Druck Kopfbild

Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 116

6. Februar 2020 – Frage von C. Servaty an Minister Mollers zur Krisenintervention in den Schulen

­Wie werden die konkreten Instrumente zum Erreichen der verschiedenen Arbeitsziele dokumentiert, damit diese auf nachvollziehbare Weise an der Basis der Schulen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zum Tragen kommen?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Charles Servaty (SP):
 
Ein Projekt des Laufenden Arbeitsprogramms 2019 - 2024 der Regierung trägt den Titel Krisenintervention in den Schulen und setzt sich die Stärkung schulischer Krisenstäbe sowie die Gewährleistung eines schulischen Krisenmanagements zur Unterstützung lokaler Rettungskräfte zum Ziel. Zum Erreichen dieser Ziele sind unter anderem die stärkere Vernetzung der Schulen mit den Rettungskräften und die regelmäßige Durchführung von Übungen und Weiterbildungen vorgesehen.
Darüber hinaus soll gewährleistet werden, dass die Schulen interne Noteinsatzpläne und Interventionsakten ausarbeiten und diese den Rettungskräften u.a. über den föderalen Krisensharepoint zur Verfügung stellen.
In der Tat stellt die allgemeine Sicherheit im öffentlichen Raum und insbesondere in den Schulen bzw. an deren diversen Standorten eine übergeordnete Aufgabe dar, bei der alle staatlichen Instanzen gezielt und strukturiert kooperieren müssen.
 
Hierzu lauten meine Fragen:
­- Wie werden die konkreten Instrumente zum Erreichen der verschiedenen Arbeitsziele dokumentiert, damit diese auf nachvollziehbare Weise an der Basis der Schulen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zum Tragen kommen?
­- Welche einzelnen konkreten Akteure der Schulen und Rettungskräfte auf Ebene der Deutschsprachigen Gemeinschaft sollen im Zuge der besseren Vernetzung verstärkt zusammenarbeiten?
­- Wie wird in diesem Zusammenhang die zielführende Kooperation zwischen den beteiligten Instanzen der Deutschsprachigen Gemeinschaft einerseits und des Föderalstaats andererseits gewährleistet?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
werte Kolleginnen und Kollegen,
 
der Königliche Erlass über die Noteinsatzpläne vom 16. Februar 2006 legt fest, dass die zuständigen Behörden zur Noteinsatzplanung auf kommunaler Ebene der Bürgermeister, auf provinzialer Ebene der Gouverneur und auf föderaler Ebene der Minister für das Innere sind.
Dennoch möchte ich hier ebenfalls Verantwortung übernehmen und die Schulen dahingehend stärken, dass sie in einem Notfall oder einer schulischen Krise erste richtige Maßnahmen treffen können, bevor die föderalen Einsatz- und Rettungskräfte die Einsatzleitung übernehmen.
 
1. In Konzertierung mit Polizei, Feuerwehr, Kaleido und Gefahrenverhütungsberatern des GUW und des FSU wurden Leitfäden und Kontaktlisten erarbeitet und den Schulen über den Bildungsserver zur Verfügung gestellt.
Neben den bereits dort veröffentlichten Dokumenten wie dem Krisenhandbuch und dem Leitfaden für sexuelle Gewalt wurden 2019 folgende Hilfestellungen angeboten:
• Tipps zur Evakuierung von Schulen
• ein Protokollformular zu Evakuierungsübungen
• ein Erläuterungsdokument in Checklistenformat zum Schulinternen Notfallplan und der Interventionsakte
• eine Kontaktliste für die Schulen für den Kontakt mit Kaleido und der Polizei
 
Der schulinterne Notfallplan der Gemeindeschule Hauset, der den anderen Schulen zur Verfügung steht, kann für die Ausarbeitung einer Krisenakte eine hilfreiche Orientierung darstellen.
In Gesprächen mit den Schulleitungen einiger Schulen konnte bereits sensibilisiert und zu diesem Thema ausgetauscht werden.
Zudem wurde die Krisenintervention in den Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft während einer Schulschöffenversammlung des OSU sowie im Zuge des Schulleitertreffens im Januar dieses Jahres aufgegriffen.
Darüber hinaus ist geplant, Weiterbildungen zu diesem Thema anzubieten.
Hierfür ist es erforderlich, dass die Schulen durch einen Blick von außen konkrete Handlungsempfehlungen zur Arbeit des schulinternen Krisenteams erhalten.
Durch eine hinreichende Sensibilisierung in persönlichem Austausch, eine Vernetzung mit fachkompetenten Personen, die Veröffentlichung von Dokumenten zur Hilfestellung und die Organisation von Weiterbildungs- und Austauschmöglichkeiten werden die Schulen auf mögliche Krisenfälle vorbereitet.
 
2. In der Schule stellt der Schulleiter in Selbstverantwortung sein Krisenteam zusammen. Selbstverständlich sind Struktur und Größe eines solchen Teams stark von der Größe der Schule abhängig. Neben der Schulleitung können hier mehrere Personalmitglieder mit einbezogen werden: Verwaltungskräfte, Gefahrenverhütungsberater, Ersthelfer, Hausmeister oder Lehrer.
Viele Schulen stehen bereits in regelmäßigem Kontakt zu Polizei und Feuerwehr, sei es zur Organisation von Übungen oder Gebäudebegehungen.
Darüber hinaus hat jede Schule eine Kontaktperson bei Kaleido, an die sie sich im Notfall wenden kann, um die Krisennachsorge zu gewährleisten.
Bei der Ausarbeitung eines schulinternen Notfallplans und den darin enthaltenen Maßnahmen können diese Akteure unterstützend und Rat gebend zur Seite stehen.
Auch die Gefahrenverhütungsberater der Schulträger und die mit der Noteinsatzplanung beauftragten Beamten der Gemeinden spielen eine maßgebliche Rolle.
 
3. Neben den einzelnen Kontakten zwischen den Schulen und den gerade erwähnten Akteuren soll eine breitere Vernetzung gefördert werden.
Diese soll durch die Teilnahme an Weiterbildungen und Diskussionsforen zu bestimmten Themen einerseits und durch einen regelmäßigen Austausch zwischen Gefahrenverhütungsberatern der Schulträger andererseits gewährleistet werden.
Da größtenteils die Gefahrenverhütungsberater in den Sekundarschulen mit dem Krisenmanagement betraut werden, sehe ich in einem Austausch auf dieser Ebene einen interessanten und wichtigen Hebel.
Indem ein Forum geschaffen wird, das sich netzübergreifend und regelmäßig mit der Krisenintervention in den Schulen auseinandersetzt, kann ein gemeinsamer Austausch – auch mit der Polizei und der Feuerwehr – stattfinden, so können Kräfte gebündelt werden.
Zu solch einer Kooperation werden wir in den nächsten Wochen aufrufen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
 
Zurück Drucken Teilen