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Fragen und Antworten

Dringende mündliche Fragen Nr. 265

30. Juni 2020 – Fragen von D. Stiel an Ministerin Weykmans zum Umgang mit Kontaktblasen in den Ferienlagern

Müsste das Zentrum Worriken bei einem bestätigten Covid19-Fall eines Kindes oder Jugendlichen in den Sommermonaten schließen oder würde nur die Kontaktblase aufgehoben?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Diana Stiel (Vivant):
 
Nachdem der Nationale Sicherheitsrat am 22.05.2020 Ferienanimationen in Kontaktblasen von bis zu 50 Personen für die Sommermonate stattgegeben hat, freuen sich viele Kinder und Jugendliche nach monatelangem zu Hause bleiben auf die Ferienlager. Kinder und Jugendliche brauchen wieder körperliche Auslastung und den Kontakt zu Gleichaltrigen. 63 Jugendlager waren bereits am 6. Juni beim Ministerium angemeldet.
Ferienlager ermöglichen es Kindern und Jugendlichen, fern der elterlichen Aufsicht, Selbstständigkeit zu erlernen und sich persönlich weiter zu entwickeln. Besonders berufstätige Eltern schätzen es sehr, wenn die Kinder während der Ferien professionell und in der Natur betreut werden.
Wegen der Corona-Krise wurde das Konzept der Kontaktblasen ausgearbeitet.
Auch das Zentrum Worriken bietet in diesem Sommer verschiedene Sommerlager an, die sich nach Alter und Themen unterscheiden (Abenteuer, Surfen, Segeln, Multi-Sport, Spiel und Spaß, usw.)
In der Gemeindeschule Kelmis ist aufgrund eines bestätigten Covid19-Falls bei einem vierjährigen Kindergartenkind nun die Schule geschlossen worden, obwohl es dazu gar keinen Grund gab und nur die Eltern und Kinder der betroffenen Kindergarten-Kontaktblase kontaktiert werden mussten.
Ein solcher Vorfall stellt Eltern dann wieder unmittelbar vor dem Problem der Kinderbetreuung und führt zu weiterer Verunsicherung bei vielen Eltern in Bezug zur Planung der Kinderbetreuung während der Schulferien.
 
Hierzu lauten meine Fragen:
- Müsste das Zentrum Worriken bei einem bestätigten Covid19-Fall eines Kindes oder Jugendlichen in den Sommermonaten schließen oder würde nur die Kontaktblase aufgehoben?
- Wer ist der Entscheidungsträger für das Gemeinschaftszentrum Worriken und für die anderen Ferienlager beim Auftreten von COVID19-Fällen?
 
Antwort von Isabelle Weykmans (PFF), Ministerin für Kultur, Beschäftigung, Wirtschaftsförderung und ländliche Entwicklung:
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
bei den Ferienangeboten unterscheiden wir grundsätzlich zwischen Ferienangeboten MIT Übernachtung und Ferienangeboten OHNE Übernachtung. Die entsprechenden Notfallpläne sind im Wesentlichen gleich und das Prinzip sowie der Ablauf im Detail einem Drehbuch ähnlich beschrieben.
Der Notfallplan für Ferienangebote mit Übernachtung wurde unter Mitwirkung der Pädiatrischen Task Force, Ambrassade, der französischsprachigen Pfadfinderverbände, der Vereinigungen der behandelnden Ärzte, darunter die französischsprachige Hochschule für Allgemeinmedizin, Domus Medica und SSMG, der Ärztegewerkschaften AADM, BVAS und KARTEL, Sciensano, der Vertreter der Kinderkrankenpflege, der Kinderpsychiater, der Vertreter des ONE und Kind&Gezin erstellt. Er basiert auf dem aktuellen Wissensstand über die SARS-CoV-2-Pandemie. Die Prozedur wurde am 19. Juni 2020 durch das RMG validiert.
Der Notfallplan für Ferienangebote OHNE Übernachtung wird aktuell noch erarbeitet und voraussichtlich Ende der Woche, spätestens kommenden Montag, veröffentlicht. Dieser betrifft Sportlager, Kinderbetreuung, kreative Angebote und sonstige Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Also ebenfalls die Sport- und Freizeitlager, die beispielsweise in Worriken angeboten werden.
Der Sommerlehrgang in Worriken, der nur Angebote OHNE Übernachtung vorsieht, zählt 405 Anmeldungen.
Darüber hinaus bieten insgesamt 116 Jugendeinrichtungen in Ostbelgien Sommeraktivitäten MIT und OHNE Übernachtung an. Zur Unterstützung der Hygienemaßnahmen erhalten diese 116 angemeldeten Ferienangebote für Kinder und Jugendliche ein entsprechendes Hygiene Starter Kit.
Wenn von einer „Auflösung des Ferienangebots“ gesprochen wird, dann bezieht sich dies auf die jeweilige Kontaktblase, zu der der erkrankte Teilnehmer zählte, da zwischen den Kontaktblasen kein Kontakt bestehen sollte - nicht das Zentrum.
Entscheider bzw. Anwender des Notfallplans ist der jeweilige Organisator, in dem Fall von Worriken der Leiter des Zentrums.
Einen Auszug aus dem Notfallplan zum Umgang mit einem auftretenden Krankheitsfall während einer Ferienanimation habe ich Ihnen als Anlage beigefügt.
 
Anlage:
 
Was passiert im Falle eines Teilnehmers, der bei einem Angebot MIT Übernachtung, entsprechend einer definierten Liste, bestimmte Symptome aufweist:

1) Quarantäne in einem ausgewiesenen Bereich mit Mundschutzmaske, wenn der Jugendliche älter als 12 Jahre alt ist. Bei mehreren Verdachtsfällen sollen idealerweise verschiedene Quarantänebereiche genutzt werden.

2) Temperaturmessung

3) Die Betreuer rufen die Erziehungsberechtigten des Teilnehmers an und fordern diese auf, den Teilnehmer so schnell wie möglich abzuholen und innerhalb von 24 Stunden einen Arzt zu kontaktieren, damit der kranke Teilnehmer auf Covid-19 getestet werden kann.

4) Während der Phase „erkrankter Teilnehmer wurde abgeholt – Testergebnis steht noch aus“: Die Kontaktblase bleibt auf ihrem Lagerplatz und hat keinen Kontakt zu Externen oder anderen Kontaktblasen.
Ausnahmen sind der Kontakt mit den Erziehungsberechtigten oder dem Arzt eines erkrankten Teilnehmers, ein Notfall oder die Versorgung der Teilnehmer mit Nahrungsmitteln. Zwischen den Teilnehmern müssen keine Masken getragen oder die soziale Distanzierung eingehalten werden, bis das Testergebnis des kranken Teilnehmers bekannt ist.

5) Sollte sich der Gesundheitszustand des Teilnehmers bis zur Abholung durch die Erziehungsberechtigten erheblich verschlechtern oder der Teilnehmer unerklärliches Fieber ohne Anzeichen von Atembeschwerden aufweisen, können sich die Betreuer an die 112 oder den diensthabenden Hausarzt (1733) wenden.

6) Falls erforderlich wird ein Covid-19-Test so schnell wie möglich durch den behandelnden Arzt des erkrankten Teilnehmers oder den im Notfall konsultierten Arzt durchgeführt.

a. Positives Testergebnis: das Testergebnis wird an die Corona Kontakt Tracing Zentrale übermittelt
b. Negatives Testergebnis: das Ferienangebot wird ohne Einschränkungen fortgeführt, jedoch kann der erkrankte Teilnehmer nicht ins Ferienangebot zurückkehren.
 
7)  Testen der übrigen Teilnehmer des Ferienangebots:
Der Arzt, der dem Indexfall einen Coronatest verschreibt (= erster erkrankter Teilnehmer), füllt das entsprechende elektronische Formular aus und vermerkt, dass der Teilnehmer, den er testet, Teil einer Gemeinschaft ist. Das positive Testergebnis des erkrankten Teilnehmers wird von dem Labor, das den Test durchgeführt hat, Sciensano übermittelt. Das Kontakt Tracing und damit verbundene Testing wird automatisch lanciert. Die Corona Kontakt Tracing Zentrale nimmt Kontakt mit der medizinischen Kontaktperson des Ferienangebots auf (evtl. auch über den Indexfall) und überprüft die Kontaktdaten der Teilnehmer und eventuelle Blasenkontakte während des Ferienangebots auf Vollständigkeit. Wenn alle Angaben durch die Corona Kontakt Tracing Zentrale überprüft wurden, muss das Ferienangebot mit Übernachtung aufgelöst werden. Das Ferienangebot wird aufgelöst und die Teilnehmer kehren nach Hause zurück, um unter Quarantäne gestellt und getestet zu werden.
Die Betreuer schicken das Kontaktlogbuch (Teilnehmerliste, inkl. Angabe der Nationalregisternummer) an den für die Herkunftsregion des Anbieters eines Ferienangebots zuständigen Gesundheitsinspektor

a. Teilnehmer mit positivem Testergebnis: keine Teilnahme an einem weiteren Ferienangebot in den darauffolgenden 7 Tagen UND vollständige Beschwerdefreiheit für mindestens 3 Tage.
b. Teilnehmer mit negativem Testergebnis oder nicht getesteter Teilnehmer: keine Teilnahme an einem weiteren Ferienangebot bis 14 Tage nach dem letzten Hochrisikokontakt.
 
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