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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 94

16. Januar 2020 – Frage von A. Jerusalem an Minister Mollers zur Unterstützung und Begleitung für Kindergärtnerinnen und Kindergärtner in der Primarschule

­Wie wird seitens der DG gewährleistet, dass die Kindergärtnerinnen den Anforderungen der Arbeit in der Primarschule wirklich gerecht werden können?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Andreas Jerusalem (Ecolo):
 
Dass zu Beginn des laufenden Schuljahres in den Primarschulen nahezu alle Lehrerstellen besetzt werden konnten, ist eine gute Nachricht. Ein genauer Blick zeigt jedoch, dass am Stichtag (30. September 2019) gut 10 % der Personen, die in den Primarschulen lehrten keine Primarschullehrer oder -lehrerinnen waren. Diese Informationen erhielt ich seitens der Regierung zu meiner schriftlichen Frage Nummer 13.
Die meisten dieser damals 37 Personen sind Kindergärtnerinnen (die genaue Zahl liegt mir leider nicht vor). Wahrscheinlich sind Kindergärtnerinnen die beste Wahl, vakante Stellen in der Primarschule zu besetzen – sofern keine Primarschullehrer oder -lehrerinnen mehr verfügbar sind.
Dadurch ist eine hohe Qualität der Unterrichtsarbeit nach wie vor gewährleistet. Kindergärtnerinnen sind ja per Diplom bereits zur Arbeit in der Unterstufe der Primarschule befähigt.
Dennoch liegt es in der Natur der Sache, dass maßgebliche Kenntnisse und Fähigkeiten, die Primarschullehrer und -lehrerinnen im Laufe ihres Studiums erworben haben, nicht vorhanden sein können:
Lerninhalte der Mittel- und Oberstufe der Primarschule, denken wir nur an Fachwissen aus Fächern wie Geschichte, Geografie oder Naturwissenschaften,
sowie auch an „Techniken“ der Hauptfächer, die als Rüstzeug für eine souveräne Klassenleitung dienen können,
und all das unter Berücksichtigung des schüleraktivierenden und kompetenzorientierten Unterrichtens.
Dieser Herausforderung können diese Lehrpersonen nur durch enormen persönlichen Einsatz gerecht werden – was Gott sei Dank auch meistens gelingt. Deshalb möchte ich wiederholen: Die Kindergärtnerinnen leisten einen außerordentlich wichtigen Dienst in unseren Primarschulen, sollten dabei aber gezielt unterstützt werden.
Seitens der Autonomen Hochschule existiert eine begleitende Berufseinstiegsphase. Diese ermöglicht einen Austausch über Erfahrungen, Stolpersteine und positive Erkenntnisse aus dem noch jungen Berufsleben. An dieser können natürlich auch Kindergärtnerinnen, die in der Primarschule arbeiten, teilnehmen. Dennoch plant die AHS dem Vernehmen nach ab dem kommenden Schuljahr diese Lehrpersonen zu gruppieren, um noch gezielter auf ihre spezifischen Bedarfe einzugehen. 
Das ist ein guter Ansatz der effektiven Begleitung, doch weitere Lücken müssen gefüllt werden.
 
In diesem Zusammenhang habe ich folgende Fragen an Sie, Herr Minister:
­- Wie wird seitens der DG gewährleistet, dass die Kindergärtnerinnen den Anforderungen der Arbeit in der Primarschule wirklich gerecht werden können?
­- Werden mit den Lehrpersonen zum Beispiel gezielte Entwicklungsbedarfe definiert und besonders gefördert?
­- Gibt es eine intensive Begleitung, die zum Beispiel eine Überforderung dieser Lehrpersonen vermeidet?

Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
werte Kolleginnen und Kollegen,
 
zum jetzigen Zeitpunkt ist eine gezielte Begleitung der Kindergärtner, die in der Primarschule arbeiten, nicht strukturell vorgesehen.
Jedoch bestehen bereits zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten für Kindergärtner, die in der Primarschule arbeiten – und das neben dem Kindergartenstudium an der AHS, das – wie Sie schon sagten – auf das Arbeiten in der ersten Stufe der Primarschule vorbereitet.
Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Personalmitglieder bestmöglich zu unterstützen, damit sie den Anforderungen in der Primarschule gerecht werden können.
So ergeht jedes Jahr ein Angebot an die Primarlehrer und an die Kindergärtner, die in Primarschulen arbeiten, sich an der Berufseinstiegsphase für Primarschullehrer zu beteiligen.
 
Wesentliches Ziel der Begleitung während dieser Phase ist es, den in der Primarschule tätigen Personalmitgliedern – dies umfasst sowohl die Primarschullehrer als auch die Kindergärtner, die in der Primarschule arbeiten – während der ersten Jahre ihrer Tätigkeit in vielfältiger Weise Unterstützung anzubieten.
Neben Punkten wie beispielsweise Zeitmanagement oder Klassenführung werden auch fachliche und fachdidaktische Fragen im Austausch mit Fachexperten bzw. erfahrenen Lehrern thematisiert.
 
Aktuell nehmen vier Kindergärtner an der Berufseinstiegsphase für Primarschullehrer teil.
Zusätzlich bestehen an der AHS ebenfalls Möglichkeiten individueller Unterstützung. Wie bereits von Ihnen erwähnt, zieht die Direktion der AHS in Erwägung, für kommendes Schuljahr eine gezielte Berufseinstiegsphase für Kindergärtner in Primarschulen anzubieten.
Zusätzlich zu der Arbeit, die im Rahmen der Berufseinstiegsphase geleistet wird, besteht die Möglichkeit weiterführender Unterstützung oder Beratung.
Insofern die Schulleitung bei Unterrichtsbesuchen oder im Mitarbeitergespräch Bedarfe feststellt oder aber das Personalmitglied diese persönlich äußert, leisten sowohl die Fachberatungsgruppen an der AHS als auch die Schulentwicklungsberatung gerne Hilfestellung.
 
In der Praxis sieht es zumeist oft so aus, dass Lücken im Bereich des Fachwissens und/oder der methodischen Vorgehensweise durch Kollegen aus Parallelklassen oder generell innerhalb der Schule geschlossen werden.
Für alle Kindergärtner, die eine intensive Begleitung wünschen, besteht des Weiteren die Möglichkeit, am Brückenstudium zum Erhalt des Diploms des Primarschullehrers teilzunehmen.
Die AHS bietet diese Möglichkeit jährlich interessierten Kindergärtnern an.
Im laufenden Studienjahr 2019-2020 absolvieren zwei Teilnehmer dieses Studium.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
 
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