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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 242

25. Mai 2020 – Frage von J. Huppertz an Minister MOLLERS zum Angebot für Mobbingopfer in der Coronakrise

Auf welche Angebote können gemobbte Schüler während der Coronakrise und unter Berücksichtigung von social Distancing und allen weiteren Sicherheitsvorkehrungen zurückgreifen?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Jolyn Huppertz (CSP):
 
Es kann nicht abgestritten werden, dass das Mobbing unter Schülern auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ein großes Problem darstellt. Manche betroffenen Schüler fühlen sich so schlecht in der Schule, dass sie bei dem Gedanken zur Schule gehen zu müssen psychosomatische Beschwerden entwickeln. In normalen Zeiten existieren diverse Hilfsangebote für die betroffenen Schüler. Die Coronakrise bedeutet aber, dass wir uns nicht in normalen Zeiten befinden. So gab es in Belgien Berichte, dass manche Schüler auf das heftigste gemobbt wurden, nur weil ein Familienmitglied am Coronavirus erkrankt ist.
 
Daher meine Fragen:
- Auf welche Angebote können gemobbte Schüler während der Coronakrise und unter Berücksichtigung von social Distancing und allen weiteren Sicherheitsvorkehrungen zurückgreifen?
- Gibt es ein gesondertes Angebot für Schüler, in deren Familie ein Coronafall vorgekommen ist?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Sehr geehrter Herr Präsident,
Kolleginnen und Kollegen,
 
Mobbing ist ein weitverbreitetes Phänomen an belgischen Schulen.
Kaleido Ostbelgien arbeitet dem seit Jahren aktiv entgegen.
Gemeinsam mit Schulen sensibilisiert der Dienst Schüler der Sekundarschulen sowie der Oberstufe der Primarschulen mit den Präventionsprogrammen Fairplayer und Medienhelden für Auswirkungen von Mobbing.
Durch die Stärkung sozialer Kompetenzen, der Persönlichkeit und Zivilcourage der Kinder und Jugendlichen soll dem destruktiven Mobbingverhalten frühzeitig ein positives Klima und Selbstverständnis entgegengesetzt werden.
Mit dem Präventionsprogramm Papilio setzt Kaleido Ostbelgien bereits im Kindergartenalter an.
Studien belegen, dass die frühzeitige Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen ein wichtiger Schutzfaktor gegen die Entwicklung von Gewalt- und Opferverhalten darstellt.
Mit Papilio arbeitet der Dienst an Weiterbildung von Kindergärtnern, damit die Stärkung dieser Kompetenzen einen zentralen Platz in der schulischen Bildung der Kleinsten erhält.
Bei akuten Mobbingsituationen setzt Kaleido Ostbelgien das Interventionsprogramm „No-Blame-Approach“ ein.
Dieses soll mit allen Beteiligten und ohne Schuldzuweisung eine bessere Situation für betroffene Schüler herbeiführen.
Neben diesen Programmen ist die Einzelarbeit der Psychologen und Sozialassistenten mit Schülern ein sehr wichtiges Werkzeug.
Geschwächt durch die Mobbingsituation ist es für viele Opfer schwierig, eine Gewaltlage direkt anzugehen.
Deshalb suchen viele zuerst psychologische Beratung, bevor das Umfeld in die Arbeit mit einbezogen und dadurch aktiv auf die Lösung der Situation hingearbeitet wird.
Aufgrund der Coronakrise wurden die Handlungsmöglichkeiten von Kaleido Ostbelgien im Bereich der psycho-sozialen Präventions- und Unterstützungsarbeit stark eingeschränkt.
Um trotz Ausgangssperre eine Präsenz zu gewährleisten, wurde unmittelbar nach der Schulschließung in allen Servicestellen eine telefonische Permanenz eingerichtet.
Proaktiv haben Mitarbeiter außerdem Familien und/oder Jugendliche kontaktiert, die vor der Pandemie aktiv unterstützt wurden.
Kontaktiert wurden auch diejenigen, von denen sie annahmen, dass die Situation schwierig zu ertragen sein würde, um Unterstützung anzubieten.
Seit der Wiederaufnahme des Unterrichts sind Psychologen und Sozialassistenten wieder in Schulen und bieten, unter Berücksichtigung der Social-Distancing-Maßnahmen, Präsenztermine an.
Es ist derzeit noch schwierig einzuschätzen, wie sich die Krise auf das Wohlergehen der Kinder und Jugendliche auswirkt.
Bisher wurde daher auch kein spezifisches Angebot für direkt von Corona betroffene Kinder und Jugendliche ausgearbeitet.
Spezifisch geschulte Mitarbeiter in Krisennachsorge und Trauerbegleitung können jedoch auch jetzt schon in entsprechenden Situationen mit gezielten Methoden intervenieren und das Erlebte mit Betroffenen aufarbeiten.
Seit Krisenbeginn ist jedoch noch keine Anfrage für diese Angebote eingegangen.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
 
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