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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 62

3. Dezember 2019 – Frage von G. Freches an Ministerin Weykmans zum Thema „Dorf-Büros“ bald auch in Ostbelgien?

­Welches Fazit konnten Sie aus Ihrem Besuch und dem Projekt „Dorf Büros“ ziehen?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Gregor Freches (PFF):
 
Flexibles Arbeiten: „Dorf-Büros“ bald auch in Ostbelgien? So lautete eine GrenzEcho-Schlagzeile vom 20.11.2019.
Immer mehr Betriebe - auch bei uns in OSTBELGIEN und darüber hinaus angesiedelte Unternehmen - begeistern sich für die flexible Formel des Home-Office.
Das Erfolgsgeheimnis Home-Office könnte man in kurzen Worten so beschreiben:
Entspannt neben der Arbeit eine Maschine Wäsche waschen oder einfach nur da sein, wenn das Kind krank ist oder der Klempner kommt - Arbeiten im Home-Office hat viele Vorteile für Arbeitnehmer und Freelancer – aber auch für Arbeit- und Auftraggeber.
Mit den richtigen Regeln wird für die Mitarbeiter genau der Freiraum geschaffen, den sie brauchen, um effizient, produktiv und zufrieden arbeiten zu können.
Dass das Arbeiten im Home-Office für mehr Freiheit und Lebensqualität sorgen kann, liegt auf der Hand. Jedoch müssen hierfür die technischen Rahmenbedingungen stimmen und jeder Einzelne vom Home-Office Zugriff auf z.B. gesicherte Virtual private Network VPN über das Internet haben kann. Schließlich soll die Arbeit im Home-Office genauso einfach und effizient von der Hand gehen, wie im Büro. Und Spaß machen soll sie auch.
Und genau hier, bei dem Aspekt der technischen Rahmenbedingungen sowie einer gut funktionierenden Internetversorgung, stoßen wir im ländlichen Raum an unsere Grenzen. Dies gilt für Ostbelgien – aber eben auch für die deutsche Eifel.
Auf allen Ebenen versucht die Politik, Lösungen zu finden, um der modernen Arbeitswelt von heute und von morgen die so wichtigen Rahmenbedingungen zu ermöglichen.  Eine Lösung könnte – wie in Prüm – die Schaffung von sogenannten „Dorf Büros“ sein.
Bei ihrem Besuch vor Ort konnten Sie, werte Frau Ministerin, sich ein Bild eines „Dorf Büros“ machen.
 
Meine Fragen nun an Sie :
­- Welches Fazit konnten Sie aus Ihrem Besuch und dem Projekt „Dorf Büros“ ziehen?
­- Besteht in naher Zukunft die Möglichkeit, solche Dorf-Büros auch z.B. im Süden der DG aufzubauen?
­- Wer könnte dieses Dorf-Büro nützen?
 
Antwort von Isabelle Weykmans (PFF), Ministerin für Kultur, Beschäftigung, Wirtschaftsförderung und ländliche Entwicklung:
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
in der Tat hatte ich vor kurzem die Gelegenheit, mir die interessante Initiative der sogenannten „Dorf-Büros“ bei unseren Nachbarn in Prüm einmal näher anzuschauen.
Dieser sehr aufschlussreiche Besuch hat es erlaubt, die Ursprungsidee, die Entstehungsgeschichte, die Funktionsweise, aber auch die Kinderkrankheiten und aktuellen Herausforderungen dieses Projektes kennenzulernen.
Dieses Projekt ist für uns in Ostbelgien vor allem interessant, weil unsere Nachbarn in der deutschen Eifel mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wie wir. Wir sprechen hier vor allem von mangelhafter Internetanbindung – was gerade das Home-Office erschwert – Leerstand in den Dörfern und teils weiten Arbeitswegen für viele Pendler.
Ein Dorf-Büro bietet vor diesen Hintergründen in jeder Hinsicht die passende Lösung für viele Bürgerinnen und Bürger mit den verschiedensten Bedürfnissen. Ob es nun der Pendler ist, der durch die Nutzung des Dorf-Büros viele Kilometer Arbeitsweg einspart und so Zeit und Lebensqualität gewinnt, oder der Gründer eines kleinen Unternehmens, der sich gerade in den schwierigen Anfangszeiten noch keine Büroräumlichkeiten leisten kann. Das kann auch der Arbeitnehmer sein, der näher Zuhause sein muss, z.B. weil er Familienangehörige betreut und flexibel sein muss. Und natürlich kann ein Besprechungsraum – den das Dorf-Büro in Prüm auch hat – genutzt werden, um Versammlungen zu organisieren, wenn im Home-Office oder im Kleinbetrieb kein Platz dafür ist oder ein neutraler Raum dafür gebraucht wird.
Für die Gemeinden eröffnet das Dorf-Büro auch viele Perspektiven. Es ist zunächst einmal eine interessante Maßnahme, die es erlaubt, dem sich vielerorts breitmachenden Leerstand entgegenzuwirken. Darüber hinaus ist es gerade im ländlichen Gebiet eine tolle Möglichkeit, den Dörfern Attraktivität und Anziehungskraft für junge Leute zu geben, die zwar das ländliche Gebiet lieben, hier aber oft nicht die nötigen Voraussetzungen für eine digitale Arbeitswelt finden. Das Dorf-Büro kann je nach Konzeption eine Art digitale Dorfmitte werden, wo auch andere Aktionen zur digitalen Entwicklung der Gemeinden ihren Ursprung finden können. Denn ist einmal die Infrastruktur eingerichtet und ist die Finanzierung der Betriebskosten gesichert, können die Gemeinden das Konzept nach ihren digitalen Bedürfnissen ausbauen. An das Dorf-Büro kann ein Internet-Café angegliedert werden oder Schulungsräume für Computer-Kurse. Der Kreativität der Gemeinden sind keine Grenzen gesetzt.
Über die individuellen Vorteile hinaus sind auch im Allgemeinen positive Effekte festzustellen. Durch die Tatsache, dass auf kleinen Raum viele verschiedene Arbeitsprofile zusammenkommen, entstehen schnell Vernetzungseffekte und interessante Kooperationen. Nicht zuletzt ist hierbei auch der positive Effekt für die Umwelt zu bemerken, der vor allem durch die Vermeidung langer Pendlerstrecken entsteht.
Aus diesen vielschichtigen Gründen habe ich mich auch dazu entschieden, dieses Projekt im Frühjahr 2020 in Ostbelgien zu lancieren. Ähnlich wie in Rheinland-Pfalz soll es hierzu in einer ersten Phase einen Aufruf an interessierte Gemeinden geben. Die einmaligen Einrichtungskosten, bzw. die Erstausstattung können hierbei von der Deutschsprachigen Gemeinschaft bezuschusst werden. Darüber hinaus sieht das Prümer Modell auch eine Teilbezuschussung der Betriebskosten in den ersten zwei Projektjahren vor, insofern sich die jeweilige Gemeinde verpflichtet, das Projekt noch mindestens zwei weitere Jahre aufrechtzuerhalten. Aufgrund der bereits jetzt zahlreichen und positiven Rückmeldungen, die ich dazu erhalten habe, bin ich zuversichtlich, dass dieses Projekt auch in Ostbelgien auf offene Ohren stoßen wird und freue mich bereits jetzt auf die Eröffnung der ersten Dorf-Büros in Ostbelgien.
Zusammenfassend möchte ich, werte Kolleginnen und Kollegen, Folgendes bemerken: Das Dorf-Büro ist ein Projekt, das vor allem unseren ländlichen Gemeinden die Möglichkeit bietet, den Herausforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt zu begegnen. Es kann ein erster Schritt sein, Menschen an unsere Dörfer zu binden und ihnen trotzdem ein weltweites Arbeiten zu ermöglichen. Und es ist auch ein erster Schritt, die Dynamik der Digitalisierungsprozesse in unseren dörflichen Gegenden aufzufangen und zu fördern.
 
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