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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

11. März 2019 – Frage von S. Pauels an Minister Mollers zur Erlangung der Lehrbefähigung

­Welche Schritte wurden in der Vergangenheit getan, um in einen offenen Dialog mit den Lehrern zu treten, damit die angesprochenen Probleme angegangen und behoben werden können?

Die nachfolgend veröffentlichten Fragen und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Stephanie Pauels (CSP):
 
Durch ein mir vorliegendes Schreiben machte vor einiger Zeit ein Mitglied des Lehrkörpers auf gewisse Missstände im Unterrichtswesen aufmerksam. Dem Vernehmen nach wurde dieses Schreiben auch dem DG-Unterrichtsminister zugestellt. Außerdem soll es dazu eine Aussprache zwischen dem Minister und der Autorin gegeben haben.
Ohne im Einzelnen auf die Inhalte des Schreibens eingehen zu wollen, geht es im Grunde um die in den letzten zehn Jahren deutlich zu kurz gekommene Aufwertung des Lehrerberufs, um die zunehmende berufliche Belastung, um die abnehmende gesellschaftliche Wertschätzung des Lehrerberufs und zu geringe finanzielle Vergütung der Arbeit.
Insbesondere wird auf die schwierige Situation des Bachelor-Absolventen eingegangen.
"So haben nicht nur die administrativen (Verschriftung aller möglichen Tätigkeiten, Fachcurricula, Methodencurricula…) und schulinternen Aufgaben zugenommen (Schulentwicklungsprojekt ausarbeiten…), sondern auch die individuelle Begleitung, Förderung und Betreuung der Schüler. Die Klassenverbände werden immer heterogener, und deshalb sollen die Unterrichte idealerweise für die verschiedenen Niveaus ausgearbeitet werden, damit man jedem Kind gerecht wird. Eine nicht leicht zu bewältigende Aufgabe. [...]
Von der Lehrperson wird erwartet, dass sie Wissensvermittler, Lerncoach, Lernbegleiter, Methodentrainer, Erzieher, Psychopädagoge, Sozialarbeiter, Elternersatz und Therapeut ist.
Ein Großteil dieser Aufgaben ist in den letzten Jahren zusätzlich hinzugekommen, was gleichbedeutend ist, dass der Lehrer immer mehr (Frei)Zeit in die Bewältigung dieser Aufgaben investieren muss. [...]
Viele Lehrer haben den Eindruck regelrecht ausgesaugt zu werden und dass für ein Privatleben kaum Zeit bleibt. Burn-outs scheinen vorprogrammiert. [...]
Zudem haben viele Lehrpersonen den Eindruck, dass in den letzten Jahren zu viele pädagogische Ideen aufgeworfen wurden, die oftmals praxisuntauglich bzw. wegen fehlender Nachhaltigkeit verworfen werden mussten."
Diesen Brief haben bisher mindestens 129 Lehrer aus der DG unterschrieben.
 
Daher meine Fragen:
­- Welche Konsequenzen ziehen Sie als verantwortlicher Minister aus diesem Schreiben?
­- Welche Schritte wurden in der Vergangenheit getan, um in einen offenen Dialog mit den Lehrern zu treten, damit die angesprochenen Probleme angegangen und behoben werden können?
-­ Welche Fragen wurden in der Vergangenheit diesbezüglich aufgeworfen und welche Probleme sind zur Zufriedenheit aller Beteiligten gelöst worden?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:
 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
in den letzten Jahren hat es sowohl punktuelle als auch strukturelle Möglichkeiten zum Austausch gegeben:
Im Rahmen des Projekts „Gutes Personal für gute Schulen“ fanden im Mai und Juni 2016 zwei große Informations- und Diskussionsveranstaltungen statt, bei denen zwar vornehmlich dienstrechtliche und unterrichtsorganisatorische Fragen diskutiert, jedoch auch Meinungen, Bemerkungen und Anregungen zu pädagogischen Themen aufgegriffen wurden.
Infolge dieser Veranstaltungen wurde unter anderem entschieden, gesamtsystemische und damit auch pädagogische Fragen im Rahmen einer Gesamtvision für das Bildungswesen auf den Prüfstand zu stellen.
Unlängst wurde das Projekt zur Erarbeitung einer Gesamtvision mit der Erstellung einer Diagnose des aktuellen Stands des Bildungswesens auf den Weg gebracht.
Dabei war es mir ein Anliegen, den Prozess höchst partizipativ zu gestalten und entsprechend professionell begleiten zu lassen.
Der breit angelegte Beteiligungsprozess wird von einem externen Prozessbegleiter durchgeführt und allen Akteuren des Bildungswesens, aber auch der breiten Gesellschaft Gelegenheit bieten, sich zu äußern und Anregungen, Meinungen und Vorschläge einzubringen.
Den genauen Zeitplan des Dialogprozesses und die Möglichkeiten der Beteiligung werde ich gleich in meiner Antwort auf die Interpellation erläutern.
So viel sei schon mal verraten:
Ende August startet eine groß angelegte Online-Befragung.
Die Bildungsakteure werden darüber hinaus die Gelegenheit haben, ihre Meinungen auch in Veranstaltungen einzubringen.
Schon zu Beginn des Projekts GPGS wurde auf dem Bildungsserver unter der Rubrik „Gutes Personal für gute Schulen“ übrigens ein Kontaktformular eingerichtet, das es Personalmitgliedern und interessierten Bürgern ermöglicht, uns Anregungen und Kommentare mitzuteilen.
Aber die Meinung der Personalmitglieder interessiert uns nicht nur im Rahmen der Dienstrechtsreform und der Erarbeitung der Gesamtvision.
Im Gemeinschaftsunterrichtswesen wurden im letzten Schuljahr, nachdem die Gewerkschaften dies angeregt hatten, eine Zufriedenheitsumfrage sowie eine Analyse der psychosozialen Risiken durch den externen Dienst für Gefahrenverhütung und Sicherheit am Arbeitsplatz (Securex) durchgeführt.
Die Ergebnisse der Umfrage und der Analyse werden derzeit in den Schulen diskutiert mit dem Ziel Lösungsansätze zu formulieren und umzusetzen.
Seit dem Schuljahr 2014-2015 bietet die Unterrichtsverwaltung jährlich eine Informationsveranstaltung für Neu- und Quereinsteiger im Unterrichtswesen an.
Ein erster Teil informiert über die dienstrechtlichen Bestimmungen und bietet die Gelegenheit, hierzu Fragen zu stellen.
Ein zweiter Teil beschäftigt sich mit pädagogischen Anforderungen und Angeboten. Grundsätzlich sind diese Veranstaltungen nicht nur als reine Information gedacht, sondern bieten auch die Möglichkeit, Ansprechpartner in der Unterrichtsverwaltung kennenzulernen, die bei dienstrechtlichen oder pädagogischen Fragen Beratung und Hilfestellung anbieten können.
Es war mir immer ein Anliegen, auch als Minister jedem, der es wünscht, zum Austausch zur Verfügung zu stehen.
Mein Motto war während der gesamten Legislaturperiode: Ich nehme jede Einladung zum Gespräch gern an, möchte mich aber nicht aufdrängen.
So habe ich jede einzelne Schule besucht, die mich eingeladen hat, um mich vor Ort mit den Lehrern auszutauschen.
Darüber hinaus habe ich das Gespräch mit einzelnen Gruppen von Personalmitgliedern gesucht.
So habe ich mich nicht nur mit den Schulleitern, sondern auch mit allen Integrationslehrern, allen Förderpädagogen der niederschwelligen Förderung und allen Middle Managern getroffen.
Auch mit kompletten Schulteams bin ich in den Austausch getreten, so zum Beispiel mit den Personalmitgliedern der Grundschulen der Athenäen in Kelmis und Eupen, der Maria Goretti Schule, der Gemeindeschulen Schönberg und Wirtzfeld, der Abteilung Bildungswissenschaften der Autonomen Hochschule uvam..
Verschiedentlich habe ich auch Gelegenheit zu Begegnungen mit den Kollegien oder Lehrerteams der Sekundarschulen gehabt.
Darüber hinaus habe ich jedes Personalmitglied, das um ein persönliches Gespräch gebeten hat, empfangen, so auch die Autorin des von Ihnen zitierten Schreibens, mit der ich ein eineinhalbstündiges Gespräch über ihr Anliegen führen konnte.
Durch das Gespräch und das Schreiben habe ich tiefere Einblicke in die besondere Wahrnehmung der Bachelor bzw. Regenten erhalten.
Ich nehme diese Einschätzungen sehr ernst und verschließe mich den Überlegungen nicht.
Der Austausch hat mich letztlich in meiner Überzeugung bestätigt, dass wir das Gehaltsgefüge grundsätzlich auf den Prüfstand stellen müssen.
Tatsächlich wurde die Frage nach dem Gehaltsgefüge im Unterrichtswesen und im Übrigen im gesamten Öffentlichen Dienst bereits mehrfach diskutiert.
Im Unterrichtswesen wird jedes Personalmitglied unabhängig von seiner Funktion nach seinem höchsten akademischen Abschluss bezahlt, mit dem Ziel, keinem Anwerbungsamt einen höheren Stellenwert einzuräumen oder umgekehrt ein Gefälle innerhalb gleichwertiger und gleich wichtiger Tätigkeiten aufzubauen.
Um den Lehrerberuf aufzuwerten, haben wir in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen.
Wir haben die Einstiegsgehälter im Unterrichtswesen schrittweise erhöht. Insgesamt wurden die Einstiegsgehälter im Unterrichtswesen um 10% angehoben.
Auch wurden Initiativen ergriffen, um die Personalmitglieder in Grund- und Sekundarschulen fachlich zu unterstützen und zu beraten:
Im Bereich der niederschwelligen Förderung an Grundschulen wurden 2015 neue Stellen für Förderpädagogen geschaffen, die zum einen den Klassenlehrern beratend und unterstützend zur Seite stehen und zum anderen individuell mit Schülern und Schülergruppen arbeiten können.
Dass bisher nicht alle Stellen besetzt werden konnten, ist bedauerlich, jedoch ist die Entwicklung an denjenigen Schulen, die einen Förderpädagogen zu ihrem Schulteam zählen dürfen, positiv.
Zur administrativen Unterstützung der Grundschulen wurden zu Beginn des letzten Schuljahres Chefsekretäre an allen Grundschulen angesiedelt und auch die Kindergärten werden seit dem letzten Schuljahr schrittweise mit Kindergartenassistenten ausgestattet, die die Kindergärtner in ihrer Arbeit vor allem logistisch und praktisch unterstützen.
Zur Unterstützung im Umgang mit neuen Herausforderungen in der Klasse stehen den Lehrkräften seit 2016 die förderpädagogischen Berater des Kompetenzzentrums zur Verfügung, die den Pädagogen in diversen Schwerpunktbereichen, z.B. bei sozio-emotionalen Auffälligkeiten oder LRS, beratend zur Seite stehen und ihm Hilfen an die Hand geben.
Auch Kaleido richtet sein Angebot nicht ausschließlich an Schüler und Eltern, sondern steht auch den Lehrkräften als Ansprechpartner zur Verfügung.
Im Laufe der letzten Jahre wurde darüber hinaus ein breites pädagogisches Unterstützungssystem aufgebaut.
So wurden an der AHS Fachberatungen für die Primarschule und den Kindergarten eingesetzt.
Ebenfalls an der AHS werden im Rahmen der Berufseinstiegsphase Berufsneulinge beim Karrierebeginn begleitet.
Auf Ebene des Weiterbildungsangebots haben die Weiterbildungskommission und die AHS ihr Angebot Bedarfen angepasst, den thematischen Schwerpunkt für das Schuljahr 2018-2019 auf den Umgang mit Heterogenität im Schulalltag gelegt und ihr Programm ganz darauf ausgerichtet.
Es wurden verstärkt mehrtägige Weiterbildungen angeboten, um die Nachhaltigkeit der Weiterbildungen zu gewährleisten.
An den Sekundarschulen wurden zu Beginn des laufenden Schuljahres Fachteamleiter bezeichnet.
Sie werden zurzeit im Rahmen einer Ausbildung befähigt, schulintern Fachlehrer bei der Unterrichtsentwicklung zu unterstützen.
Hilfe erfahren Lehrer auch durch die Schulentwicklungsberatung, die auf Anfrage Einzellehrern, Lehrergruppen oder Schulgemeinschaften für didaktische und pädagogische Fragen zur Seite steht.
Externe Evaluation und Schulinspektion unterstützen wiederum Schulen bei ihrer Qualitätsentwicklung.
 
Die Herausforderungen, vor denen unsere Pädagogen stehen, sind mir durchaus bewusst. Ich hoffe, mit diesen beispielhaften Maßnahmen gezeigt zu haben, dass die Regierung tatkräftig daran arbeitet, die Lehrer bestmöglich zu unterstützen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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