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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

10. April 2019 – Frage von F. Mockel zur Studie zur „Integrierten Gesundheitsversorgung“

­Ist in den Krankenhäusern von Eupen und Sankt Vith eine ähnliche Tendenz in der Belegung von Akutbetten zu erkennen?

Die nachfolgend veröffentlichten Fragen und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.

Frage von F. Mockel (ECOLO) 

Ende März wurde eine von der internationalen Consultingfirma Antares erstellte Studie veröffentlicht (siehe auch Grenz-Echo vom 28.3). Diese Firma hatte in der Vergangenheit auch schon Studien für den Krankenhaussektor in der DG erstellt. Diese verglich die Gesundheitssysteme mehrerer europäischer Länder und kam zu dem Schluss, dass in Belgien zu oft Patienten in Akutbetten von Krankenhäusern untergebracht sind, die eigentlich unter chronischen Krankheiten leiden oder einen Langzeitaufenthalt in einer anderen Struktur sinnvoller erschienen lassen.
In Belgien wird seit vielen Jahren daran gearbeitet, die durchschnittliche Krankenhausaufenthaltsdauer zu senken. Auch in unseren Häusern ist sie tendenziell gesunken. Viele Aufenthaltsdauern sind sehr knapp berechnet, und man kann nicht mehr behaupten, dass man die Nachbehandlung zuhause als nebensächlich betrachten darf.

Die Studie sieht aber eine Steigerung in der Anzahl dieser Patienten und kommt zu der Schlussfolgerung, dass eine Integration in der Gesundheitsversorgung vonnöten sei bzw. sieht die Notwendigkeit das belgische Modell zu überdenken.
Nicht zuletzt empfiehlt sie, echte Netzwerke von Sozial- und Gesundheitsdienstleistern, weil die Kontinuität in der Pflege verbessert werden muss.

Meine Fragen daher an Sie, Herr Minister:

­ Ist in den Krankenhäusern von Eupen und Sankt Vith eine ähnliche Tendenz in der Belegung von Akutbetten zu erkennen?
­ Inwieweit kann die DG, können Sie dazu beitragen, dass diese wichtige Kontinuität in der Pflege auch in der DG ständig verbessert wird?


Antwort von Minister A. Antoniadis

Mit dem Thema „integrierte Gesundheit“ haben wir uns bereits vielfach im Ausschuss IV beschäftigt und es wurden in diesem Rahmen auch gewisse Tendenzen und Entwicklungen in unseren Krankenhäusern besprochen.

Auf Ihre Frage, ob es in den Krankenhäusern von Eupen und Sankt Vith eine, wie im Inland, sogenannte Fehlbelegung der Betten gibt, kann ich nicht gänzlich antworten. Dem Fachbereich Gesundheit und Senioren liegen unterschiedliche Daten betreffend die Auslastung der verschiedenen Dienste vor. Informationen dazu, in welchem Maße Akutbetten durch chronische Patienten oder Langzeitpatienten belegt werden, liegen jedoch nicht vor. Eine solche Aussage zu treffen, stelle ich mir auch durchaus schwierig vor, da es immer von der Einschätzung des betreuenden Arztes und der Pflegebedürftigkeit des Patienten abhängt, inwieweit ein „nach Hause gehen“ möglich ist oder nicht. Dies kann je nach Klienten und Pathologie sehr unterschiedlich sein.

Aber ganz unabhängig von dieser Feststellung und den nicht klar definierten Zahlen der Belegung kann ich den Aufbau von vor- und nachgeschalteten Strukturen unterstützen, um eine integrierte Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.

Diesbezüglich haben wir unterschiedliche Maßnahmen ergriffen, um eine integrierte Gesundheitsversorgung in Ostbelgien zu ermöglichen.

Ich denke da an das Projekt das Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben mit mehreren Kooperationspartnern aus der DG ausgearbeitet hatte, das aber letztlich vom Föderalstaat nicht genehmigt wurde.

Des Weiteren erinnere ich an die Gesundheitsplanung, die von Antares im Auftrag der Regierung erstellt wurde. Darin wurden die verschiedenen Bereiche identifiziert, die in Ostbelgien noch ausgebaut werden können. Für einige dieser Bereiche ist die Deutschsprachige Gemeinschaft direkt zuständig. Für andere – wie zum Beispiel die Einrichtung einer Geriatrie in St. Vith – ist der Föderalstaat zuständig.

Dort, wo wir nicht zuständig sind, versuchen wir, Alternativen aufzubauen. Auch hier ermöglicht zum Beispiel das bereits in der Antwort auf die Frage von Herr Nelles genannte Dekret über die Angebote für Senioren und Personen mit Unterstützungsbedarf sowie über die Palliativpflege (kurz: Seniorendekret), den Krankenhäusern bereits jetzt Pilotprojekte in den Bereichen „Kurzaufenthalte mit Schwerpunkt auf Rehabilitation“ und „Tagespflege mit


Schwerpunkt auf Rehabilitation“ zu starten. Auf diese Weise kann zumindest bereits ein Teil der Problematik bearbeiten werden.
Ungeachtet dieser Situation hat die Deutschsprachige Gemeinschaft einen effektiven und bekannten Bedarf an Geriatrie-, SP-Reha und SP-Palliativ Betten. Hier verweise ich auf die erste Frage der heutigen Regierungskontrolle, um mich nicht wiederholen zu müssen.

Auch im Bereich der Psychiatrie kommt es in den bestehenden Strukturen oft zu Engpässen.
Hier hat die Deutschsprachige Gemeinschaft derzeit noch kein langzeit-stationäres Angebot, das auch als „T-Betten“ bekannt ist. Diese Situation ist, anders als in den anderen Landesteilen, erneut eine besondere für Ostbelgien.

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