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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 55

7. November 2019 – Frage von F. Cremer an Minister Mollers zum Abschlussbericht des Pilotprojektes digitales Geschichtsbuch

­Wurde der Endbericht dieses fünfjährigen Pilotprojektes bereits fertigstellt und liegen die Ergebnisse - vielleicht sogar nach Sekundarschulen aufgeschlüsselt - vor?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Freddy Cremer (ProDG):
 
Gleichzeitig mit der Einführung des Rahmenplans Geschichte für die zweite und dritte Stufe des allgemeinbildenden und technischen Übergangsunterrichts in der Regelsekundarschule wurde auch das mBook als elektronisches Schulbuch für das Fach Geschichte in den Sekundarschulen in unserer Gemeinschaft eingeführt. Im September 2013 wurde das Pilotprojekt mBook, an das eine fünfjährige wissenschaftliche Langzeitstudie der Universität Eichstätt-Ingolstadt, dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung und der Universität Tübingen gekoppelt war, gestartet.
In allen Sekundarschulen wurden seit dem Schuljahr 2013-2014 bis zum Sommer 2018 jährlich Testungen in den Jahrgangsstufen drei bis sechs durchgeführt. Ziel dieser Vollerhebungen war es, das Nutzungsverhalten der Schülerinnen und Schüler bezüglich des elektronischen Geschichtsbuches zu hinterfragen und die Lernfortschritte mittels dieses kompetenzorientierten elektronischen Mediums zu analysieren.
Diese Langzeitstudie lief am Ende des Schuljahres 2017 - 2018 aus.
 
Dazu meine Fragen:
­- Wurde der Endbericht dieses fünfjährigen Pilotprojektes bereits fertigstellt und liegen die Ergebnisse - vielleicht sogar nach Sekundarschulen aufgeschlüsselt - vor?
-­ Welches sind die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem fünfjährigen Pilotprojekt?

Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
werte Kolleginnen und Kollegen,
 
bevor ich auf Ihre Frage näher eingehe, möchte ich zunächst das mBook-Projekt in den Kontext setzen.
Der Ausgangspunkt war die Erarbeitung des Rahmenplans Geschichte für die 2. und 3. Stufe des allgemeinbildenden und technischen Übergangsunterrichts, der seit dem Schuljahr 2013-2014 in Kraft ist.
Weil es in Ostbelgien kein entsprechende Geschichtslehrbuch gab, wurde auf der Grundlage des Rahmenplans ein multimediales Geschichtsbuch erarbeitet. 
 
Da mit der Volleinführung des mBooks aus Sicht der Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Eberhard Karls Universität Tübingen ideale Bedingungen für die Wirksamkeitsforschung entstanden waren, beschlossen sie, ein Forschungsprojekt durchzuführen zur „Erklärung der Kompetenzentwicklung im Fach Geschichte mithilfe von Indikatoren zur Quantität und Qualität der Nutzung eines elektronischen Schulbuchs“.
In der „Forschungsvereinbarung zum kompetenzorientierten Geschichtsunterricht“  verpflichtete sich die Deutschsprachige Gemeinschaft, die Testung für die gesamte Stichprobe an den dafür vorgesehenen Terminen sowie die Nutzung der beim Lernen mit dem mBook Geschichte anfallenden Tablet-Daten (Logfiles) zu ermöglichen.
Im Gegenzug verpflichteten sich die Forschungspartner, der Deutschsprachigen Gemeinschaft „wissenschaftliche Erkenntnisse zur Optimierung eines kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts“ zur Verfügung zu stellen.
 
Darüber hinaus bestand keine Berichtspflicht an die Deutschsprachige Gemeinschaft.
Auskünfte zu den Schülerergebnissen pro Sekundarschule waren nicht Auftragsgegenstand und liegen uns nicht vor.
Auch der „Forschungs- und Hosting-Vertrag“ sieht keinen solchen Bericht vor, sondern „gemeinsame Forschungsanträge und Publikationen“ der beiden Universitäten und des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF).
Allerdings sind auf der Internetseite der Universität Eichstätt-Ingolstadt der „Bericht zum Projektabschluss“ sowie ein „Erfolgskontrollbericht“ einsehbar: (https://www.ku.de/ggf/geschichte/didgesch/forschung/qqm/)
Dort ist auch die Liste der 15 Publikationen veröffentlicht, die im Rahmen des Projekts erschienen sind bzw. deren Veröffentlichung geplant ist.
Nun komme ich zu Ihrer Frage nach den Ergebnissen.
Durch das Forschungsprojekt konnten Leistungszuwächse für die historischen Kompetenzen über die Schuljahre hinweg wissenschaftlich nachgewiesen werden.
Durch Auswertung der erhobenen Datensätze konnte belegt werden, dass die Nutzung digitaler Medien im Unterricht sowie die Motivation der Lernenden aus der Typisierung des Unterrichtsstils der jeweiligen Lehrkraft – unabhängig von den einzelnen Klassen dieser Lehrkraft – sehr gut vorhersagbar sind.
Durch Analyse der von den Lehrkräften jeweils genutzten Schulbücher, durch Videoanalysen ihrer Geschichtsstunden und gezielt geführter Lehrkräfteinterviews konnte durch die Wissenschaftler eine geschichtsdidaktische Klassifikation vorgenommen werden.
Diese Typenbildung bei Lehrkräften kann auf wissenschaftlicher Ebene beispielsweise für die Schulbuchforschung genutzt werden.
Die für uns sicherlich wichtigste Erkenntnis ist, dass das mBook messbare Leistungszuwächse für die historischen Kompetenzen über die Schuljahre bewirkt hat. 
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
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