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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

11. April 2019 – Frage von G. Freches an Minister Mollers zur Fehlstundenerhebung – Unterrichtsausfälle in den Sekundarschulen auf dem Gebiet der DG

­Wie sieht die aktuelle Situation in Bezug auf Fehlstunden – Unterrichtsausfälle generell in der DG im Frühjahr 2019 aus?

Die nachfolgend veröffentlichten Fragen und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Gregor Freches (PFF):
Immer wieder und in regelmässigen Abständen wird das Thema des Lehrermangels in den Mittelpunkt der politischen Diskussion gerückt – so auch in der DG. Besonders die Sekundarschulen in unserer Gemeinschaft sind von diesem Problem betroffen.
Doch wie ist das Phänomen des Lehrermangels messbar?
Seit diesem Schuljahr, hat das Land NRW eine flächendeckende Erhebung eingeführt und alle Schulen müssen die ausgefallenen Stunden, Vertretungsstunden, Exkursionen, Projekttage und eigenverantwortliches Arbeiten mit Hilfe einer speziellen Software dokumentieren. Die Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagt dazu: "Ein realistischeres Bild vom Unterrichtsausfall in NRW gab es nie".
 
Meine Fragen nun an Sie, werter Herr Minister Mollers:
­- Wie sieht die aktuelle Situation in Bezug auf Fehlstunden – Unterrichtsausfälle generell in der DG im Frühjahr 2019 aus?
­- Welche Fächer leiden am meisten unter den Fehlstunden?
­- Könnten Sie sich vorstellen, eine solche Erhebung via einer speziellen Software ebenfalls in der DG aufzubauen?

Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:
 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
das Thema Lehrermangel ist und bleibt leider auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft akut und stellt die Schulen vor große organisatorische und pädagogische Herausforderungen.
Sowohl im Grund-, Sekundar- als auch im Hochschulwesen konnte das gewährte Stellenkapital bzw. Stundenkapital zu Schuljahresbeginn im Großen und Ganzen glücklicherweise mit Personal besetzt werden.
Das gleiche gilt auch für die Musikakademie und die Institute für schulische Weiterbildung.
Nicht besetzt sind allerdings weiterhin derzeit eine Reihe von Stellen im Amt des Förderpädagogen im Regelgrundschulwesen.
In diesem Amt, in dem ja bekanntlich nur Personalmitglieder eingestellt werden dürfen, die über den erforderlichen Befähigungsnachweis verfügen, sind – ähnlich wie in den Vorjahren – rund 50% der gewährten Stellen vakant geblieben.
 
Die Verwaltung verfügt nicht über ein genaues Bild in Bezug auf Fehlstunden und Unterrichtsausfälle im aktuellen Schuljahr.
Das liegt daran, dass die Schulen bei einer Abwesenheit eines Personalmitglieds von mindestens 6 aufeinanderfolgenden Arbeitstagen bei Bedarf einen Ersatz einstellen. Im Falle von Abwesenheiten kurzer Dauer  hingegen greifen die schulinternen Vertretungskonzepte, dennoch kommt es hier immer wieder zu Fehlstunden und damit verbunden – insbesondere im Sekundarschulwesen – auch zu einem Unterrichtsausfall.
Aus den Rückmeldungen, die wir in den vergangenen Tagen von den Schulsekretariaten und Schulämtern zu den Abwesenheiten längerer Dauer erhalten haben, ergibt sich folgendes Bild:
 
1. Grundschulwesen
In einigen Schulen sind glücklicherweise nur sehr wenige Personalmitglieder längerfristig ausgefallen, so dass hier in der Regel immer ein Ersatz gefunden werden konnte.
Dabei wurde häufig auf pensionierte oder beurlaubte Personalmitglieder zurückgegriffen.
In vielen Fällen wurden aber auch Personalmitglieder eingestellt, die nicht über den erforderlichen Befähigungsnachweis verfügen.
Andere Schulen hingegen verzeichneten eine höhere Abwesenheitsrate.
Hier konnte in einer Reihe von Fällen leider kein Ersatz gefunden werden.
Ein Unterrichtsausfall wurde allerdings größtenteils verhindert, da häufig auf interne Lösungen zurückgegriffen werden konnte:
So haben sehr oft der Schulleiter oder andere Personalmitglieder der Schule den Unterricht des abwesenden Lehrers übernommen oder einzelne Schülergruppen wurden auf andere Klassen verteilt.
Zum Fördergrundschulwesen sei zusätzlich erwähnt, dass in zwei Fällen eine Integrationslehrerin während einigen Wochen nicht ersetzt werden konnte.
 
2. Sekundarschulwesen
Auch für die Sekundarschulen gilt leider, dass es in den meisten Fällen unmöglich ist, im Laufe des Schuljahres qualifiziertes Ersatzpersonal zu finden.  
In einigen eher kleineren Sekundarschulen konnte ein Unterrichtsausfall in den meisten Fällen verhindert werden, indem ähnlich wie im Grundschulwesen auf beurlaubte oder pensionierte Personalmitglieder zurückgegriffen wurde oder indem Personalmitglieder eingestellt wurden, die nicht über den erforderlichen Befähigungsnachweis verfügen.
Darüber hinaus konnten auch im Sekundarschulwesen oft interne Lösungen gefunden werden: 
So haben andere Personalmitglieder der Schule den Unterricht eines abwesenden Kollegen übernommen oder einzelne Schülergruppen wurden auf andere Klassen verteilt
In den größeren Sekundarschulen hat sich ein kurz- oder längerfristiger Unterrichtsausfall jedoch hier und da nicht vermeiden lassen.
Betroffen waren dann zum einen die Sprachkurse (Deutsch, Englisch, Niederländisch, Französisch und Spanisch), aber auch Fächer wie Geschichte, Erdkunde, Biologie, Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Sport, Kunst, Textverarbeitung, Religion und Moral. 
Zum Förderschulwesen sei erwähnt, dass es in einigen technisch-berufsbildenden Fächern (Kochen, Schreinerei, Bau) aufgrund eines längerfristigen Ausfalls von Personalmitgliedern zu einem Unterrichtsausfall in diesem Schuljahr gekommen ist.
Glücklicherweise wurde im Erzieherbereich jedoch genügend Ersatzpersonal ausfindig gemacht, so dass zumindest die Aufsicht der betroffenen Schüler in einem angemessenen Rahmen gewährleistet werden konnte.
Aus dem Förderschulwesen erhielt ich darüber hinaus die Rückmeldung, dass in diesem Schuljahr ein großer Mangel an paramedizinischem Personal verzeichnet wird.
So konnte ein Viertelstundenplan im Bereich Kinesitherapie beispielsweise über einen längeren Zeitraum überhaupt nicht vergeben werden.

3. Hochschule
In der AHS hat der Lehrermangel bisher nicht dazu geführt, dass Unterricht langfristig ausfallen musste.
Bei Krankheitsausfällen erteilen in der Regel Kollegen fachbezogen oder fachfremd Unterricht.
Gelegentlich erteilen kranke Dozenten den Studenten Arbeitsaufträge.
Dies ist natürlich mit Studierenden leichter durchzuführen als mit Schülern.
 
4. Musikakademie
In der Musikakademie konnten alle langfristigen Ausfälle von Lehrern im Schuljahr 2018-2019 ersetzt werden.
Aber auch hier wurde zum Teil auf Personen zurückgegriffen, die nicht das entsprechende Fachdiplom vorwiesen, da es sich unter anderem um Musikstudenten handelte.
Auch ehemalige Lehrer wurden für Vertretungsstunden reaktiviert.
Insbesondere im Fach Musikerziehung gestaltet es sich derzeit recht schwierig, deutschsprachiges Fachpersonal zu finden.
Wie Sie anhand dieser Erläuterungen feststellen, ist es uns auf Grund der derzeitigen Datenlagen nicht möglich, die Fehlstunden und den Unterrichtsausfall pro Amt exakt zu beziffern.
Von dieser Warte aus wäre es sicherlich interessant, auf eine Software zurückzugreifen, mit der alle ausgefallenen Stunden und Vertretungsstunden dokumentiert werden, wobei der Verwaltungsaufwand auszuloten wäre, der mit der Datenpflege einer solchen Software einhergeht.
Abschließend möchte ich erwähnen, dass ich sehr glücklich bin, dass in vielen Fällen ein Unterrichtsausfall vermieden werden konnte, weil interne Lösungen gefunden wurden, die – das sei auch gesagt – einen großen organisatorischen Aufwand erfordern.
Allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass diese Lösungen sehr oft einhergehen mit einer hohen, kräftezehrenden Doppelbelastung für zahlreiche Personalmitglieder.
In einzelnen Fällen können sie auch eine Verschlechterung der Unterrichtsqualität bedeuten, da mitunter eine Klassengröße erreicht wird, bei der es sehr schwer wird, guten Unterricht zu erteilen, der jedem Kind gerecht wird.
Allen Lehrpersonen, die hier zum Teil bis an die Grenzen des Möglichen gehen, gebührt daher mein aufrichtiger Dank.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
 
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