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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 320

10. September 2020 – Frage von A. Jerusalem an Minister MOLLERS zu Energiejägern in der Schule – Generation Zero Watt

­Welche thematischen Schwerpunkte umfasst das Leader-Projekt “Generation Zero Watt”?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 
 
Frage von Andreas Jerusalem (Ecolo):
 
Ein spanisches Sprichwort besagt: “Gewohnheiten sind zuerst Spinnweben, dann Drähte.” Haben wir uns Gewohnheiten einmal angeeignet, sind sie schwer wieder loszuwerden, zu durchtrennen. Manche Gewohnheiten können sehr positiv sein: ein geregelter Tagesablauf reduziert Stress, der Einkauf im gewohnten Geschäft spart Zeit und feste Rituale, wie ein Gutenachtkuss, sorgen für Sicherheit und Wohlempfinden. 
Doch es gibt auch schlechte Gewohnheiten, zum Beispiel den sorglosen Umgang mit der Energie.
Damit die zukünftigen Generationen dieser Marotte möglichst erst gar nicht verfallen, begleitet die Genossenschaft Courant d’Air seit mehreren Jahren das Leader-Projekt “Generation Zero Watt”, über das das GrenzEcho am 19. August berichtete. Ziel dieses Projektes ist es, den Energieverbrauch am Schulstandort zu senken und die Kinder durch die Sensibilisierung zu einem bewussteren Energieverbrauch im Alltag zu motivieren. Die wichtigen Impulse sollen dabei vor allem vonseiten der Kinder selbst kommen.
 
Bislang nahmen stets Primarschulklassen an dem Projekt teil, das ausgehend von den gemachten Erfahrungen stets weiterentwickelt wurde. 
An insgesamt drei Pilotschulen in den Gemeinden Amel, Büllingen und St. Vith soll das Projekt nun aber sogar auf die gesamte Schule ausgedehnt werden.
Fiorenza Boccali von Coranu d’Air erklärt dazu im GrenzEcho: “War es zuvor so, dass eine Pilotklasse – meist in den höheren Stufen der Grundschule – mit ihrem Lehrer auf Energiejagd ging, so soll diese nun auf die komplette Schule und damit auch auf das komplette Kollegium ausgedehnt werden. Auch die Gemeinden werden aktiv in diese Sensibilisierungsaktion einbezogen und sollen ihre Zusammenarbeit mit den Schulen in Sachen Energie proaktiv gestalten. Dieses Zusatzprojekt wird von der Wallonischen Region und der EU unterstützt. Den beteiligten Schulen winken Prämien, die umso höher sind, je mehr sie sich engagieren.”
 
Ein tolles Projekt, das die Notwendigkeit der Energiewende verdeutlicht und Antworten auf die damit verbundenen Fragen liefert. Außerdem werden alle hiesigen Beteiligten Akteure angesprochen: die Schülerinnen und Schüler sowie das Personal der Schulen, die Schulträger, aber auch die politisch Verantwortlichen auf Gemeindeebene. Da diese mindestens bei der Bezuschussung auf die DG angewiesen sind, richtet sich der Appell über Umwege also auch an die Regierung der DG. 
 
Zum Leader-Projekt “Generation Zero Watt” habe ich folgende Fragen:
- Welche thematischen Schwerpunkte umfasst das Leader-Projekt “Generation Zero Watt”?
- Wie viele Schülerinnen und Schüler wurden in den vergangenen Jahren “auf Energiejagd” geschickt?
- Die Förderung der Wallonischen Region ist bis zum Jahr 2021 zugesagt. Wie sieht die Zukunft des Projektes über diesen Zeitraum hinaus aus?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Kolleginnen und Kollegen,
 
das Projekt der 2009 gegründeten Genossenschaft Courant d’Air mit Sitz in Elsenborn richtet sich an 10-13-jährige Schüler.  
Über verschiedene Animationen eignen sie sich Wissen an über Energiequellen, Energieumwandlung beispielsweise durch Windräder, unsere Abhängigkeit von Erdölerzeugnissen und die Folgen eines unbedachten Umgangs mit Energie für die Umwelt. 
Nach diesen Erkenntnissen machen die Schüler eine Bestandsaufnahme des Energieverbrauchs in ihrer Schule, hauptsächlich der Stromnutzung, und ermitteln Einsparpotential. 
Da die Gemeinden eingebunden sind, können die Schüler im Anschluss an das Projekt den Stromverbrauch während der Projektlaufzeit mit dem Stromverbrauch der vorhergehenden Jahre vergleichen. 
Erklärtes Ziel ist, den Energieverbrauch der Schule um mindestens 10 % zu senken. Das Projekt sensibilisiert die Kinder und Heranwachsenden als zukünftige Entscheidungsträger und Akteure der Gesellschaft für einen sparsamen Umgang mit der Energie, indem ihr Schulgebäude zum Ausgangspunkt für die Animationsinhalte und die damit zusammenhängenden Überlegungen gemacht wird.
Das Projekt startete im Jahr 2016. 
Die ersten vier Schulen Amel, Born, Deidenberg und Rocherath freuten sich über gute Ergebnisse mit einer durchschnittlichen Einsparung von 20 % beim Strom und 20 % bei der Heizung. 
Die Schule Born zeichnet sich durch Einsparungen von je 28 % und 25 % besonders aus.
Im Schuljahr 2017-2018 ist die Generation Zero Watt Gemeinschaft um 11 Schulen aus allen 5 Gemeinden im Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft gewachsen. Die September-Animation im Jahr 2018 erfreute sich großer Beliebtheit und war mit 414 Schülern und 50 erwachsenen Begleitern erfolgreicher denn je (263 waren es im Jahr 2017 und 136 in 2016).
In der Bewertung von 15 teilnehmenden Schulen in 2018-2019 über einen Zeitraum von 16 Monaten wurden durchschnittlich 22 % Strom und insgesamt 6.124 Liter Heizöl eingespart.
Das Jahr 2018 hat auch die Knüpfung neuer Kontakte für Kooperationen mit sich gebracht:
ein Wirtschaftsprojekt mit dem Institut Notre Dame de Malmedy, um die Arbeit mit Sekundarschülern zu vertiefen und
eine Zusammenarbeit mit den Energiedetektiven der Gemeinde Eupen, die seit mehreren Jahren an zwei Grundschulen aktiv sind, um über pädagogische Herangehensweisen auszutauschen. 
Ursprünglich auf die fünf Gemeinden im Süden Ostbelgiens beschränkt, ist Generation Zero Watt seit 2018 auch in Lontzen, Eupen und Raeren aktiv. 
Insgesamt werden mittlerweile 36 ostbelgische Schulen betreut. 
Das Projekt erreicht mit drei Ausnahmen (zwei kleine und eine große Schule) alle Grundschulen in den fünf südlichen Gemeinden, alle Grundschulen in Lontzen und eine der vier Schulen in der Gemeinde Raeren.
Courant d’Air erhielt im Oktober 2015 unter Federführung der LAG (Lokale Aktionsgruppe) „100 Dörfer - 1 Zukunft“ und der WFG (Wirtschaftsförderungsgesellschaft) die finanzielle Unterstützung der Wallonischen Region und der Europäischen Union zur Umsetzung des LEADER-Projektes „Die Energiejagd: Die Jagd auf die Energiefresser“. 
Das Pilotprojekt wurde zuerst für 5 Jahre von der Wallonischen Region bezuschusst. Diese Bezuschussung, die 2021 enden sollte, wurde aufgrund der Corona-Pandemie um ein Jahr verlängert. 
Da es sich aber um Zuschüsse für Pilotprojekte (LEADER-Projekte) handelt, ist noch nicht klar, ob dieses Projekt im Anschluss in der gleichen Form weitergeführt wird oder eine neue Projektskizze mit einer anderen Ausrichtung im Bereich Klima- und Umweltschutz eingereicht wird.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
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