wird, das Studium auf 1,5 oder 2 Jahre zu verteilen oder andere Unterstützungsmaßnahmen in die Wege zu leiten (Mentoring, regelmäßige Entwicklungsgespräche, Unterstützung durch Mitstudenten,...).
Die Erfahrungen aus den letzten Jahren zeigen, dass sich die Interessenten ausgiebig mit den Anforderungen des Brückenstudiums auseinandersetzen und sich bewusst für oder gegen das Studium entscheiden.
Die Abbrecherquote im Brückenstudium ist sehr gering, sodass davon ausgegangen werden kann, dass vor allem die Personen das Studium beginnen, die über die notwendigen Voraussetzungen und Möglichkeiten verfügen.
Dabei kommt ihnen die Tatsache, dass die Studienzeit verlängert werden kann, zugute. 
Die Nachqualifizierung zum Primarschullehrer und damit einhergehend die Tatsache, dass Personalmitglieder sowohl das Diplom des Kindergärtners als auch des Primarschullehrers besitzen, ist aus Sicht der AHS in erster Linie ein Vorteil für das Unterrichtswesen, da diese Personen flexibler eingesetzt werden können und das Hintergrundwissen und die didaktische Ausbildung für die Arbeit mit Kindern von drei bis zwölf Jahren besitzen.
Die Absolventen des Brückenstudiums haben – wie gesagt - neben ihrem Studium zum Kindergärtner die grundlegende fachliche und didaktische Ausbildung für das Primarschullehramt erhalten.
Selbstverständlich fällt die Möglichkeit der Verarbeitung und vor allem der Umfang der praktischen Erfahrungen mit den Studieninhalten in einem einjährigen Studium weniger umfassend aus, als in einem dreijährigen Studium.
Dennoch haben auch die erfolgreichen Absolventen des Brückenstudiums das Rüstzeug, um als kompetente Berufsanfänger in der Primarschule zu arbeiten.
Diese Lehrer bringen möglicherweise noch andere, wichtige Erfahrungen mit, die sie im Studium zum Kindergärtner erworben haben.
Eine Benachteiligung der Schüler schließt die AHS aus, da durch das anspruchsvolle Programm erreicht werde, dass auch die Absolventen des Brückenstudiums die fachlichen und didaktischen Kenntnisse für das Unterrichten und Arbeiten in der Primarschule haben.
Ebenso wie alle anderen Absolventen – ob nun nach ein- oder dreijährigem Studium – benötigen die Absolventen des Brückenstudiums Unterstützung.
Dazu haben sie neben anderen Weiterbildungen die Möglichkeit, an der Berufseinstiegsphase der AHS teilzunehmen, um sich regelmäßig mit Dozenten, Lehrpersonen und anderen Berufseinsteigern über Herausforderungen oder Schwierigkeiten im Schulalltag auszutauschen.
Die von Ihnen angesprochenen stetig steigenden Anforderungen an Primarschullehrer machen unabhängig von der Organisation und Durchführung des Brückenstudiums eine Verlängerung der Studienzeit notwendig.
Inwiefern ein Brückenstudium nach diesen Anpassungen sinnvoll und möglich ist, werden die Entwicklungen in der Neuausrichtung des Lehramtsstudiums zeigen.
Mit dieser Frage sowie der Möglichkeit eines berufsbegleitenden Brückenstudiums befassen sich zurzeit die Personen, die mit der Neuausrichtung betraut sind.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
 
 
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