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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 98

16. Januar 2020 – Frage von C. Kraft an Minister Mollers zu Krankentagen im Unterrichtswesen

­Wie ist die aktuelle Situation zu den Krankentagen im Unterrichtswesen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Colin Kraft (CSP):
 
Angaben des flämischen Unterrichtsministeriums zufolge stieg die Zahl der Krankentage bei Lehrern und Lehrerinnen im Jahr 2018 erneut an. Danach fehlten die Kollegen 2018 krankheitsbedingt durchschnittlich 16,87 Tage.
Interessant und gleichzeitig besonders besorgniserregend ist, dass rund 40% der Krankentage einen psychosozialen Ursprung haben. Explizit werden hierzu Stress, Depression und Burn-Out genannt.
Während jüngere Kollegen im Segment der 26-35-jährigen sechs Tage pro Jahr fehlen, liegt diese Zahl bei den 56-65-Jährigen bei 32 Tagen.
Die bisher im Parlament besprochene Statistik zu den Krankentagen bei Lehrern (zuletzt 2015 und 2017) geben Auskunft darüber, dass die Lage in Ostbelgien relativ entspannt zu sein scheint.
Dennoch belegen die Zahlen, dass auch die Ursachen in allen Gliedstaaten gleich zu sein scheinen.
 
Hierzu meine Fragen:
­- Wie ist die aktuelle Situation zu den Krankentagen im Unterrichtswesen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft?
­- Ist in den letzten 5 Jahren ein Trend hinsichtlich der prozentualen Entwicklung erkennbar?
­- Welche Maßnahmen führen hier bei uns ggf. zur nachhaltigen Senkung der Zahlen, die dann quasi als Vorbild für andere Regionen gelten könnten?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
werte Kolleginnen und Kollegen,
 
ich möchte zu Beginn auf meine Antwort auf die Frage von Frau Neycken-Bartholemy zur Burnout-Prävention im Unterrichtswesen der Deutschsprachigen Gemeinschaft verweisen, die in der Ausschusssitzung vom 24.01.2019 behandelt wurde.
Damals erläuterte ich, dass es kein Zahlenmaterial zu Burnout-Erkrankungen im Unterrichtswesen gibt, da die Erfassung der Daten in der Krankendatenbank allgemeiner klassifiziert wird.
Dies trifft im Übrigen ebenfalls auf die Diagnose Stress und Depressionen zu.
Hier wird der Oberbegriff „Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen“ verwendet.
Ebenfalls wurde in der Antwort auf einige bereits umgesetzte Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung von Burnout im Unterrichtswesen hingewiesen, worunter u.a. die begleitende und betreuende Arbeit von KALEIDO, das Einführen der Middle Manager, der Kindergartenassistenten und der Chefsekretäre sowie die Ausbildung für pädagogische Führungskräfte fallen.
Die Situation zu den Krankentagen wird zurzeit von unserer Kontrollärztin retrospektiv für die letzten vier Jahre gründlich aufgearbeitet.
 
Dabei werden folgende Aspekte berücksichtigt:
- Gender
- Altersgruppen
- Schulebenen (Kindergarten, Primarschule, Sekundarschule, AHS)
- Schultyp (Regelschulwesen, Förderschulwesen)
Die Daten werden nach Kennzahlen eingepflegt und sie werden untereinander durch Relativierung vergleichbar sein.
So können Trends abgelesen und verfolgt werden, die in Handlungsempfehlungen münden sollen.
Auf dieser Grundlage kann die Regierung entsprechende Entscheidungen treffen.
Zu den von Ihnen gestellten Fragen kann ich zum jetzigen Zeitpunkt bereits einige Auskünfte erteilen.
 
Die durchschnittliche Anzahl von Krankentagen pro Personalmitglied steigt kontinuierlich.
 
Schuljahr 15/16 16/17 17/18 18/19
Krankentage pro Personalmitglied 10,9 12,3 13,9 14,6

 

Das Diagnoseranking der entsprechenden Schuljahre zeigt deutlich, dass die Erkrankungen im Bereich der Psyche und der Verhaltensstörung (Depressionen, Angststörungen, Burnout, Erschöpfungssyndrom, ...) die meisten Krankheitstage generieren.
Auf Platz zwei im Diagnoseranking liegen Erkrankungen aus dem Bereich des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes (Sehnenerkrankungen, Rückenleiden unterschiedlicher Form, altersbedingte chronische Erkrankungen in den Gelenken, ...).
Hierbei ist zu beachten, dass jedoch die häufigsten Erkrankungen Atemwegserkrankungen sowie saisonale Erkrankungen wie Influenza, Magen-Darm-Infekte usw. sind.
 
Bezugnehmend auf die Altersgruppen sind die Tendenzen des flämischen Unterrichtsministeriums zu bestätigen.
Die altershöheren Gruppen weisen doppelt bis dreimal so viele Krankentage pro Personalmitglied im Vergleich zu den jüngeren Personalmitgliedern auf.
 
Altergruppe 25-29 30-34 50-54 55-59
Krankentage pro PM (15/16) 5,6 9,5 17,7 15,3
Krankentage pro PM (16/17) 4,8 8,8 18,3 15,9
Krankentage pro PM (17/18) 7,5 8,7 17,7 25,0
Krankentage pro PM (18/19) 6,8 11,0 18,4 26,2

 

Die umfassende Aufarbeitung der gesammelten Daten wird es uns erlauben, spezifischere Trends zu identifizieren und fundierte Schlüsse zu ziehen.
Darauf aufbauend ist es erforderlich, die bestehenden Modelle, wie zum Beispiel die halbzeitige Wiederaufnahme des Dienstes und die stufenweise Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell, zu überdenken und ggf. progressiver und flexibler zu gestalten.
Des Weiteren wird man sich Gedanken dazu machen, wie die Unterstützungsstrukturen im Unterrichtswesen dahingehend ausgebaut werden können, dass sie auch verstärkt präventiv den festgestellten Trends entgegenwirken können. 
Ich erwarte, dass das Projekt der Gesamtvision hierzu ebenfalls Ansätze liefern wird.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
 
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