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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 69

3. August 2020 – Frage von D. Stiel an Herrn Minister Antoniadis zu Babybesuchen auf den Wochenstationen in der DG

Haben Sie Kenntnis davon, ob die beiden hiesigen Krankenhäuser in Erwägung ziehen, die Besuchszeiten auf den Wochenstationen zu verbieten oder zu reduzieren?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Diana Stiel (Vivant), vom 27. Juli 2020:
 
Laut eines Berichts des BRF und des GrenzEchos vom 3. Juli dieses Jahres könnten Babybesuche auf der Wochenstation bald Geschichte sein.
Marlene Reyns, die Vorsitzende des flämischen Hebammen-Verbands äußerte gegenüber der VRT, dass Besuche von Familie oder Freunden direkt nach der Geburt oft eine Last und Ursache von unnötigem Stress seien und dass Eltern erst einmal zur Ruhe kommen sollten. In der Corona-Zeit seien die Eltern viel entspannter gewesen, da Babybesuche im Krankenhaus nicht erlaubt waren.
Mehrere Kliniken erwägen nun, solche Besuche auch in Zukunft nicht zuzulassen oder zumindest zu beschränken. Innerhalb der Flämischen Gesellschaft für Gynäkologie werden diese Pläne schon diskutiert.
Wir von der Vivant-Fraktion stehen dieser Idee trotz augenscheinlicher Vorteile kritisch gegenüber. Sollte nicht jeder selbst darüber entscheiden können, ob er Besuche im Krankenhaus empfangen möchte oder nicht?
Anstatt Verbote auszusprechen, könnte dieses Thema in den Geburtsvorbereitungskursen angesprochen werden. Hier könnten den werdenden Eltern dann die Vor- und Nachteile einer besuchsfreien Wochenstation erklärt werden, und dann sollte jeder für sich selbst entscheiden.
Wir alle sind eigenständige Bürger und die Privatsphäre darf nicht von einzelnen Entscheidungsträgern beschnitten werden. Hier sollten die Eltern frei entscheiden dürfen. Denn was für den Einen gut ist, kann dem Anderen schaden.
In der Corona-Krise konnten die Großeltern oftmals die neuen Erdenbürger nur über Bilder oder Videos begrüßen, ein Zustand, der für einige schwer zu ertragen war. Soll dies auch nach der Corona-Krise das zukünftige Modell unserer Gesellschaft sein?
In unseren Augen würde ein Verbot zu "Social Distancing" innerhalb von Familien und Angehörigen sowie zur Bevormundung von mündigen Bürgern führen.
Zwischen 2010 und 2012 wurde von Experten ein Konzept für die Familienpolitik der DG auf die Beine gestellt. Das FPGK (Familienpolitisches Gesamtkonzept) möchte einen Beitrag dazu leisten, Müttern, Vätern und Kindern Wohlergehen und ein familienfreundliches Leben zu ermöglichen.
 
Vor diesem Hintergrund lauten meine Frage an Sie wie folgt:
1. Haben Sie Kenntnis davon, ob die beiden hiesigen Krankenhäuser in Erwägung ziehen, die Besuchszeiten auf den Wochenstationen zu verbieten oder zu reduzieren?
2. Was würden Sie als Gesundheitsminister der DG den beiden Krankenhäusern für die Zukunft anraten?

Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:
 
Meines Wissens verfolgen die beiden Krankenhäuser in Ostbelgien keine derartigen Pläne.
Auch wenn ich der Meinung bin, dass fest verankerte gesellschaftliche Konventionen in einigen Fällen Druck auf die jungen Eltern ausüben könnten, was den Besuch im Krankenhaus betrifft, so bin ich der festen Überzeugung, dass den Eltern die Entscheidung obliegen sollte, den Besuch von Familie und Freunden in der Wochenstation zu gestatten.
Gründe, die für ein Besuchsverbot sprechen, können hingegen der Gesundheitszustand der Mutter oder des Säuglings sein oder die drohende Gefahr des Ausbruchs einer Infektion in einem Krankenhaus. Ich finde daher, dass der Vergleich mit der Handhabung während der ersten Coronawelle, die die Abgeordnete anstelle, nicht gerechtfertigt ist.
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