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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 150

12. März 2020 – Frage von S. Houben-Meessen an Minister Mollers zur beruflichen Orientierung für Schüler und Studenten

­Was würde es kosten, wenn in Ostbelgien Möglichkeiten bestünden, die denen in den skandinavischen Ländern gleichkämen?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Sandra Houben-Meessen (CSP):
 
In einem OECD-Bericht über die beruflichen Orientierungsvorstellungen junger Menschen wird unter anderem unserem Land ein eher schlechtes Zeugnis ausgestellt.
Lediglich 25% der Schüler in Belgien hätten die Möglichkeit, sich in der Schule mit einem qualifizierten Berater über seine Zukunftspläne und -möglichkeiten auszutauschen.
In manchen skandinavischen Ländern liege diese Zahl bei nahezu 100%.
 
Hierzu meine Frage:
­- Wie sieht die Situation dazu in der DG aus?
­- Was würde es kosten, wenn in Ostbelgien Möglichkeiten bestünden, die denen in den skandinavischen Ländern gleichkämen?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Kolleginnen und Kollegen,
 
in der Deutschsprachigen Gemeinschaft haben die Schulen, Kaleido Ostbelgien und das Arbeitsamt den gesetzlichen Auftrag, die schulische Berufswahlvorbereitung und Berufsorientierung zu unterstützen und zu begleiten.
So besagt Artikel 15 des Dekrets vom 31. August 1998 über den Auftrag an die Schulträger und das Schulpersonal sowie über die allgemeinen pädagogischen und organisatorischen Bestimmungen für die Regelschulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft:
„Die Schulen sind verpflichtet, in Zusammenarbeit mit den psycho-medizinisch-sozialen Zentren beziehungsweise anderen spezialisierten Einrichtungen die Schüler und ihre Erziehungsberechtigten über Studien, Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten zu informieren und zu beraten.“
Das Arbeitsamt und Kaleido Ostbelgien sind zudem in allen Sekundarschulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft tätig und stehen den Schülern für Klassenanimationen und Einzelgespräche zur schulischen Laufbahnorientierung sowie zur Berufswahlvorbereitung zur Verfügung.
Somit hat jeder Schüler die Möglichkeit, einen Gesprächstermin zu vereinbaren und mit einem qualifizierten Berater über seine Zukunftspläne und -möglichkeiten auszutauschen.
Wie das Arbeitsamt uns mitteilte, sind das Arbeitsamt und Kaleido Ostbelgien auch in einem Verbund mit den Jugendinformationszentren und dem IAWM.
Anfragen zur Berufsorientierung und -vorbereitung werden von den kontaktierten Stellen den zuständigen Mitarbeitern des Arbeitsamtes bzw. Kaleido-Ostbelgien weitergeleitet.
Unabhängig davon zeigt die Umfrage „Welchen Weg schlägst du nach dem Abitur ein?“, die jährlich durch Kaleido Ostbelgien und das Arbeitsamt organisiert wird, bei den Abiturienten im Jahr 2019, dass 89 % der 528 Befragten kurz vor dem Ende ihres letzten Schuljahres wissen, welchen Weg sie einschlagen wollen, egal ob dies im Bereich Studium, Lehre oder Arbeitswelt ist.
Die Weiterentwicklung der Berufswahlvorbereitung an schulischen und mittelständischen Einrichtungen ist ein bildungspolitischer Schwerpunkt in der aktuellen Legislaturperiode.
Im dritten Umsetzungsprogramm des Regionalen Entwicklungskonzepts der Deutschsprachigen Gemeinschaft wurde das Projekt „Auf das echte Leben vorbereiten“ mit dem Ziel aufgenommen, eine kohärente noch stärker vernetzte Berufswahlvorbereitung auf Ebene der schulischen und mittelständischen Einrichtungen aufzubauen.
Hierbei sollen Schüler ausreichend Unterstützung und Information erhalten, um eine kohärente Wahl bezüglich Ausbildung und Berufsorientierung treffen zu können. Jugendlichen mangelt es oft an Kenntnissen über die reale Berufs- und Arbeitswelt. Hier soll im Rahmen von Betriebspraktika Abhilfe geschaffen werden.
Die Förderung solcher Betriebspraktika in Schulen stellt somit ein weiteres wichtiges Element der Berufsorientierung dar, unter anderem für Schüler des allgemeinen und technischen Übergangs in den Sekundarschulen.
In dem vorerwähnten Projekt „Auf das echte Leben vorbereiten“ wurde der erste Arbeitsschritt – die Evaluation des Pilotprojekts im Bereich der Berufsorientierung – verlängert.
Zentrales Kernelement des Pilotprojekts, das am Königlichen Athenäum in Eupen durchgeführt wird, war die Einführung eines Informationsverantwortlichen für die Berufsberatung an der Sekundarschule und der angegliederten Grundschule.
Die Arbeit dieser zentralen Position war mit konkreten Zielen und konkreten Aufgaben im Rahmen der schulinternen und externen Kommunikation verbunden und bettete sich in ein von der Schule entwickeltes Konzept zur Berufsorientierung ein.
Die Implementierung dieses Konzepts wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert.
Wichtig ist es der Regierung, die Wirksamkeit dieses Pilotprojekts für die Zielgruppe der Schüler zu prüfen.
Damit auch die Wirksamkeit der Potenzialanalyse, die im Frühjahr 2019 stattgefunden hat, in die Evaluation des Pilotprojekts einfließen kann, wurde der diesbezügliche Arbeitsschritt der Evaluation um ein halbes Jahr verlängert.
Die diesbezügliche Befragung der Schüler an der Pilotschule – dem Königlichen Athenäum Eupen – sowie an den beiden Vergleichsschulen – dem César Franck-Athenäum in Kelmis sowie dem Königlichen Athenäum St. Vith – wurde bereits durchgeführt.
Nun stehen Auswertung und Berichterstattung des wissenschaftlichen Instituts an, damit die Weiterentwicklung der Berufsorientierung bestmöglich fortgeführt werden kann.
Über das skandinavische System liegen uns nicht genügend Informationen vor, um näher auf die dort durchgeführten Konzepte zur Berufsorientierung und Maßnahmen – unter anderem im Hinblick auf einen Austausch der Schüler mit qualifizierten Beratern zur Berufsorientierung – einzugehen.
Jedoch besteht in der Deutschsprachigen Gemeinschaft – wie bereits erläutert – die Möglichkeit, dass Schüler nach vorheriger Terminabsprache mit qualifizierten Beratern des Arbeitsamtes oder Kaleido-Ostbelgien über ihre Zukunftspläne und -möglichkeiten austauschen.
Somit fallen keine Mehrkosten für eine solche Beratung durch Mitarbeiter des Arbeitsamtes oder Kaleido-Ostbelgien an, wenn Schüler diese aktuell wünschen.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
 
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