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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

14. März 2019 – Frage von A. Mertes an Minister Mollers zum Gebrauch von Ohrenschützern im Unterricht

­An wie vielen Primar- und Sekundarschulen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft werden Ohrenschützer eingesetzt bzw. ist deren Einsatz in naher Zukunft geplant? Wie stehen Sie als Unterrichtsminister zum Gebrauch von Ohrenschützern an den Schulen der DG? Welche anderen Möglichkeiten können Schulen ergreifen, um Kinder und Jugendliche mit Konzentrationsschwierigkeiten zu unterstützen?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Alain Mertes (Vivant):
 
Vor nicht allzu langer Zeit ist mir sprichwörtlich zu Ohren gekommen, dass an einigen Primarschulen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Ohrenschützer im Unterricht eingesetzt werden. Zudem sei der Einsatz an weiteren Schulen in Planung.
Zuerst habe ich gedacht, dass es sich um einen schlechten Scherz handele, doch nach einigen Gesprächen und etwas Recherche stellte sich heraus, dass dies tatsächlich der Fall ist.
Ich muss zugeben, dass ich geschockt war und es noch bin. Ist es tatsächlich schon so weit gekommen, dass zu solchen Mitteln gegriffen wird?
Hintergrund für diese Maßnahme ist laut meinen Informationen die Tatsache, dass einige Kinder sich nicht mehr konzentrieren können, selbst dann nicht, wenn es relativ ruhig in der Klasse sei. Jedes noch so kleine Geräusch lenke sie ab und brächte sie aus der Ruhe. Ein anderer Effekt dieser Maßnahme sei, dass ganz allgemein der Geräuschpegel in der Klasse sinke.
Ich möchte hiermit in keiner Weise die pädagogische Freiheit der Schule in Frage stellen. Solche Maßnahmen zeigen jedoch ganz deutlich Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft auf. So etwas wäre vor nicht allzu langer Zeit undenkbar gewesen. Lehrerinnen und Lehrer sorgten für Ruhe in ihren Klassen. Kinder waren zumindest ganz allgemein betrachtet ausgeglichener und ruhiger.
Natürlich kann man dies als die Methoden moderner Schulen bezeichnen, doch dies ist in meinen Augen ein Hohn. Diese Maßnahmen sind Symptombehandlung eines viel tiefer liegenden Problems, dessen Ursachen wir ergründen und dann an der Wurzel anpacken sollten.
 
In diesem Zusammenhang sind meine Fragen an Sie wie folgt:
­- An wie vielen Primar- und Sekundarschulen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft werden Ohrenschützer eingesetzt bzw. ist deren Einsatz in naher Zukunft geplant?
-­ Wie stehen Sie als Unterrichtsminister zum Gebrauch von Ohrenschützern an den Schulen der DG?
­- Welche anderen Möglichkeiten können Schulen ergreifen, um Kinder und Jugendliche mit Konzentrationsschwierigkeiten zu unterstützen?

Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:
 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
bisher wurde keine Erhebung durchgeführt, die den Umfang des Einsatzes von Ohrenschützern im Primar- und Sekundarschulunterricht dokumentiert.
Dies ist auch in naher Zukunft nicht geplant, denn im Rahmen ihrer pädagogischen Freiheit obliegt es der Schule, darüber zu befinden, ob dieses Hilfsmittel bei einem Schüler punktuell sinnvoll eingesetzt wird.
Ohrenschützer werden punktuell bei einzelnen Schülern als Nachteilsausgleichsmaßnahme eingesetzt.
In der nieder- und hochschwelligen Förderung helfen sie Schülern, die auch durch leise Geräusche wie z.B. Straßenlärm oder Murmelgespräche ihrer Mitschüler abgelenkt werden, sich voll und ganz zu konzentrieren.
Diese Maßnahme wird auch teils in den Förderplänen verankert.
Ohrenschützer werden auch sehr erfolgreich bei Schülern eingesetzt, die unter der Reizüberflutung (Licht, Geräusche, Gerüche usw.) leiden, wie beispielsweise Kinder mit Autismus.
Es geht hier also nicht um eine Maßnahme, die Unruhe oder mangelnde Disziplin in der Klasse kompensieren, sondern einzelne Schüler unterstützen soll, die auch auf leise Geräusche und sonstige Reize empfindlich reagieren.
In diesem Zusammenhang sind Ohrenschützer, wenn sie vereinzelt und gezielt eingesetzt werden, ein sinnvolles Mittel, das in spezifischen Situationen gewissen Schülern helfen kann.
Sie sollen selbstverständlich nicht flächendeckend genutzt werden.
Weitere angemessene Vorkehrungen, die in den Schulen zur Konzentrationsförderung getroffen werden können, sind beispielsweise visuelle Unterstützung, Bewegungsübungen, Achtsamkeitstraining, Entspannungsübungen, eine Konzentrationsecke, Trennwände und vieles mehr.
Diese Methoden nutzen viele Schulen, auch zur Förderung der Konzentration der Regelschüler.
In diesem Zusammenhang hat sich auch der Unterricht in Stationen bewährt.
Die Tatsache, dass die Schüler zwischendurch aufstehen, um sich von Station zu Station zu bewegen, kann zur Konzentrationsförderung genutzt werden.
Hierbei können auch gezielt Aufgaben eingeplant werden, die die Bewegung fördern.
Da die Methoden zur Konzentrationsförderung vielfältig sind, obliegt es letzten Endes dem Lehrer und ggf. der Förderkonferenz, diese zu variieren und gezielt einzusetzen.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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