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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 357

28. Mai 2019 – Frage von M. Balter an Frau Ministerin Weykmans als Nachfrage zur schriftlichen Frage Nr. 302 bezüglich der staatlich subventionierten neuen Arbeitsplätze

Wie viele Beschäftigte sind momentan in Ostbelgien bei Vereinigungen ohne Gewinnerzielungsabsicht, die von der Deutschsprachigen Gemeinschaft bezuschusst werden, eingestellt?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Michael Balter (Vivant), vom 15. April 2019:
 
Wir haben Sie im Zuge unserer schriftlichen Frage Nr. 302 zu den staatlich subventionierten neuen Arbeitsplätzen befragt. Sie haben in Ihrer Antwort einige Statistiken aufgeführt, zu deren besseren Verständnis wir aber einige Nachfragen an Sie richten möchten.
So gaben Sie u. a. in Ihrer Antwort auf unsere Frage an, dass der Anteil der Beschäftigten im Öffentlichen Sektor (26 %) unter dem belgischen Durchschnitt (27 %) läge. Auch gaben Sie an, dass die Anzahl der Zeitarbeitsstellen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zwischen 2014 und 2016 von 1,4 % auf 1,7 % angestiegen sei.
Die Vivant-Fraktion hatte bereits im Zuge der Themendebatte zur Beschäftigungspolitik vom 16. Januar 2018 auf die Problematik der wachsenden Zeitarbeit hingewiesen. Auch wenn diese Verträge in vielen Fällen in eine Festeinstellung münden, so stellen sie doch für die Betroffenen einen Unsicherheitsfaktor dar. Die aktuelle Situation zeigt, dass vor allem junge Personen zwischen 25 und 34 Jahren von dieser Problematik betroffen sind, was einen negativen Einfluss auf stabile Partnerschaften und die Familienplanung hat. Auch häufige Standortwechsel und ein erhöhtes Armutsrisiko gehen mit der Praktik der vermehrten befristeten Einstellung einher.
 
In diesem Zusammenhang sind meine Fragen an Sie wie folgt:
1. Sind in den von Ihnen angeführten Zahlen zu den Beschäftigten im öffentlichen Sektor auch all jene Arbeitnehmer von Einrichtungen mit einbezogen, die einen Funktionszuschuss durch die Deutschsprachige Gemeinschaft erhalten und demnach auch „staatlich“ finanziert werden? Hier sind vor allem die Vereinigungen ohne Gewinnerzielungsabsicht angemerkt.
2. Wie viele Beschäftigte sind momentan in Ostbelgien bei Vereinigungen ohne Gewinnerzielungsabsicht, die von der Deutschsprachigen Gemeinschaft bezuschusst werden, eingestellt?
3. In welchen Sektoren hat sich in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ein Anstieg der Zeitarbeit bemerkbar gemacht?

Antwort von Isabelle Weykmans (PFF), Ministerin für Beschäftigung und Kultur:
 
Zu Frage 1: Sind in den von Ihnen aufgeführten Zahlen zu den Beschäftigten im öffentlichen Sektor auch all jene Arbeitnehmer von Einrichtungen mit einbezogen, die einen Funktionszuschuss durch die Deutschsprachige Gemeinschaft erhalten und demnach auch „staatlich“ finanziert werden? Hier sind vor allem die Vereinigungen ohne Gewinnerzielungsabsicht angemerkt.
Nein, die Vereinigungen ohne Gewinnerzielungsabsicht und Stiftungen sind privatrechtliche Gesellschaftsformen und gehören somit nicht zum öffentlichen Sektor.
 
Zu Frage 2: Wie viele Beschäftigte sind momentan in Ostbelgien bei Vereinigungen ohne Gewinnerzielungsabsicht, die von der Deutschsprachigen Gemeinschaft bezuschusst werden, eingestellt?
In diesem Zusammenhang möchte ich auf meine entsprechende Antwort auf die schriftliche Frage Nr. 302 verweisen.
 
Zu Frage 3: In welchen Sektoren hat sich in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ein Anstieg der Zeitarbeit bemerkbar gemacht?
Anhand der Tätigkeitsberichte der Leiharbeitsvermittler, die in der Deutschsprachigen Gemeinschaft anerkannt sind, stellen wir in 2017 einen Anstieg der Interim-Beschäftigung fest.
Insgesamt wurden laut mitgeteilten Angaben rund 6.600 Verträge abgeschlossen.
Das sind 12 % mehr als in 2016. Achtung: diese Zahl ist keineswegs mit der Zahl der beschäftigten Personen zu verwechseln, da gerade im Interim-Sektor in manchen Bereichen für jede Beschäftigungsperiode ein neuer Vertrag abgeschlossen wird. Zudem muss darauf verwiesen werden, dass rund ein Drittel der Verträge mit Studenten abgeschlossen werden.
Die Auswertung des Tätigkeitsberichtes gibt erste Einblicke in die Sektoren-Aufteilung. Die Chemie, der Einzelhandel und der HORECA-Sektor sind in 2017 wie auch bereits in 2016, die stärksten Nutzer. Eine tiefergehende Auswertung ist jedoch nicht aussagekräftig, da leider nicht alle in der Deutschsprachigen Gemeinschaft aktiven Leiharbeitsvermittler nach Sektor detaillierte Angaben machen. Somit sind die uns bekannten Zahlen zu klein, um sie detailliert auszuwerten.
Eine weitere Datenquelle ist die Zahl der über das Arbeitsamt veröffentlichten Interim-Stellenangebote hiesiger Agenturen:
2019.05.28_Schriftliche Frage Nr. 357 - Bild

 

Um die Entwicklung im Interim-Sektor weiter zu analysieren, lohnt sich der Blick auf die Zahlen von FEDERGON, dem Verband der Leiharbeitsvermittler.
Der Jahresbericht von Federgon (2017) zeigt folgende Tendenzen:
• Der Leiharbeitsvermittlung hat in 2017 um 6,2% zugenommen.
• Die wichtigsten Sektoren sind "Dienstleistungen" 62% und "Industrie und herstellendes Gewerbe" (28%).
• Mit 69% ist Flandern die aktivste Region in der Leiharbbeitsvermittlung. Mit 23% hat die Wallonie hat einen deutlich kleineren Anteil an der Interim-Aktivität.
 o Inaktive: 4,5%:
 o In Arbeit 46,6%
 o In Ausbildung 35,1%
 o Arbeitsuchende: 14% (davon waren 26% Langzeitarbeitslos)
 
Die Leiharbeitsvermittlung ist der umsatzstärkste Zweig des Interim-Sektors. Er ist jedoch bei weitem nicht der einzige Aktivitätszweig. Neben der Vermittlung von Leiharbeit ist der Sektor in den folgenden Bereichen aktiv: Dienstleistungsschecks, Projektsourcing, Interim Management, recruiting, search & selection, Outplacement, Learning & development.
Eine weitere Studie des Sektors gibt Einblicke in das Profil der Nutznießer:

 o Inaktive: 4,5%:
 o In Arbeit 46,6%
 o In Ausbildung 35,1%
 o Arbeitsuchende: 14% (davon waren 26% Langzeitarbeitslos)
 
 

 

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