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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 146

12. März 2020 – Frage von A. Jerusalem an Minister Mollers zum Thema „Demokratie macht Schule“

­Wie groß ist der Anklang der Angebote des Katalogs „Demokratie macht Schule“?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Andreas Jerusalem (Ecolo):
 
Die Regierung verfolgt beim Demokratieunterricht einen fächerübergreifenden Ansatz. Fähigkeiten wie politische Kenntnisse, Partizipation in der Gesellschaft und die Wertigkeit der eigenen Wählerstimme sollen Kinder nicht nur in einem Fach lernen und erfahren, sondern sind Aufgabe der gesamten Lehrerschaft. Als wichtiges Werkzeug wurde kürzlich der Leitfaden zur politischen Bildung präsentiert, der – so nehme ich an – in naher Zukunft auch der Lehrerschaft präsentiert wird. In jedem Fall sehe ich hier einen großen Bedarf, damit dieser fachübergreifende Ansatz erfolgreich Einzug in den Unterricht halten wird.
Ein weiteres wichtiges Werkzeug ist der Katalog „Demokratie macht Schule“ den das Institut für Demokratiepädagogik veröffentlich. Dieser hält zahlreiche Angebote zu den angesprochenen Themen bereit.
Bekanntlich ist der fächerübergreifende Ansatz nicht unumstritten. Deshalb erachte ich es als wichtig, dass sichtbar wird, ob der eingeschlagene Weg Erfolg verspricht. Ein Indiz dafür kann die Inanspruchnahme der Angebote des Instituts für Demokratiepädagogik sein. Ein weiteres können Erkenntnisse aus Begleitung und Beobachtungen von Unterrichten sein.
 
Deshalb habe ich folgende Fragen Herr Minister:
­- Wie groß ist der Anklang der Angebote des Katalogs „Demokratie macht Schule“?
­- Auf welche weiteren Weisen werden Lehrpersonen unterstützt, Demokratie in der Schule lernbar und erfahrbar zu machen?
­- Wie wird der fächerübergreifende Ansatz zur Förderung der politischen Bildung evaluiert?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Kolleginnen und Kollegen,
 
das Institut für Demokratiepädagogik teilte mir mit, dass zahlreiche Angebote aus dem Katalog „Demokratie macht Schule“ für das Kalenderjahr 2019 gebucht wurden. Die 38 gebuchten Angebote umfassen unter anderem Animationen zu den Themen Nachhaltigkeit, Wahlen und Prävention von Rassismus. Hiesige und externe Referenten haben diese Workshops oder Animationen durchgeführt.
In den Monaten Januar und Februar des laufenden Jahres wurden insgesamt 10 Angebote aus dem Katalog 2020 gebucht.
Das Institut für Demokratiepädagogik hat die ersten 7 Module selbst durchgeführt:
• vier Module zur Nachhaltigkeit in der ersten Stufe der Sekundarschule am Königlichen Athenäum St. Vith,
• ein Modul „Toleranztag“ am Königlichen Athenäum St. Vith,
• ein Modul zu Wahlen und ein Modul „Belgien für Dummies“ an der Pater Damian-Sekundarschule.
Darüber hinaus gab es drei Buchungen, die durch auswärtige Anbieter abgedeckt wurden: zwei Buchungen zum politischen Kabarett und eine Buchung zur Rassismusprävention.
Weiterhin fand eine Animation eines Konferenztages des ZFP im Januar des Jahres 2020 statt.
Hier wurden die Lehrpersonen mit dem Instrumentarium des Planspieles für Schüler zu gesellschaftspolitischen Fragen vertraut gemacht.
Die Zusammenarbeit und Vernetzung spielt bei dem fächerübergreifenden Ansatz, politische Bildung und Demokratiepädagogik im Unterricht zu vermitteln, eine außerordentliche Rolle.
Auf Ebene der Deutschsprachigen Gemeinschaft wurde ein Konsortium gegründet, das sich aus folgenden Akteuren zusammen setzt: Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Info Treff, Rat der deutschsprachigen Jugend, Jugend Dialog, Alteo, Ocarina Eupen sowie das Institut zur Demokratiepädagogik.
Dieses Konsortium hat sich zur Aufgabe gesetzt, jährlich eine Podiumsdiskussion für Abiturienten zu organisieren und Schulen bei der Kompetenzförderung der Schüler im Bereich der politischen Bildung zu unterstützen.
So fand eine erste Podiumsdiskussion zum Thema Wahlen im Mai 2019 statt.
Am gestrigen Dienstag, 11. März 2020, fand die zweite Podiumsdiskussion für Abiturienten zum Thema „Wie geht Politik?“ an der Pater-Damian-Sekundarschule statt.
Diese Veranstaltung hat eine sehr große Resonanz bei den ca. 270 Teilnehmern aus ganz Ostbelgien gehabt und ist sehr positiv aufgenommen worden.
Von den Verantwortlichen ist angedacht, eine solche Veranstaltung jährlich durchzuführen, damit die Abiturienten mindestens einmal in ihrer Schulzeit die Möglichkeit haben, sich direkt mit Politikern auszutauschen.
Im Rahmen der Schulleiterversammlung am 29. Januar 2020 wurde der rahmenplanorientierte Leitfaden für die politisch-demokratische Bildung den Schulleitern der Grund- und Sekundarschulen vorgestellt und den Schulen Unterstützung durch das Institut für Demokratiebildung bei der fächerübergreifenden Förderung von Kompetenzen im Bereich der politischen Bildung zugesichert.
An der Erstellung des Leitfadens haben eine wissenschaftliche Begleitung, ein Vertreter vom Fachbereich Pädagogik, drei Lehrer aus Sekundar- und Grundschulen sowie eine Vertreterin des Kabinetts mitgewirkt.
Dieser Leitfaden, der durch eine Suchanwendung ergänzt wird, steht auf OstbelgienBildung unter der Rubrik „Politische Bildung“ zur Verfügung.
Von Januar 2018 bis Januar 2020 wurde bereits ein Pilotprojekt zur fächerübergreifenden politischen Bildung unter Federführung des Instituts für Demokratiepädagogik und in Zusammenarbeit mit dem Middle Management und dem gesamten Lehrerkollegium des Königlichen Athenäums St. Vith durchgeführt.
Im Rahmen des Abschlussseminars zum vorerwähnten Pilotprojekt am 22. Januar 2020 haben die Middle Manager des Königlichen Athenäums St. Vith die Evaluation des Projektes den eingeladenen Gästen, unter denen auch Schulleiter und Lehrer anderer Schulen weilten, vorgestellt.
Die vom Königlichen Athenäum St. Vith gewählte Form der fächerübergreifenden politischen Bildung ist auf Projektarbeit gegründet, die viele positive Ergebnisse bei der Haltung der Schüler zum Lernen hervorgebracht hat.
Für die Regierung ist die politische Bildung ein zentrales Thema der Bildungspolitik in der laufenden Legislaturperiode.
Vor diesem Hintergrund besteht im Schuljahr 2020-2021 die Möglichkeit, einen 4. pädagogischen Konferenztag zu diesem Thema – neben Heterogenität, durchgängige Sprachbildung und Herabsetzen des Kindergartenalters auf 2,5 Jahre – in Anspruch zu nehmen.
Damit die fächerübergreifende Förderung der politischen Bildung an Schulen gelingen kann, bedarf es verbindlicher schulinterner Absprachen in Form eines ganzheitlich angelegten Schulentwicklungsprojekts.
Dieses sollte sowohl die Ausarbeitung eines schulinternen fächerübergreifenden Konzepts zur politischen Bildung als auch die diesbezüglichen konkreten Maßnahmen, die sich aus dem vorerwähnten Konzept ableiten, beinhalten.
Auch muss ein konkreter Aktionsplan festgelegt werden, der verbindlich festhält, bis wann welche Maßnahme umgesetzt sein sollte und wer für die Umsetzung verantwortlich ist.
Diese klaren schulinternen Absprachen, Maßnahmen und deren Evaluation sind notwendig, damit Lehrer sich ihrer konkreten Verantwortung bewusstwerden können und Schüler sich weiterführende Kompetenzen im Bereich der politischen Bildung aneignen können.
Direkte Hilfestellung erhalten die Schulen hierbei vom Institut für Demokratiebildung. Aber auch die Schulentwicklungsberatung kann unterstützend wirken.
Nicht nur auf Schulebene ist die konkrete Überprüfung der Zielerreichung – d.h. Schüler zu mündigen Bürgern in der Gesellschaft zu befähigen – vorzusehen.
Auch auf Ebene der gesamten Deutschsprachigen Gemeinschaft ist eine Evaluation in Form einer Befragung der Schulen angedacht.
Es gilt zu prüfen, inwieweit der rahmenplanorientierte Leitfaden für die politisch-demokratische Bildung in ein schulinternes fächerübergreifendes Konzept zur politischen Bildung übertragen wurde und wie die Wirksamkeit dieses Konzept auf die Schülerkompetenzen zur politischen Bildung ist.
Den Rahmen für die politische Bildung hat die Regierung gesteckt.
Nun ist es an den Schulen, dies im Rahmen ihrer Schulentwicklungsarbeit mit Unterstützung des Instituts für Demokratiepädagogik umzusetzen.
Das braucht jedoch etwas Zeit.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
 
 
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