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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 13

12. September 2019 – Frage von C. Servaty an Minister Mollers bezüglich der Schwimmfähigkeit ostbelgischer Schüler

90 Prozent der über 600 Schüler haben in der Pilotphase den Test des Schwimmdiploms 5 bestanden. 90 Prozent ist sehr viel, aber es ist nicht perfekt. Liegen bereits Erkenntnisse über die Ursachen des schlechteren Abschneidens von 10 Prozent der Schüler vor?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Charles Servaty (SP):
 
Wie wichtig das Erlernen des Schwimmens ist, brauche ich hier nicht mehr zu wiederholen. Bereits im vergangenen Jahr wurde im Parlament über den Schwimmunterricht debattiert.  Dabei wurde deutlich hervorgehoben, wie wichtig verlässliche Angaben sind, um richtige und notwendige Maßnahmen ergreifen zu können. Zum Schulbeginn ist das Thema nun wieder aktuell.
Bei der Regierungskontrolle vom 4.10.2018 haben Sie versprochen, ein Evaluierungssystem aufzubauen, um die Schwimmkompetenz ostbelgischer Schüler objektiv zu bewerten. Vor Ende des letzten Schuljahres wurden bereits über 600 Schüler getestet. 90 Prozent haben diese Bewertung zufriedenstellend bestanden.
Im Laufe des Schuljahrs 2019-2020 wird erstmals die Schwimmkompetenz aller ostbelgischer Schüler des 4. Primarschuljahres getestet. Dazu wurde ein Bewertungssystem mit 10 Schwimmniveaus erarbeitet.
Dem Grenz-Echo gegenüber haben Sie erklärt: „Kinder, die aufgrund von Krankheit, Verletzung oder Zuzug später mit dem Schwimmen beginnen, werden im Rahmen des schulischen Schwimmunterrichts differenziert gefördert. Darüber hinaus bieten die Schwimmbadbetreiber Kurse und Lager an.“
 
Dazu lauten meine Fragen:
- 90 Prozent der über 600 Schüler haben in der Pilotphase den Test des Schwimmdiploms 5 bestanden. 90 Prozent ist sehr viel, aber es ist nicht perfekt. Liegen bereits Erkenntnisse über die Ursachen des schlechteren Abschneidens von 10 Prozent der Schüler vor?
- Werden in Zukunft andere Schwimmniveaus als das des „Diploms 5“ systematisch getestet?
- Welche Mittel stehen den Schwimmlehrern zur Verfügung, um Schüler mit Nachholbedarf differenziert zu fördern?

Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Sehr geehrter Frau Vorsitzende,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
die systematische Testung der Schwimmkompetenzen im 4. Schuljahr verfolgt zum einen das Ziel, Daten zu erheben, um ein umfassendes Bild der Schwimmfähigkeit unserer Kinder zu erlangen, damit ggf. gezielte Maßnahmen zur Förderung der Schwimmkompetenz ergriffen werden können.
Zum anderen werden den Kindern durch die Verleihung der Schwimmdiplome ihre Schwimmkompetenzen nach einem einheitlichen System zertifiziert.
Es geht bei der Testung also nicht darum, den Leistungsdruck auf die Schüler zu erhöhen, sondern die Schwimmfähigkeit nach einheitlichen Kriterien systematisch zu prüfen, die Entwicklung der Schwimmkompetenz statistisch weiterzuverfolgen und die Organisation des Schwimmunterrichts zu evaluieren.
Bei der Bescheinigung der Schwimmkompetenz anhand unterschiedlicher Schwimmdiplome handelt sich um eine Dienstleistung, die in den 4 Bädern in Ostbelgien bereits seit geraumer Zeit für alle Schwimmniveaus vom Kindergarten bis zur Sekundarschule angeboten wurde, wobei das Testverfahren und die Verteilung unterschiedlich gehandhabt wurden.
Weder die Testung noch die Zertifizierung sind also neu, sie erfolgen jetzt aber systematisch und nach einem einheitlichen System.
Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitarbeitern des Sportdienstes und des Fachbereichs Pädagogik, aus Sportlehrern, Schwimmlehrern der Bäder und Schwimmbadbetreibern, hat 10 Diplome ausgearbeitet, die aufeinander aufbauen und in allen Bädern nach gleichen Kriterien verliehen werden sollen.
Eine systematische Testung aller ostbelgischer Schüler ist nur im 4. Schuljahr vorgesehen.
Schüler können jedoch dank des Evaluierungs- und Zertifizierungssystems unabhängig von Alter und Schulklasse das ihrem Schwimmniveau entsprechende Diplom erlangen.
Eine systematische Testung auf allen Niveaus ist nicht möglich, da die Primar- und Sekundarschüler jährlich in ganz unterschiedlichen Zyklen und unterschiedlicher Häufigkeit schwimmen gehen.
Im 4. Schuljahr werden fortan systematisch gemäß den Vorgaben des Rahmenplans Sport die Anforderungen des Schwimmdiploms 5 geprüft.
Dieses Diplom bescheinigt, dass die Kinder vom Beckenrand oder Startblock ins tiefe Wasser springen, 4 Längen (100 Meter) ohne Unterbrechung in einem möglichst korrekten Schwimmstil schwimmen und beim Wassertreten auf der Stelle 30 Sekunden die Hände aus dem Wasser halten können. 
Das Ergebnis der Testung im vergangenen Schuljahr bewertet die Arbeitsgruppe positiv.
Fundierte Erkenntnisse darüber, warum 10% der getesteten Schüler das Niveau nicht erreicht haben, liegen noch nicht vor.
Als mögliche Ursachen nennen Sportlehrer, Schwimmlehrer und Schwimmbadbetreiber die mangelnde Teilnahme am Schwimmunterricht aus gesundheitlichen Gründen und den späten Einstieg in den Schwimmunterricht, wenn zum Beispiel zugezogene Kinder in ihren Herkunftsländern keinen oder nur wenig Schwimmunterricht erhalten haben.
An dieser Stelle ist zu betonen, dass das Ergebnis nicht bedeutet, dass 10% der getesteten Schüler nicht schwimmen können, sondern dass diese Schüler die Kompetenz des Diploms 5 nicht erreicht haben.
Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sie ohne Unterbrechung  85 Meter, statt der anvisierten 100 Meter geschwommen sind, oder auch dann wenn sie 100 Meter geschwommen sind, aber das „Wassertreten auf der Stelle“ nur 25, statt 30 Sekunden absolviert haben.
Künftig werden die Schwimmlehrer gebeten, bei nicht bestandener Testung die Gründe anzugeben, sofern sie bekannt sind, um die Ergebnisse besser auswerten zu können und ggf. gezielte Maßnahmen ergreifen zu können.
 
Wie Schüler im Schwimmunterricht differenziert gefördert werden können, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Neben der Häufigkeit des Schwimmunterrichts ist die Förderung während des Schwimmunterrichts abhängig von der jeweiligen Situation im Schwimmbad wie der Belegung, der Anzahl anderer Schulgruppen im Bad oder der Anzahl zur Verfügung stehender Schwimm- oder Sportlehrer.
Im Rahmen der Möglichkeiten vor Ort versuchen die Schwimmlehrer immer den Leistungsstand jedes Einzelnen zu berücksichtigen und das Schwimmniveau jedes Schülers zu steigern.
Kleinere Schulen gehen häufig mit allen Klassen gemeinsam zum Schwimmunterricht wobei dann die Gruppen klassenübergreifend nach Niveau zusammengesetzt werden, hier ist eine individuelle Förderung auch mittels Schwimmhilfen, also mithilfe von Brettern, Schwimmflügeln usw., leichter zu bewerkstelligen.
Eine gute Kommunikation zwischen Schwimm- oder Sportlehrer, Schule und Eltern ist sehr wichtig, auch um gegebenenfalls Fördermaßnahmen außerhalb des schulischen Schwimmunterrichts in die Wege leiten zu können (Privatstunden, Schwimmkurse in den verschiedenen Bädern, schulinterne Fördermaßnahmen, Maßnahmen auf Ebene der Gemeinden …)
Zur Erinnerung: Die Organisation des Schwimmunterrichts obliegt den einzelnen Schulträgern.
Wie in den anderen Unterrichten auch bleibt es im Rahmen der Schulautonomie und pädagogischen Freiheit jedem Träger und jeder Schule überlassen, mit welcher Methode, welcher Intensität und welchem Einsatz von Mitteln die dekretalen Vorgaben erreicht werden.
Diese sehen vor, dass jedem Kind bis zum Ende des 4. Primarschuljahres die Schwimmfähigkeit vermittelt wird.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Zusätzliche Info: die 10 Schwimmpässe in der DG
 

Schwimmpass 1: „Ich fühle mich im stehenden Wasser wohl!“ (Symbol Daumen hoch)

a) Ich halte meinen Kopf 3 Sekunden unter Wasser.
b) Ich spiele Seestern in Bauchlage während 5 Sekunden.
c) Ich kann 5-mal unter Wasser ausblasen.
d) Ich öffne die Augen unter Wasser und erkenne die Farbe eines Rings.
e) Ich springe an der Hand vom Beckenrand ins Wasser (Wassertiefe min. 90cm).
 
Schwimmpass 2: „Ich habe Spaß im Wasser!“
 
a) Ich springe ohne Hilfe vom Beckenrand ins Wasser.
b) Ich halte meinen Kopf 6 Sekunden unter Wasser.
c) Ich kann 3m in Bauchlage gleiten.
d) Ich kann 3 Gegenstände aus dem Wasser holen (mit offenen Augen, vollständig unter Wasser, 3x atmen).
e) Ich spiele Seestern in Rückenlage während 5 Sekunden.

Schwimmpass 3: „Ich kann 25m (1 Länge) in einem möglichst korrekten Schwimmstil ohne Pause durchschwimmen!“
 
a) Ich mache einen Hechtsprung, sitzend mit den Füßen im Wasser und kann 5m gleiten.
b) Ich falle seitlich ins Wasser wie ein Stein (sitzend am Beckenrand).
c) Ich forme abwechselnd eine Kugel und einen Seestern in Bauchlage während 3 Sekunden(Knallerbse).
d) Ich steige die Feuerwehrleiter (Stange) ausatmend herunter (mind. 90cm Wassertiefe) und wiederhole die Übung dreimal nach kurzem Einatmen.

Schwimmpass 4: „Ich kann 50m (2 Längen) in einem möglichst korrekten Schwimmstil ohne Pause durchschwimmen!“
 
a) Ich steige die Feuerwehrleiter (Stange) in Bauchlage ausatmend herunter (mind. 90cm Wassertiefe) und bleibe 3Sekunden auf dem Boden liegen, ohne mich an der Stange festzuhalten.
b) Ich schwimme 25m mit Brett in einem zweiten Schwimmstil (Beinarbeit).

Schwimmpass 5: „Ich kann 100m (4 Längen) in einem möglichst korrekten Schwimmstil ohne Pause durchschwimmen!“
 
a) Ich springe vom Beckenrand ins tiefe Wasser und schwimme die gefragte Distanz.
b) Ich kann 30 Sekunden auf der Stelle Wassertreten und dabei die Hände aus dem Wasser halten.

Schwimmpass 6: „Ich kann 200m (8 Längen) in einem möglichst korrekten Schwimmstil ohne Pause durchschwimmen!“
 
a) Ich hole ein Objekt in 2 Metern Tiefe aus dem Wasser.
b) Ich springe vom Block.
c) Ich mache einen Hechtsprung vom Beckenrand (stehend oder kniend) durch den Ring (Abstand 1m vom Rand).
d) Ich kann 1 Minute auf der Stelle Wassertreten und dabei  die Hände aus dem Wasser halten.

Schwimmpass 7: „Ich kann 400m (16 Längen) in einem möglichst korrekten Schwimmstil ohne Pause durchschwimmen!“
 
a) Ich springe im Hechtsprung ins Wasser (Block oder stehend vom Beckenrand).
b) Ich kann 10 Meter tauchen.
c) Nach dem Tauchen (Punkt b) schwimme ich den Rest der Länge in Rückenlage Brustbeinschlag mit den Händen aus dem Wasser.

Schwimmpass 8: „Ich kann 800m (32 Längen) in möglichst korrektem Schwimmstil ohne Pause durchschwimmen! (Wechsel des Schwimmstils erlaubt)
 
a) Ich springe im Hechtsprung ins Wasser (Block).
b) Ich kann 15m tauchen.

Schwimmpass 9: „Ich kann 1500m in möglichst korrektem Schwimmstil ohne Pause durchschwimmen! (Wechsel des Schwimmstils erlaubt)
 
a) Ich springe im Hechtsprung ins Wasser (Block).

Schwimmpass 10: “Schwimmstile“: „Ich kann 150m (50m Rücken – 50m Brust – 50m Kraul) in einem korrekten Schwimmstil ohne Pause durchschwimmen!
 
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