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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 56

19. Mai 2020 – Frage von D. Stiel an Herrn Minister Mollers zu Tablets an Primarschulen

Welche Aufgaben wurden den Schulen in diesem Wettbewerb gestellt?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Diana Stiel (Vivant), vom 10. April 2020:
 
Laut einem Artikel des BRF vom 19.02.2020 setzt die Gemeinde Amel in all ihren Schulen auf die neuen Medien. So auch in Montenau-Iveldingen, wo Schüler nun mit Tablets arbeiten dürfen. Kinder vom ersten bis zum dritten Schuljahr studieren ein Gedicht ein und ziehen sich in Zweierteams mit einem Tablet zurück, um sich selbst beim Aufsagen des Gedichts aufzunehmen und anzuhören.
Vermittelt werde von Anfang an ein verantwortungsvoller Umgang mit den Geräten und diese sollen bis auf Weiteres Papier und Bleistift keineswegs überflüssig machen.
Die Finanzierung des Projektes wurde durch die Wallonische Region gesichert - über die Teilnahme am Wettbewerb "Ecole numérique" (Digitale Schule).
In den Schuljahren vier bis sechs wurden die neuen Medien ebenfalls in den Unterricht integriert: "Zum Beispiel mit einem Schreibprogramm, wo die Schüler Texte abschreiben und mit Fotos gestalten können".
In einem Bericht auf www.heise.de vom 07. Juli 2017 berichtet Ralf Lankau, Professor für Mediengestaltung und Medientheorie an der Hochschule Offenburg, dass Digitaltechnik an Schulen mehr schadet, als sie nützt.
Gemäß Professor Lankau hatte die ehemalige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka einen Digitalpakt angekündigt. Fünf Milliarden Euro werden dann ausschließlich für Hardware ausgegeben. Eine falsche Entscheidung laut Professor Lankau, denn es werden nur Einzelinteressen der IT-Wirtschaft und der Arbeitgeberverbände bedient. Weiterhin werde die Methodenfreiheit der Lehrenden missachtet.
Der Professor macht seinen Standpunkt daran fest, dass Studien, angefangen von der OECD-über die Pisa-Studie 2015 bis zur John-Hatties-Meta-Studie "Visible Learning" oder das Gutachten "Bildung 2030" des Aktionsrats Bildung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft dem widersprechen. Auf Seite 78 von "Bildung 2030" wird eine Studie zitiert, der zufolge hiesige Grundschulkinder, die mindestens einmal wöchentlich Computer im Unterricht nutzen, in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften signifikant niedrigere Kompetenzen aufweisen als diejenigen, die seltener mit Computern arbeiten.
Weiterhin hat W. Giessen, Professor an der Universität des Saarlandes, bei einem Experiment zum Vokabellernen festgestellt, dass traditionelle Lernformen zu deutlich besseren Resultaten führen als Lernen am Monitor.
Selbst der Direktor des Direktorats für Bildung der OECD, Andreas Schleicher, schlussfolgert, dass wir mit der Realität leben müssen, dass Technologie in unseren Schulen mehr schadet als nützt und dass die immensen Anschaffungs- und Folgekosten auch aus ökologischer Sicht mit Problemen verbunden sind.
Laut Professor Lankau kann es nicht Aufgabe von öffentlichen und staatlichen Bildungseinrichtungen sein, Kindern und Jugendlichen den Gebrauch von Geräten der Unterhaltungselektronik beizubringen, denn dies könnten sie schon und fördere eher den medialen Konsum. Sie nutzen digitale Endgeräte bereits mehrere Stunden täglich. Das primäre Ziel von Schule ist die Sozialisierung in der Gemeinschaft, die Vermittlung von Wissen und die Entwicklung der Persönlichkeit. Dies alles ist nicht zu schaffen in einer Welt hinter der Mattscheibe.
Weiterhin beschreibt Professor Lankau die Gefahren für den Menschen, zum Datensklaven zu werden.
Demokratie und Sozialgemeinschaft funktioniere nur mit selbstständig denkenden und agierenden Menschen, und nun werden in der Schule bereits Kinder durch Software regelrecht und systematisch zur Abhängigkeit und Hörigkeit erzogen.
Weiterhin wissenswert ist, dass die Laptop-Klassen in den USA und in Australien wieder aufgelöst wurden, da sie didaktisch keinen Mehrwert hatten, obwohl Milliarden Dollar dafür ausgegeben wurden.
Die Vivant-Fraktion ist der Meinung, dass wir unseren Kindern zuerst Persönlichkeit, kritisches Denken und Sozialkompetenzen beibringen müssen, um Sie auf das Leben vorzubereiten. Die neuen digitalen Medien sind ein Irrweg der hiesigen Bildungspolitik.
 
In diesem Zusammenhang lauten meine Fragen an Sie wie folgt:
1. Wie kam es zu der Teilnahme an dem Wettbewerb "Ecole numérique", finanziert durch die Wallonische Region?
2. Welche Aufgaben wurden den Schulen in diesem Wettbewerb gestellt?
3. Wie viele Schulen in der DG nahmen an diesem Wettbewerb teil?
4. Wie viele Tablets wurden zu Verfügung gestellt?
5. Welche weiteren fachspezifischen Einsatzgebiete sehen die Schulen vor?
6. Wird die Deutschsprachige Gemeinschaft nun auch solche Projekte ins Leben rufen? Sind weitere Projekte der Deutschsprachigen Gemeinschaft geplant, um die Digitalisierung in den Schulen voranzutreiben?
7. Klären Sie die Eltern und Kinder in den Schulen über die Gefahren der Kurzsichtigkeit durch den Gebrauch digitaler Medien auf?
8. Klären Sie die Eltern und Kinder im Allgemeinen über die Gefahren des Gebrauchs der digitalen Medien auf, wie zum Beispiel: Suchtverhalten, Strahlenbelastung durch WLAN, das Fehlen von Empathie bei Kindern, die viel Zeit mit technischen Geräten verbringen?

Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Zu Frage 1: Wie kam es zu der Teilnahme an dem Wettbewerb "Ecole numérique", finanziert durch die Wallonische Region?
 
Zunächst bedarf es für die Beantwortung der ersten Frage einer kurzen Kontextualisierung des Projektes „École Numérique“.
Juristisch gesehen beruht das heutige Ecole-Numérique-Projekt auf der Kooperationsvereinbarung „Accord de coopération entre la Région wallonne, la Communauté française et la Communauté germanophone relatif à l’implantation d’ordinateurs dans les écoles wallones“ von 1998. Das Projekt zur Ausstattung der Schulen wurde damals „Cyberécoles“ getauft.
Im Jahr 2005 wurde die Kooperationsvereinbarung erneuert. Daraus entstand das Projekt „Cyberclasses“ im Jahre 2006 als Nachfolger vom Projekt „Cyberécoles“.
Im Jahre 2011 wurde im Rahmen des „Master Plan TIC Creative Wallonia“ und aufgrund des Vorschlages „Propositions pour l’école numérique de demain - Un nouveau plan TIC au service de l’éducation“ der Arbeitsgruppe TaskForce das Projekt „Ecole Numérique“ ins Leben gerufen.
Alle weiteren Informationen zum Aufruf 2020 sind in der beigefügten Anlage* (Rundschreiben „Circulaire 7442 Ecole numérique – Appel à projets 2020“) wiederzufinden.
Da die Informationen zu diesem Projekt (Rundschreiben der Wallonischen Region, Internetplattform für die Projektanträge) ausschließlich in französischer Sprache verfügbar sind, wird für die Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft jedes Jahr beim Start eines Aufrufes eine Mitteilung in deutscher Sprache auf dem Bildungsserver veröffentlicht. Außerdem finden eine Vorstellungsveranstaltung an der Autonomen Hochschule in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (AHS) mit deutschsprachiger Begleitung sowie ein Arbeitstreffen an der AHS, an denen die interessierten Lehrpersonen teilnehmen können, statt. Generell stehen mehrere Kontaktpersonen sowohl im Ministerium als auch an der AHS für weitere Informationen zur Verfügung und begleiten sowohl auf technischer als auch auf pädagogischer Ebene aktiv die interessierten Schulen in deutscher Sprache.
 
Zu Frage 2: Welche Aufgaben wurden den Schulen in diesem Wettbewerb gestellt?
 
Die Schulen können bei Interesse ihr pädagogisches Projekt über die Internetplattform (http://appel.ecolenumerique.be) einreichen.
Die folgenden Elemente werden bei der Bewertung der pädagogischen Projekte berücksichtigt:
• Generelle Identifizierungs- bzw. Kontaktinformationen des Projektträgers (Schule, Träger, Name des Verantwortlichen usw.)
• Generelle Identifizierungsinformationen des Projektes und des pädagogischen Teams (Titel, kurze Beschreibung, Verantwortliche des pädagogischen Teams, Aufgaben- und Rollenverteilung für jeden Beteiligten des Projektes)
• Kurzfristige Zielsetzung (ein Jahr nach Projektbeginn)
• Mittelfristige Zielsetzung (drei Jahre nach Projektbeginn)
• Definition der digitalen Strategie der Schuleinrichtung
• Beschreibung der Eingliederung des Projektes in die digitale Strategie der Schule
• Beschreibung der Wichtigkeit der Ausarbeitung der digitalen Strategie des vorliegenden Projektes für die Schuleinrichtung
• Beschreibung der Etappen des Projektes und der Modalitäten der Umsetzung (Arbeitsschritte, wie z.B. Koordinationsversammlungen, die Inbetriebnahme des Materials, eventuelle Weiterbildungen, Vorbereitungen der Unterrichte und der Aktivitäten in der Klasse, Durchführung der Unterrichte und Aktivitäten in der Klasse und Evaluation und Regelung des Projektes).
• Erklärung der Anpassung des Projektes an die Bedürfnisse der Schüler.
• Qualität der geplanten Maßnahmen zur Gewährleistung der weiteren Nutzung der Ausrüstung und der fächerübergreifenden Zusammenarbeit des Projektes
• Pädagogischer Mehrwert des Einsatzes der digitalen Technologie innerhalb des Projektes
• Beschreibung eines konkreten Beispiels einer Aktivität, die im Rahmen des Projektes umgesetzt werden soll (Schulfach/Schulfächer, Publikum, angestrebte Kompetenzen bei den Schülern, Verbindung mit den allgemeinen Zielen des Projektes, digitale Werkzeuge/Mittel, Ablauf, Rollenverteilung, Methodik, …)
• Relevanz des angefragten Materials für die Umsetzung des Projektes
N.B: Eine Erklärung für jedes angefragte Materialpaket
• Auflistung der Schulebenen, -stufen und -jahre, die sich am Projekt beteiligen
• Materialauswahl
Die genaue Prozedur wird ausführlich im beigefügten Rundschreiben erläutert.
 
Zu Frage 3: Wie viele Schulen in der DG nahmen an diesem Wettbewerb teil?
 
In den letzten 4 Jahren (EN2017, EN2018, EN2019 und beim diesjährigen Aufruf EN2020) wurden insgesamt 81 Projekte von Schulen aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft eingereicht:
a. 16 Projekte beim Aufruf EN2017, davon wurden 5 prämiert.
b. 9 Projekte beim Aufruf EN2018, davon wurden 8 prämiert.
c. 24 Projekte beim Aufruf EN2019, davon wurden 23 prämiert.
d. 32 Projekte beim diesjährigen Aufruf EN2020. Die Projekte werden zurzeit ausgewertet. Die Fachjury wird die auserwählten Projekte Ende Juni 2020 ankündigen.
 
Zu Frage 4: Wie viele Tablets wurden zur Verfügung gestellt?
 
Vorab sei erwähnt, dass Schulen bei der Einreichung und zur Verwirklichung des Projektes EDV-Material aus einem Katalog auswählen können. Der Gesamtwert des Materials, das pro Projekt ausgewählt werden kann, beträgt maximal 15.000 €. Das Material, das zur Auswahl steht, ist vielfältig und wird bei Bedarf jährlich angepasst. Neben Laptops, Projektoren, NAS-Servern, interaktiven Tafeln, Foto- und Video-Kits stehen auch Kits mit Tablets zur Verfügung. Ein Tablet-Paket besteht aus 12 Tablets mit Schutzhüllen, einem Transportkoffer, einem Übertragungssystem und MD-Lizenzen zur Verwaltung der Tablets. Einen Einblick zu den verfügbaren Paketen ist dem Aufruf EN2019 unter http://www.ecolenumerique.be/qa/centrale-de-marche/ zu entnehmen. Die verfügbaren Pakete für EN2020 sind noch nicht öffentlich zugänglich.
Seit 2017 wurden zur Verwirklichung von pädagogischen Projekten im Rahmen von Ecole Numérique, zusätzlich zu anderem Material, 564 Tablets verteilt. Dabei handelte es sich ausschließlich um iPads. Bei den diesjährigen eingereichten Projekten wurden 480 zusätzliche Tablets angefragt, wovon die meisten iPads sind.
 
Zu Frage 5: Welche weiteren fachspezifischen Einsatzgebiete sehen die Schulen vor?
 
Zu dieser Frage lässt sich nur schwer eine Antwort formulieren, da die pädagogischen Projekte in den meisten Fällen fachübergreifend sind. Diese Eigenschaft fließt bei der Bewertung der Projekte mit ein und steht im Einklang mit dem „Rahmenplanorientierten Leitfaden zur Entwicklung von Informations- und Medienkompetenz bei Primar- und Sekundarschülern in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens“. Zwei bis drei Beispiele fachspezifischer Einsatzgebiete sind unter anderem Rechercheaufgaben mit dem Tablet unter anderem im Deutsch-, im Geschichts- und im Geografieunterricht, Filmbildung (booktrailer) im Englisch- und Deutschunterricht und neue Präsentationsformen in vielen Fachunterrichten unter anderem im Mathematik- und Sozialwissenschaftsunterricht.
Unabhängig davon suchen die Schulen immer die Medien aus, die für die Umsetzung ihres pädagogischen Projektes notwendig sind. Wichtig für die Schulen ist es hierbei, dass die Tablets oder anderen digitalen Geräte als Arbeitsmittel zur Umsetzung ihrer pädagogischen Projekte an Schulen genutzt werden. Sie sind immer nur Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck. Der Ansatz besteht darin, dass die Mittel ergänzend eingesetzt werden, wo sie sinnvoll zum Tragen kommen und einen Mehrwert für den Kompetenzerwerb darstellen. Die Nutzung solcher Endgeräte gewinnt auch in der späteren Berufswelt immer mehr an Bedeutung und hierauf sollten wir unsere Schüler im Laufe ihrer schulischen Ausbildung bestmöglich vorbereiten. Die Projekte bieten eine Möglichkeit, unter Begleitung eines Pädagogen, einen verantwortungsvollen und kritischen Umgang mit den Geräten zu erlernen. Es werden stets fächerübergreifende Kompetenzen erarbeitet. Zudem werden in den Projekten zahlreiche Sozialkompetenzen gefördert.
 
Zu Frage 6: Wird die Deutschsprachige Gemeinschaft nun auch solche Projekte ins Leben rufen? Sind weitere Projekte der Deutschsprachigen Gemeinschaft geplant, um die Digitalisierung in den Schulen voranzutreiben?
 
Aufgrund der positiven Erfahrungen im Programm „Ecole numérique“ wird die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens selbstverständlich den Schulen auch weiterhin die Möglichkeit geben, an dem Projektaufruf der Wallonischen Region teilzunehmen. Die diesbezüglichen Aufrufe werden dementsprechend weiter den Schulen mitgeteilt, beworben und gefördert.
Bereits in den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Initiativen auf unterschiedlichen Ebenen ergriffen, um die Informations- und Medienkompetenz unserer Schüler zu fördern.
So wurde der „Rahmenplanorientierte Leitfaden zur Entwicklung von Informations- und Medienkompetenz bei Primar- und Sekundarschülern in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens“ erarbeitet und 2013 auf dem Bildungsserver veröffentlicht. Einzulesen ist das Gesamtkonzept auf Ostbelgienbildung unter https://www.ostbelgienbildung.be/desktopdefault.aspx/tabid-3969/7117_read-41353/.
In diesem Leitfaden ist bereits vermerkt, dass die Informations- und Medienkompetenz verschiedene Aspekte umfasst, darunter das Wissen über das Informationsangebot einer Bibliothek (die Bibliothekskompetenz), Kenntnisse über die verschiedenen Medien und ihren zweckgebundenen Einsatz für die eigenen Bedürfnisse (auch Medienkompetenz im engen Sinn genannt), das technische Verständnis für Computer und computergestützte Anwendungen (Computerkompetenz). Diese Kernkompetenzen einschließlich des IT-unterstützten Lernens sowie die Lese- und Schreibkompetenz sind integraler Bestandteil der umfassenden Informations- und Medienkompetenz, die das Erlernen neuer Fähigkeiten und neuen Wissens erst ermöglichen.
Im September 2013 wurde den Lehrpersonen auch ein neues Unterrichtsmaterial, das multimediale Geschichtsbuch mBook, für das Fach Geschichte zur Verfügung gestellt. Nach der Überwindung der technischen Startschwierigkeiten und einem integrierten Weiterbildungsangebot im Rahmen der Implementierung im Fach Geschichte dient das mBook den Lehrpersonen als ein hervorragendes Instrumentarium im Prozess des IT-unterstützten Lernens. Eine technische Weiterentwicklung und inhaltliche Überarbeitung des mBooks fand 2018 statt. Seit diesem Schuljahr 2019-2020 steht nun ein neues mBook den Schülern für die 2. und 3. Stufe des allgemeinbildenden und technischen Übergangsunterrichts zur Verfügung. Außerdem wurde eine Implementierung des überarbeiteten mBooks im September 2019 für alle Geschichtslehrer der betreffenden Stufen durchgeführt. Es folgen noch drei Implementierungen in den kommenden Schuljahren.
 
Im Bereich der Lehrererstausbildung und Lehrerweiterbildung finden eine Reihe von Initiativen statt, die das Lehrpersonal der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf dem Gebiet des digital unterstützten Lernens unterstützt:
• Im Rahmen der Erstausbildung an der AHS haben die Studenten sowohl im Lehramt Kindergarten als auch im Lehramt Primarschule im 1. Jahr 15 Stunden Unterricht in Informations- und Kommunikationstechnologie und im 2. Jahr 30 Stunden Medienunterricht. Im 3. Bachelorjahr wird kein Unterricht in diesem Bereich angeboten. Während der zwei Jahre lernen die Studenten vor allem ihr Fachwissen in diesem Bereich kritisch zu beurteilen, zu bewerten und in angemessenen Situationen differenziert anzuwenden sowie verschiedene Medien korrekt und adäquat einzusetzen.
• Die Studenten übernehmen im 2. Jahr, sei es im Lehramt Kindergarten oder im Lehramt Primarschule, jeweils 2 x 2 halbe Tage – in der Regel Vormittage – in den Schulen und realisieren dort Arbeiten mit den neuen Medien.
• Im Rahmen der Weiterbildungen bietet die AHS regelmäßig Weiterbildungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien an. So wurden 2018-2019 spezifische Weiterbildungen für den Unterricht mit Tablets angeboten, wie zum Beispiel „Enseigner avec le numérique et l'iPad – Pages – Les fondamentaux“, „Enseigner avec le numérique et l'iPad – Mieux maîtriser l'iPad“ oder „Enseigner avec le numérique – Un iPad à la maternelle“.
In diesem Schuljahr 2019-2020 haben vor der Coronakrise ebenfalls Weiterbildungen im Bereich der digitalen Medien stattgefunden. Außerdem trifft sich die Gruppe „Medienpädagogik“ einmal im Monat, um ihre medienpädagogischen Kompetenzen zu erweitern. Dabei geht es immer praxisorientiert um die Einsatzmöglichkeiten des Computers im Unterricht und den Umgang mit verschiedenen Programmen. Aktuell finden diese Versammlungen virtuell statt.
Schließlich hat die Fachberatung Medien der AHS Anfang März 2020 ihre Arbeit aufgenommen und eine Webseite aufgebaut mit dem Ziel, mehr Lehrer und Lehrerinnen vom Nutzen und der Bereicherung des Unterrichts durch Medieneinsatz zu überzeugen und zu unterstützen. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter https://www.medien-fachberatung.be. Die Fachberatung setzt sich aus einer Fachdozentin der AHS sowie zwei aktiven Primarschullehrerinnen zusammen.
 
Zu Frage 7: Klären Sie die Eltern und Kinder in den Schulen über die Gefahren der Kurzsichtigkeit durch den Gebrauch digitaler Medien auf?
 
Die ausschließliche Verwendung von digitalen Geräten kann die Problematik der Kurzsichtigkeit verstärken. Jedoch wird in Schulen generell auf didaktische Vielfalt sowohl im digitalen als auch im analogen Bereich großen Wert gelegt. Viele Schulen konzipieren Zeiträume im digitalen Lernen so, dass die Bearbeitung der entsprechenden Aufgabenstellungen eine begrenzte Zeit in Anspruch nimmt. Auch im Pre-teaching, das nicht überall ausschließlich digital erfolgt, haben wir die Arbeitszeit der Primarschüler bewusst auf maximal zwei Stunden und die der Sekundarschüler auf maximal drei Stunden beschränkt, nicht zuletzt weil selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen viel intensiver als der klassische Unterricht im Klassenzimmer ist.
 
Zu Frage 8: Klären Sie die Eltern und Kinder im Allgemeinen über die Gefahren des Gebrauchs der digitalen Medien auf, wie zum Beispiel:
 
Suchtverhalten, Strahlenbelastung durch WLAN, das Fehlen von Empathie bei Kindern, die viel Zeit mit technischen Geräten verbringen?
Die Verwendung von digitalen Medien in unserer vernetzten Gesellschaft nicht mehr weg zu denken, die Digitalisierung unserer Gesellschaft ist in einer rapiden Entwicklung, die Vernetzung dadurch natürlich immer größer. Die Medienbildung leistet daher einen entscheidenden Beitrag zur Befähigung zur gesellschaftlichen Teilhabe, zum Beruf und zum lebenslangen Lernen.
In den Schulen werden die von Ihnen genannten Aspekte thematisiert und es finden je nach Bedarf auch Veranstaltungen wie Elternsprechabende oder Informationsveranstaltungen für Eltern dazu statt. Es liegt im Ermessensbereich und in der Autonomie der jeweiligen Schulen dieses Thema auf diesen Veranstaltungen in den Fokus zu setzen.
Die Problematik eines übertriebenen Medienkonsums im Allgemeinen bzw. für Schülerinnen und Schüler im Besonderen ist in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit Ostbelgiens schon oft thematisiert worden, unter anderem vom Medienzentrum.
Kaleido Ostbelgien bietet Hilfe an bzw. informiert bei diesem Thema. Gemeinsam mit dem Medienzentrum, dem Infotreff und der Polizei führen Kaleido-Mitarbeiter im Rahmen des Projektes MEGA Animationen zum Thema Umgang mit Medien in Schulklassen durch.
Des Weiteren stellt das Team „Medienpädagogik“ des Medienzentrums medienpädagogische Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Schulklassen usw. zur Verfügung. Dieses Team unterstützt ebenfalls Schulen und andere Einrichtungen der Deutschsprachigen Gemeinschaft bei der Umsetzung von Medienprojekten. So lernen Kinder und Jugendliche den richtigen Umgang mit Medien. Unter anderem gibt es das Angebot „Safer Internet Day“ – ein europäischer Aktionstag zum Thema Internetsicherheit. Seit 2004 findet jährlich im Februar dieser „Tag der Internetsicherheit“ statt, an dem sich mittlerweile mehr als 100 Länder weltweit beteiligen. Das Medienzentrum und die Jugendinformationszentren JIZ und Infotreff organisieren in jedem Jahr spezifische Angebote für die ostbelgische Bevölkerung.
Der Infotreff im Norden und das JIZ im Süden bieten zahlreiche Informationen rund um den Umgang (Vorteile und Gefahren) verschiedener digitaler Medien an. Sie liefern unter anderem wichtige Informationen zum Schutz der eigenen Privatsphäre, sowie den Umgang mit Fotos. Auch bieten sie Animationen in Schulen an.
Neben den Schulen sind natürlich auch die Eltern in der Pflicht, wenn sie ein problematisches Konsumverhalten ihrer Kinder beobachten. Professionelle Hilfe können sie unter anderem bei Kaleido Ostbelgien erhalten.
Die Schüler und Schülerinnen werden ihrerseits dazu angehalten, im normalen Schulalltag die digitalen Medien lösungsorientiert zu verwenden. Hier geht es nicht um einen massenhaften und unüberlegten Einsatz von digitalen Medien, sondern um den pädagogischen Mehrwert. In den Schulmediotheken der Deutschsprachigen Gemeinschaft haben wir deshalb neben den digitalen Medien auch eine große Bandbreite von haptischen Medien (Bücher, Zeitschriften, Spiele), die hier zum Einsatz kommen, um den sozialen Kontakt, Teamarbeit und Empathie bei den Schülerinnen und Schülern zu fordern und zu fördern. Die Ausgewogenheit der didaktischen Materialien im Unterricht (digitale und analoge Medien) steuern gegen mangelnde Empathie bei Schülern. Nicht zuletzt sind auch die Eltern in der Verantwortung, ihren Kindern den richtigen Umgang mit Medien außerhalb der Schule zu vermitteln, und Vorbild zu sein.
 
 
* Siehe Anlage
 
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