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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 64

3. August 2020 – Frage von D. Stiel an Herrn Minister Mollers bezüglich der gesundheitsschädigenden Wirkung von Desinfektionsmitteln

Welche Desinfektionsmittel für die Hände werden in den Schulen und Kindergärten der DG benutzt?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Diana Stiel (Vivant), vom 23. Juni 2020:
 
Laut einem Artikel des SWR vom 29.4.2020 warnt der wissenschaftliche Leiter des Hamburger Umwelt Instituts (HUI), Michael Braungart vor dem massiven Gebrauch von Desinfektionsmitteln.
Man habe jahrzehntelang daran gearbeitet, giftige Lösungsmittel aus Farben, Lacken und Klebstoffen herauszubekommen und nun würden Menschen Desinsfektionsmittel "kanisterweise" mit ins Haus bringen und einatmen. Damit würden wir die Gesundheit mehr schädigen, statt sie zu schützen.
Isopropanol meist Bestandteil der Desinfektionsmittel zerstöre Mikroorganismen auf der Haut, trockne die Haut aus und könne Grundlage für Dermatosen und Entzündungen sein. Laut Braungart, werden die Hände spröde, rissig und die gesunde Hautflora würde ruiniert, sodass der Nährboden für Viren gelegt sei.
Desweiteren können Lösungsmittel in den Desinfektionsmitteln Asthma auslösen und die Lunge schädigen und gewisse Geruchsstoffe könnten Krebs erzeugen.
Er ist ebenfalls der Meinung, dass sorgfältiges Händewaschen mit Kernseife in der derzeitigen Pandemie völlig ausreiche. In Ausnahmefällen können desinfizierende Gels eingesetzt werden, jedoch nicht um das Händewaschen zu ersetzen.
Wir denken ebenfalls, dass gründliches Händewaschen mit einer ph-neutralen Seife oder Kernseife ausreicht. Desinfektionsmittel sind vor allem in Krankenhäusern nicht wegzudenken, um die Risiken einer Infektion zu minimieren. Doch zeigen auch die unterschiedlichsten Krankheitserreger mittlerweile Resistenzen gegenüber Desinfektionsmittel. Aus diesem Grunde haben sie in Schulen nichts zu suchen und sollten auf sensible Bereiche beschränkt bleiben.
Laut der Umweltexpertin am Schweizerischen Ökotoxzentrum, Marion Junghans, wirkt sich der große Einsatz der Desinfektionsmittel auch auf die Umwelt aus. Beim Händewaschen gelangt ein Teil der Gifte ins Abwasser und einige seien sehr giftig für Wasserorganismen.
 
Hierzu lauten meine Fragen:
1. Welche Desinfektionsmittel für die Hände werden in den Schulen und Kindergärten der DG benutzt?
2. Welche anderen Desinfektionsmittel (Boden, Sanitär, usw.) werden in den Schulen eingesetzt?
3. Beinhalten diese Stoffe Isopropanol? Welche Inhaltsstoffe sind in den Desinfektionsmitteln an den Schulen zu finden? Bitte alle auflisten, indem Sie zwischen Hand, Boden- und Sanitärdesinfektion unterschieden werden.
4. Wo werden diese Desinfektionsmittel für die Schulen gekauft? Wo werden Sie hergestellt? Bitte nennen Sie uns die Marke?
5. Wie oft müssen sich die Schüler in den hiesigen Schulen täglich die Hände desinfizieren?
6. Welche Menge an Desinfektionsmittel wurden in den letzten drei Monaten angekauft und auf welche Höhe belaufen sich die Kosten?

Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:

In den FAQ Bildung und Kinderbetreuung (www.ostbelgienbildung.be) wird bereits ganz zu Beginn auf die allgemeinen Hygieneregeln und das regelmäßige Wachen mit Seife hingewiesen. Zum wiederaufgenommenen Schulbetrieb wird in den FAQ zur Handhygiene
zusätzlich sensibilisiert und angewiesen, dass sich alle Schüler und alle Personalmitglieder die Hände mit Wasser und Seife waschen müssen:
 
• beim Betreten der Schule,
• beim Betreten des Klassenzimmers (nach der Pause),
• nach dem Toilettenbesuch,
• nach dem Husten und Niesen,
• nach dem Bedienen von Getränke- und Snackautomaten und
• vor dem Verlassen der Schule
 
Ebenfalls wird in den FAQ auf die Handhygiene in den Toiletten und die regelmäßige Reinigung der Klassen und Sanitäranlagen explizit hingewiesen. Auch in den Toiletten wird Handwaschseife und Papierhandtuch empfohlen.
Über einen Leitfaden zur Reinigung in den Schulen wurde den Schulen eine Empfehlung übermittelt als Hilfe zur Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen. Darin enthalten sind u.a. Richtlinien und Empfehlungen zu den zu verwendenden Reinigungsmitte ln und Utensilien sowie zur Handwaschseife, die idealerweise ein EU-Umweltzeichen „EU Ecolabel“ besitzen sollte und folgende Kriterien erfüllt:
 
• frei von Farb- und Duftstoffen
• pH hautneutral
• schützt vor Austrocknung
• minimale Auswirkungen auf das Wasserökosystem
 
Für die Verwendung der Desinfektionsmittel wurde in dem Leitfaden dazu aufgefordert, die Einstufung der Produktart strikt zu beachten. Hier wurde klar unterschieden zwischen Produkten zur Hände- und Hautdesinfektion und Desinfektionsmitteln für Oberflächen - mit dem zusätzlichen Hinweis, dass DETTOL oder Bleichwasser nicht erlaubt sind.
Um nicht nur die Flächenreinigung in den Schulen bestmöglich zu unterstützen, sondern auch dafür Sorge zu tragen, dass an Orten, an denen ein Händewaschen nicht möglich ist, Handdesinfektionsmittel zur Verfügung stehen und darüber hinaus  die Lehrer die Möglichkeit haben, Arbeitsmaterial korrekt zu reinigen, habe ich mich dafür eingesetzt, dass all dieses Material den Schulen bereitgestellt wird.
Am Eingang des Schulgebäudes zum Beispiel ist es aus Gründen der Organisation und der Infrastruktur an den meisten Schulen undenkbar, dass sich jeder Schüler gründlich die Hände mit Seife wäscht. An dieser Stelle halte ich die Benutzung eines Desinfektionsspenders zur Handhygiene für gerechtfertigt und unbedenklich.
 
Ich teile also Ihre Meinung und ich habe mich dafür ausgesprochen, dass sorgfältiges Händewaschen mit Seife eine ausreichende Maßnahme ist und dass die Handdesinfektion eine Ausnahme sein muss.
Gerne gehe ich im Detail auf Ihre Fragen zu den Desinfektionsmitteln ein:
Alcogel HY1066 wurde an die Schulen des FSU und des GUW sowie auf Nachfrage an die Schulen des OSU geliefert.
Ob Schulen eigenständig Desinfektionsmittel zur Handhygiene beschafft haben und ob diese zum Einsatz kamen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Für die Flächendesinfektion von Kontaktflächen wurde an alle Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft Apesin Swift ausgeliefert. Dieses Mittel dient nicht der täglichen Grundreinigung der Klasse, sondern der punktuellen Reinigung von Arbeitsmaterialien und dem Arbeitsplatz während des Schulbetriebs. Es wurde zusätzlich davon abgeraten, dieses Mittel für die Hände zu benutzen.
 
Für einen Corona-Verdachtsfall wurde den Schulen Suma Bac D10 zur Verfügung gestellt. Ob dieses Desinfektionsmittel zum Einsatz kam, ist mir nicht bekannt.
Ob Schulen eigenständig Desinfektionsmittel zur Flächenreinigung beschafft haben und ob diese zum Einsatz kamen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Im Einzelnen finden Sie hier die Inhaltsstoffe der jeweiligen Desinfektionsmittel, die an die Schulen geliefert wurden:
 
• Alcogel (Handdesinfektionsmittel):
o </= 80% Ethanol
o 600 mg/m³ Methylethylketon
o 424 mg/m³ Isopropanol
• Apesin Swift (Flächendesinfektionsmittel):
o >/= 70% - < 80% Ethanol
o >/= 2% - < 5% Propan-2-OL
 
• Suma Bac D10 (Flächendesinfektionsmittel im Corona-Verdachtsfall):
o 30% Alkyldimethylbenzylammoniumchlorid
o 30% Alkylalkoholethoxylat
o 33% Natriumcarbonat
 
Informationen zu Inhaltsstoffe von Desinfektionsmitteln, die eventuell eigenständig durch Schulen gekauft wurden, liegen nicht vor.
Im Einzelnen finden Sie hier die Angaben zu den Herstellern der jeweiligen Produkte:
 
• Alcogel:
o Lieferant: Labo WTC
o Hersteller: Greenline Industrial
o Herstellungsort: Fleurus
o Marke: Labo WTC
 
• Apesin Swift:
o Lieferant: ProEquip
o Hersteller: Reymerkink
o Herstellungsort: Niederlande
o Marke: Werner & Mertz Professional
 
• Suma Bac D10:
o Lieferant: ProEquip
o Hersteller: DIVERSEY EUROPE OPERATIONS B.V.
o Herstellungsort: Niederlande
o Marke: Diversey
 
Herstellerangaben von Desinfektionsmitteln, die eigenständig durch Schulen gekauft wurden, liegen nicht vor.
In oben erwähntem Leitfaden wurde den Schulen empfohlen, dass sich die Kinder und Schüler am Eingang zur Schule die Hände desinfizieren. Dazu wurden die dazugehörigen Spender vorgesehen. Innerhalb des Schulgebäudes allerdings ist die Handhygiene mit Wasser und Seife stets zu bevorzugen, bspw. beim Betreten des Klassenzimmers, nach der Pause, nach dem Toilettenbesuch, nach dem Husten und Niesen, nach dem Bedienen von Getränke- und Snackautomaten und vor dem Verlassen der Schule.
 
Die praktische Umsetzung der Handhygiene liegt in der Verantwortung der Schulen.
Die Angaben zu den einzelnen Produkten sind wie folgt:

• Alcogel:  10.000 Flaschen für insgesamt 94.380,00€  inkl. MwSt. (21%)
• Apesin Swift: 2.000 Flaschen für insgesamt 14.762,00€ inkl. MwSt. (21%)
• Suma Bac D10: 156 Flaschen für insgesamt 2.357,61€ inkl.  MwSt. (21%)
Menge und Preise der Desinfektionsmittel, die eigenständig durch Schulen gekauft wurden, liegen nicht vor.
 
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