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Fragen und Antworten

Dringende mündliche Fragen Nr. 263

30. Juni 2020 – Fragen von P. Schmitz an Ministerin Weykmans zu lokaleinkaufen.be – ein ostbelgisches Amazon?

Kann die DG bzw. das Ministerium mit ihrem Know-How die Gründer bei ihrer Webseite unterstützen?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Petra Schmitz (ProDG):
 
Durch die Quarantänemaßnahmen mussten alle Geschäfte in Belgien ihre Türen für Kunden schließen. Durch die fehlenden Einnahmen drohen unzählige Geschäfte bankrott zu gehen… Bereits vor der Krise war der Einzelhandel durch Onlineriesen wie Amazon oder Zalando stark in Bedrängnis geraten. Die ostbelgische Geschäftswelt fand glücklicherweise eine kreative Lösung, um während Corona dennoch in Kontakt mit ihren Kunden zu bleiben und weiterhin Waren verkaufen zu können. Zahlreiche Geschäfte bauten ihre Internetpräsenz aus und bieten ihre Waren online an. Manche boten sogar eine virtuelle Führung durch ihr Geschäft an! Seit einigen Wochen dürfen Geschäfte unter Einhaltung bestimmter Sicherheitsvorkehrungen endlich wieder für Kunden öffnen. Trotzdem bleibt es zu hoffen, dass der lokale Einzelhandel weiterhin ihren Onlinehandel ausbaut, um Großkonzernen wie Amazon nicht zum Opfer zu fallen. Neuerdings gibt es eine Webseite, die versucht den Einzelhandel dabei zu unterstützen. Der Eupener Betrieb Horeca-Gerkens gründete die Webseite „lokaleinlaufen.be“, worauf bereits einige Geschäfte ihre Waren anbieten und man weitere Informationen wie Öffnungszeiten etc. findet. Die Webseite ist noch relativ neu, sodass nur wenige Geschäfte dort zu finden sind. Man kann die Großkonzerne wie Amazon verteufeln, aber die Wahrheit ist leider auch, dass dem Onlinehandel die Zukunft gehört. Warum nicht also ein ostbelgisches Amazon aufbauen, was unseren lokalen Handel stärkt!?
 
Dazu habe ich folgende Fragen:
- Kann die DG bzw. das Ministerium mit ihrem Know-How die Gründer bei ihrer Webseite unterstützen?
- Wie stehen Sie zu der Idee ein „ostbelgisches Amazon“ aufzubauen?
- Wo finden lokale Geschäfte in der DG Unterstützung, wenn sie ihre Onlinepräsenz ausbauen möchten?

Antwort von Isabelle Weykmans (PFF), Ministerin für Kultur, Beschäftigung, Wirtschaftsförderung und ländliche Entwicklung:
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
Die Corona-Krise war in jeglicher Hinsicht eine Herausforderung für unsere Betriebe und für die ostbelgischen Händler. Im Zuge der Kontaktbeschränkungen haben Einzelhändler nach neuen Wegen gesucht, den Kontakt mit ihren Kunden aufrechtzuerhalten.
Diejenigen, die schon über einen Webshop verfügten oder online-Bestellungen über Facebook, Whatsapp, Instagram ermöglicht haben, haben mit unterschiedlichem Erfolg und abhängig von den Produkten einen Teil der Umsatzeinbußen auffangen können.
Auch wir haben schon von Anfang an nach Möglichkeiten gesucht, die digitalen Verkaufsmöglichkeiten der ostbelgischen Wirtschaft zu fördern. In diesem Zusammenhang haben wir die Idee einer lokalen E-Commerce Plattform – das, was Sie werte Kollegin als ostbelgisches Amazon bezeichnen – zusammen mit IHK, WFG und MSV vertieft und uns im benachbarten In- und Ausland umgeschaut, welche Lösungen und mit welchem Resultat sie eingesetzt wurden. Dabei wurde klar, dass der Erfolg und die Langfristigkeit einer solchen Plattform von sehr vielen Faktoren abhängt, die in die konzeptionelle Vorarbeit einfließen müssen, damit auch eine ostbelgische E-Commerce Lösung langfristig Bestand haben kann.
Hier hat die Erfahrung anderer Initiativen im Bereich „lokaler E-Commerce“ gezeigt, dass so eine Plattform von den Händlern selbst angestoßen und getragen werden muss, um effektiv zu sein. Denn ein online-Angebot lebt vom aktualisierten Warensortiment, von ansprechenden Fotos, Sonderaktionen, also einer durchdachten online-offline Cross-Selling Strategie.  Genau dieses digitale Aktualisieren der Produktpalette und das ständige Updating der online-Inhalte überfordert manche Händler und Geschäftsleute, die sich neben dem Tagesgeschäft mit einem zeitlichen Mehraufwand für einen WebShop konfrontiert sehen. Und obwohl E-Commerce in Zeiten der Corona-Beschränkungen als Ausweichmöglichkeit geschäftlicher Tätigkeit angestrebt wurde, zeigt die Auswertung des aktuellen Stimmungsbarometers der IHK-AVED in Zusammenarbeit mit der Mittelstandsvereinigung, dass „nur jedes zwanzigste Unternehmen während der Krise das Online-Geschäft für sich entdeckt hat, wobei sogar zwei Drittel dieser Betriebe diese Verkaufsmöglichkeit nach der Krise wieder abbauen werden“.
(180 Befragte, alle Sektoren inbegriffen – 9,4% Einzelhandel).
Parallel zu unseren Beratungen bezüglich einer E-Commerce Lösung in Ostbelgien hat ein ostbelgisches Unternehmen (Horeca-Gerkens), das über eine Bestellplattform für den Großhandel verfügte, diese Plattform den Einzelhändlern zur Verfügung gestellt mit dem Namen „lokaleinkaufen.be“. Wir haben uns mit dem Unternehmer (Herrn Gerkens) in Verbindung gesetzt und im Beisein von IHK und WFG das Konzept dieser Plattform erörtert. Dabei wurde festgestellt, dass das sehr ambitionierte Projekt auf wenig Rückmeldung seitens der Händler gestoßen ist und von den Kunden nicht ausreichend genutzt wird. Hier sollte eine Neuausrichtung der Geschäftsidee neue Impulse geben. Die WFG hat erste Gespräche mit dem Initiator geführt und ist weiterhin bereit, Hilfestellung anzubieten.
Ob der ostbelgische Markt eine relevante Größe besitzt, um weltweit agierende Unternehmen zu verdrängen, ist zu bezweifeln. Ich habe im Dezember 2018 die Multimediagroupe Roularta (Detijd, l‘Echo, Knack, LeVif, Flair, uvm.) getroffen, die mit viel Kapital sowie Personal das sehr ansehnliche flämische lokale Verkaufsportal Storesquare geschaffen hat, welches sehr professionell aufgebaut und vermarktet wurde. Leider hatten sie es schwer, auf einen „begrenzten flämischen Verkaufsmarkt“ wirtschaftlich zu arbeiten. Daher wurde das Projekt zum 31. März 2020 beendet.
Wir sollten jedoch weiterhin überlegen, welche Lösung für Ostbelgien möglich, sinnvoll, umsetzbar und erfolgreich sein kann. Wir haben dazu die WFG beauftragt, ein entsprechendes Konzept auszuarbeiten, das sicherlich stufenweise aufgebaut werden soll.  Eine erste Phase könnte eine Auflistung aller Unternehmen oder Händler in Ostbelgien beinhalten, die schon einen Webshop oder ein anderweitiges digitales Verkaufsangebot haben. Diese Bündelung der Information gibt es bisher nicht.
Wir sind in jedem Fall bereit, die Digitalisierungspotenziale unserer ostbelgischen Geschäftswelt zu ermitteln und zu fördern. Das Referenzzentrum ist auch hierbei die WFG, die beratend bei jeder Frage zur Seite steht und einen Überblick auch der wallonischen und föderalen Fördermöglichkeiten für Digitalisierungsprozesse besitzt. Darüber hinaus gibt es auch in Ostbelgien IT-Unternehmen, die WebShops nach Wunsch einrichten können.
 
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