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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 358

22. Mai 2019 – Frage von M. Balter an Herrn Minister Antoniadis - Nachfrage zur schriftlichen Frage Nr. 306 bezüglich sexuell übertragbarer Krankheiten

Ist die Art der Kampagnen zur nachhaltigen Information und Prävention geeignet oder sollten neue Konzepte bedacht werden?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Michael Balter (Vivant), vom 15. April 2019:
 
Wir hatten Sie bereits in der Vergangenheit zum Thema „sexuell übertragbare Krankheiten“ befragt. Aufgrund Ihrer Antworten im September 2018 und des Artikels im BRF vom 26.03.2019* sind meine Fragen an Sie wie folgt:
Bezüglich einer möglichen Meldepflicht sexuell übertragbarer Krankheiten folgen Sie der Empfehlung der Hygieneinspektion Aviq, welche Chlamydien und Gonorrhöe aus deontologischen Gründen als nicht meldepflichtig erachtet und den betroffenen nicht verpflichtet, seinem Partner/ seiner Partnerin Auskunft über die Erkrankung zu geben.
Gerade bei einer solch sensiblen Thematik mit teilweise hochansteckenden Krankheiten sollten meiner Meinung nach ebenfalls die Ethiken berücksichtigt werden, für die das Ergebnis bzw. die Konsequenzen einer Handlung ebenfalls eine Rolle spielt. Es sollte verpflichtend sein, seine Partnerin/ seinen Partner über bestehende Geschlechtskrankheiten zu informieren und über die Konsequenzen aufzuklären, damit diese/ dieser eine Ansteckung für sich vermeiden kann.
 
1. Bitte erklären Sie, warum Sie hier keine effizienten Maßnahmen ergreifen wollen. Warum soll es den Erkrankten selbst überlassen werden, wie sie anderen Menschen und vor allem ihren Sexualpartnern gegenüber mit der Krankheit umgehen?
Angesichts der Tatsache, dass die Anzahl der mit sexuellen Krankheiten Infizierten in allen Altersgruppen steigt, stellt sich die Frage, ob die Menschen tatsächlich gut informiert werden.
2. Sind die bisher durchgeführten Kampagnen Ihrer Meinung nach ausreichend?
3. Ist die Art der Kampagnen zur nachhaltigen Information und Prävention geeignet oder sollten neue Konzepte bedacht werden?
4. Wie viele Teilnehmer gab es am Bus Sex’etera in St. Vith und Eupen im Januar 2019?
Bei der Informationskampagne „Der Feind in deinem Bett!“ welche im Dezember 2017 startete, standen alle sexuell übertragbaren Infektionen (STI) im Vordergrund und richtete sich hauptsächlich an die Risikogruppen sowie die Stellen, die in Kontakt mit der Zielgruppe kommen, wie u.a. Allgemeinmediziner.
Nun ist es lt. BRF aber so, dass Hausärzte nicht immer gut auf das Thema sexuell übertragbare Krankheiten vorbereitet sind, weswegen sie vom Föderalen Informationszentrum für Gesundheitspflege jetzt erstmals entsprechende Ratgeber erhalten, welches bald durch online-Hilfen ergänzt werden soll.**
5. Gab es eine Nachverfolgung nachdem das Informationsmaterial an die Hausärzte geschickt wurde?
6. Werden von der DG für Hausärzte Schulungen o.ä. zur Vertiefung des Themas angeboten oder wird es dem Arzt überlassen, sich selbst in dem Thema fortzubilden?
 
Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:
 
Zu Frage 1: Bitte erklären Sie, warum Sie hier keine effizienten Maßnahmen ergreifen wollen. Warum soll es den Erkrankten selbst überlassen werden, wie sie anderen Menschen und vor allem ihren Sexualpartnern gegenüber mit der Krankheit umgehen?
Die Deutschsprachige Gemeinschaft verfügt über keine Zuständigkeit in der Behandlungsmedizin. Da es sich bei der von Ihnen vorgeschlagene Maßnahme um einen Eingriff in die Personenrechte handelt, ist die Zuständigkeit föderal.
Wie bereits auf die Frage vom 18.09.2018 geantwortet, ist der Patient aus deontologischer Sicht nicht verpflichtet, seinem Partner Auskunft über die Erkrankung zu geben. Jedoch legt der behandelnde Arzt seinem Patienten durchaus nahe, auch den Partner zu informieren.
Angesichts der Tatsache, dass die Anzahl der mit sexuellen Krankheiten Infizierten in allen Altersgruppen steigt, stellt sich die Frage, ob die Menschen tatsächlich gut informiert werden.
 
Zu Fragen 2 – 4: Sind die bisher durchgeführten Kampagnen Ihrer Meinung nach ausreichend?
Ist die Art der Kampagnen zur nachhaltigen Information und Prävention geeignet oder sollten neue Konzepte bedacht werden?
Wie viele Teilnehmer gab es am Bus Sex’etera in St. Vith und Eupen im Januar 2019?
Ein nationaler und internationaler Anstieg der Zahlen ließe sich dadurch erklären, dass in den letzten Jahren intensive Früherkennungsarbeit geleistet wurde: Sensibilisierung durch die Ärzte, Tests zur Früherkennung etc. Wir können nicht bestätigen, dass die Zahl der sexuell übertragbaren Krankheiten in Ostbelgien steigt. Wir können uns daher nur auf nationale und internationale Erfassungen berufen.
Laut Rückmeldung von Kaleido-Ostbelgien werden die Animationen in der Regel positiv aufgenommen. Kaleido stellt fest, dass die Jugendlichen im Allgemeinen offen und unbefangen über diese „intimen“ Themen reden können. Rückmeldungen von Lehrpersonen bestärken diese Feststellung. Der Kontakt zu den außenstehenden Fachkräften erleichtert den Jugendlichen den Zugang zu den Themen der sexuellen Gesundheit.
Die Effizienz und Nachhaltigkeit dieser Animationen lassen sich nur schwer beurteilen. Allgemein erklären die Jugendlichen jedoch zum Ende der Animationen, neues Wissen erlangt zu haben. Es wird viel Wert darauf gelegt praktisches Wissen zu vermitteln, weshalb auch immer die Verwendung eines Kondoms zum Schutz erläutert und auch an einem Holzmodell geübt wird.
Schaut man sich den Tätigkeitsbericht von Kaleido aus den Jahren 2017 und 2018 an, so kann man feststellen, dass die Kaleido-AG „Förderung der sexuellen Gesundheit“ unter anderem das Ziel hat, auf verschiedensten Wegen über Sexualität und spezifisch über sexuell übertragbare Krankheiten aufzuklären.
Im Schuljahr 2017-2018 haben insgesamt 142 Aufklärungsanimationen in Ostbelgien stattgefunden, davon ein Großteil - nämlich genau 87 Animationen - zu sexuell übertragbaren Krankheiten und zwar in allen Sekundarschulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft.
Zusätzlich wurden 51 Animationen zur Verhütung im 2. Sekundarschuljahr und zur Pubertät im 5. und 6. Primarschuljahr (verschiedene Schulen, Förderschule, TZU und in Auffangklassen) durchgeführt. Darüber hinaus wurden auf Anfrage 4 Animationen im 2. und 4. Sekundarschuljahr zum Thema „verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität“ veranlasst.
Erstmals wurden im laufenden Schuljahr auch Animationen im ZAWM Eupen und St. Vith durchgeführt. Eine Vorab-Umfrage bei den Schülern des 2. Lehrjahres zeigte deutlich, dass mehr Wissen über Verhütung und sexuell übertragbare Krankheiten gewünscht war. Die Animationen wurden in der Folge auf diese Schwerpunkte ausgerichtet.
Für das Schuljahr 2018-2019 werden ähnliche Zahlen erwartet, genaue Angaben werden nächstes Jahr im Tätigkeitsbericht von 2019 erfasst.
Im Januar 2019 war der Bus „Sex’etera“ am Königlichen Athenäum Eupen. 114 Schülerinnen und Schüler des 2. Sekundarschuljahres des KAE besuchten den Bus und nahmen an den Animationen teil.
Außerhalb der Animationen, also während den Pausenzeiten, stand der Bus zur Besichtigung zur Verfügung; hier ist es jedoch nicht möglich, genaue Besucherzahlen zu definieren.
Erstmals besuchten auch Schüler des ZFP den Bus. Zwei Klassen von jeweils 20 Schülern waren an einem Vormittag vor Ort.
Im Mai 2019 wird der Bus in St. Vith sein und dort die Schüler der Maria-Goretti-Sekundarschule empfangen. Es werden insgesamt ca. 143 Schülerinnen und Schüler aus 9 Klassen des 2. und 3. Sekundarschuljahres erwartet.
Der Bus „Sex’etera“ wird laut Aussage von Kaleido gut angenommen; die von uns durchgeführten Auswertungen bestätigen dies. Im Anhang fügen wir einen exemplarischen Fragebogen bei, den die Schülerinnen und Schüler nach dem Besuch anonym ausfüllen. Auch von den Schulen kommt ausschließlich positives Feedback.
Kaleido stellt fest, dass die Schüler, die den Bus „Sex’etera“ in der Vergangenheit besuchen konnten, mehr über die Themen sexuelle Gesundheit und sexuell übertragbare Krankheiten wissen als die Schüler, die den Bus nicht besucht haben. Dies wurde beispielsweise während den Animationen zur AIDS-Prävention oder aus Gesprächen bei den Sensibilisierungsmaßnahmen zum Welt-AIDS-Tag erkannt. Bedingt durch den wiederholten Kontakt der Jugendlichen mit diesen Themen, dürfen wir hier also von einem positiven Effekt und einer gewissen Nachhaltigkeit sprechen.
Die jährlich zum 1. Dezember stattfindenden Sensibilisierungsmaßnahmen über HIV und AIDS sind stets erfolgreich. Im Schuljahr 2017-2018 konnten etwa 1000 Jugendliche erreicht werden (Auswertung aller Kaleido-Servicestellen). Unser Ziel ist es, erinnerungseffektiv an einem symbolischen Tag, dem „Welt-AIDS-Tag“, Präsenz zu zeigen. Bei diesen Aktionen setzen wir vor allem auf den persönlichen Kontakt und den Austausch mit den Jugendlichen.
Abschließend stellt Kaleido fest, dass die durchgeführten Animationen und Maßnahmen zur Sensibilisierung für die Jugendlichen eine Bereicherung darstellen.
Wir denken, dass eine regelmäßige Auseinandersetzung mit diesen Themen die Sensibilität steigert und nur dadurch den Jugendlichen klar werden kann, dass diese Themen auch sie betreffen.
Kaleido arbeitet zudem seit Jahren mit der AIDS-Hilfe Aachen zusammen; zum einen stellt dies eine Qualitätssicherung dar (es finden regelmäßige Weiterbildungen für Kaleido-Mitarbeiter und deren Partner statt), zum anderen verfügt die AIDS-Hilfe Aachen über große Erfahrung im Umfeld Schule, da sie dort aktiv Animationen und Aktionen durchführt. Themen sind hier u.a. HIV und AIDS, sexuell übertragbare Krankheiten, sexuelle Orientierung und Coming-out.
Vor kurzem hatte ich auch noch einen sehr interessanten Termin mit Vertretern der 'Jugend Gegen Aids e.V.'. Ein hiesiger junger Mann arbeitet seit einiger Zeit ehrenamtlich für diese Vereinigung.
Ziel von JGA ist es, mit einem ihrer Projekte - 'Positive Schule'- Jugendliche auf eine interessante, attraktive und verständliche Art aufzuklären. Und das alles auf Augenhöhe, von Jugendlichen für Jugendliche. Diese Gruppe von jungen Menschen ist derzeit vorwiegend in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich und in mehreren Teilen von Amerika tätig und will mit der Zeit auch in Belgien Aufklärungsarbeiten leisten.
Erste Gespräche zu einer eventuellen Zusammenarbeit mit KALEIDO laufen bereits. Bei der Informationskampagne „Der Feind in deinem Bett!“ welche im Dezember 2017 startete, standen alle sexuell übertragbaren Infektionen (STI) im Vordergrund und
richtete sich hauptsächlich an die Risikogruppen sowie die Stellen, die in Kontakt mit der Zielgruppe kommen, wie u.a. Allgemeinmediziner.
Nun ist es lt. BRF aber so, dass Hausärzte nicht immer gut auf das Thema sexuell übertragbare Krankheiten vorbereitet sind, weswegen sie vom Föderalen Informationszentrum für Gesundheitspflege jetzt erstmals entsprechende Ratgeber erhalten, welches bald durch online-Hilfen ergänzt werden soll.
Zu Fragen 5 und 6: Gab es eine Nachverfolgung nachdem das Informationsmaterial an die Hausärzte geschickt wurde?
Werden von der DG für Hausärzte Schulungen o.ä. zur Vertiefung des Themas angeboten oder wird es dem Arzt überlassen, sich selbst in dem Thema fortzubilden?
Die Kampagne "Dein Feind in deinem Bett" war sehr gelungen und das Informationsmaterial ist bei den Hausärzten gut angekommen. Es wurde in den Praxen und Wartezimmern verteilt. Es ist nach Ansicht des Vertreters der Hausärztevereinigung sehr nützlich, solche Plakate oder Flyer zu verteilen, um auch zu verdeutlichen, dass Themen wie Verhütung oder sexuell übertragbare Infektionen (STI) ebenfalls mit dem Hausarzt besprochen werden können.
Ärzte erhalten im Rahmen ihres Studiums mehrere Kurse über sexuell übertragbare Infektionen (STI). Diese Infektionen sind also gut bekannt und deren Behandlungen haben sich während der letzten Jahre kaum verändert. Es gibt auch eine Vielfalt von Informationen über STI im Internet sowie E-Learning für Ärzte. Im Jahr 2017 hat das St Nikolaus Hospital eine Weiterbildung für alle Ärzte (Fachärzte und Hausärzte) über STI organisiert: Dr. Jean-Marc Senterre, Facharzt für Labormedizin und Infektiologie hatte damals ein Vortrag über die Diagnose und Behandlung der häufigsten STIs gehalten.
Damit es mit dieser Initiative nicht bei einer einmaligen Sache bleibt, wurde gemeinsam mit VANDG (Vereinigung der der Allgemeinmediziner des Nordens der Deutschsprachigen Gemeinschaft), am 3. Mai 2019, für alle Hausärzte eine Schulung über Hepatitis und HIV-Screening mit Dr. Edmond Renard, Facharzt für Labormedizin organisiert. Solche und ähnliche Initiativen werden sich sicherlich in den kommenden Jahren wiederholen.

 

Zusatz: siehe Anlage 


* https://brf.be/national/1265630/ 
** https://brf.be/national/1265630/ 
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