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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 61

6. Juli 2020 – Frage von D. Stiel an Herrn Minister Antoniadis zu den Nano-Silber-Partikel-Masken aus dem Herkunftsland Vietnam

Warum wurden Schutzmasken eines Produzenten aus Vietnam eingekauft, anstatt einen lokalen Hersteller zu bevorzugen?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Diana Stiel (Vivant), vom 3. Juni 2020:
 
Vor circa drei Wochen wurden die Mundschutzmasken, welche die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft eingekauft hat, an die Bevölkerung verteilt.
Laut einem Grenz-Echo-Artikel wurden diese Masken bei den hiesigen Firmen Polytex und ROM bestellt, und von diesen beiden Unternehmen über einen Großhandel aus Deutschland beim Hersteller in Vietnam geordert.
Am 27. April war im Grenz-Echo zu lesen, dass die Firma Weimat aus Eupen recht innovative Mundschutzmasken mit Filter entwickelt hat und diese produziert.
Nun wird der ostbelgische Verbraucher täglich in den Medien dazu animiert, die lokalen Händler und Betriebe zu unterstützen und nach Aufhebung der Einschränkungen regional einzukaufen.
Sollte da die Regierung nicht mit einem guten Beispiel voran gehen und die Masken beim Produzenten in Eupen einkaufen?
Das Grenz-Echo hat sich nun, laut seinem Artikel vom 12. Mai, beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nach der potentiellen Bedenklichkeit der in den Masken verwendeten Nanosilber-Partikel enthaltenden Textilien erkundigt. Dort wurde bestätigt, dass eine Gesundheitsgefährdung „nicht sehr wahrscheinlich“ sei.
Wir sind unsererseits der Sache auf den Grund gegangen und haben ebenfalls beim BUND nachgefragt.
Der BUND äußerte uns gegenüber die Befürchtung, dass ein Übermaß der Nutzung von Gebrauchsgegenständen, die mit Silber ausgerüstet sind, das Risiko der Bildung von resistenten Keimen verstärkt. Die Folge davon wäre, dass somit eine wichtige Schutzwirkung im medizinischen Bereich verloren gehen könnte, da Nano-Silber, beispielsweise aufgrund seiner keimtötenden Wirkung, in der Pflege von Brandwunden häufig Anwendung findet.
In den letzten Jahren hat der Einsatz von Nano-Silber enorm zugenommen, und mittlerweile ist es in zahlreichen Alltagsgegenständen wie Kleidung, Zahnbürsten und Bettdecken zu finden.
Nano-Partikel sind im Allgemeinen seit ihrem Einsatz in verschiedenen Bereichen sehr umstritten, vor allem, da deren Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt noch nicht ausreichend erforscht sind. Dies ging bereits aus zahlreichen Presseberichten hervor. Bislang gibt es auch noch keine gesetzliche Regulierung zur Verwendung von Nano-Silber.
Seitens des BUND wurde mitgeteilt, dass eine Wirkung gegen Corona-Viren nach deren Kenntnis nicht nachgewiesen und somit eine entsprechende Ausrüstung von Atemschutzmasken nicht zwingend notwendig sei.
Für den Eigenschutz seien nach der Erkenntnis des BUND ein Mindestabstand von 1,5 m sowie eine Befolgung der grundlegenden Hygienevorschriften in aller Regel ausreichend. Das Tragen einer einfachen Schutzmaske sei lediglich in kontaktintensiveren Bereichen zum Schutz des Gegenübers empfohlen.
Sollte das Tragen eines Mundschutzes nicht eher den Berufen mit Patientenkontakt vorbehalten bleiben, da ja nach wie vor die Masken knapp, und außerdem umweltschädlich sind?
Zu bedenken ist auch, dass - laut dem aerzteblatt.de - das Tragen einer Maske nicht für jeden Menschen unbedenklich ist. Dies gilt vor allem für Patienten mit einer symptomatischen und instabilen Angina Pectoris und einer symptomatischen chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung mit einer eingeschränkten Lungenfunktion.
Wir stehen der Tatsache, dass der Bevölkerung Schutzmasken zur Verfügung gestellt werden, die nicht eindeutig als unproblematisch für die Gesundheit eingestuft werden können, mit einer gewissen Skepsis gegenüber.
 
In diesem Zusammenhang haben wir folgende Fragen an Sie:
1. Warum wurden Schutzmasken eines Produzenten aus Vietnam eingekauft, anstatt einen lokalen Hersteller zu bevorzugen?
2. Warum hat man sich für eine Maske mit Nano-Silber entschieden, obwohl dieses Material umstritten ist?
3. Haben Sie sich im Vorfeld über eventuelle Risiken informiert und sich mit diesem Material auseinandergesetzt?
4. Wie stehen Sie zu der Befürchtung, dass die häufige Nutzung von Gegenständen, die Nanosilber enthalten, die Bildung von resistenten Keimen verstärken kann?
5. Weshalb steht auf einigen Verpackungen FFP2-Masken und auf anderen nicht? Handelt es sich nun um Stoffmasken oder um FFP2-Masken?
6. Wie gedenken Sie, den Menschen in puncto Maskenpflicht zu begegnen, denen aus gesundheitlichen Gründen vom Tragen eines Mundschutzes abgeraten wird?
 
Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:
 
1.) In einem Artikel der französischsprachigen Presse (L’Avenir vom 2. Mai 2020, Seite 22), einer Pressemitteilung meinerseits vom 23. April 2020 sowie eines Grenz-Echo Artikels vom 18. Mai 2020*, wird auf die Zusammenarbeit mit Polytex und Rom, zwei ostbelgischen Anbietern, eingegangen.
 
Die von ihnen angesprochenen Stoffschutzmasken wurden zwar im Ausland produziert, aber über ostbelgische Händler bestellt und vertrieben. Somit wurden sie nicht im Ausland, sondern im Inland gekauft. Zum Zeitpunkt der Bestellung war kein uns bekannter Anbieter aus Ostbelgien in der Lage, Stoffmasken herzustellen. Eine Ausnahme stellte die Alternative dar, bei der wir zu Beginn der Krise Stoffmasken und später Schürzen konzipiert und herstellen ließen. Zum damaligen Zeitpunkt hatte der Föderalstaat, der für die Anschaffung von Schutzmaterial für die Ärzte und Pfleger zuständig ist, keine Masken an die Gesundheitsdienstleister verteilt. Bekanntermaßen haben wir deshalb selbst Schutzmaterial bestellt. Bis zur Lieferung hatten wir deshalb mit der Alternative an einem Plan B für die Dienstleister gearbeitet. Die Alternative hat sehr gute Arbeit geleistet und ein gutes Notfallprodukt produziert. Allerdings hätten sie nicht zeitig eine derartige Menge an Masken liefern können, wie wir sie bei Polytex und Rom bestellt haben. Sie hätten fast 1,5 Jahre gebraucht, um die ca. 340.000 Masken herzustellen. Die meisten Gemeinden in Belgien und der Föderalstaat selbst haben ihre Masken nicht in Belgien herstellen lassen. Die Mengen, die benötigt wurden, waren für eine kurzfristige Lieferung zu groß.
 
2., 3. & 4.) Wie ich Ihnen schon in der Regierungskontrolle vom 1. Juli in Beantwortung einer Frage zu dem Thema Stoffmasken mitgeteilt habe, hat der Bund selbst dieses Produkt nicht kritisiert! Wir befinden uns eben nicht im medizinischen Bereich.
 
5.) Die Antwort Ihrer Frage finden Sie im Grenz-Echo Artikel vom 18. Mai 2020**: „Ein Händler hatte womöglich diesen Zusatz aufnähen lassen. Polytex entdeckte den Aufnäher in einer der Lieferungen. Die Masken waren aber vergriffen. In Deutschland brach Hektik aus. Sogar die Bundeswehr fuhr aus und sicherte sich diese Stoffmaske in den deutschen Depots, ohne eine Bestellung aufzugeben. Wir entschieden also, die Maske mit dem falschen Aufnäher zu verteilen und druckten einen Hinweis aus, dass das kein FFP2-Standard ist. Die eingearbeiteten Materialien sorgen für einen hohen Schutz.“
Ich lege Ihnen nahe, besagten Artikel durchzulesen.
Wir haben in einer außergewöhnlichen Situation nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, um die Bevölkerung zeitig im Mai, parallel zu dem Anstieg und dem Lockdown, mit einem Startpaket auszustatten. Weder waren wir verpflichtet, so zu handeln, noch hatte der Föderalstaat uns rechtzeitig darum gebeten. Das Produkt dient dem Schutz der anderen gemäß dem Sinne von sogenannten „Community Masks“. Auf dem mitgelieferten Beipackzettel war aber vermerkt, dass diese Maske nicht den FFP2-Standard erfüllt und nicht im medizinischen Bereich verwendet werden sollte.
 
6.) Die Antwort auf Ihre Frage finden Sie auf folgender Internetseite wieder: https://www.info-coronavirus.be/de/mundschutz/
Dort steht:
Eine Schutzmaske wird nur Personen empfohlen, die sie auf korrekte Weise tragen können. Dies gilt also nicht für:
• Kleinkinder, die mit der Maske nicht korrekt umgehen können,
• Personen mit gesundheitlichen Problemen, bei denen das Tragen einer Maske kontraindiziert ist.
Auch möchte ich an dieser Stelle wiederholen, dass eine Mundschutzmaske allein die anderen Sicherheitsmaßnahmen nicht ersetzt.
Bei Fragen können Bürger immer Kontakt mit mir aufnehmen. Meine Antwort wird sich dann nach dem aktuellen Wissens- und Kenntnisstand, sowie nach der individuellen Situation der Person richten.
Hauptkontakt für medizinische Fragen bleibt allerdings, wie immer, der Hausarzt.
 
 
*https://www.grenzecho.net/36116/artikel/2020-05-18/antoniadis-die-zwei-masken-sind-ein-startpaket? referer=%2Farchives%2Frecherche%3Fdatefilter%3Dlastyear%26sort%3Ddate%2520desc%26word%3DMasken%2520rom 
**https://www.grenzecho.net/art/d-20200517-GG7Q1G?referer=%2Farchives%2Frecherche%3Fdatefilter%3 Dlastyear%26sort%3Ddate%2520desc%26word%3DMasken%2520rom 
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