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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 33

12. Februar 2020 – Frage von M. Balter an Herrn Minister Antoniadis bezüglich der steigenden Anzahl Diabetiker

Gibt es aktuelle Statistiken zu Diabetes-Erkrankungen in der DG? Ist auch hier ein Anstieg der Erkrankungen zu verzeichnen? Bitte Zahlen pro Diabetes-Typ anfügen.

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Michael Balter (Vivant), vom 9. Januar 2020:
 
Der BRF berichtete am 24.10.2018, dass immer mehr Menschen in der Provinz Lüttich an Diabetes leiden. 9,2% der Provinzbevölkerung sind an Diabetes erkrankt, im Landesdurchschnitt sind es nur 6,2%, wie aus einer Erhebung der Christlichen Krankenkasse hervorgeht. Demzufolge leiden in Belgien mehr als 600.000 Menschen an einer der unterschiedlichen Formen von Diabetes. Eine gesundheitsschädliche Lebensweise mit einer einseitigen und ungesunden Ernährung, Bewegungsmangel und Tabak- und Alkoholkonsum sind einige der Faktoren, die die Verbreitung dieser Krankheit begünstigen. Innerhalb der letzten zehn Jahre sei die Zahl der Erkrankten um 35% gestiegen, wobei lt. der Studie auch immer mehr junge Menschen betroffen seien. Im Jahr 2016 erstattete das Landesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung (LIKIV) 167 Millionen Euro für Medikamente zurück, die aufgrund der Diagnose Diabetes verschrieben wurden. Damit rangiert Diabetes auf Platz fünf der zehn kostspieligsten Krankheiten. Am niedrigsten in der gesamten Provinz Lüttich ist die Diabetes-Rate mit fünf Prozent in Amel, am höchsten mit zwölf Prozent in Oupeye.
 
Diabetes-Raten der DG gesamt:
65- bis 74-Jährige:
Amel: 5,0 Prozent der Bevölkerung
Büllingen: 5,9 Prozent
Burg-Reuland: 5,7 Prozent
Bütgenbach: 5,8 Prozent
Eupen: 6,2 Prozent
Kelmis: 7,8 Prozent
Lontzen: 6,3 Prozent
Raeren: 5,6 Prozent
St.Vith: 5,6 Prozent Amel: 14,2 Prozent
Büllingen: 16,4 Prozent
Burg-Reuland: 13,4 Prozent
Bütgenbach: 16,8 Prozent
Eupen: 16,9 Prozent
Kelmis: 19,7 Prozent
Lontzen: 20 Prozent
Raeren: 12,8 Prozent
St.Vith: 12,6 Prozent
 
Dieses Problem ist nicht neu. Die Vivant-Fraktion hat in der vergangenen Legislaturperiode diese Problematik des Öfteren angesprochen, so auch in meiner Interpellation vom 17.02.2016. Und gerade da die DG für die Gesundheitsprävention zuständig ist, sollte man dieses Thema verstärkt aufgreifen.
 
Diesbezüglich sind meine Fragen an Sie wie folgt:
1. Gibt es aktuelle Statistiken zu Diabetes-Erkrankungen in der DG? Ist auch hier ein Anstieg der Erkrankungen zu verzeichnen? Bitte Zahlen pro Diabetes-Typ anfügen.
2. Wie ist es um die medizinische Versorgung rund um Diabetes in den zwei Krankenhäusern der DG gestellt? Stehen ausreichend Spezialisten (Internisten) zur Verfügung? Gibt es Wartezeiten für Behandlungen?
3. Welche Präventionsmaßnahmen gibt es? Bitte alle Kampagnen auflisten.
4. Welche Aktionen gibt es momentan speziell an Kindergärten und Primarschulen, um den Kindern eine gesunde Ernährung und einen gesunden Lebensstil zu vermitteln?
5. Auf der www.ostbelgienlive.be wird auf die Zusammenarbeit mit dem Patienten Rat & Treff (PRT) hingewiesen, konkrete Informationen gibt es nicht. Fast ebenso wenig auf der Website www.patientenrat.be, wo nur eine sehr knappe Zusammenfassung zum Thema Diabetes zu finden ist. Wo können sich die Bürger der DG informieren?
 
Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:
 
1) Die aktuellen Zahlen zur Anzahl Bürger, die anti-diabetische Medikamente einnehmen, finden Sie auf dem Atlas der „Agence Inter-Mutualiste (AIM) wieder. Dort können Sie die Zahlen pro Gemeinde und beziehend auf die Jahre 2009 bis 2017 einsehen.*
Es liegen allerdings keine Zahlen vor, die zwischen den Diabetes Typen 1 und 2 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft unterscheiden.
 
2) Bei Diabetes Typ 1 Patienten, meist Kindern, kommt es aufgrund des rasanten Ausfalls der Insulinproduktion zur akuten Hyperglykämie. Aufgrund des damit verbundenen Azidose- und sogar Komarisikos stellen diese Fälle einen medizinischen Notfall dar und werden dementsprechend schnell behandelt.
In den folgenden Tagen und Wochen wird die Insulindosis von einem Endokrinologen an die Bedürfnisse und Gewohnheiten des Patienten angepasst. Mit Wachstum und Pubertät sind im Laufe des Lebens regelmäßige Korrekturen notwendig.
Zurzeit bemüht sich das St. Nikolaus Hospital darum, ihr Team, bestehend aus zwei Endokrinologen (Internisten), zu verstärken. Für besagte Folgeuntersuchungen können nämlich Wartezeiten von mehreren Monaten anfallen.
In der Klinik St. Josef wird, laut Internetseite, die Begleitung bei Diabetes auf der Inneren Station durchgeführt.
Im Übrigen handelt es sich bei Diabetes Typ 1 hauptsächlich um eine autoimmune Erkrankung mit multifaktorieller Ursache. Präventionsarbeit ist hier also nur sehr begrenzt möglich.
Diabetes Typ 2 entwickelt sich chronisch, oftmals über viele Jahre hinweg. Ursachen sind in diesem Fall nicht nur das Versagen der Insulinproduktion durch die Bauchspeicheldrüse, sondern auch eine zunehmende Insulinresistenz des Körpers. Im prädiabetischen Stadium wird ein gesünderer Lebensstil empfohlen und erst beim fortschreitenden Krankheitsbild auf Medikamente zurückgegriffen.
Diagnose und Behandlung werden vom Hausarzt durchgeführt und verordnet. Es gibt also keine außergewöhnlichen Wartezeiten.
Erst in späteren Stadien muss bei Patienten mit Typ-2-Diabetes auf eine Insulinbehandlung zurückgegriffen werden.
Die Behandlung von Diabetes bedarf viel Eigenverantwortung, da der Blutzuckerwert täglich, vom Betroffenen selbst, korrigiert werden muss.
Das St. Nikolaus Hospital bietet, zusätzlich zu den regulären Arztterminen, spezifische Diabetesberatung an. Dies hilft, Patienten ihre Insulindosis an Blutzucker, Aktivitäten und Ernährung anzupassen und Folgeschäden zu vermeiden. Ein Termin ist in der Regel zeitnah für diese zusätzlichen Kontrollvisiten erhältlich.
Die Klinik St. Josef bietet keine spezifische Diabetesberatung an. Sie verfügt aber über eine Diätklinik, in der Obesitas behandelt wird und der Patient beim dauerhaften Abnehmen unterstützt wird. Somit werden dort auch die möglichen Begleit- bzw. Folgebehandlung (unter anderem Diabetes) in die Behandlung miteinbezogen.
 
3) Der PRT bietet seit dem zweiten Halbjahr 2019 jährlich an fünf verschiedenen Standorten in Ostbelgien (Eupen, Hergenrath, Bütgenbach, Amel und Sankt Vith) jeweils fünf Termine zur Blutzuckermessung an.
Um mehr Menschen mit diesem kostenlose Gesundheitsangebot zu erreichen, hat die Regierung im zweiten Halbjahr 2019 die Mittel um 2 754 Euro erhöht. Hiermit wurden zusätzlich zwei weitere Standort in Amel und Bütgenbach geschaffen und die Zahl der Termine in Hergenrath erhöht.
Eine frühzeitig erkannte Typ-2-Diabeteserkrankung ermöglicht es, Komplikationsrisiken zu begrenzen und in führt in manchen Fällen sogar zu einem Rückgang der Krankheit.
Außerdem bietet der PRT im Norden und Süden Ostbelgiens Diabetikerschulen an, die allerdings in den letzten zwei Jahren nicht mehr stattgefunden haben, da es zu wenig Interessenten gab (weniger als vier Teilnehmer). Die Diabetikerschule wird allerdings weiterhin seitens des PRTs angeboten.
 
4) Kaleido Ostbelgien ist weiterhin der wichtigste Partner der Gesundheitsprävention bei Kindern und Jugendlichen.
2006 wurde von Kaleido das Projekt „Tutti Frutti“ ins Leben gerufen. Das Ziel bestand darin, einen Anreiz zu schaffen, den Obstkonsum der Kinder in Schulen zu erhöhen.
Schüler erhielten für 10 bis 13 Euro ein 33-wöchiges Obst-Abonnement in den verschiedenen Schulen.
Auf Basis dieses Angebots haben mehr und mehr Schulen eigene Projekte ins Leben gerufen.
Kaleido hat 2018 das Projekt Tutti Frutti eingestellt, da eine erfolgreiche Sensibilisierung der Schulen stattgefunden hat.
 
Im Schuljahr 2018–2019 hat erstmals das Projekt „Fit mit Kalli“ stattgefunden und beinhaltet drei Maßnahmen:
1. Kostenlose Koch- und Bewegungsateliers für Kinder, Jugendliche und Eltern
2. Kostenlose zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen
3. Begleitung von Kindern mit Übergewichtsproblemen
Das Pilotprojekt konzentriert sich aktuell auf die Gemeinden Eupen und Kelmis. Es wurden jeweils zehn Ateliers mit insgesamt 384 Teilnehmern zum Thema Kochen und Bewegung angeboten.
Auch bei dem Pilotprojekt Eltern-Kind-Bildung ist die die gesunde Ernährung ein Thema.
Kinder, bei denen während der Schuluntersuchung Übergewicht festgestellt wird, werden zu einem Beratungstermin mit einer Krankenpflegerin und Ärztin eingeladen. Leider ist „Übergewicht“ ein hochsensibles Thema und trotz sensibler Herangehensweise nur schwer zugänglich.
Unabhängig vom Projekt wird prinzipiell allen Kindern mit Übergewicht (bzw. deren Eltern) bei der schulischen Untersuchung ein beratendes Gespräch mit dem Hausarzt empfohlen.
Des Weiteren spielen Eltern natürlich eine primäre Rolle in der Ernährung ihrer Kinder. Diese werden durch Kaleido von Geburt des Kindes an zum Thema gesunde Ernährung beraten.
Besonders bei Schwangeren in prekären Situationen wird großen Wert auf die Ernährung gelegt. Bei diesem Zielpublikum interveniert das Vorsorgezentrum auch finanziell: So werden der Familie, die die entsprechenden Kriterien erfüllt, 30€ pro Monat für Obst und Gemüse (auf Vorlage getrennter Kassenzettel) gewährt.
 
5) Auf der Internetseite des Patienten Rat und Treffs unter der Rubrik „Blutzuckermessungen“ werden beide Formen der Diabeteserkrankung erklärt.
Die Internetseite bietet aber nur ein Bild des Angebotes. Interessierte und Betroffene können mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Patienten Rat und Treffs Kontakt aufnehmen. Diese ausgebildeten Ernährungsberater und Krankenpfleger helfen bei Fragen zu Diabetes gerne weiter.
Für weitere Informationen können Interessierte jederzeit ihren Hausarzt aufsuchen.
Informationen erteilen auch die Krankenkassen auf Anfrage. Außerdem informieren sie auf ihren Internetseiten, Broschüren und Mitgliederzeitschriften zu diesem Thema.
 
* https://ima.incijfers.be/base-de-donnees (Etat de santé- Diabète) 
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