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Fragen und Antworten

Mündliche Frage

11. April 2019 – Frage von K. Neycken-Bartholemy an Minister Mollers zu den Ausbildungsangeboten für Mädchen

­Sind neue Angebote für die Ausbildung der Mädchen vorgesehen? Wie sehen die Kooperationen mit anderen Gemeinschaften oder Nachbarländern zur Förderung der Angebote aus?

Die nachfolgend veröffentlichten Fragen und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen.
 
Frage von Kirsten Neycken-Bartholemy (SP):
 
Am Sonntag, den 17. März fand im ZAWM Eupen sowie im Triangel St. Vith der „Markt der Lehrberufe“ statt, bei dem die verschiedenen Ausbildungsberufe der DG den Eltern, Kindern und Jugendlichen vorgestellt wurden. Ziel der Veranstaltung war es, das Interesse für die verschiedenen Berufe zu wecken. Zudem finden zurzeit wieder die Schnuppertage in Betrieben der DG statt. Vom 24. Bis zum 28. Juni wird zudem die 3. Auflage der Sommer- Schnupperwoche stattfinden. Es gibt außerdem Kooperationen mit anderen Gemeinschaften oder dem Ausland, wie beispielsweise Deutschland. Die duale Ausbildung in der DG genießt einen äußerst guten Ruf. Jährlich werden Handwerker aus Ostbelgien mit Preisen ausgezeichnet und die Ausgebildeten sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt. Trotz der zahlreichen Maßnahmen, die ergriffen werden sowie des guten Rufes, müssen wir immer wieder feststellen, dass zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Während der letzten Jahre wurde außerdem häufig darüber gesprochen, dass das Angebot für Mädchen sehr gering ist.
 
Dazu nun meine Frage:
­- Sind neue Angebote für die Ausbildung der Mädchen vorgesehen?
­- Wie sehen die Kooperationen mit anderen Gemeinschaften oder Nachbarländern zur Förderung der Angebote aus?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Bildungsminister:
 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
die duale Ausbildung steht für Kreativität und Vielfalt.
Dieses Bild möchte das IAWM in Zukunft verstärkt repräsentieren und verankern. Das stereotypische Bild von den klassischen Männer- und Frauenberufen hat meiner Meinung nach ausgedient und es gilt, dem angestaubten Image der dualen Ausbildung neuen Glanz zu verleihen.
Dies bedeutet verstärkte Aufklärungsarbeit bei Jugendlichen und Eltern.
Denn diese haben oftmals ein veraltetes oder falsches Bild von der dualen Ausbildung.
In den letzten Jahren hat sich eine Menge getan.
Neben dem Einzug der Digitalisierung, auch im klassischen Handwerk, haben sich viele Berufszweige in ganz bestimmten Bereichen spezialisiert und ihre Ausrichtung verfeinert, so dass eigentlich für jeden etwas dabei ist.
Kreativität, aber auch Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen sind gefragt und hierbei spielt das Geschlecht gewiss keine Rolle.
So erzielten beispielsweise zwei Anstreicherinnen aus ostbelgischen Ausbildungsbetrieben bei den Landesmeisterschaften der Berufe (Startech’s Days) jeweils die ersten Plätze und eine Auszubildende nahm an den World- und Euroskills teil.
Hervorragende Leistungen konnte eine junge Metallbauerin in ihrer Abschlussprüfung erzielen und ließ dabei viele ihrer männlichen Kollegen hinter sich.
Im KFZ-Bereich ist ebenfalls eine junge Frau erfolgreich in ihrer Ausbildung unterwegs.
In den Holzberufen sind auch regelmäßig weibliche Gesellen zu finden.
Das IAWM bietet aber nicht nur Ausbildungen im Handwerk an, sondern darüber hinaus auch im kaufmännischen Bereich, in einigen Ausbildungen sogar mit der Möglichkeit eines Bachelorabschlusses.
In diesen Ausbildungszweigen finden sich auch immer viele weibliche Kandidaten. Neben den Buchhaltern, Versicherungs- und Bankkaufleuten wird ab 2019-2020 auch eine Ausbildung zum Bachelor in Public and Business Administration angeboten, die sicher auch Mädchen ansprechen wird.
Ab dem Wintersemester 2019-2020 wird es durch eine enge Kooperation zwischen der FH Aachen und dem IAWM möglich werden, den praktischen Teil der dualen  Bachelorstudiengänge im Bereich Bauingenieurwesen, duale Ingenieurausbildung Mechatronik und angewandte Mathematik und Informatik auch im Rahmen eines Meistervolontariates in hiesigen Betrieben zu absolvieren.
Inhaltliche Grundlage bilden die deutschen Studienprogramme.
Zukünftige Studenten unterzeichnen einen Volontariatsvertrag mit dem Ausbildungsbetrieb und zusätzlich unterzeichnet der Ausbildungsbetrieb ein Abkommen mit der Hochschule.
Dennoch muss der Tatsache ins Auge gesehen werden, dass sich Mädchen für Berufsfelder entscheiden, die klassischerweise von Frauen bevorzugt werden.
Dazu gehören die Ausbildungsbereiche Friseur, Floristik, Spedition, Umgang und Pflege von Pferden, Mediengestalter, Buchhaltung, Kosmetik und gewisse Fachbereiche des Einzelhandels.
Aufgrund von mangelnden Ausbildungsplätzen in diesen Bereichen kommt in diesen Berufen jedoch häufig keine eigenständige Fachklasse zusammen.
Deshalb ist das IAWM um Kooperationspartnerschaften bemüht.
Um den Fortbestand zu sichern, wird derzeit bspw. die Kooperation mit dem Berufskolleg Humboldtstraße in Köln für die Pferdeberufe, die Floristen und die Kosmetiker geprüft.
Eine Floristin besucht aktuell schon die Berufsschule in Trier.
In Kooperation mit der IHK Aachen wurden 2018 die Rahmenbedingungen für die Bidiplomierung im Bereich Spedition- und Logistikdienstleitung auf den Weg gebracht.
Ziel dieser Vereinbarung ist der Erwerb des Berufsabschlusszertifikats der jeweils anderen Region nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung in der Heimatregion. Die erste Bidiplomierung im Bereich Spedition ist für das Schuljahr 2019/2020 vorgesehen.
Grundvoraussetzung für den Erhalt beider Abschlusszertifikate ist ein vierwöchiges Praktikum im jeweiligen Partnerland sowie die bestanden Gesellenprüfung bzw. Abschlussprüfung im Heimatland.
Zudem lieferte im Schuljahr 2018/2019 die bereits 2016 unterzeichnete Bidiplomierung im Bereich Tischlerhandwerk die ersten Ergebnisse.
Weitere Bidiplomierungen bestehen seit mehreren Jahren in den Bereichen Friseurhandwerk, Kfz und Einzelhandel.
2018 konnte das IAWM zudem die Kooperation mit weiteren Ausbildungspartnern fortsetzen.
Gute Kontakte werden in regelmäßigen Treffen mit den Partnern gepflegt, u.a. mit der Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben (DSL), dem Arbeitsamt der DG (ADG), dem Zentrum für Förderpädagogik (ZFP), der Autonome Hochschule in der DG (AHS), dem Studienkreis Schule & Wirtschaft, KALEIDO, dem Jugendhilfedienst, dem Jugendbüro, dem IFAPME, SYNTRA Vlaanderen, dem EFP Brüssel, der VoG Skills, TRAXIO, EDUCAM, VOLTA, dem Sektorenfonds für den Bausektor (Constructiv), dem IFPM, AGORIA, dem Nahrungsmittelsektor ALIMENTO, dem DIHK Bonn, der Handwerkskammer Trier, der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer Aachen, der Handwerkskammer zu Köln, der Handwerkskammer Luxemburg, dem Bildungsministerium in Luxemburg, FEB, usw.
Auch in diesem Jahr bringt das IAWM wieder einige neue Ausbildungsprogramme auf den Weg.
Diese neuen Angebote sprechen sicherlich auch Mädchen an.
Darunter – brandneu - der duale Bachelor in Public and Business Administration.
Die Bachelorstudenten in diesem Bereich arbeiten in den Verwaltungen öffentlicher Behörden oder der Privatwirtschaft.
Sie unterstützen die Geschäftsführung bei ihren Aufgaben.
Dabei beschäftigen sie sich mit allgemeinen Organisations- und Sekretariatsarbeiten, Vor- und Nachbereiten von Tagungen, Erstellen von Analysen, Projektmanagement, Personalverwaltung, Ausübung von PR-Maßnahmen usw.
Dieses Studium wir in Kooperation mit der Autonomen Hochschule realisiert.
In der Lehre startet das neue Ausbildungsprogramm Tourismuskaufmann/-frau im Ausbildungsjahr 2019/2020.
Tourismuskaufleute für Privat- und Geschäftsreisen planen, vermitteln und verkaufen individuelle, Gruppen- sowie Veranstalterreisen und organisieren Geschäftsreisen.
Sie beraten Kunden über Reisemöglichkeiten und Reiseziele, kalkulieren Preise, entwickeln Marketingmaßnahmen und führen sie durch. Tourismuskaufleute arbeiten in Reisebüros, bei Reiseveranstaltern, in Unternehmen der Personenbeförderung, bei Tourismusverbänden oder in größeren Hotels und Ferienzentren.
Markt der Lehrberufe 2019
Der Mart der Lehrberufe war ein Angebot an alle Ausbildungsbetriebe, sich potenziellen Lehrinteressenten zu präsentieren.
Somit hatten alle Ausbildungsbetriebe die Chance sich an der Aktion des Marktes der Lehrberufe zu beteiligen.
Das IAWM hat keine Vorauswahl getroffen.
Alle interessierten Betriebe wurden bei der Aktion berücksichtigt und waren mit einem Stand vertreten.
Das hier nicht so viele Ausbildungsbetriebe anwesend waren, die frauentypische Berufe vertreten, war also keine bewusste Entscheidung des IAWM, sondern eine bewusste Entscheidung  der Unternehmen, sich dort zu präsentieren oder nicht.
Auch hier waren bspw. die Frisöre vertreten.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
 
 
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